Hinführung 6. Sonntag im Jahreskreis, 16.02.2025, Lk. 6,17.20-26
Claudia Hubert, Fachreferentin ZUKUNFT.glauben
Das heutige Evangelium besitzt zwei Ebenen auf denen man es verstehen kann: auf der sozialen und der geistlichen, religiösen Ebene.
Zur Zeit Jesu war Reichtum fast immer nur durch Ausbeutung, Ungerechtigkeit, Willkür und teilweise auch Raub möglich. Armut war somit nicht Frucht von Faulheit sondern der ungerechten Verhältnisse und Sozialstrukturen. Eine Gesellschaft, die sich an Gott und seinem Wort ausrichtet sollte im Gegensatz dazu, zu einem Ausgleich beitragen, Missstände ausräumen und die Verantwortlichen dieser zur Rechenschaft ziehen. Wenn Jesus also die Armen seligpreist, dann erkennt er ihre unverschuldete Not an. Und die Wehrufe ermahnen Ungerechtigkeiten zu beseitigen – in dem Rahmen in dem man dies tun kann.
Die Zweite Ebene ist die geistliche Verstehensweise. Hier sind Armut und Reichtum im religiösen Sinne zu verstehen. Wenn ich meine, zu wissen wer Gott ist, oder meine, mich zurücklehnen zu können, da ich ja ein frommer Christ bin, oder denke, durch meine guten Taten Gottes Liebe und Wohlwollen mir verdient zu haben, dann habe ich eigentlich nichts verstanden. Denn vor Gott sind wir alle arm. Wir sind Geschöpfe, begrenzt, fehlerhaft, mit Schwächen. Ich besitze nicht alles, bin bedürftig und auf die Hilfe anderer angewiesen. Doch diese meine Armseligkeit muss mich nicht deprimieren. Denn ich weiß: ich bin von Gott geliebt. Er liebt mich mit einer vorauseilenden Liebe, auf die ich dann versuchen kann zu antworten. Verdienen kann und muss ich sie nicht. Er gibt mir, was ich brauche, lässt mir Hilfe zuteilwerden. Wenn ich diese meine Armut annehmen kann; und die mir geschenkte, grenzenlose Liebe Gottes zu mir und den anderen, dann finde ich eine Sicherheit und tröstende Gewissheit im Leben. Dann bin ich selig – nämlich „wohlgeartet, gut und glücklich", weil ich -Geschöpf - aus und in der Beziehung mit Gott lebe; mich von Ihm geliebt weiß.
Und noch ein Gedanke kommt mir, wenn ich an das „Arm-Sein" denke: wenn ich arm bin, besitze ich nicht alles und bleibe so auf der Suche. In Bezug auf Gott heißt das für mich: ich bin immer auf der Suche nach Gott, Seinem Wirken in meinem Leben; mein Verständnis von Ihm wandelt sich und darf sich wandeln. Ich kann Ihn nie ganz erfassen. D.h. auch: ich kann auch von den Gotteserfahrungen anderer lernen, von ihrem Glaubensleben. Das lässt mich offen bleiben.
Zusammenfassend kann ich vielleicht sagen: Arm sein bedeutet im geistlichen Sinne demütig sein – aber nicht im katzbuckligen Sinne: ich bin Ebenbild Gottes, habe eine enorme Würde, bin von Ihm bedingungslos angenommen und geliebt, darf vor Ihm stehen mit erhobenem Haupt – aber wissend, dass ich dennoch Geschöpf bin; Geschöpf sein darf.
Fragen:
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Diözese Innsbruck, www.geistreich.tirol
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Kategorie: Hinführung, Lesejahr C
Datum: 11.02.2025
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