Hinführung, 08.09.2024, 23. Sonntag im Jahreskreis,
Paulina Pieper, Akademiedozentin an der Akademie Franz Hitze Haus, Münster
Wenn ich Heilung suche, wende ich mich im Gebet an Gott. Ich suche die Begegnung mit ihm, möchte seine Nähe spüren. Doch manchmal glaube ich, Gott ist stumm. Ja, wirklich! Eigentlich weiß ich, dass das so nicht funktioniert: Gott ist keine Wunscherfüllungsmaschine, das zwischen mir und Gott ist kein Frage-Antwort-Spiel - und trotzdem erwarte ich manchmal, wenn ich mich an Gott wende und bete, insgeheim doch eine Antwort, eine Erklärung, ein „Okay, Du hast Recht. So machen wir es". Ich wünsche mir als Folge meines Gebets eine spürbare Begegnung mit Gott, einen Moment, in dem ich merken kann: Gott ist da.
Da Gebet aber eben in den seltensten Fällen so funktioniert, wäre es doch naheliegend, davon auszugehen, dass Gott mir einfach nicht zuhört, wenn ich mich an ihn wende, dass ihn meine Fragen und Probleme vielleicht schlicht nicht interessieren.
Wer weiß, was der gehörlose Mensch im Markusevangelium sich erhofft, als er sich mit seinem Leid an Jesus wendet. Vielleicht wünscht er sich eine Erklärung für seine Beeinträchtigung oder eine medizinische Diagnose.
Doch egal, was er erwartet: Jesus tut – ohne zu fragen – das, was er immer tut, wenn Menschen zu ihm kommen: er gibt keine Erklärungen, stellt keine Diagnosen, sondern er hilft dem Menschen, sich selbst zu heilen. Durch Wort und Tat. Er berührt die Stellen des Körpers, die vermutlich wunde Punkte für den Menschen sind, und fordert ihn auf: öffne Dich.
Als wäre das ganz leicht: sich öffnen. Als gäbe es keine Hemmungen, keine Hindernisse, keine Zweifel. Als wären da keine Verletzungen, die ihn davon abhalten könnten, sich zu zeigen und seine Ohren zu öffnen, sich aufzuschließen für das Wort Gottes, das ihn im Herzen berühren will.
Doch das Evangelium zeigt: in der Nähe Jesu ist es für diesen Menschen ganz leicht, sich zu öffnen. Er kann die wunden Punkte seines Lebens, die fehlende Fähigkeit zu hören und zu sprechen, die für ihn sicher sozialen Ausschluss und Mangel an gesellschaftlicher Teilhabe bedeuteten, auf Gott hin öffnen.
Effata - öffne Dich. Ich möchte die Aufforderung Jesu ernst nehmen und auf mein Leben anwenden. Denn mich erinnert dieses Evangelium daran, was ich tun sollte, wenn ich mich an Gott wende. Es geht nicht darum Lösungen zu diskutieren, Gott für das verantwortlich zu machen, was in meinem Leben schief läuft oder mit ihm zu streiten.
In der Begegnung mit Gott geht es darum, mich zu öffnen: zu zeigen, was in mir ist - das Gute, Wahre, Schöne, und das, was ich selber nicht gerne anschaue - und darum, mich zu öffnen für Gottes Wort, für das, was Gott mit mir und meinem Leben, mit dem, was ich ihm zeige, anfangen will.
Weiterführende Fragen:
1. Welche wunden Punkte in meinem Leben könnten Heilung gebrauchen? Wem könnte ich mich damit öffnen?
2. Welchem Menschen möchte in der nächsten Woche ein offenes Ohr schenken, damit er sich mir öffnen kann?
3. Wo gibt es in unserer Gemeinschaft oder Gemeinde, in der Nachbarschaft, im Freundeskreis in der Gesellschaft verschlossene Stellen? Wie können wir Jesus Aufforderung „Öffne Dich" als Kirche ernstnehmen und umsetzen?
Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der missionarischen Pastoral der
Diözese Innsbruck, www.geistreich.tirol
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Kategorie: Hinführung, Lesejahr B
Datum: 08.09.2024
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