Hinführung Fest der Hlg. Familie, 29.12.2024, Lk. 2,41-52.
Claudia Hubert, Fachreferentin ZUKUNFT.glauben
Jesus geht verloren
Der Albtraum eines jeden Elternteils, Gruppenleiters, Lehrperson oder Pädagogen:in : ein Kind geht verloren. Panisches Suchen, sich das Schlimmste Ausmahlen, Hoffen, das alles gut ausgeht, Erleichterung, wenn man es wiedergefunden hat. Wer kann sich nicht in die im Evangelium erzählte Begebenheit hineinversetzten.
Mich hat ein Gedanke des Evangeliums nicht mehr losgelassen: Maria und Josef haben Jesus verloren. Geht mir das nicht manchmal auch so, dass ich Jesus (aus den Augen) „verliere"?
Wie Maria und Josef denke ich auch oft, er ist doch ganz selbstverständlich dabei, auf dem Weg – bei ihnen nachhause nach Nazareth, bei mir auf meinem Lebensweg. Und dann gibt es Momente, wo ich merke: hoppla, ich kann ihn nicht mehr finden. Ich suche ihn und kann ihn nicht finden. Auch das Nachfragen bei anderen Mitreisenden bringt nichts. Ich „sehe" ihn nicht mehr, spüre ihn nicht mehr, „höre" ihn nicht mehr in mir. Mir macht diese Textstelle wieder deutlich, dass Beziehungen nie ein „Selbst-Läufer" sind. Sie gehören gepflegt, erneuert, sie brauchen Zeit und Aufmerksamkeit, das Mit-einander-ein-Stück-Weg-gehen. Auch die Beziehung mit Gott braucht dies. Dass müssen keine großen Zeitfenster am Tag sein. Manchmal reicht schon ein mir-Bewusst-Machen, mit wem ich da unterwegs sein will und dass Er mit mir unterwegs ist – ein Gott innerlich „zublinzeln" eben.
Was machen die Eltern Jesu, als sie merken, dass Jesus verloren gegangen ist? Sie gehen zum Ausgangspunkt zurück, um dort eine neue Suche zu beginnen. Sie finden ihn nicht sofort, sondern suchen ganze drei Tage lang – für Eltern eine ewig lange Zeite. Auch ich finde ihn nicht immer sofort wieder. Manchmal braucht es Zeit, bis er sich finden lässt. Wichtig ist: dran bleiben! Weitersuchen! Nicht aufgeben! Er ist ja da, irgendwo – ich seh' ihn nur gerade nicht!
Finden tuen Maria und Josef ihn schließlich im Tempel unter den Schriftgelehrten. Was ist mein „Tempel", wo finde ich Jesus wieder? Für mich sind das die verschiedensten „Orte": Sicher kann dies im Besuch einer Kirche, im Mitfeiern eines Gottesdienstes oder im Lesen der Heiligen Schrift sein. Aber eben auch im Erinnern an Momente, wo ich Gott, seine Nähe und seine Liebe erfahren habe; Orte an denen er präsent ist (bspw. in der Natur); im Gespräch mit Menschen, die die Gabe haben, mich zu ihm zu führen; im mit Gott Streiten, Schimpfen und Klagen; in allem Negativen, weil er durch sein Menschwerden und Leiden am Kreuz, weiß, wie es sich anfühlt; im mich Ihm Zuwenden, auch wenn Er mir weit weg scheint; im Glauben daran, dass Er einfach (für mich) da ist – egal was meine Gefühle gerade sagen; in dem „was meines Vaters ist" – d.h. in jedem kleinen Zeichen des Wohlwollens und der Nächstenliebe, welches ich geschenkt bekomme und selber schenken kann.
Am Ende geht Jesus mit ihnen nach Hause und „ war ihnen gehorsam (...) [und] wuchs heran und seine Weisheit nahm zu". Jesus wächst heran. Ich weiß, meine nun folgende Deutung ist exegetisch nicht das gelbe vom Ei, aber ich habe nach solchen „Krisen-Momenten", nach dem Gott-Suchen (und wiederfinden) immer wieder das Gefühl, dass die Beziehung mit ihm gewachsen ist – gerade durch das krisenhafte. Die Beziehung ist stärker oder tiefer als zuvor. Das lässt mich in gewissem Sinne dankbar für die Zeit der Suche werden.
Und so wünsche ich dir für das kommende Jahr, viel Ausdauer bei der Suche nach Gott und viel Freude beim Ihn-Finden!!!
Fragen zum Weiterdenken:
Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der missionarischen Pastoral der
Diözese Innsbruck, www.geistreich.tirol
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Kategorie: Hinführung, Lesejahr B
Datum: 23.12.2024
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