Hinführung 30. Sonntag im Jahreskreis


Im Evangelium stellen wir uns die Frage nach dem wichtigsten Gebot.

 

Hinführung zum Evangelium des 30. Sonntags im Jahreskreis am 25. Oktober 2026: Mt 22,34-40

 

  • „Du wirst lieben“ statt „Du sollst lieben“

      Im griechischen Urtext steht das Wort „lieben“ in der Zukunftsform (Futur). Deshalb kann man das Gebot auch so übersetzen: „Du wirst den Herrn, deinen Gott, lieben“ und „Du wirst deinen Nächsten lieben“. Dadurch bekommt das Gebot einen anderen Klang: Es ist nicht in erster Linie eine Pflicht oder Forderung, sondern eine Einladung, auf die erfahrene Liebe Gottes zu antworten. Das Doppelgebot der Liebe hat somit den Antwortcharakter.

 

  • „Mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzem Denken“

Jesus greift das jüdische Glaubensbekenntnis, das Schema Israel, auf. Die dreifache Betonung des Wortes „ganz“ macht deutlich, dass die Liebe zu Gott nicht bloß einen Teilbereich unseres Lebens umfasst, sondern unser ganzes Menschsein: alle Gefühle und Empfindungen des Herzens, alle seelischen und psychischen Kräfte sowie alle Fähigkeiten des Verstandes. Sie betrifft den Menschen in seiner Ganzheit.

Die Du-Form – „Du wirst deinen Gott lieben“ – unterstreicht die persönliche Beziehung zu Gott: Er ist ein Gegenüber, zu dem wir „Du“ sagen können.

 

  • „Du wirst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“

Die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten gehören untrennbar zusammen. Wer sich von Gott geliebt weiß, kann diese Liebe an andere weitergeben. Dazu gehört auch die Selbstliebe: Wir sollen uns selbst annehmen und zugleich die Würde anderer Menschen achten – unabhängig von Herkunft, Leistung oder gesellschaftlichem Ansehen.

 

  • Jesus verbindet beide Gebote und lebt sie vor

Das Besondere an Jesus ist, dass er die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten unmittelbar miteinander verbindet und beide Gebote als gleich wichtig hervorhebt. Diese Verbindung macht deutlich: Unsere Liebe zu Gott zeigt sich auch in der Liebe zu unseren Mitmenschen. Jesus verkündet diese Liebe nicht nur, sondern lebt sie vor. Er wendet sich besonders den Armen, Kranken, Schwachen und Ausgegrenzten zu. In der Fußwaschung zeigt er seine dienende Liebe; selbst angesichts von Ablehnung und Gewalt hält er daran fest.

 

  • „An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten“

Das Doppelgebot der Liebe fasst die zentrale Botschaft der Heiligen Schrift zusammen. Die Liebe ist der Maßstab für unseren Glauben und unser Handeln.

 

Fragen zum Weiterdenken

 

  • Unsere Liebe zu Gott als Antwort auf seine Liebe: Was verändert sich, wenn wir „Du wirst lieben“ statt „Du sollst lieben“ hören? Wo erfahren wir Gottes Liebe in unserem Leben? Wie antworten wir auf diese Liebe?

 

  • Den Nächsten lieben wie sich selbst: Wie schaffen wir es, für andere da zu sein, ohne uns selbst dabei aus dem Blick zu verlieren? Wo braucht es mehr Mitgefühl mit anderen – und manchmal auch mit uns selbst?

 

  • Das Doppelgebot als Maßstab unserer Zeit: Jesus verbindet die Liebe zu Gott und die zum Nächsten untrennbar miteinander und lebt beide Gebote vor. Was würde sich in unserer Gesellschaft verändern, wenn wir seinem Beispiel stärker folgen würden?

 

Dr. Mira Stare - Pfarrseelsorgerin und -kuratorin, Senior Scientist am Institut für Bibelwissenschaften und Historische Theologie

 

Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der missionarischen Pastoral der

Diözese Innsbruck, www.geistreich.tirol

 

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Kategorie: Hinführung, Lesejahr A

Datum: 19.10.2026

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