Hinführung 7. Sonntag im Jahreskreis


Für die Weggemeinschaften und alle Interessierte gibt es hier jede Woche eine kurze Erklärung des Sonntagsevangeliums mit Fragen zum Weiterdenken.

Hinführung 7. Sonntag im Jahreskreis, 23.02.2025, Lk. 6,27-38
Claudia Hubert, Fachreferentin ZUKUNFT.glauben

Ich finde das heutige Evangelium sehr fordernd bzw. schon überfordernd.

„Wie ihr wollt, dass euch die Menschen tun sollen, das tut auch ihr ihnen!", – das mag ja noch gehen. Aber liebt eure Feinde? Betet für die, die euch verfluchen? Haltet auch die andere Wange hin? Leiht auch denen, die nichts zurückzahlen können? Gebt ohne zurückzuverlangen? Klar, diese Bereitschaft soll die Christen von anderen Menschen unterscheiden. Aber verlangt Jesus da nicht zu viel? Überfordern wir uns nicht damit?

Die Schlüsselsätze sind für mich die folgenden Verse:
„Dann wird euer Lohn groß sein und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn auch er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen. Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!"

Hier wird eine Aussage über Gott gemacht. Er liebt alle Menschen, sorgt sich um sie, ist barmherzig gegenüber allen – und verlangt nichts zurück. Er ist einfach Liebe. Diese bedingungslose Liebe darf ich annehmen, aus ihr heraus leben. Sie gibt mir die Kraft in bestimmten Situationen die andere Wange hinzuhalten, zu geben, ohne zurückzuerhalten, meine Feinde zu lieben, Schuld zu erlassen. Dann ist es kein „Muss" sondern ein „ich gebe diese Liebe, die ich empfangen habe, weiter". Dann richte ich nicht und bin barmherzig, weil ich selbst dies erfahren habe.

Das ist dann der Unterschied, der zwischen den Christen und den Heiden bzw. Sündern sichtbar wird. Aber nicht: „ich tue all dies, was Jesus sagt, um kein Sünder sondern ein Christ zu sein", sondern: „weil ich Christ bin – aus der Beziehung mit Gott lebe – handle ich so und werde so als Christ erkennbar". Auf diesem Weg werden die Forderungen des heutigen Evangeliums für mich lebbar(er).

Und noch eines wird in den zitierten Versen deutlich: Gott erkennt das Unheil, den „er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen". Es ist also keine Gleichmacherei, im Sinne von: „ist schon nicht so schlimm". Doch trotz des Unrechts und Undankbarkeit lässt Gott sich von seiner Liebe und Güte nicht abbringen. Für mich heißt das: ich sehe Unrecht als solches auch an, nehme es wahr. Die Frage ist aber, wie gehe ich damit um. Bleibe ich da stehen und breche dadurch Beziehungen ab? Ver-Urteile ich den anderen? Oder aber mache ich einen extra Schritt auf den anderen zu, halte die Tür offen, bleibe in Beziehung mit ihm. Diese Frage gilt es sich in den verschiedenen Situationen des Lebens zu stellen und immer wieder neu eine Antwort auf sie zu finden. Eine pauschale Lösung gibt es nicht.

Gott liebt jede:n einzelne:n von uns bedingungslos. In diesem Evangelium zeigt uns Jesus ganz konkret, wohin uns das Leben in und aus dieser bedingungslosen Liebe Gottes heraus führen kann.


Fragen zum Weiterdenken:

  1. Wie geht es mir mit den Forderungen Jesu im heutigen Evangelium?
  2. Wo bin ich den „extra Schritt" gegangen? Wie ist es mir damit gegangen?

 

Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der missionarischen Pastoral der

Diözese Innsbruck, www.geistreich.tirol

Hier als PDF

 

 

Kategorie: Hinführung, Lesejahr C

Datum: 17.02.2025

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