4. Sonntag im Jahreskreis (A), 29.01.2023, Mt 5,1-12a, Hinführung
Carina Mathoy, Pastoralassistentin und Lehrerin
In einer Religionsstunde habe ich meine SchülerInnen einmal gefragt: „Was verstehst du
unter einem glücklichen Leben?" Die Antworten kamen schnell und intuitiv: Erfolg haben,
eine eigene Familie gründen, ein Haus, ein Auto, ein gut bezahlter Job und Zeit für meine
FreundInnen und Hobbys. Etwas später kamen noch Gesundheit, Zufriedenheit und
Dankbarkeit hinzu. „Und was passiert, wenn dies nicht in Erfüllung geht? Wenn ich krank
werde, keine eigene Familie, kein Eigenheim, kein Auto, keinen gut bezahlten Job habe?
Habe ich dann keine Chance auf ein glückliches Leben? Beziehungsweise habe ich dann
im Leben versagt?" Ein großes Schweigen erfüllte dann den Klassenraum. Auch ich stelle
mir regelmäßig die Frage, was man unbedingt „braucht", um im Leben glücklich zu sein.
Makários – „selig" ist DAS Wort des Sonntagsevangeliums – der bekannten Bergpredigt.
Übersetzt bedeutet es so viel wie „glücklich, glückselig". Jesus setzt sich hin und beginnt
mit den Worten: „Selig, die ..." und dann passiert etwas Unerwartetes: Er stellt die
Erwartungen der Hörenden (damals und heute) auf den Kopf. Selig/glücklich sind nicht die
(Erfolg-)Reichen, Strahlenden und Mächtigen. Nein, die Armen, Trauernden, Sanftmütigen,
Barmherzigen, die reinen Herzens, Friedensstifter, Verfolgten – sie werden als
selig/glücklich bezeichnet. Heute fragen wir uns vielleicht, was so neu und anziehend für
viele Menschen am Christentum war. Einer und vielleicht der wichtigste Aspekt für mich ist
die Tatsache, dass der Mensch in seiner Ganzheit und vor allem in seiner Brüchigkeit Platz
findet. Jesu Botschaft spricht ein JA zu jedem Menschen und vermittelt die Zusage: „Gott
liebt dich – trotz aller Schuld und vor jeder Leistung". Er spricht am Berg als einer von uns,
der auch die Schattenseiten des Lebens kennt und durchschreiten musste. Aber die
jesuanische Botschaft bleibt nicht dort stehen, sie bietet eine Hoffnung, einen Ausblick, ein
„Happy End". Viele kritische Stimmen in der Geschichte haben diese Theologie als eine
Jenseitsvertröstung abgestempelt. Wie kann dieses Versprechen dennoch zu einem
glücklichen Leben verhelfen? Ich denke, dass ein glückliches Leben derjenige führt, der
auch in den schweren Stunden eine Zuversicht behält. Deshalb glaube ich auch, dass dies
der Grund ist, warum die Bergpredigt eine der bekanntesten und beliebtesten
neutestamentlichen Texte ist. Wir brauchen auch heute noch (oder besonders heute)
Hoffnungsgeschichten. Und die jesuanische Zusage: „Es wird gut!"
Fragen zum Weiterdenken:
Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der missionarischen Pastoral der
Diözese Innsbruck, www.geistreich.tirol
Hier als PDF
Hier zum Nachhören
Kategorie: Hinführung, Lesejahr A
Datum: 26.01.2023
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