Hinführung 3. Fastensonntag im Jahreskreis, 23.03.2025,
Dominik Höchtl, Pastoralassistent Citypastoral
Nach dreimonatiger Grundausbildung im Rettungswesen, in der Einsätze erprobt, Handgriffe und Techniken eingeübt und in der Praxis begleitet werden, steht die Sanitäter-Prüfung an. Der Praxisteil der Prüfung dürfte kein Problem sein – nach so oftmaliger Wiederholung. Der Kandidat betritt den Raum und steht vor jenem Prüfer, mit dem er in der Ausbildung bereits Konflikte hatte. Ein Missverständnis und eine unglückliche Zusammenarbeit prägen das Klima zwischen ihnen. Dem Prüfling werden die Knie weich. Es passiert, was passieren muss – eine Routine-Handlung wird zum falschen Handgriff, der Prüfer erhebt sich und beginnt den Kandidaten nach Strich und Faden auszuschimpfen. Die Prüfung geht weiter, doch der Kandidat – völlig am Ende – hat ein Blackout; in der nächsten Übung vergisst er vollends, wie oder überhaupt was zu tun ist. Er improvisiert – und scheitert kläglich.
Was in dieser Szene passiert, ist eine Verurteilung, die sagt: „Du bist schlecht!", und darin bereits ankündigt: „Du wirst das nicht schaffen!" Der Prüfungskandidat fühlt sich schlecht bewertet noch ehe er einen Handgriff setzt und es wundert nicht, dass dieser daneben geht. Die Strafe folgt auf den Fuß und die Negativspirale nimmt ihren Lauf.
Lukas wagt eine Gegenerzählung, weil er weiß, was zur Umkehr nötig ist – nicht die Verurteilung anderer, sondern das ansetzen bei den eigenen Ressourcen; nicht der Blick in die Vergangenheit mit ihren Fehlern und schlechten Gewissen, sondern der Blick in die Zukunft mit ihren vielen Perspektiven. Und er wird noch deutlicher im Gleichnis vom Feigenbaum am Weinberg: Nicht der Feigenbaum ist schlecht, doch offenbar steht er in einem Umfeld, in einem Grund und Boden, in dem er einfach nicht besser wachsen kann. Wie würde dieser Winzer für den Prüfungskandidaten in unserer kleinen Szene einstehen? Wie würde er sich vor ihn stellen und den Prüfer hinweisen: „Schau mal, wie er sich müht, wie er dieselbe Übung schon seit Wochen gut erledigt! Und schau wie nervös und aufgeregt er ist, weil er Angst vor genau dieser Schelte hat! Setz dich wieder, lass ihn durchatmen und sich sammeln und dann schauen wir weiter!"
Es ist ein Winzer, der an das Gegenüber glaubt und ihm dadurch erst eine Zukunft gibt. Ein Winzer, der sagt: „Ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen. Vielleicht trägt er in Zukunft Früchte." (Lk 13,9)
Fragen:
Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der missionarischen Pastoral der
Diözese Innsbruck, www.geistreich.tirol
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Kategorie: Hinführung, Lesejahr C
Datum: 18.03.2025
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