Hinführung 31. Sonntag im Jahreskreis, 03.11.2024, Mk. 12,28b-34
Natalie Margreiter, Organisationsreferentin Zukunft.Glauben
„Das, was du nicht willst, dass man dir tut, tu keinen anderen an."
Als ich gefragt wurde, ob ich die Hinführungen im November übernehmen wolle, dachte ich zuerst: „Was kann ich schon zum Evangelium sagen". Dennoch schaute ich mir, neugierig wie ich bin, die Texte an und musste mit staunen erkennen, dass es sich wirklich lohnt auch einmal über seine selbstgesetzten Grenzen zu gehen.
Im Evangelium vom 03.11. wird eine „Diskussion" mit Jesus beschrieben. Jesus ist in Jerusalem im Tempel und redet mit den Schriftgelehrten über Gott. Die Schriftgelehrten wollen von Jesus wissen, was er über Gott und seine Gebote zu sagen hat. Ich habe mich als aller erstes gefragt, waren da nur die Schriftgelehrten oder warn da auch noch „normale" Gläubige dabei?
Aber was ist schon „normal"? Ich war vor kurzem auf einer Tagung von Theologen zweier Fachbereiche. Es ging darum, was wir auch noch 60 Jahre nach dem 2. Vatikanischen Konzil lernen können, oder besser, wo wir das da beschlossenen noch immer nicht umsetzten. Eine interessante Auseinandersetzung von hochkarätigen „Gelehrten". Am ersten Abend war mein Kopf so voll, dass ich glaubte: Ich verstehe das ja so oder so nicht. So viele Fachbegriffe, so viele Zusammenhänge, die ich nicht in den Kontext bringen konnte. Ich lies mich schließlich aber doch darauf ein, es mit „Zuhören" zu versuchen. Ich versuchte mich einzulassen auf das scheinbar „komplizierte" und siehe da. Von Vortrag zu Vortrag gelang es mir mehr zu verstehen und in den Zusammenhang zu bringen. Eine der schönsten Erkenntnisse war aber die Feier einer gemeinsamen Messe. Da in der Kapelle wurde mir klar: Gott unterscheidet nicht – er teilt nicht ein in Gelehrte und Laien, er teilt nicht ein in „normal" und „besser". Dieser Gott an den ich glaube, der berührt mich, da wo ich gerade bin. Ich kann nicht alles erschließen und verstehen, bin überfordert und oft auch taub, aber das ist vor Gott egal.
Gehen wir wieder zurück zum Evangelium, Jesus braucht keine Fremdwörter, versteht aber dennoch mit Anspielungen aus dem Alten Testament (vgl. Höre, Israel) den Gelehrten verstehen zu geben, dass er die Schriften kennt, dass er sie ernst nimmt. Er erklärt ihnen aber, dass das wichtigste Gebot ist Gott zu lieben und gleich dazu kommt noch dass man den Nächsten lieben soll wie sich selbst. Nicht die Brand oder anderen Opfer sind es, was Gott „gefällt". Das versteht der Gelehrte und, so wie ich es lese, erfreut er sich.
Ich denke auch das ist das was wir tun sollen, uns an der vermeidlichen Einfachheit zu erfreuen. Oder wie schaut es bei dir aus? Gott zu lieben ist doch „einfach"? Da komme ich wieder auf meine Erzählung von der Tagung. Was heißt es Gott zu lieben? Ich habe darauf keine Antwort, weil sich die Antwort auf dies Frage für mich im Tun ergibt. Gott hat in meinen Augen alles erschaffen und ich kann ihn ehren, wenn ich die Goldene Regel einhalte: Das was du nicht willst, dass man dir tut, tu keinen anderen an. Einfach oder?
Naja so einfach ist es für mich nicht, aber das bringt zu meinen ersten Gedanken, der „normale" Gläubige im Tempel zu Jesu Zeiten wird auch überfordert gewesen sein, war vielleicht auch nicht vertraut mit den Schriften und kannte nur seine Traditionen, die eben in diesem Ort üblich waren, aber er/sie hat sicher gespürt, dass nach dieser Diskussion ein anderer Wind wehte.
Fragen zum Nachdenken:
Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der missionarischen Pastoral der
Diözese Innsbruck, www.geistreich.tirol
Hier als PDF
Kategorie: Hinführung, Lesejahr B
Datum: 28.10.2024
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