1. Sonntag in der Weihnachtszeit


Für die Weggemeinschaften und alle Interessierte gibt es hier jede Woche eine kurze Erklärung des Sonntagsevangeliums mit Fragen zum Weiterdenken.

1.Sonntag der Weihnachtszeit, 31.12.2023, Lk 2,22.39–40
Prof. Dr. Dominik Markl SJ, Katholische Fakultät, Institut für Bibelwissenschaften und Historische Theologie

Die Worte der Alten

Meine Oma wird damals um die neunzig gewesen sein. Sie lebte bei meiner Tante, die sie liebevoll pflegte. Damit Tante Nini sich erholen konnte, kam Oma Viktoria im Sommer für ein paar Wochen in unser Familienhaus in Sistrans. Untertags schlief sie die meiste Zeit in ihrem Lehnstuhl, sie las und sprach nur noch wenig. Wichtig war der schwarze Kater auf ihrem Schoß, den sie stundenlang streicheln konnte, ständig seinen Namen wiederholend: „Willile, mein lieber Willi". Mein Vater durchlebte gerade eine schwierige Phase. Er litt, glaube ich, unter Depressionen, ertrug seine Arbeit in der Bank nicht mehr, wollte vielleicht fliehen. Über Gefühle sprach er kaum. Die Ehekrise, die vor mir Teenie weitgehend verborgen bleiben sollte, belastete die Atmosphäre. Ohne genannt zu werden, hing das Stichwort „Trennung" in der Luft. Eines Nachmittags begann meine Oma in dieser dicken Luft schwer zu atmen und gab mir zu verstehen, mein Vater solle zu ihr kommen. Ich holte ihn herbei. Viktoria nahm die Hand ihres Schwiegersohnes, umschloss sie mit beiden Händen, schaute ihm eindringlich ins Gesicht, und sagte mit bedeutungsvollem Nicken: „Dieter..., du bist so... ein lieber... Mensch." Sie schaute ihn noch eine Zeit lang strahlend an. Mein Vater blieb zuhause. Heute, mit 85, liebt er Viktorias Tochter noch immer, auch wenn sie, seine Frau, sich nicht immer sicher ist, wer er ist, und ihn zwischendurch mit fröhlichen Augen „Muttele" nennt. Dann lächelt er sanft.

Gute Worte der Alten eröffnen Zukunft. Als Jesus von seinen Eltern in den Tempel von Jerusalem gebracht wird, nimmt der greise Prophet Simeon das Baby in die Arme und nennt es „ein Licht, das die Völker erleuchtet." Jetzt kann er in Frieden sterben. Die Prophetin Hanna, seit Jahrzehnten verwitwet und 84 Jahre alt, hört vor Begeisterung nicht auf, über das Kind zu sprechen. Interesse findet sie bei jenen, die auf eine Wende zum Guten hoffen. Jesus wächst heran, wird stark, erfüllt mit Weisheit.

Fragen zum Weiterdenken:
1. Welches gute Wort hat mir Zukunft eröffnet?
2. Welches gute Wort soll unsere Kinder ins neue Jahr begleiten?

Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der missionarischen Pastoral der
Diözese Innsbruck, www.geistreich.tirol

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Kategorie: Hinführung, Lesejahr B

Datum: 31.12.2023

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