„Weniger ist mehr….“
Martin Lesky, Diözese Innsbruck
Was fällt Ihnen zum Stichwort „weniger ist mehr“ ein?
Mir kommt als Erstes mein Jakobsweg nach Santiago de Compostela in den Sinn. 2003 hat mir meine Familie einen Monat frei gegeben. Es war wohl das größte Geschenk, das mir meine Frau und meine beiden Kinder zu meinem vierzigsten Geburtstag machen konnten. Sie schenkten mir Zeit, um über mein Leben nachzudenken: innehalten, zurückschauen, der Frage nachgehen, was mir in meinem Leben wichtig ist, was wesentlich ist, und einfach in der Geschwindigkeit gehen, bei der meine Seele nachkommen kann.
Auf dem Weg vom Somportpass über Santiago de Compostela nach Finisterra durfte im Rucksack nur das Nötigste Platz finden: Schlafsack, Waschzeug, Pflaster, Wechselwäsche, Regenjacke, Sonnenschutz, Wasserflasche, Müsliriegel. Mehr nicht. „Weniger ist mehr“ - das spürt man spätestens nach ein paar Tagen auf dem Weg.
Warum gerade Santiago? Weil dort das Grab des Apostels Jakobus der Ältere verehrt wird und dieser einer der drei Jünger war, die Jesus in besonderen Momenten ganz nahe bei sich hatte (vgl. Lk 8,51; Mk 14,33). Der Weg dorthin ist für mich deshalb auch ein Weg zu den Ursprüngen des christlichen Glaubens in Europa, ein Weg zu unseren geistlichen Wurzeln.
Als zweites denke ich an Franz von Assisi, einen meiner Lieblingsheiligen. Auch er hat sein Leben nach seiner Bekehrung auf das Wesentliche reduziert: in der Einsamkeit der Höhlen, im Gebet, im Einsatz für Frieden und für die Armen. In seinem Sonnengesang preist er Gott für Sonne und Mond, für Wind, Wasser, Feuer, Erde, für die Menschen, die vergeben und Frieden stiften - und sogar für den Tod. Alles und alle nennt er Bruder und Schwester. Eine Spiritualität der Einfachheit – und gerade darin von großer Tiefe.
Und schließlich fällt mir das Gleichnis vom verlorenen Sohn ein (Lk 15,11-32): Der jüngere Sohn fordert seinen Erbteil, zieht in die Ferne und verschleudert sein Vermögen. Als er verarmt bei den Schweinen landet, kommt er zur Besinnung, erkennt seine Schuld und kehrt reumütig nach Hause zurück. Der Vater nimmt ihn voller Freude wieder auf. In dieser Geschichte wird „Weniger ist mehr“ zu einer inneren Haltung: dem Mut zur Umkehr, zur ehrlichen Selbstprüfung und zur Bereitschaft zur Versöhnung.
„Weniger ist mehr“ heißt für mich: zu den Wurzeln gehen, dem Wesentlichen Raum geben und Ballast loslassen. Es ist eine Haltung, die nicht verengt, sondert befreit – und die den Weg zu einem gelingenden Leben öffnet.
Mag. Martin Lesky, Leitung Pastoraler Bereich ZUKUNFT.glauben und Missionarische Pastoral
Diözese Innsbruck, www.geistreich.tirol
Kategorie: Blog, Missionarische Pastoral
Datum: 31.03.2026
HINFÜHRUNGEN - Erhalte jeden Montag eine kurze Hinführung und drei Fragen zum Evangelium des folgenden Sonntags.
WEGGEMEINSCHAFTEN - Erhalte jeden Dienstag eine kurze Weggemeinschaft.
... und finden
GEISTreich - Diözese Innsbruck
ImpressumLinksammlungDatenschutzKontakt