16.Sonntag


Für die Weggemeinschaften gibt es hier jede Woche eine kurze Erklärung des Sonntagsevangeliums mit Fragen zum Weiterdenken.

16. Sonntag im Jahreskreis (C), 17.07.2022, Lk 10,38-42, Hinführung
Jozef Niewiadomski, emeritierter Professor für Dogmatik an der Theologischen Fakultät Innsbruck

Vom Wert der kleinen Dinge
Das bestbekannte Evangelium von Martha und Maria löst bei mir immer ein bisschen Unbehagen aus. Die sich mit einer Selbstverständlichkeit sondergleichen auf die Lippen drängende Frage darf nicht unterdrückt werden: Übersieht Jesus nicht den Wert der banal alltäglichen Mühe um das Wohlergehen des anderen Menschen? Er ist gerade doch selber durch das Gebiet der Samariter gezogen, wurde dort – bei der Suche nach einer Unterkunft – abgewiesen (Lk 9,51–56). Hat vielleicht auch deswegen ausgerechnet einen Samariter als Vorbild der Sorge um einen in Not geratenen Menschen – damit auch als „Miniatur des göttlichen Antlitzes" hingestellt (Lk 10, 25–37). Nun kommt er in ein Dorf, wird als „Überraschungsgast" im Haus einer Frau namens Martha empfangen und auch bestens bedient. Die Gastgeberin Martha ist im Stress. Ihre Bitte, die Schwester möge ihr helfen, wird von Jesus mit der viel zitierten Schelte zurückgewiesen. „Du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig". Kein Wort des Dankes für die Labung, vielmehr ein Wort der Anerkennung für Maria. Sie habe durch ihr Verhalten „das Bessere" gewählt. Die Rezeptionsgeschichte dieses Satzes reichte von der Einteilung der Ordensschwestern in zwei „Chöre" (die „Besseren", die sich der Kontemplation widmen und die „Minderwertigen", die den Alltag des Klosters schaukeln mussten) bis hin zur knallharten Religionskritik, die im Satz: „Erst das Fressen, dann die Moral" mündete. Ob die kulturelle Nichtbeachtung der täglichen Arbeit von „Hausfrauen" auch mit der Rezeption dieses Evangeliums etwas zu tun hat, sei dahingestellt.
Spannend wird es, wenn man dieses Evangelium mit dem Bericht über die Einladung zum Essen in das Haus des Pharisäers (Lk 7,36-50) in Verbindung setzt. Diese Einladung hatte wohl nur einen Zweck: der Pharisäer wollte dasselbe tun, was Maria getan hat: den Worten Jesu zuhören und sich mit Jesus unterhalten. Der wohlhabende Mann konnte nämlich getrost die Arbeiten, mit denen sich Martha abmühte, seinem Diener überlassen. Doch geht die Gleichung nicht ganz auf. Der Gastgeber hat es unterlassen, die selbstverständlichsten „Kleinstarbeiten" bei der Begrüßung eines Gastes zu verrichten und Jesus so zu empfangen und auch „zu bedienen", wie es sich gehörte. Er hat dem Gast weder das Wasser zum Fußwaschen, noch das Öl zur Erfrischung und Haarsalbung gegeben, geschweige denn, dass er ihm einen Willkommenskuss schenkte. All das holt im gewaltigen Übermaß eine namenslose Frau (die in der Rezeptionsgeschichte dieses Evangeliums meist mit Maria, der Schwester Marthas identifiziert wurde) nach. Dieser, den Liebesdienst an Jesus verrichtenden Maria gilt nun das Lob. Ich erwische mich immer wieder beim Gedanken, dass Jesus – sozusagen in einem Akt vorweggenommener Selbstkorrektur – mit diesem Lob auch den Hochmut der sich als besser empfindenden, sich nur dem Studium und der Kontemplation Widmenden tadeln würde. Die kleinen Dinge des Alltags, mit Liebe verrichtet, haben nämlich einen Ewigkeitswert. Das hat doch der „apokalyptische Richter" (Mt 25, 31–44) eindeutig festgehalten: schon das Hinreichen eines Bechers erfrischenden Wassers an Durstige öffnet das Himmelstor. Gerade die kleinen Dinge bauen ja große Welten auf!

Fragen zum Weiterdenken:
• Ich halte inne und frage: Welche „Marthas" machen sich meinetwegen „Sorgen und Mühen"? Begegne ich ihnen im Geist der Dankbarkeit?
• Wem in meiner Umgebung darf, soll, muss ich „Martha" sein?

 

Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der missionarischen Pastoral der
Diözese Innsbruck, www.geistreich.tirol

 

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Kategorie: Hinführung, Lesejahr C

Datum: 15.07.2022

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