3. Adventsonntag


Für die Weggemeinschaften gibt es hier jede Woche eine kurze Erklärung des Sonntagsevangeliums mit Fragen zum Weiterdenken.

 

3. Adventsonntag im Jahreskreis (A), 11.12.2022, Mt 11,2-11, Hinführung
Anna Kraml, MA, Fachreferentin Bibelpastoral


„Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg vor dir bahnen wird." (Mt
11,10). Im Zentrum des Sonntagsevangeliums steht ein Zitat aus dem Alten Testament (Ex
23,20; Mal 3,1). Eine Verheißung, die in den Evangelien auf Johannes den Täufer als Bote
für Jesus Christus bezogen wird. Das gleiche Zitat begegnet im Markusevangelium (Mk
1,2) und im Lukasevangelium (1,76). Eine Beobachtung ist für mich besonders spannend:
im Matthäusevangelium begegnet der Spruch etwa in der Mitte des Buches. Das
Markusevangelium eröffnet mit dieser Verheißung bzw. auch Lukas führt sie innerhalb des
ersten Kapitels, in der prophetischen Rede des Zacharias ein („Und du, Kind, wirst
Prophet des Höchsten heißen; denn du wirst dem Herrn vorangehen und ihm den Weg
bereiten.". Lk 1,76).
Das Alte Testament ist mein Forschungsgebiet und in diesem Fall ist ein Blick in das Buch
Exodus bemerkenswert. „Siehe: ich werde einen Engel (oder auch Boten/Gesandten, so
zumindest die wörtliche Übersetzung des hebräischen maleak) schicken, der dir
vorausgeht. Er soll dich auf dem Weg schützen und dich an den Ort bringen, den ich
bestimmt habe." (Ex 23,20). Es folgt die Weisung, auf diesen Gesandten zu achten und
auf seine Stimme zu hören, „denn in ihm ist mein Name gegenwärtig" (v21). Im
Exodusbuch handelt es sich vor allem um eine Figur, die das Volk auf seiner Wanderung
durch die Wüste vor Gefahren durch andere Stämme schützen wird.
Der Prophet Maleachi nimmt diesen Wunsch auf: „Seht, ich sende meinen Boten
(maleaki); er soll den Weg für mich bahnen. Dann kommt plötzlich zu seinem Tempel, der
Herr, den ihr sucht, und der Bote des Bundes, den ihr herbeiwünscht. Seht, er kommt!,
spricht Jhwh der Heerscharen." (Mal 3,1). Es ist kein Zufall, dass der Buchtitel, im
hebräischen maleaki, „mein Bote" bedeutet. Die Botschaft ist jedoch düsterer: der Tag, an
dem dieser Bote kommen wird, ist für viele Menschen nur schwer ertragbar (v2). Er wird
reinigen und läutern (v3) – es handelt sich um eine Gerichtsankündigung (v5), aber auch
um eine Segensbotschaft – denn wer umkehrt, dem wird der Segen Jhwhs zuteilwerden
(v12).
Auch Johannes der Täufer ruft die Menschen zur Umkehr auf, wie wir aus dem
Evangelium des letzten Sonntags wissen. Diese Botschaft nach Umkehr ist oft keine
„leichte Kost". Sie ist radikal: fordert sie uns doch dazu auf, unser Leben zu hinterfragen –
uns selbst kritisch zu sehen und zu reflektieren. Johannes als Bote Jesu, der die
Menschen wachrütteln will. Der sie auf das vorbereiten soll, was kommen wird.

Fragen zum Weiterdenken:
Im Anschluss an das Evangelium des letzten Sonntags bleibt nun nicht nur die Frage nach unserem Verhalten, sondern die Reflexion unserer Handlungen und unserer
Überzeugungen: wo brauchen wir selbst noch Umkehr? Was benötigen wir, um uns
emotional, aber auch spirituell, wirklich auf Weihnachten einlassen zu können?

 

Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der missionarischen Pastoral der
Diözese Innsbruck, www.geistreich.tirol

 

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Kategorie: Hinführung, Lesejahr A

Datum: 07.12.2022

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