20. Sonntag im Jahreskreis (C), 14.08.2022, Lk 12,49-53, Hinführung
Nora Bösch, Gemeindeleiterin St. Martin, Pastoralleitung Kath. Kirche Dornbirn
Die Worte, die wir heute im Evangelium aus dem Munde Jesu gehört haben, passen gar
nicht in das gängige Bild, wie Christen sein sollen: vor allem friedfertig. Sie scheinen sogar
anderen Jesusworten - man denke an die Seligpreisungen und die Bergpredigt - zu
widersprechen. Wie können wir diese Worte von Spaltung, Zwietracht und Feuerwerfen
einordnen?
Unbestritten enthält die Botschaft Jesu ein großes Konfliktpotential. Gerade im ersten
Jahrhundert des Christentums ging der Riss unterschiedlicher Werthaltungen quer durch
Familien. Auch Staat und Gesellschaft haben sich von den Einstellungen der Christen
provoziert und in Frage gestellt gefühlt. Durch die Jahrhunderte hindurch hat das
Bekenntnis zum Glauben Auswirkungen auf das eigene Leben gehabt. Diese reichten von
Zugehörigkeit und Schutz bis zu Verfolgung und Ausgrenzung.
Auch heute kennen wir Spannungen um den Glauben, die, wie wir im Evangelium hörten,
bis in die Familien hinein führen. Die Zugehörigkeit zur Kirche ist keine gesellschaftliche
Notwendigkeit mehr. Menschen entscheiden sich aufgrund ihrer verschiedenen Erfahrungen
und Erlebnisse dafür oder dagegen. Und vielen Frauen und Männern, vor allem der älteren
Generation, tut es weh zu sehen, dass ihre Kinder oder Enkel aus der Kirche austreten und
damit Werte nicht mehr vertreten, die ihnen persönlich wichtig sind.
Und so war und ist der Weg Jesu in der Gemeinschaft immer mit Spannungen verbunden.
Jesus selbst ist diesen Spannungen nie mit Gewalt begegnet. Er hat Position bezogen, hat
seine Ansichten verteidigt und durch sein Vorbild zu vermitteln versucht. Trotzdem hat er
andere ihren Weg gehen lassen. Seine eigene Überzeugung lebte er so konsequent, dass es
ihn das Leben gekostet hat.
Jesus beschreibt mit diesen ungewohnten Worten des Evangeliums eine Realität. Konflikte,
Streit, Spannungen gehören zum Leben dazu. Trotz allem Wunsch nach Frieden sollen wir
nicht in faule Kompromisse einwilligen. Wir sollen gerade stehen für unsere
Überzeugungen, aber auch andere gelten lassen. Wir sollen den Glauben, für den wir uns
entschieden haben, konsequent leben, auch wenn wir damit in der heutigen Gesellschaft oft
anecken.
Fragen zum Weiterdenken:
• Wo erlebe ich Unfrieden, Streit, Zwietracht im eigenen Umfeld, weil Haltungen und
Überzeugungen auseinandergehen? Wie geht es mir damit?
• Wo will / muss ich für meinen Glauben einstehen und klar Stellung beziehen? Fällt mir
das schwer? Kann ich andere Meinungen trotzdem gelten lassen?
Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der missionarischen Pastoral der
Diözese Innsbruck, www.geistreich.tirol
Hier als PDF
Kategorie: Hinführung, Lesejahr C
Datum: 12.08.2022
HINFÜHRUNGEN - Erhalte jeden Montag eine kurze Hinführung und drei Fragen zum Evangelium des folgenden Sonntags.
BEWEGUNGSMELDER - Erhalte Informationen über Veranstaltungen in der Diözese und deren Erneuerungsbewegungen
... und finden
GEISTreich - Diözese Innsbruck
ImpressumLinksammlungDatenschutzKontakt