25. Sonntag im Jahreskreis


Für die Weggemeinschaften und alle Interessierte gibt es hier jede Woche eine kurze Erklärung des Sonntagsevangeliums mit Fragen zum Weiterdenken.

Hinführung, 22.09.2024, 25. Sonntag im Jahreskreis, Mk. 9,30-37
Paulina Pieper, Akademiedozentin an der Akademie Franz Hitze Haus, Münster


„Sie schwiegen, denn sie hatten auf dem Weg darüber gesprochen, wer der Größte sei."


Man stelle sich diese Situation mal bildlich vor: Jesus erzählt den Jünger:innen davon, was ihm bevorsteht, dass er unmittelbar in die Katastrophe hineinsteuert und am Ende ihres gemeinsamen Weges der Tod auf ihn warten wird – doch die Jünger:innen verstehen nicht, was das bedeutet. Und statt ihr Unverständnis untereinander zu teilen oder bei Jesus nachzufragen, kommen sie auf ein anderes Thema: Jesus redet von Auslieferung und Tod, sie sprechen über Größe und Macht. Als Jesus nachfragt, schweigen die Jünger:innen. Vermutlich haben sie schon oft gehört, was auch für uns fast schon zur Floskel geworden ist: herrschen heißt dienen. Sie spüren, dass es Jesus nicht darum geht, der Größte zu sein, Macht auszuüben und zu herrschen – doch wirklich verstanden, was das bedeutet, haben sie (zumindest zu diesem Zeitpunkt) noch nicht. Daher gibt Jesus ihnen ein Bild an die Hand, das in der damaligen Zeit noch gut verstanden wurde: Ein Kind aufzunehmen bedeutet einerseits für die Zukunft und den Erhalt des eigenen Hauses zu sorgen, etwas von dem, was einem selbst lieb und teuer ist, weiterzugeben, auf dass es in der Welt bleibt und sich verbreitet. Andererseits ist es jedoch – gerade zur Zeit Jesu – in erster Linie ein weitgehend selbstloser Akt. Denn (vor allem fremde) Kinder waren zunächst ein Kostenfaktor, sie müssen durchgebracht und beschützt werden, benötigen Aufmerksamkeit und Zuwendung, bringen eine Menge Verantwortlichkeiten mit sich. Natürlich bereichern Kinder auch damals schon das Leben, doch sind sie in den biblischen Erzählungen in der Regel ganz und gar machtlose Wesen, die ohne Fürsprache und Anwaltschaft keinerlei Stand in der Gesellschaft hatten.


Das Kind in der Mitte der Jünger:innen soll zeigen: Wer der Idee Jesu, wie diese Welt aussehen könnte, Gestalt geben, sie umsetzen und leben möchte, der muss sich den Klein(st)en zuwenden, denen, die in der letzten Reihe und am Rand stehen. Und: Wer sich Jesus anschließt, muss schlussendlich, wie er auch, selbst zu einem der macht-losen und damit Letzten in der Gesellschaft werden.

Weiterführende Fragen:

  1. Wer ist in meinen Augen der Größte? In meiner Familie, im Freundeskreis, der Nachbarschaft, der Gemeinde...? Warum?
  2. Was bedeutet es für mich, machtlos zu sein? In welchen Situationen fühle ich mich ausgeliefert, machtlos, fremd?
  3. Welches Kind könnte ich (im übertragenen Sinne)/können wir als Gemeinde bei mir/bei uns aufnehmen? Wem kann ich/können wir dienen? Für wen in meiner/unserer Umgebung kann ich/können wir in der kommenden Zeit die Anwaltschaft übernehmen?

 

 

Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der missionarischen Pastoral der

Diözese Innsbruck, www.geistreich.tirol

Hier als PDF

 

Kategorie: Hinführung, Lesejahr B

Datum: 22.09.2024

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