Hinführung 8. Sonntag im Jahreskreis, 02.03.2025, Lk 6,39-45
Dominik Höchtl, Pastoralassistent Citypastoral
Was ist es, das uns am anderen ärgert? Wann beginnt uns der Splitter im Auge des anderen zu bewegen, wo er doch – könnte man sagen – gar nichts mit uns zu tun hat?
Es mag eine Szene sein, wie diese: Eine Studentin, die mit Asylwerbern arbeitet, steht einer Gruppe jugendlicher Albaner gegenüber. Einige von ihnen sagen: „Ich will eine Lehrlingsstelle.", und etwas kommt in der Studentin in Wallung. „Ich will eine Lehrlingsstelle." – Wie überheblich! Als könnte man sich einfach alles nehmen, was man will! Und überhaupt: Du willst etwas – bring' dich doch erst einmal ein!
Die Studentin beginnt sich zu ärgern. Es genügt ein kleiner Satz, in dem etwas anklingt, das in der Studentin ganz groß wird, ein Splitter vielleicht nur zunächst – in der Hörerin wird er zum Balken. Und mit einem Mal wächst Unverständnis zwischen ihr und der Gruppe – oder ist es gar schon Abneigung? Sie bleibt bei diesem Splitter, bei diesem „Ich will..." des Asylwerbers und nennt es Überheblichkeit. Und je mehr sie sich ärgert, desto größer wird der Splitter, wird zum Balken und rumort und mehr und mehr wird er zu einem: „Was bildest du dir ein? Einfach so zu wollen, wollen, wollen!"
Doch Stopp! Halten wir diese Dynamik einmal kurz an! Was ist hier wirklich passiert? Es war doch nur ein Satz, ein Wunsch, der formuliert wurde. Dieser kleine Satz – könnte man sagen – hat doch gar nichts mit der Studentin zu tun? Doch er hat etwas angerührt in ihr, was schon immer da war. In einem Therapiekurs kommt ihr die Szene wieder in den Sinn, doch erkennt sie etwas „Altes, Vergessenes" darin: „Ich durfte nie ich will sagen, sondern nur ich möchte. So haßte ich diese jungen Albaner für das, was ich an mir selbst hassen gelernt hatte." (Die Szene ist in ihren Grundzügen entnommen aus: Gruen, Arno, Der Fremde in uns. Was uns abhanden kam und wofür wir uns heimlich hassen, Zürich 2001, S. 8-9.)
Die Studentin lernt den eigenen Balken in ihrem Auge sehen – nicht als einen Fehler an ihr, aber als eine Verletzung aus Kindertagen. Und sie erblickt das kleine Mädchen, das sie war, das ihre Wünsche zum Ausdruck gebracht hat und schon wird sie gescholten. Vielleicht wird sich ihr Blick auf dieses Mädchen wandeln? Vielleicht kann er einmal mit Milde sprechen, kann ihr Blick sehen, wie die Eltern sie hierin verletzt haben und einmal anerkennend sagen: „Das ist es – du willst das wirklich! So sehr wünschst du dir das!" Ein milder Blick, der sagt, das ist ok, du darfst für das eintreten, was du willst! Ob es erfüllbar ist, steht auf einem anderen Blatt, doch du darfst dafür einstehen! Und was zuvor verhasst war, kann zum guten Schatz ihres Herzens werden, das Gutes hervorbringt und zu lieben lernt, wie man sich selbst auch liebt (Vgl. Lk 10,27). „Denn wovon das Herz überfließt, davon spricht sein Mund." (Lk 6,45)
Fragen:
Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der missionarischen Pastoral der
Diözese Innsbruck, www.geistreich.tirol
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Kategorie: Hinführung, Lesejahr C
Datum: 24.02.2025
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