Hinführung, 29.09.2024, 26. Sonntag im Jahreskreis, Mk. 9,38-43.45.47-48.
Paulina Pieper, Akademiedozentin an der Akademie Franz Hitze Haus, Münster
„Wer nicht gegen uns ist, der ist für uns."
Die Jünger:innen versuchen andere daran zu hindern, im Namen Jesu zu handeln. Das scheint zunächst naheliegend und sinnvoll, bedenkt man, dass im Namen Jesu und unter Berufung auf den Willen Gottes oft genug schreckliche Taten vollbracht, Kriege geführt, Menschen misshandelt und umgebracht worden sind. Und natürlich gilt angesichts gegenwärtiger politischer, sozialer und gesellschaftlicher Herausforderungen wieder zunehmend: Haltung zeigen ist wichtig, es gibt Fragen und Herausforderungen, in denen eine klare Positionierung unumgänglich ist. Daher hört man heutzutage häufig eher Äußerungen, die in eine andere Richtung gehen: Wir brauchen harte Prinzipien, klare Regeln und feststehende Werte. Entscheide Dich, stell Dich auf eine Seite und bleib dabei. Wenn Du nicht für uns bist, bist Du gegen uns.
Auch christliche Gemeinschaften und Kirchen beschäftigt sowohl im Inneren als auch in ihrem Verhältnis zu weltlichen Kräften und Strukturen, die Frage: Was müssen Menschen tun, um „mit uns" oder „für uns" zu sein? Können Menschen gut sein, auch wenn sie nicht nur Gutes tun? Dürfen Menschen christliche Werte und Grundhaltungen für sich in Anspruch nehmen, auch wenn sie sie nicht als explizit christlich markieren?
Jesus antwortete ganz klar mit JA – und seine Äußerung „Wer nicht gegen uns ist, der ist für uns" hat weitreichende Folgen. Die Jünger:innen lassen sich von einer Angst leiten, die kirchliches Handeln und Verhalten (trotz der Konzilserklärung Nostra Aetate) bis heute prägt. Jesus stellt dieser Ängstlichkeit die Freiheit Gottes gegenüber, und ruft zu Frei-Mut und Großzügigkeit auf: Es geht nicht in erster Linie darum, ob jemand sich als Christ:in bezeichnet, das Glaubensbekenntnis mitspricht, sich innerhalb der Kirche verortet oder sich zum konkreten christlichen Gottesbild bekennt. Es geht nicht immer nur darum, ob jemand sein Leben ganz und gar mit Haut und Haar in den Dienst Jesu stellt, sondern ins Gewicht fällt vor allem, ob Menschen eine Haltung der Solidarität und Menschlichkeit leben, ob sie andere, insbesondere Arme, Kranke, Ausgegrenzte mit einem liebevollen und geduldigen Blick betrachten und sich ihnen zuwenden – und letztlich zählt jede einzelne gute Tat, denn: Der Geist Gottes ist eigensinnig und er „weht, wo er will" (Joh 3,8) – und manchmal weht er eben dort, wo wir ihn kaum erwarten oder gar nicht sehen wollen.
Weiterführende Fragen:
Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der missionarischen Pastoral der
Diözese Innsbruck, www.geistreich.tirol
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Kategorie: Hinführung, Lesejahr B
Datum: 29.09.2024
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