Hinführung Christkönigs-Sonntag, 24.11.2024, Joh. 18, 33b – 37
Natalie Markreiter Organisationsassistentin Zukunft.Glauben
Das Königreich einer ganz anderen Art
Nun sind wir da, am Ende des Kirchenjahres und gleichzeitig am Beginn eines neuen. Dieser Tag ist besonders – Christkönigsonntag, eingesetzt anlässlich des Heiligen Jahrs 1925 und zur 1600sten Jahrfeier des Konzils von Nicäa. Das Konzil ist für uns heute noch wichtig, dort entstand das Glaubensbekenntnis, das wir heute noch – wenn auch leicht abgewandelt – beten.
Als ich mich mit diesem Fest beschäftigt habe, habe ich viel über „Wahrheiten" gelesen. Aber gehen wir in die Geschichte: Wir sind sehr weit gesprungen. Lasen wir letzte Woche noch von der Apokalypse, die Jesus verkündetet, und waren zeitlich somit direkt in den 3 Jahren, wo Jesus gewirkt hat, springen wir heute kurz vor das Ende des Lebens Jesu auf Erden. Diese Stelle kennen wir eigentlich aus den Lesungen vor Ostern. Es geht um die Szene mit Pilatus.
Jesus wurde Pilatus vorgeführt. Er musste als Statthalter von Jerusalem über die Strafe von Jesus richten. Der Hohe Rat konnte Jesus nicht selbst zum Kreuzes-Tod verurteilen. Daraus ergab sich dann ein Frage- Antwort Gespräch. Pilatus wollte von Jesus wissen, was er den getan hat. Ich lese das so: Pilatus hatte Interesse daran, ob der Königsanspruch von Jesus ihm gefährlich werden konnte. Dem hielt Jesus die Erklärung seines Königreichs entgegen. „Mein Königreich gehört nicht zu dieser Welt ... Mein Reich ist von ganz anderer Art." Ich denke Pilatus war verwundert, ihm würde der Jesus nichts wecknehmen, er stellt nicht einmal einen Anspruch auf etwas Irdisches. Deshalb erkundigte Pilatus nochmals: Also bist du doch ein König? Jesu Antwort kann in zwei Richtungen gelesen werden (je nach Übersetzung). Aber ganz gleich, ob er jetzt Pilatus beipflichtet oder ob er es als Frage stellt (die griechische Übersetzung könnte so einen Schuss zulassen) geht es mir mehr um den zweiten Teil der Antwort: „Ich bin dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme."
Bähm, hier ist sie, die Wahrheit. Aber was bedeutet das? Jeder der das Johannesevangelium kennt, weiß das Pilatus diese Frage jetzt gleich stellt, aber dazu dann mehr zu Ostern.
Für mich ist dieser Satz: „Jesus ist die Wahrheit" einer der wichtigsten Sätze meines Glaubens. Und das erkläre ich mir so. Wenn der Sohn Gottes nur dafür in die Welt gekommen ist, um den Menschen zu zeigen, wie unendlich groß die Liebe Gottes ist, dann ist das die Wahrheit. So einfach ist das, oder? Zugegeben, das lässt sich leicht sagen, schreiben oder hören, aber was macht das mit mir? Geht es jetzt darum, dass all das, was in der Bibel steht, Wahrheit = Gesetz ist? Die einfache Antwort wäre dann ein: Ja! Aber nein, das heißt es für mich eben nicht. Wahrheit ist die unendliche Liebe Gottes, die in Jesu Tod gipfelt. Durch seinen Tod und Auferstehung haben wir einen Zugang zu diesem Königreich „ganz anderer Art". Die Wahrheit ist nicht jeder geschriebenen Vers oder jedes Kapitel. für mich ist die Wahrheit das, was uns diese Verse sagen wollen: Lebt und liebt einander, so wie es Gott tut. Die Wahrheit steckt für mich im Wirken Jesu: er ist zu den Menschen am Rand der Gesellschaft gegangen, er ist der König, der auf einem Esel reitet und er ist das Opferlamm, das sich ausliefern lässt und für uns gekreuzigt wurde. Jesus ist nicht derjenige, der über die Menschen richtet. Er hört zu und betrachtet jede Situation für sich selbst. Jesus ist nicht gekommen, um Gesetzestafeln zu schreiben, aber auch nicht, um sie zu zerstören. Jesus spricht immer davon, wie wichtig die Liebe ist. Wenn ich jemanden liebe, füge ich dem kein Leid zu, oder wenigstens versuche ich es.
Kommen wir wieder zum Konzil von Nizäa, dort wurde nämlich darüber gestritten und gerungen, wie das jetzt ist mit dieser Trinität – wie das jetzt ist mit Jesu Anspruch auf seine Gottessohnschaft. Daraus hat sich ein Glaubensbekenntnis entfaltet, dass uns sagt:
"Und an den einen Herrn Jesus Christus, den Sohn Gottes,
der als Einziggeborener aus dem Vater gezeugt ist, das heißt: aus dem Wesen des Vaters,
Gott aus Gott, Licht aus Licht, wahrer Gott aus wahrem Gott,
gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater (homoousion to patri);
durch den alles geworden ist, was im Himmel und was auf Erden ist;
der für uns Menschen und wegen unseres Heils herabgestiegen und Fleisch geworden ist,
Mensch geworden ist, gelitten hat und am dritten Tage auferstanden ist,
aufgestiegen ist zum Himmel, kommen wird um die Lebenden und die Toten zu richten"
(Auszug aus dem Bekenntnis von Nicäa)
Unsere Theologie besagt es: Jesus ist Gottes Sohn und dadurch ist alles, was er sagt „Wahrheit". Eine Wahrheit, die keiner Bestätigung braucht, eine Wahrheit, die nicht auf der Welt wiederlegt werden muss, sondern die Wahrheit über einen Weg – den Weg in das Königreich einer ganz anderen Art!
Und somit endet meine Hinführung so wie sie begonnen hat: am Beginn eines neuen Heiligen Jahres ...
Du willst mehr über das Heilige Jahr erfahren? – schau hier vorbei.
Fragen zum Weiterdenken:
Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der missionarischen Pastoral der
Diözese Innsbruck, www.geistreich.tirol
Hier als PDF
Kategorie: Hinführung, Lesejahr B
Datum: 18.11.2024
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