Hinführung Ostersonntag 2025


Für die Weggemeinschaften und alle Interessierte gibt es hier jede Woche eine kurze Erklärung des Sonntagsevangeliums mit Fragen zum Weiterdenken.

Hinführung Ostersonntag, 20. 04. 2025, Joh 20,1-18
Magdalena Collinet, Leiterin Frauenreferat Diözese Innsbruck

Es ist ein sehr sinnliches Evangelium, das jedes Jahr am Ostersonntag verkündet wird. Das Evangelium der Verkündigung der Auferstehung! Eine bewegte und bewegende Bibelstelle. Deshalb lade ich heute ein zu einer Reise der Sinne:

Das kühle Gras unter ihren Füßen ist noch voller Raureif, die Luft fühlt sich kalt und feucht an. Maria hört das Rascheln in den Bäumen und Sträuchern, hört nur sich selbst atmen. In der Morgendämmerung sieht sie viele Schatten, sieht mal mehr, mal weniger. Der Stein dort vorne...ist er vor dem Grab, wo er sein sollte oder nicht? Ist es ein Schatten oder wirklich das offene Grab, dass sie da vor sich sieht? Der Schreck fährt in ihre Glieder und sie bleibt stehen, als sie erkennt, dass ihre Augen nicht lügen. Der Stein ist weggerollt, das Grab steht offen.
Die beiden Jünger, die sie holt, können es zuerst auch nicht glauben. Sie vergewissern sich nicht nur mit ihren Augen, sie gehen ganz hinein in das Grab. Viele „Hinweise" finden sie dort – die Leinenbinden, das Schweißtuch an einer besonderen Stelle, das leere Grab. Welchen Geruch nehmen sie wahr? Ich stelle mir den Geruch einer leeren, kalten Höhle vor. Ein Ort, wo Leere spürbar ist und wo es nach Einsamkeit riecht. Hier ist niemand mehr.

Die Leere des Grabes und die Einsamkeit der Jünger*innen seit dem Tod Jesu äußert sich bei Maria nun endlich – im Geschmack der Tränen. Das Weinen um einen geliebten Menschen verschließt die übrigen Sinne in gewisser Weise. Die Augen sind geschlossen, die Nase verstopft, die Ohren hören nur das eigene Weinen, aber keine Geräusche mehr von außen. Oft ist es schwierig, mit gutgemeinten, leisen gemurmelten Worten durch die Wand der Tränen zur Trauernden durch-zu-kommen. Vielleicht stützt sich Maria mit einer Hand am kalten Stein, am Grabstein ab. Die Kälte des Steins entspricht der Kälte in ihrer Seele.

Durchbrochen wird diese Szene der Trauer durch eine einfache Frage. „Frau, warum weinst du?" Gestellt wird diese Frage von zwei Engeln, die im Grab sitzen, als wären sie schon immer da gewesen. Für unsere nachösterlichen Augen und Ohren ist doch spätestens jetzt alles klar: Da ist ein weggerollter Stein, ein leeres Grab, zwei Engel, die die Leerstelle Jesu markieren – einer sitzt am Kopf- und der andere am Fußende, dazwischen sollte Jesus liegen. Heute, vor allem heute am Ostersonntag können wir sagen: Das schreit ja geradezu nach Auferstehung! Für Maria Magdalena aber nicht. Ihr Blick ist durch die Trauer, den Tod und ganz banal gesagt, wegen ihrer Tränen verschleiert und sie sieht nicht richtig. Dann wendet sie sich um, ihr Blick geht aus dem Grab – dem Ort des Todes – hin zum Garten, dem Ort des Lebens und sie sieht einen Mann, der auf sie wie der Gärtner wirkt. Das Frage-Antwort-Spiel wiederholt sich nun zwischen Jesus, dem Gärtner und Maria aus Magdala. Doch ein einziges Wort ändert schließlich alles: „Maria!" Die Frau hört ihren Namen und mir scheint, ihr Körper versteht alles schneller als ihr Geist. Ihr Körper reagiert schlicht und einfach auf das Hören ihres Namens aus seinem Mund, durch seine Stimme, den altbekannten Tonfall. UND: Sie hält ihn fest. Der Vermisste wurde gefunden! Sie kann ihn spüren, das Leben riechen, sie hört nicht nur ihren eigenen, sondern auch seinen Atem! Der Geschmack von Tränen auf ihrer Zunge ist alles, was von der Trauer geblieben ist. Jetzt rinnen Freudentränen über ihre Wangen. Sie hat ihn gefunden und sie wird ihn nie mehr loslassen.

Dass es so einfach nicht funktioniert, wissen erfahrene Bibelleser:innen genauso wie erfahrene Lebenskünstler:innen. Verstorbene sind uns weiterhin nah, auch nach ihrem Tod, aber die Beziehung zu ihnen muss sich ändern. Es ist nicht mehr so, wie es einmal war. Auch Maria Magdalena muss loslassen – „Halte mich nicht – manche Übersetzungen sagen auch: Halte mich nicht länger fest." Es gab also einen kurzen Moment, in dem sie ihn festhalten durfte, sie hatte Zeit, sich umzugewöhnen, sich an diesen neuen Jesus zu gewöhnen. Sie muss ihn nicht körperlich festhalten, aber sie nimmt ihn in ihrem Herzen mit, wenn sie zu den anderen Jünger:innen geht und seine Auferstehung verkündet.

So eine Zeit der Gewöhnung ist jeder und jedem von uns gegönnt. Wenn du einen geliebten Menschen verloren hast, wenn du eine schwere Nachricht zu verdauen hast, wenn du es dieses Jahr noch nicht in die Osterfreude geschafft hast oder es dir schon wieder zu viel um Hasen und Eier und zu wenig um Jesus und Auferstehung geht. Nimm dir einen Moment Zeit. Lass deinen Geist nachkommen, lass deinen Körper alles fühlen, was du fühlst, alles hören und sehen, was dir gut tut. Lass dir die Erzählungen von Auferstehung und wiedergewonnener Freude auf der Zunge zergehen. Lass dir das Leben schmecken!

 

 

Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der missionarischen Pastoral der

Diözese Innsbruck, www.geistreich.tirol

 

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Kategorie: Hinführung, Lesejahr C

Datum: 14.04.2025

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