Hinführung 12. Sonntag im Jahreskreis, Mk 4, 35-41
Silke Rymkuß, Referentin der Katholische Jugend
In der Auseinandersetzung der heutigen Bibelstelle durfte ich wieder diese besondere Erfahrung machen: Die Bibel hat Relevanz für mein Leben!
Was ist passiert?
Am Samstag vor den EU-Wahlen traf ich auf einen Rechtsradikalen, der klischeehafter nicht sein kann. Er ist ein gute Bekannter einer Person, die ich wertschätze. Ich bin freundlich geblieben, und als es politisch wurde, einfach gegangen. Zurück blieben Magenschmerzen und bis heute beschäftigt mich das Treffen.
Die Ergebnisse der EU-Wahl haben mich einen Tag später erst recht ins Wanken gebracht: von Unverständnis, Wut und Angst war alles in den Gefühlswellen. Aufgrund meiner Familiengeschichte weiß ich, was anti-demokratische Regime für das ganz alltägliche Leben bedeuten können.
Mein Großvater ist kurz vor Kriegsende inhaftiert worden. Er hat eine negative Bemerkung über Hitler fallen lassen und wurde von einem Nachbarn angezeigt. Mein Opa war kein politischer Mensch, kein Widerstandskämpfer. Er hatte nur ein paar Bier getrunken und dann unbedacht seinen Unmut Luft gemacht.
Eine Großtante lernte ich erst kennen als sie Rentnerin war, vorher durfte sie nicht aus der DDR ausreisen um uns zu besuchen. Meine Oma und sie sahen sich Jahrzehnte nur ganz selten.
Es ging mir also emotional nicht gut, ich war innerlich sehr aufgebracht, war gereizt. In Gedanken suchte ich immer wieder das Gespräch mit Gott. Diese Zwiegespräche und die Auseinandersetzung mit dem Markusevangelium verschafften mir wieder Stabilität und einen Handlungsvorsatz.
In Vertrauen auf Gott, haben wir die Gewissheit, dass der Sturm sich legt und die Wogen sich glätten. Wir haben natürlich nicht die Macht wie Jesus, dem der Sturm gehorcht. Wir können aber den Stürmen in uns mit guten Geschichten, Erfolgserlebnissen und Geduld begegnen. Es wird gut - wir wissen nur nicht wann. Für mich hat die aktuelle Politik Polens etwas Beruhigendes und Zuversichtliches.
Dass es wieder gut wird, dazu können auch wir etwas beitragen. Wie Jesu können wir uns zu anderen Ufern aufmachen. Er will hinüber zum nicht jüdisch besiedelten Gebiet. Er sucht wieder den Kontakt mit Menschen, die nicht aus seiner Lebenswelt stammen, um ihnen die Botschaft vom Himmelreich zu verkünden und Wunder zu wirken. (Mk 5,1-20: Die Heilung des Besessenen von Geras). Das Himmelreich Gottes auf Erden beginnt in unserem Tun. Ich habe mir vorgenommen, beim nächsten Treffen mit einem radikalisierten Menschen nicht einfach zu gehen, sondern zu fragen, warum bei ihm politische Unzufriedenheit Radikalisierung zur Folge hat.
Fragen:
Was hilft mir, wenn es stürmisch ist und ich mein Vertrauen verliere?
Wer in unserer Pfarre erlebt gerade stürmische Zeiten, z.B. wegen Krankheit, Trennung, Arbeitslosigkeit, uvm.?
Wie können wir Menschen und Familien in stürmischen Zeiten helfen und unterstützen? Tun wir dies auch bei Menschen außerhalb unserer pfarrlichen Gemeinschaft?
Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der missionarischen Pastoral der
Diözese Innsbruck, www.geistreich.tirol
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Kategorie: Hinführung, Lesejahr B
Datum: 22.06.2024
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