Hinführung zum Evangelium des 7. Sonntags der Osterzeit am 17. Mai 2026: Joh 17,1-11a
Manche Bibelstellen lese ich und habe das Gefühl, ich stehe ein Stück daneben und darf zuhören. Johannes 17 ist so ein Moment: Jesus betet – nicht laut für die Menge, sondern ganz persönlich zum Vater. Und ich merke, wie still es in mir wird.
„Vater, die Stunde ist da.“ Da liegt etwas Endgültiges drin. Jesus weiß, was kommt. Und trotzdem bittet er nicht um einen Ausweg. Er spricht von „Verherrlichung“. Ein großes Wort, das für mich im Alltag oft klein wird: Gott wird sichtbar – nicht im Perfekten, sondern dort, wo jemand treu bleibt, wo einer durchhält, wo Liebe nicht abbricht.
Mitten im Gebet bleibt ein Satz bei mir hängen: „Das ist das ewige Leben: dich zu erkennen.“ Ich hätte vielleicht etwas Spektakuläreres erwartet. Aber es ist so schlicht. Gott kennen. Nicht nur über ihn nachdenken, sondern ihn im Leben entdecken, zum Beispiel in einem Gespräch, das plötzlich ehrlich wird. In einem Moment, in dem ich spüre: Ich bin nicht allein. Oder auch dann, wenn ich keine Antwort habe, aber trotzdem weitergehe.
Ich merke, wie sehr das meinem Alltag entspricht. Mein Glaube ist selten eindeutig. Eher ein Unterwegssein. Morgens zwischen Kaffee und Terminen, wenn ich kurz innehalte. In Begegnungen, die mich herausfordern. Oder abends, wenn ich mich frage, was diesen Tag getragen hat.
Besonders nah geht mir, dass Jesus für die Seinen betet. Nicht allgemein, sondern konkret. Für Menschen mitten im Leben. Für mich heißt das: Auch meine Sorgen haben Platz. Der volle Kalender. Die unausgesprochenen Fragen. Die Dinge, die ich mit mir herumtrage.
Theologisch wird es dicht, wenn Jesus sagt: „Alles, was mein ist, ist dein.“ Diese tiefe Einheit zwischen Vater und Sohn öffnet sich für uns. Glaube heißt dann nicht, alles im Griff zu haben, sondern verbunden zu sein. Getragen. Und während Jesus geht, bleiben die Jünger „in der Welt“.
Genau da bin ich auch. Zwischen Alltag und Anspruch, zwischen Hoffnung und Zweifel. Vielleicht ist das die leise Kraft dieses Textes: zu wissen, dass jemand für mich einsteht und betet – mitten in meinem ganz normalen Leben.
Fragen zum Weiterdenken:
Mag. Carina Mathoy – Lehrerin an der HTL Imst
Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der missionarischen Pastoral der
Diözese Innsbruck, www.geistreich.tirol
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Kategorie: Hinführung, Lesejahr A
Datum: 11.05.2026
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