Hinführung 5. Fastensonntag 2025


Für die Weggemeinschaften und alle Interessierte gibt es hier jede Woche eine kurze Erklärung des Sonntagsevangeliums mit Fragen zum Weiterdenken.

Hinführung 5. Fastensonntag im Jahreskreis, 06.04.2025, Joh 8, 1–11
Magdalena Collinet, Leiterin Frauenreferat Diözese Innsbruck

Die Situation ist stark aufgeladen am frühen Morgen im Tempel von Jerusalem. Die Schriftgelehrten und Pharisäer bringen eine Frau, die beim Ehebruch ertappt worden war. Sie stellen die Frau in die Mitte. Da steht sie nun die Frau, die uns Bibelleser:innen heute nur als „die Ehebrecherin" bekannt ist. Wir haben keinen Namen und keine Geschichte, diese eine Sünde, dieser Fehltritt ist alles, was wir von ihr wissen. Der dazugehörige Ehebrecher taucht nicht auf. Jesus war ein klarer Verfechter der lebenslangen Ehe. Er sah sie vor allem als Schutz für die Frauen an. Ohne den Schutz eines männlichen Verwandten oder des Ehemannes waren Frauen meist ohne Geld und Obdach. Jesus hat stets die Schwächeren im Blick, die Ausgegrenzten, die Ungesehenen. Was aus deren Perspektive hilfreich ist, das macht er zum ethischen Maßstab. Und so schützt er auch diese Frau, die gegen seinen ethischen Maßstab gehandelt hat – Wut und Vergeltung sind nicht die Antwort, sondern Erbarmen und Vergebung.

Die Frau steht in der Mitte, aber sie ist nicht das Zentrum der Erzählung. Eigentlich ist sie eine bloße Randfigur, die von den Pharisäern missbraucht wird, um Jesus vorzuführen. Sie wollen, dass er sich öffentlich gegen das Gesetz Mose äußert und sie ihn so wegen Nichtbeachtung des Gesetzes anklagen können. Auf der anderen Seite würde er sich – wenn er die Steinigung befürwortet – bei der römischen Behörde schuldig machen, die es dem jüdischen Volk nicht erlaubte, Todesstrafen eigenhändig zu beschließen und auszuführen. Es ist eine Zwickmühle und eine äußerst angespannte Situation, in der es um Leben und Tod geht. Doch Jesus bleibt ruhig sitzen und schreibt mit dem Finger in den Sand. Ich stelle mir vor, wie alle Anwesenden von der Frau weg und hin zu Jesus schauen und auf seine Reaktion warten. Und er sagt einfach nichts. Er schreibt oder zeichnet in den Sand und gibt allen damit die Möglichkeit durchzuatmen. Er nimmt der Situation die Schärfe.

„Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie." – mehr sagt er nicht, mehr ist auch nicht nötig. Eine wütende Gruppe, eine ängstliche Frau in der Mitte und ein ruhiger Jesus, der zur Selbstreflexion einlädt. Und so löst sich die Menge auf.

Die Erzählung ist nicht aus der Zeit gefallen, sondern höchst aktuell. In Österreich sind bis Ende März 2025 bereits vier Frauen ermordet worden. Frauen werden immer noch – weltweit und auch in Österreich – Opfer von häuslicher Gewalt, von schwerer körperlicher Gewalt und von Mord. Jede dritte Frau ist in Österreich ab ihrem 15. Lebensjahr körperlicher und/oder sexueller Gewalt ausgesetzt, das ergab eine Befragung der Statistik Austria. Monatlich werden in Österreich im Schnitt drei Frauen ermordet, zählt der Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF). Die Täter stehen häufig in einem Beziehungs- oder Familienverhältnis zum Opfer und haben nicht gelernt, Konflikte gewaltfrei zu lösen. Gewalt von Männern gegen Frauen gibt es in allen sozialen Schichten, Nationen, Familienverhältnissen und Berufsgruppen. Morde an Frauen werden auch als Femizide bezeichnet. Der Begriff soll ausdrücken, dass hinter diesen Morden oft keine individuellen, sondern gesamtgesellschaftliche Probleme wie die Abwertung von Frauen und patriarchale Rollenbilder stehen. Auch das zeigt uns Jesus in der biblischen Erzählung: Es geht nicht um die Frau oder den Ehebruch, nicht um ihre gesellschaftliche Stellung oder ihre Herkunft – wir alle sind gefragt, an einer Gesellschaft mitzubauen, die allen Menschen ein Leben ohne Schmerz ermöglicht.

Fragen:

  • Wann habe ich zuletzt erlebt, dass ein Mensch verurteilt wird und sich viele gegen eine Person gestellt haben? Wie habe ich in der Situation reagiert?
  • Wie kann ich Konflikte in meinem Umfeld und in mir selbst deeskalieren?

 

 

Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der missionarischen Pastoral der

Diözese Innsbruck, www.geistreich.tirol

 

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Kategorie: Hinführung, Lesejahr C

Datum: 31.03.2025

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