Hinführung 4. Fastensonntag 2025


Für die Weggemeinschaften und alle Interessierte gibt es hier jede Woche eine kurze Erklärung des Sonntagsevangeliums mit Fragen zum Weiterdenken.

Hinführung 4. Fastensonntag im Jahreskreis, 30.03.2025, Lk 15,1-3.11-32
Dominik Höchtl, Pastoralassistent Citypastoral

Zwei ungleiche Brüder auf einem Landgut im Israel des 1. Jahrhunderts. Vor meinem inneren Auge zeichnet sich eine Szene ab, vom Älteren der beiden als einem Menschen, der sein Leben lang bereits Verantwortung hat zeigen müssen. Vielleicht hat er als kleines Kind schon auf den Bruder aufpassen müssen, während die Familie mit der Landarbeit Sorge trug für das tägliche Brot. Vielleicht hat ihn das ruhig werden lassen – zu einem vorbildlichen, gewissenhaften, pflichttreuen Bruder und Sohn... während der Kleinere noch ein bisschen länger Kind sein darf, ehe auch sie beide zur Feldarbeit müssen. Wo aber bleibt das Kind im älteren Bruder?

Sie werden erwachsen: Der ältere Bruder ganz der Arbeit am Feld verpflichtet – „für die Familie muss gesorgt werden!" – und auch der Jüngere ist erwachsen geworden, er ist nicht untätig, er hilft, wo er kann, aber in ihm wächst eine Unzufriedenheit... Noch kann er sie nicht wirklich benennen, aber etwas stimmt nicht... Ich stelle mir vor, wie er einmal den älteren Bruder fragen möchte, um Rat oder auch nur darum, wie es diesem wohl geht, ob wohl auch er eine Unzufriedenheit spüren würde; nach einem Wunsch vielleicht, auch etwas anderes auszuleben als die Gebote des Vaters zu befolgen. Und ich stelle mir vor, wie der Ältere nicht verstünde, wie er ungeduldig würde, seine Gesichtszüge sich verhärteten und er sich abwenden würde, vielleicht nur sagt: „Es ist, was wir tun. Was wir immer schon getan haben! Für die Familie muss man sorgen, sie muss leben!" Aber eine kleine, ganz leise Stimme muss im jüngeren Bruder geblieben sein: „Ich möchte aber auch leben..."

So geht der Jüngere eines Tages seinem eigenen Leben nach. Er „packte [...] alles zusammen und zog in ein fernes Land..." Er flüchtet in die Freiheit und wir stehen bald darauf am Ende unserer Evangeliumsstelle, an der der ältere Bruder zusieht, wie der Vater ein Fest für den jungen Ausreißer abhält und es in ihm hochkocht: „Mein Leben lang, habe ich geschaut, auf diesen Kleinen da, auf die Familie, gearbeitet, nach Punkt und Komma das Gebot gehalten! Nie habe ich mir die Freiheit genommen, auch nur ein einziges Fest zu feiern mit meinen Freunden!"
Und ich beginne etwas anderes zu verstehen: Nicht um gerecht oder ungerecht geht es. Wenn ich auf den älteren Sohn schaue, geht es gar nicht so sehr um den Jüngeren – er mag verloren und wiedergefunden worden sein. Wo aber ist die Kindheit des älteren als er hätte Kind sein dürfen müssen? Wo war die Sehnsucht nach Lust und Schönheit, nach einem Fest im Leben als er bei der Arbeit am Feld stand? Kann es sein, dass der ältere Sohn sich selbst schon viel früher verloren hat?

Ich glaube, in diesem Moment, als er wütend vor dem Vater steht, hat er sich selbst für einen Moment gefunden. Endlich spricht er aus, was er will, was seine Bedürfnisse wären. Und der Vater? Als wäre es völlig selbstverständlich, dass sich der Sohn auch nehmen dürfe, was er brauche und wolle, spricht er davon: „was mein ist, ist auch dein", sagt damit doch auch: „Du hast recht, gönn' dir doch auch ein bisschen was, von dem, was wir haben! Genieße auch die schönen Dinge im Leben!", und fordert den Sohn geradezu auf, ein Fest zu feiern – wer würde ihn auch daran hindern, in der Vergangenheit, in der Zukunft oder jetzt gerade, da sein Bruder wieder da ist.

Fragen:

  • Wann ist es mir zuletzt einmal nur um mich gegangen? Wie habe ich für das sorgen können, was ich will?
  • Was hindert mich immer einmal wieder daran, auch auf mich schauen zu können?

 

Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der missionarischen Pastoral der

Diözese Innsbruck, www.geistreich.tirol

 

Hier als PDF

 

 

Kategorie: Hinführung, Lesejahr C

Datum: 24.03.2025

Teilen

Anschrift

Diözese Innsbruck
ZUKUNFT.glauben
Riedgasse 9-11
A-6020 Innsbruck
 
Öffnungszeiten Büro
Mo-Di 08:30 - 11:30 Uhr
Do 08:30 - 11:30 Uhr

zukunft.glauben@dibk.at
Tel.: +43 512 2230 9603 

Impulse

HINFÜHRUNGEN - Erhalte jeden Montag eine kurze Hinführung und drei Fragen zum Evangelium des folgenden Sonntags.

zur Anmeldung

BEWEGUNGSMELDER - Erhalte Informationen über Veranstaltungen in der Diözese und deren Erneuerungsbewegungen 

zur Anmeldung

Infoscreen

Suchen ...

... und finden

GEISTreich - Diözese Innsbruck    
ImpressumLinksammlungDatenschutzKontakt

powered by webEdition CMS