„Weniger ist mehr….“


Gedanken von Josef Aigner

„Weniger ist mehr….“

Josef Christian Aigner, Innsbruck

  • Was für ein passendes Motto zu Beginn der Fastenzeit!
  • Fasten ist nicht einfach eine Ess-Einschränkung – auch eine Läuterung, Reinigung (nicht nur Darm…) – und auch geistig kann es Prozesse der
    Besinnung, des Klarerwerdens in Gang setzen.
  • Es besteht die Chance, einmal in Ruhe zu reflektieren, wie die Hektik unserer Zeit einem zusetzt oder wie sie durchbrochen werden kann.
  • es kann also als „Auszeit“ aus dem Getriebe vertsanden werden, wobei auch die Frage auftaucht, was an diesem Getriebe wirklich „gottgefällig“ ist?
  • Da kommt das Wort „Verzicht“ (immer etwas Freiwilliges) ins Spiel – das aber ein Unwort in unserer Zeit ist, das sich PolitikerInnen kaum in den Mund zu nehmen trauen. Statt dessen muss es scheinbar ein „Immer mehr, mehr, mehr“ geben.
  • Verzicht (neuerdings Handyfasten – bravo!) lenkt den Blick also auch auf unsere gesamte Lebensweise!
  • Wie gut ist etwa – nicht nur zur Fastenzeit – die herrschende Wachstumsideologie? Wehe, wenn Profit/Nationalprodukt einmal nicht wachsen!
  • Und was ist mit den verschiedenen Katastrophen, die daraus folgen? Die Folgen dieses Denkens und Handelns werden gern vergessen: Stress, Zeitmangel (Kinder!), deren psychische Störungen im Zunehmen sind!
  • oder die Gefährdung oder gar Zerstörung der Klimabalance, der Schöpfung, vor der Papst Franziskus immer so eindringlich gewarnt hat, etwa durch wachsende Verkehrs- und Industrie-Emissionen.
  • Damit sind wir schon bei den Vorteilen, die ein „Weniger“ oder ein Verzicht bringen können: es ginge uns – und der Welt - besser damit – mit anderen Technologien, mit weniger Schadstoffen, weniger Hektik und Hetze (bis hin zum Urlaub…), mit mehr Miteinander und weniger Gegeneinander.
  • Der sinnvolle Verzicht auf die zeittypischen Phänomene ist somit keine Beschränkung, sondern eine Erweiterung, eine heilsame Entwicklung, die mehr Freiraum, Kontakte, Muße und Freude bringen würde.
  • h.: es steht mit dem Fasten also unsere gesamt Lebensweise zur Debatte!
  • Doch halt: können wir viel Verzicht auch von jenen fordern, die ohnehin wenig haben? Nicht nur Geld, sondern auch Sicherheit, Würde, Teilhabe?
  • Die soziale Frage stellt sich heute in einer für ein reiches Land wie Tirol geradezu schändlichen Weise dar: 000 Menschen leben hier an oder unter der Armutsgrenze (Kinderarmut, Jugendliche, die in Jugendzentren um Essen fragen, weil der Kühlschrank zu Hause leer sei.
  • Zu diesem Aspekt von Fasten gib es bei Jesaja 58 eine markante Bibelstelle: „Ist nicht das ein Fasten, wie ich es wünsche: die Fesseln des Unrechst zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, Unterdrückte freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen? Bedeutet es nicht, dem Hungrigen dein Brot zu brechen, obdachlose Arme ins Haus aufzunehmen, wenn Du einen Armen siehst, ihn zu bekleiden…?
  • Vielleicht bedeutet Fasten heute, nicht nur Konsum zu reduzieren, sondern Gleichgültigkeit. Denn der Wohlstand ist sehr ungerecht verteilt, sodass von vielen kaum Verzicht gefordert werden kann.
  • Dafür bräuchte es im materiellen Bereich einen Verzicht der Wohlhabenderen (wobei Freiwilligkeit allerdings nicht reichen wird – sondern steuerliche Maßnahmen wie in den meisten europäischen Ländern), um die weit geöffnete Schere zwischen Arm und Reich kleiner zu machen.
  • Die Fastenzeit bietet also eine Chance, über unsere Lebensweise und ihre Folgen generell nachzudenken, über die Chancen, die ein „Weniger“ für unser und andere Leben, für unseren Alltag, für unsere Umwelt, für soziale Gerechtigkeit und damit auch sozialen Frieden bedeuten kann.

Dazu erbitten wir Gottes Segen und die Zuversicht und Kraft, um als Christen dafür zukunftsweisend einzutreten.


 

Univ.Prof. Dr. Dr.h.c. Josef Christian Aigner - Psychologe, Bildungswissenschaftler, Psychotherapeut

 

Diözese Innsbruck, www.geistreich.tirol

 

Kategorie: Blog, Missionarische Pastoral

Datum: 23.03.2026

Teilen

Anschrift

Diözese Innsbruck
ZUKUNFT.glauben
Riedgasse 9-11
A-6020 Innsbruck
 
Öffnungszeiten Büro
Mo-Di 08:30 - 11:30 Uhr
Do 08:30 - 11:30 Uhr

zukunft.glauben@dibk.at
Tel.: +43 512 2230 9603 

Impulse

HINFÜHRUNGEN - Erhalte jeden Montag eine kurze Hinführung und drei Fragen zum Evangelium des folgenden Sonntags.

zur Anmeldung

WEGGEMEINSCHAFTEN - Erhalte jeden Dienstag eine kurze Weggemeinschaft.

zur Anmeldung

Infoscreen

Suchen ...

... und finden

GEISTreich - Diözese Innsbruck    
ImpressumLinksammlungDatenschutzKontakt

powered by webEdition CMS