33. Sonntag im Jahreskreis (C), 13.11.2022, Lk 21,5-19, Hinführung
Bernhard Heindl SJ, Kirchenrektor, Jesuitenkolleg Innsbruck
Was ist ein „Sauertopf"? Eine Definition, die ich gefunden habe, lautet: „Humorloser
Mensch mit vorwurfsvoll-missvergnügter Miene". War Jesus ein Sauertopf? Da staunen
einige über die Schönheit des Tempels, bewundern die Ästhetik dieses prachtvollen Baus
und Jesus kappt die Stimmung: „Es wird eine Zeit kommen, da wird von allem, was ihr hier
seht, kein Stein auf dem andern bleiben ...". Peng, danke Jesus!
Wie würde ich auf einen Sauertopf reagieren? Ich würde das Weite suchen, ich würde
mich auf kein weiteres Gespräch mit ihm einlassen, ihm nicht noch mehre Bühne für seine
schlechte Laune eröffnen wollen.
Deshalb meine ich, Jesus war kein Sauertopf! Denn das Gespräch verebbt ja nicht. Im
Gegenteil, die, welche da eben noch schwelgten und von Jesus mit einer düsteren
Zukunftsprognose auf den Boden von anderen Tatsachen zurückgeholt wurden, sind an
seiner Meinung interessiert, fragen genauer nach: „Wann wird das geschehen, und an
welchen Zeichen wird man erkennen, dass es beginnt?"
So ernüchternd die Antwort Jesu ausfällt, indem er ein Horrorszenario auf das andere
folgen lässt, erweist er sich doch als waschechter Apokalyptiker. Biblische Apokalyptik, so
düster sie sein mag, darauf ist Verlass, der Hoffnungsstreifen am Horizont darf nicht
fehlen: Gott!
Gott, der die Seinen nicht im Stich lässt, der ihnen in aller Bedrängnis beisteht. Der ihnen
die nötigen „Worte und Weisheit" eingeben wird, um sich verteidigen zu können und der,
noch viel wichtiger, ihnen verspricht, dass er ihre Existenz nicht dem Untergang
preisgeben wird. Sie werden „das Leben gewinnen", heißt es. Das heißt für mich: Mit Blick
auf das Ende, ob der Welt oder des ganz persönlichen, sind wir nicht der Vernichtung
ausgeliefert. Wir sind in Gottes Hand geborgen, unsere Existenz wird von ihm über den
Tod hinaus beschützt.
Sauertopf, ich schenke den neuen Apokalyptikerinnen und Apokalyptikern durchaus
Glauben, wenn sie mir mit Blick auf die Erde Untergangsszenarien vor Augen stellen. Ich
leugne nicht, dass dringendster Handlungsbedarf besteht!
Ich frage mich vielmehr, wie wir als Glaubende göttliche Worte und Weisheit beitragen
können, die Hoffnung geben, die die Hoffnung nicht verlieren lassen? Wie können wir
besser kooperieren, die Apokalyptikerinnen und Apokalyptiker der Umweltbewegungen
und wir, die Glaubenden? Wie können wir Glaubensmut und -hoffnung in die notwendige
Debatte bringen: Gott hält das Universum in Händen, jedes Leben, jede Existenz ist ihm
kostbar! Jesus beharrt darauf: Letzten Endes wird denen, die Gott glauben schenken,
„kein Haar gekrümmt werden".
Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der missionarischen Pastoral der
Diözese Innsbruck, www.geistreich.tirol
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Kategorie: Hinführung, Lesejahr C
Datum: 07.11.2022
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