Taufe des Herrn


Für die Weggemeinschaften gibt es hier jede Woche eine kurze Erklärung des Sonntagsevangeliums mit Fragen zum Weiterdenken.

 

Taufe des Herrn (A), 08.01.2023, Mt 3,13-17, Hinführung
Carina Mathoy, Pastoralassistentin und Lehrerin


Ich habe recht. Diesen indirekten Glaubenssatz vertreten wir oft in den verschiedensten
Alltagssituationen und Diskussionen. Es ist schwer zuzugeben oder zu erkennen, wenn
dies nicht der Fall sein sollte. Recht hat jeder gern – wir fühlen uns überlegen und spüren
eine gewisse Genugtuung, wenn wir bei Diskussionen gewinnen. In den heutigen
Lesungen und dem Evangelium hören wir immer wieder vom Recht und der Gerechtigkeit,
die erfüllt werden soll. Doch was passiert dann? Unsere Maßstäbe werden radikal
umgedreht. Es wird auf einen Messias gewartet, der diese Gerechtigkeit für alle Nationen
bringt. Und dann: kommt ein Kind zur Welt, in das diese ganze Hoffnung hineingelegt wird.
Wir erinnern uns an die adventliche Begegnung von Maria und Elisabeth und Johannes
und Jesus im Mutterleib. Nun wird die Geschichte mit den Erwachsengewordenen
weitergeführt: Johannes der Täufer sieht sich als Wegbereiter für den Messias, er ruft zur
Umkehr auf und seine Taufe wird als Akt der Sündenvergebung gesehen. Und da kommt
auf einmal Jesus und möchte sich von Johannes taufen lassen? Er, der ohne Sünde ist?
Die Verwirrung des Johannes ist deshalb nicht verwunderlich und auch seine Ablehnung
dies zu tun. Es wird beschrieben, dass sich nach der Taufe der Himmel auftut und eine
Stimme sagt: „Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe." (Mt
17,5) So ist dieser Akt als öffentliche Bestätigung und als Offenbarungsgeschehen zu
deuten, dass Jesus wirklich der Messias ist.
Als Gottessohn stellt er sich jedoch nicht über das Volk, er will den Menschen auf
Augenhöhe begegnen. Die Haltung Jesu ist bewundernswert. Er zeigt sich nicht als einer,
der von seinen Mitmenschen unabhängig leben möchte – er zeigt sich als einer, der mit
uns leben will und auch auf unser Tun angewiesen ist. So finden wir in den biblischen
Texten des heutigen Sonntags eine Umkehr der Verhältnisse: Die Gerechtigkeit wird nicht
brutal und gewalttätig durchgesetzt. Gottes Handeln in der Welt und an uns Menschen ist
anders: „Das geknickte Rohr zerbricht er nicht und den glimmenden Docht löscht er nicht
aus." (Jes 42,3) Auch im Handeln Jesu sehen wir das immer wieder: Er zeigt nicht mit dem
erhobenen Zeigefinger auf uns, sondern lebt uns selbst vor, wie wir handeln sollen. Die
Haltung der Sanftmut, des Respekts und der Einfachheit sollen auch seine Jüngerinnen
und Jünger einnehmen und so seine Gerechtigkeit in der Welt sichtbar machen.

Fragen zum Weiterdenken:

  • In welcher Haltung setze ich mein Recht um?
  • Wo und wie möchte ich mich für eine gerechtere Welt einsetzen?

 

Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der missionarischen Pastoral der
Diözese Innsbruck, www.geistreich.tirol

 

Hier als PDF

 

Kategorie: Hinführung, Lesejahr A

Datum: 08.01.2023

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