30. Sonntag im Jahreskreis (C), 23.10.2022, Lk 18,9-14, Hinführung
Paulina Pieper, Referentin der Innovationswerkstatt, Koordinatorin Denk Dich neu
Der Pharisäer hält sich für einen gerechten Menschen, weil er den Geboten folgt und
„nicht wie die anderen", nicht wie diejenigen ist, die ständig etwas falsch machen. Sein
Gebet erscheint dabei fast wie eine Frechheit: Ich danke Dir, dass ich nicht wie die
anderen Menschen bin. Während der Zöllner sich seiner Fehlbarkeit sehr bewusst ist, legt
der Pharisäer eine gewisse Art der Selbstgerechtigkeit an den Tag: Er glaubt, er sei durch
seine Gesetzestreue „gerechtfertigt", er denkt, er lebe sein Leben auf die rechte Art und
Weise und bedürfe weder der Güte noch der Vergebung Gottes. Vor dieser Art der
Selbstgerechtigkeit ist niemand von uns geschützt. Gerade unter praktizierenden
Christ:innen findet sich nicht selten eine Haltung, die „die anderen", also diejenigen, die
nicht regelmäßig zum Gottesdienst kommen, die anders Liturgie feiern oder sich nicht in
einer Gemeinde engagieren, belächelt oder gar abwertet. Nur, wer seinem Glauben im
kirchlichen Kontext Ausdruck verleiht, glaubt wirklich an Gott. Vielleicht tut es gut, auf den
Zöllner zu schauen, der sich seiner Fehler und Macken sehr bewusst ist, der weiß, dass er
mitunter gegen gesellschaftliche Normen und sogar Regeln verstößt, der einsieht, dass er
oft zu seinem eigenen Vorteil handelt. Denn dieser Zöllner traut sich, in all seiner
Mangelhaftigkeit vor Gott zu treten, und bittet um Gnade, um Vergebung. Er glaubt daran,
dass Gott nicht nur auf seine Fehler und auf sein Versagen, sondern auch auf sein
Bemühen schaut und gnädig mit ihm umgeht. Er vertraut nicht auf die eigene Leistung und
Gerechtigkeit, sondern darauf, dass Gott ihn annimmt – unabhängig davon, wie oft er im
Leben an eigenen und fremden Maßstäben scheitert.
Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der missionarischen Pastoral der
Diözese Innsbruck, www.geistreich.tirol
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Kategorie: Hinführung, Lesejahr C
Datum: 17.10.2022
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