6. Sonntag der Osterzeit (A), 14.05.2023, Joh 14,15-21, Hinführung
Paulina Pieper, Referentin der Innovationswerkstatt, Koordinatorin Denk Dich
neu
„Ihr werdet erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch. Wer
meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt." Ich tue mich, wie so oft,
schwer mit den Worten des Johannesevangeliums. Vielleicht hilft ein Blick auf die
Gesamtsituation.
Die Jünger:innen haben verstanden, dass Jesus in Zukunft nicht mehr greifbar sein
wird. Sie fragen sich, wie es dann weitergehen soll. Was machen wir, wenn unser
Meister nicht mehr da ist? Woher sollen wir wissen, wie wir uns verhalten, was wir
tun sollen?
Intuitiv glaube ich zu wissen, wie Jesus Antwort gemeint ist. Obwohl er verschwindet,
wird etwas von ihm bleiben – in dieser Welt und in den Menschen, mit denen er viel
Zeit verbracht hat.
Ich erkläre mir das so: Menschen, die mir nahestehen und mit denen ich mich
verbunden fühle, Menschen, die ich liebe, verändern etwas in mir. Sie prägen mein
Denken und Handeln, nehmen Einfluss auf die Art, wie ich mich verhalte, wie ich
anderen begegne, wie ich mit schwierigen Situationen umgehe, wie ich mein Leben
gestalten möchte. Und oft merke ich erst dann, wenn jemand nicht mehr Teil meines
Lebens ist, dass dieser Mensch einen tiefen Fußabdruck in meinem Herzen und in
meiner Seele hinterlassen hat.
Wenn Jesus von Geboten spricht, meint er nicht das unhinterfragte Einhalten von
religiösen oder moralischen Gesetzen und Regeln. Er meint nicht das Verstehen und
Festhalten an einer philosophischen Lehre.
Das wichtigste Gebot, das die Grundlage für jedes Christ-Sein bildet, lautet: „Liebe
Deinen Nächsten wie Dich selbst." Es geht um Liebe.
Es geht um die liebevolle Grundhaltung, die Jesus gegenüber allen Menschen
eingenommen und mit der er die Menschen in seinem Umfeld geprägt und verändert
hat.
Er meint nicht ein bloßes Gefühl, sondern Liebe, die sich in Beziehungen ausdrückt.
Liebe, die das Handeln und den Umgang mit meinen Mitmenschen leitet. Liebe, die
mich befähigt, immer wieder und immer neu auf Menschen zuzugehen, zu helfen und
Hilfe anzunehmen, schwierige Situationen mit anderen auszuhalten und uns mit
ihnen und für sie zu freuen.
In Anlehnung an ein bekanntes Lied lässt sich die heutige Perikope vielleicht so
zusammenfassen: Wenn wir ihm begegnen, wird Gott nicht fragen: Was hast Du
gesagt? Was hast Du alles versprochen? An welche Regeln hast Du dich gehalten?
Gottes Frage wird lauten: Was hast Du getan, wie viel hast Du geliebt und wen hast
Du geliebt?
Fragen zum Weiterdenken:
1. Welche Menschen, Figuren und Vorbilder haben meine Lebenspraxis geprägt?
2. Was heißt es für mich zu lieben?
3. Wem gegenüber möchte ich mich in nächster Zeit liebevoller verhalten?
Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der missionarischen Pastoral der
Diözese Innsbruck, www.geistreich.tirol
Hier als PDF
Hier zum Nachhören
Kategorie: Hinführung, Lesejahr A
Datum: 12.05.2023
HINFÜHRUNGEN - Erhalte jeden Montag eine kurze Hinführung und drei Fragen zum Evangelium des folgenden Sonntags.
BEWEGUNGSMELDER - Erhalte Informationen über Veranstaltungen in der Diözese und deren Erneuerungsbewegungen
... und finden
GEISTreich - Diözese Innsbruck
ImpressumLinksammlungDatenschutzKontakt