32. Sonntag im Jahreskreis


Für die Weggemeinschaften und alle Interessierte gibt es hier jede Woche eine kurze Erklärung des Sonntagsevangeliums mit Fragen zum Weiterdenken.

Hinführung 32. Sonntag im Jahreskreis, 10.11.2024, Mk. 12,38-44
Natalie Margreiter, Organisationsreferentin Zukunft.Glauben

In diesem Evangelium werden zwei Gesellschaftsgruppen der damaligen Zeit gegenübergestellt.

Auf der einen Seite stehen die Schriftgelehrten. Männer die die Tora und die Schriften, die Gesetze und die Traditionen der jüdischen Gesellschaft kannten und lehrten. Sie kannten sie so gut, dass sie glaubten, etwas „Besonderes" zu sein. Ich habe mich in den letzten Tagen viel mit der Persona des Schriftgelehrten auseinandergesetzt. War das eine „Berufsgruppe", konnte das „jeder" werden oder galt gar ein Geburtsrecht auf diesen Posten? Ich habe keine genaue Antwort auf diese Frage gefunden, aber einigen wir uns darauf: Sie verkörperten ihre Position auch im Auftreten nach außen. Sie trugen lange Gewänder, philosophierten am Vorplatz der Synagoge und suchten sich die besten Plätze aus. Auch besuchten diese Männer die angesprochenen Witwen. Frauen, die ein schweres Los zu dieser Zeit hatte, nicht nur, weil sie allein waren. Wenn man sich vorstellt, wie die Stellung der Frau damals noch war, dann hatten diese Gruppe weder Zugang zu Geld, noch zur Bildung und „Stand". Wie muss man sich vorstellen, wie diese Schriftgelehrten mit den Witwen umgegangen sind? Sicherlich haben sie mit ihnen geredet und gebetet, gingen in ihre Häuser und sprachen ihnen gut zu und erklärten ihnen die Schriften. Aber was half das den Frauen?

Jesus stellt der „besonderen" Gruppe genau diese „armen" Witwen entgegen. In seinem Gleichnis geht es darum, zu zeigen, was der einzelne Mensch bereit ist zu geben. Es geht nicht um Geld, sondern um Opferbereitschaft. Wenn ich das auf mein Heute beziehe, dann komme ich schnell auf eine Ressource in meinen Leben, die ich nicht gerne gebe. Meine Zeit.

Versteht mich nicht falsch, die Gläubigen zur damaligen Zeit hatten per Gesetz das 10. abzugeben, jeder nach seinen Möglichkeiten. Dennoch sind wir uns einig, jemand der viel hat, dem tut ein bisschen nicht weh, jemand der wenig, bis nichts hat, dem schmerzt es. Aber warum machten die Frauen es trotzdem?

Da komme ich wieder zu mir. Es geht uns allen gleich, der Spruch - „Zeit hat man nicht, die nimmt man sich" - , das ist ein Credo, das ich immer wieder höre und auch selbst sage. In der ganzen Hektik im Alltag, dem Druck der Gesellschaft, dem jeder ausgesetzt ist, ist es schwierig sich einzuteilen. Es geht ja nicht darum, sich selbst zu überfordern und überall ja zu sagen. Mir geht es darum, meiner Zeit auch einen Sinn zu geben. Deshalb „opfere" ich mich in den verschiedenen Diensten in dieser Gesellschaft. Ich bin bereit ein Stück von mir abzugeben, weil ich davon überzeugt bin, dass nur ein Miteinander uns weiterbringt.

So radikal wie Jesus uns in dieser Stelle das „Geben" aufzeigt, schaffe ich es auch nicht, es umzusetzen. Ich bin nicht bereit alles zu geben und mich voll aufzuopfern - das schaffe ich nicht. Und trotzdem denke ich, dass es um die Einstellung dahinter geht, es geht um den Glauben an das Gute.

Die verschiedenen Gegenüberstellungen in der Bibel sind oft Schwarz und Weiß – viel gegen wenig, wissen gegen kein wissen. So will man uns aufwecken, um darüber nachzudenken, was mein Anteil in dieser Geschichte ist.

 

Wo stehst du?

 

 

 

Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der missionarischen Pastoral der

Diözese Innsbruck, www.geistreich.tirol

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Kategorie: Hinführung, Lesejahr B

Datum: 04.11.2024

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