Jesus befreit von Angst


Angst durchzieht die Leidensgeschichte Jesu. Jeder kennt die Angst am eigenen Leib. Jesus trägt unsere Angst und bereitet Wege des Vertrauens. Gedanken von Bischofsvikar Jakob Bürgler zum Karfreitag lesen Sie im Link.

Karfreitag / 2. April 2021

„Christus hat in den Tagen seines irdischen Lebens mit lautem Schreien und unter Tränen Gebete und Bitten vor den gebracht, der ihn aus dem Tod retten konnte..." (Hebr 5,7)
Es ist ein ungewohntes Bild, das der Hebräerbrief von Jesus zeichnet. Jesus: Auf der einen Seite der erhabene Hohepriester, der Sohn Gottes. Auf der anderen Seite der, der mit uns Menschen mitfühlen kann, der die Not, das Leiden, die Mühsal, die Trau-rigkeit, das Elend, die Bitterkeit des Lebens kennengelernt hat und kennt. Auch die Angst. All das hat er mit Schreien und Tränen vor Gott gebracht.
Ganz ähnlich zeichnet der Prophet Jesaja das Bild vom Gottesknecht: „...ein Mann voller Schmerzen, mit Krankheit vertraut ... er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen." (Jes 52,3-4) Es ist ein Vorausbild für den kom-menden Messias und zugleich eine Hilfe, Jesus in seiner Hingabe zu verstehen. Bei Jesus gipfeln die Lasten und Schmerzen, die Bitterkeit und Not in den letzten Stunden seines Lebens, in der Einsamkeit des Gartens am Abend, in Verurteilung und Demüti-gung, im Kreuzweg mit all den Wunden, die er schlägt.
Gestern am Gründonnerstag war es die Erinnerung, die wir bedacht haben. Die Erinnerung, die ein Geschehen gegenwärtig sein lässt. Die Erinnerung, die das, was passiert, in unser Inneres hineinschreibt und uns wandelt. Heute ist die Angst. Sie durch-zieht den Karfreitag – und unser Leben.
Die führenden Pharisäer, der Hohe Rat: Sie haben Angst, dass ihnen die Macht genommen wird. Und so forcieren sie den Tod Jesu. Der Kreis der Zwölf, seine engsten Freunde: Alle außer einem machen sich aus dem Staub. Judas: Er hat Angst, dass das mit Jesus ein Reinfall ist und seine Idee von der neuen Gottesherrschaft nicht umsetzbar ist mit diesem Rabbi. Und er liefert ihn aus. Petrus: Er hat Angst, dass ihm das Gleiche blüht wie seinem Meister. Und er verleugnet ihn. Pilatus: Eigentlich möchte er Jesus freilassen. Aber er hat Angst vor der Horde der Leute, die ihn mit ihrem Schreien bedrängt. Und er hat Angst zu versagen und als Schwächling dazustehen. „Als Pilatus das hörte, fürchtete er sich noch mehr." (Joh 19,8)
Dazu der Blick auf Jesus. Jesus hat fürchterliche Angst. Im Garten. Am Abend vor seinem Leiden. Er ist innerlich aufgewühlt und erschüttert. Er ist zerrissen und fragt nach dem Sinn. Er will, dass der bittere Kelch vorüber geht – und ist sich doch nicht sicher. Er hat fürchterliche Angst. Die Angst schnürt ihm die Kehle zu. Sie lässt ihn in Panik geraten. Er schwitzt. Kaltschweißig. Blut und Wasser. Und erst nach einer langen Zeit des Ringens gelingt es ihm, in das Vertrauen zurückzukehren, in das Vertrauen zu seinem lieben Vater. Wie sagt es der Hebräerbrief: „Christus hat in den Tagen seines irdischen Lebens mit lautem Schreien und unter Tränen Gebete und Bitten vor den gebracht, der ihn aus dem Tod retten konnte..." (Hebr 5,7)

„Ängste gehen um in Österreich, und zwar recht unterschiedliche: Es gibt Ängste in Bezug auf die Gesundheit: Angst vor Erkrankung, Angst vor einem Kollaps des Ge-sundheitssystems, und unter den in der Medizin Berufstätigen Angst vor Überlastung. Die zweite große Angstgruppe bezieht sich auf die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie: Menschen haben Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes, vor dem Konkurs, vor Schulden, vor der Armut und ihren Folgen. Und schließlich gibt es die politisch motivierte Ängste: die vor Willkür, Einschränkung der Freiheitsrechte, letztlich vor einer Diktatur." (Weihbischof Stephan Turnovsky, Wien)
Man spürt die Last und die Angst, die Beklemmung und die Sorge, manchmal auch die Panik und die Verzweiflung. All das ist weit verbreitet. Die Zahl der Kinder, die unter einer psychischen Belastung oder Angst leiden, steigt stark an. Die therapeuti-schen Einrichtungen sind mehr als ausgebucht. Angst greift um sich. Und damit auch der Verlust an Vertrauen und die Schwermut.
Heute am Karfreitag steht der Gekreuzigte vor uns. Er tut das als einer, der die Angst der Menschen erlebt hat und sie kennt. Er hat auch unsere Angst getragen und ertragen. Wir sind nicht allein. Und: Er hat die Angst überwunden. Er hat sie verwandelt in ein neues Vertrauen. Und so wächst uns in der Verbindung mit ihm ein Stück Vertrauen und Trost zu. „Erzählen Sie dem auferstandenen und daher gegenwärtigen Jesus Christus von Ihren Ängsten, und bitten Sie Ihn doch, Ihnen mit Seiner Kraft nahe zu sein. Dann wird das Osterfest mehr sein als ein Frühlingsfest, es wird Ihr existentielles Hoffnungsfest, weil Jesus tatsächlich den Tod besiegt hat und lebt!" (Weihbischof Stephan Turnovsky, Wien)

Jakob Bürgler

Diese Predigt finden Sie hier auch als PDF.

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