GEISTreiche Hinführungen


Für die Weggemeinschaften gibt es hier jede Woche eine kurze Erklärung des Sonntagsevangeliums mit Fragen zum Weiterdenken.

1. Adventsonntag (B), 29.11.2020, Mk 13,33-37, Hinführung
Nora Bösch, Gemeindeleiterin St. Martin, Pastoralleitung Kath. Kirche Dornbirn

Die Stelle aus dem Markusevangelium, die wir gehört haben, ist an die urchristliche Gemeinde gerichtet. Diese ist so fixiert auf die Erwartung der tatsächlichen Wiederkunft Christi, dass sie das Leben in der Gegenwart vergisst. Jesus mahnt die Menschen, wachsam zu sein und zu bleiben, damit sie ihr Herz nicht dem Hier und Heute verschließen.
Der Mönchsvater Evragius Pontikus mahnte zur Zeit der Alten Kirche einen seiner Mönche: „Sei ein Türhüter deines Herzens und lass keinen Gedanken ohne Befragung hinein. Befrage einen jeden Gedanken und sprich zu ihm: ,Bist du einer der unseren oder einer unserer Gegner?' Und wenn der Gedanke zum Haus gehört, wird er dich mit Freude erfüllen".
„Sei ein Türhüter deines Herzens". In diesen Tagen des Advent sind wir eingeladen, gut auf unsere Herzenstüren zu achten. Wir könnten ganz besonders achtsam dafür sein, ob wir das, was wir sehen und hören, spüren und fühlen, riechen und schmecken in uns hineinlassen wollen, weil es uns mit Freude erfüllt. Denn manches, was in diesen Tagen auf uns eindringt, erfüllt uns eher mit Hektik, Druck und überhöhten Erwartungen. Dies zu unterscheiden braucht eine hohe innere Wachsamkeit.
So lädt uns das Evangelium im Blick auf die kommende Adventzeit dazu ein, uns dem Heilsamen, Wohl-Tuenden, Heilenden und Nährenden zu öffnen. Damit unser Herz mit Freude erfüllt wird. Damit der Advent, das Ankommen Gottes in uns möglich wird.
Lasst uns „Türhüter unserer Herzen" sein!

Fragen zum Weiterdenken:
1. Was hilft mir in diesen Tagen, ein*e wachsame*r Türhüter*in meines Herzens zu sein und darauf zu achten, was mich im Herzen berührt?
2. Was erfüllt mich in diesen Tagen mit Freude? Ein gutes Gespräch, eine Stille Zeit an einem stillen Ort, gemeinsame Momente mit Familie und Freunden, das Hinhören auf Gott? Ich versuche, solcher Freude immer mehr Raum zu geben.


 

Christkönigssonntag, 22.11.2020, Mt 25,31-46, Hinführung
Nora Bösch, Gemeindeleiterin St. Martin, Pastoralleitung Kath. Kirche Dornbirn

Das Matthäusevangelium ist das erste der vier Evangelien. Sein Herzstück ist die Bergpredigt, mit der Jesus einen Wegweiser für ein gutes Leben für alle Menschen gibt.

Das Evangelium des Christkönigsonntags steht am Ende des öffentlichen Wirkens Jesu und direkt vor den Berichten über sein Leiden und seine Auferstehung. Es beschreibt das Weltgericht, bei dem Jesus von seinem Königsthron aus die Menschen in zwei Gruppen teilt. Die einen zu seiner Rechten werden das ewige Leben erreichen, die anderen zu seiner Linken die ewige Strafe erhalten. So das Bild dieser Erzählung.

Was muss man tun, um zu denen auf der rechten Seite zu gehören? Vielleicht fällt zuerst einmal auf was nicht gefordert ist: Eine lückenlose Erfüllung der Sonntagspflicht, religiöse Frömmigkeitsübungen, intensives ehrenamtliches Engagement in pfarrlichen Gremien, ... All das sind nicht die Gradmesser. Jesus sieht hingegen das, wo Menschen FÜR andere da waren, wo sie menschliche Not gelindert haben, in welcher Form auch immer. DAS wird ausschlaggebend sein. Denn indem sich Jesus solidarisiert mit den Armen und Bedürftigen wird er selbst ein Teil von ihnen. Und wer sich ihrer annimmt, der begegnet in diesem Tun auch Gott. Hier, am Ende der Zeiten, wird deutlich, ob die Botschaft der Bergpredigt auf guten Boden gefallen ist.

Fragen zum Weiterdenken:
1. Wie wirkt dieses Bild des Weltgerichts auf mich? Was löst es in mir aus?
2. Wo durfte ich selbst einmal erfahren, dass mir jemand durch seine Zuwendung ein Stück Himmel eröffnet hat?
3. Wo haben andere durch mich ein Stück Ewigkeit spüren dürfen?


 

33. Sonntag im Jahreskreis, 15.11.2020, Mt 25,14-30 (oder 14-15.19-21), Hinführung
Nora Bösch, Gemeindeleiterin St. Martin, Pastoralleitung Kath. Kirche Dornbirn

Wieder bringt uns dieser Sonntag ein Evangelium, das uns befremdet.
Der Beginn ist ja noch verständlich. Je nach den Fähigkeiten seiner Diener betraut sie der Herr mit mehr oder weniger „Talenten". Ein Talent, das war ein riesiger Betrag, denn ein Talent Silbergeld entsprach 6000 Denaren. Und ein Denar war der Tageslohn für einen Arbeiter.
Zwei der Diener machen sich gleich ans Wirtschaften. Nur der dritte nicht – er versteckte das viele Geld, damit es nicht verloren gehen konnte. Als nun der Herr nach langer Zeit zurückkam, hatten die ersten beiden Diener das Geld verdoppelt und wurden gelobt und belohnt. Der dritte, der nichts gewonnen aber auch nichts verloren hatte, wurde als faul und nichtsnutzig beschimpft und hinausgeworfen.
Doch wie begründet der letzte Diener seine Tat? Er rechtfertigt sich mit den Worten: „Weil ich Angst hatte ...". Aus Angst, das Talent, das ihm anvertraut war, nicht richtig einzusetzen, hat er lieber gar nichts gemacht und es versteckt.
Jemand hat einmal gesagt: „Angst ist keine Kategorie Gottes". Damit ist gemeint, dass wir uns nicht von der Angst beherrschen lassen sollen. In den letzten Monaten habe ich Menschen erlebt, die durch die Corona-Krise in Angst verfallen sind. Sie haben sich zurückgezogen, Kontakte gemieden und sind so missmutig und einsam geworden. Solche Angst ist da gemeint, Angst, die das Leben in Fülle verhindert.
Dieses Evangelium will uns Mut machen, unser Leben in die Hand zu nehmen, unsere Fähigkeiten und Talente für ein Leben in Fülle einzusetzen, mit aller Vorsicht, die auch nötig ist. Leben, Freude, Versöhnung und Frieden sollen wachsen können, auch wenn es nur in ganz kleinen Schritten ist.
„Weil ich Freude am Leben habe" – das wäre vielleicht die Begründung der anderen beiden Diener. Weil die Freude am Leben das Leben weiter, größer und reicher macht, wenn ich meine Talente einsetze.

Fragen zum Weiterdenken:
1. Wo erlebe ich Angst, die mich am Handeln hindert?
2. Wo ist es mir gelungen, durch den Einsatz meiner Talente und Fähigkeiten gutes Leben zu vermehren, wachsen zu lassen?


 

32. Sonntag im Jahreskreis, 08.11.2020, Mt 25,1-13, Hinführung
Nora Bösch, Gemeindeleiterin St. Martin, Pastoralleitung Kath. Kirche Dornbirn

Dieses Gleichnis wirft Fragen auf. Die meisten von uns hören das Ende dieser Erzählung nicht so gerne. Ausgesperrt sein, zu spät gekommen zu sein, nicht willkommen zu sein – das tut weh!
Manche hätten vielleicht lieber einen Schluss, bei dem die zu-spät-gekommenen Jungfrauen an die Türe klopfen, vielleicht eine kleine Rüge bekommen und dann doch noch mitfeiern dürfen. Dieser Schluss würde gut zu dem barmherzigen Gott passen, den wir beispielsweise aus dem Gleichnis vom verlorenen Sohn kennen.
Es wäre auch noch ein Schluss denkbar, in dem der Bräutigam die klugen Jungfrauen rügt, weil sie nicht bereit waren zum Teilen. Denn gerade zur Großzügigkeit und dem Da-Sein für andere gibt es ja auch genügend Beispiele in der Bibel.
Nun, dieser Schluss ist anders. Er ist hart und provozierend. Und er setzt unter Druck, unter Leistungsdruck. Gibt es nicht in jedem Leben Momente, in denen wir Gelegenheiten verschlafen haben? Nach diesem Gleichnis müssten wir immerfort wachsam sein, immerfort vorausdenken, ja nichts dem Zufall überlassen und vor allem für uns selber sorgen.
Mir ist vor einiger Zeit ein Hinweis zugefallen, den ich sehr sympathisch finde. Der Fehler der Jungfrauen bestehe nicht darin, dass sie nicht vorgesorgt hätten und das Öl leer war. Ihr Fehler bestehe darin, nicht da gewesen zu sein, als der Bräutigam kam. In dieser Bibelstelle steht ja nichts davon, dass die Einlassbedingung eine brennende Öllampe wäre. Das Da-Sein ist das Wichtige, in dem Fall auch trotz dem Mangel, kein Öl mehr zu haben. Dieser Gedanke nimmt dem Gleichnis den Leistungsanspruch. Und doch entbindet er nicht vor der Bedeutung der Achtsamkeit. Es gilt, präsent zu sein, um Gott begegnen zu können.

Fragen zum Weiterdenken:
1. Wie geht es mir mit diesem Gleichnis und seinem Schluss? Was löst er in mir aus?
2. Was bedeutet es für mich, DA zu sein? Wo und in wem begegnet mir Gott? Wie halte ich mich innerlich bereit für Seinen Anruf?


 

Allerheiligen, 01.11.2020, Mt 5,1-12a, Hinführung
Nora Bösch, Gemeindeleiterin St. Martin, Pastoralleitung Kath. Kirche Dornbirn

Jedes Jahr an Allerheiligen hören wir als Evangelium die Seligpreisungen, die am Beginn der Bergpredigt stehen. „Selig seid ihr" so beginnt jede Seligpreisung. Es könnte auch heißen: „Glücklich seid ihr" oder „Heil seid ihr".
Die Seligpreisungen zeigen uns die Welt von ihrem Ende her. Sie schenken uns einen Blick in den geöffneten Himmel. Die Maßstäbe sind dort umgekehrt: Nicht die Reichen und Mächtigen haben das Sagen, sondern glücklich, selig, heil sind diejenigen, die eben ihre Mitmenschen und deren Not im Blick haben, die ohne Hintergedanken schlicht und einfach leben und sensibel sind für die vielfältigen Sorgen und Nöte anderer. Sie lassen schon in diesem Leben ein Stück vom Reich Gottes sichtbar werden.
Ein halbes Jahr ist es her, da wurde die Welt, wie wir sie kannten, auf den Kopf gestellt. Eine Welle der Hilfsbereitschaft ist durch alle Schichten der Bevölkerung gegangen. Nachbarschaftshilfe, Besuchsdienste, Botengänge, Kinderbetreuung, Lernhilfe, Unterstützung am Arbeitsplatz – da können viele Menschen selig gepriesen werden, die sich ohne Fragen für andere eingesetzt haben. Sie haben Heil gestiftet durch ihre Treue, ihre Hilfsbereitschaft, ihre Verbundenheit, ihr Trösten, ihr Mit-Leid, ihre Kraft in der Krankheit, ihre Geduld. Durch sie hat sich der Himmel ein bisschen geöffnet. Und: Sie waren nicht nur Gebende. Sie haben auch erfahren, dass sie selber durch ihr Tun beschenkt wurden.
So hören wir dieses Evangelium vielleicht auch mit einem anderen Ohr als in vergangenen Jahren. Die Maßstäbe haben sich verändert. Viele haben gemerkt, dass das Glücklich-Sein nicht unbedingt an Geld und Konsum gebunden ist. Es braucht viel weniger dazu, damit ein Stück Himmel unter uns sichtbar wird!

Fragen zum Weiterdenken:
1. Wenn ich eine persönliche Liste mit Seligpreisungen machen müsste, wen würde ich da hinein nehmen?
Sie könnte so beginnen:
Selig ist ......................., denn er/sie hat mir zugehört, als ich ganz verzweifelt war.
Selig ist ........................

2. Wo bin ich durch mein Tun und Reden gerufen und gefordert, anderen einen „Blick in den geöffneten Himmel" zu ermöglichen, also ihnen Heil und Zuwendung zu schen-ken?


 

30. Sonntag im Jahreskreis (A), 25.10.2020, Mt 22,34-40, Hinführung
Dekan Franz Troyer, Leiter der Bibelpastoral Innsbruck

Bete und arbeite
Ein junger Mann fuhr mit einem alten Fischer hinaus auf den See. Auf den beiden Rudern entdeckte er die Worte „Bete" und „Arbeite". Er begann sich lustig zu machen über diese frommen Sprüche. Da lächelte der alte Fischer und ruderte nur mit dem einem Ruder, auf dem „Bete" zu lesen war: das Boot drehte sich daraufhin im Kreis. Danach ruderte er nur mit dem Ruder, auf dem „Arbeite" stand. Wiederum drehte sich das Boot nur im Kreis. Da meinte der alte erfahrene Fischer. Nur mit beiden Rudern zugleich kommt man ans Ziel.

Mich faszinieren dieser alte Fischer und seine Art, wie er dem kritischen jungen Spötter antwortet. Mir gefällt der Fischer, weil er so einleuchtend aufzeigt, dass Gottes- und Nächstenliebe zusammengehören.

Die Gegensatzpaare „beten oder den Menschen helfen" und „in die Kirche gehen oder ein guter Mensch sein" sind für mich meist Ausreden, sie sind künstlich und falsch. Es geht nicht um ein „oder", sondern um ein „und".
Wo Menschen nur auf eine Liebe setzen, entweder zu Gott oder zu den Menschen, kommen sie ins Rudern und drehen sich im Kreis. Wer nur Gott lieben will, wird weltfremd, oft auch menschenverachtend und verurteilend oder jemand, der redet und nichts tut. Wer nur die Menschen lieben will und Gott ausblendet, überfordert sich. „Leidenschaftliche Christusliebe verkürzt die Menschlichkeit nicht, im Gegenteil, sie dynamisiert diese." (Bischof Manfred Scheuer)
In einem Sprichwort heißt es: Liebe die Menschen, nicht deswegen, weil sie immer lieb sind, aber deswegen, weil sie alle Liebe brauchen.

Ich weiß nicht, wie es ihnen geht, wenn sie an die ganze Welt denken:
• Kommt da ein Gefühl der Hilfslosigkeit nach dem Motto: „Man kann ja eh nichts ändern!"
• Kommt da ein Gefühl der Dankbarkeit, dass wir in einem sicheren Land leben?
• Kommt da vielleicht auch ein Gefühl der Wut, dass vieles in unserer Welt so ungerecht ist und sich die Menschheit selber das Leben schwer macht?
Bei manchen Konflikten in dieser Welt hat man den Eindruck: Da hilft nur noch beten.

Gebet:
Gott, viele Fragen und Sorgen quälen uns.
Wir wollen Hilfe und Stärkung aus dem Glauben.
Von dir erhoffen wir Wegweisung und Begleitung für unser Leben.
Lass in uns die Liebe wachsen,
die uns mit dir und unseren Nächsten verbindet.


 

29. Sonntag im Jahreskreis (A), 18.10.2020, Mt 22,15-21, Hinführung
Dekan Franz Troyer, Leiter der Bibelpastoral Innsbruck

Staat und Kirche - Wem gehört mein Leben?
Jesus zieht auf einem Esel in Jerusalem ein (Mt 21,1-11). Nach der Tempelreinigung kommt es im Tempel zu Gesprächen mit verschiedensten Gruppen des jüdischen Volkes (Mt 21,23 – 23,39). Diese „klopfen" Jesus anhand ihrer Lieblingsthemen ab, wie er denkt und was er will. Manchen geht es um diese wichtigen Fragen, anderen um Testfragen oder sogar darum, „Jesus mit einer Frage eine Falle zu stellen".

Die religiösen und politischen Gruppen in Jerusalem – Pharisäer, Sadduzäer, Schriftgelehrte, Herodianer, Essener, Hoherrat, Hoherpriester - schließen verschiedene Allianzen, um ihre Interessen durchzubringen. Die Anhänger des Herodes =Herodianer sind Freunde und Nutznießer des Königs und damit auch diejenigen, die eng mit der römischen Besatzungsmacht zusammenarbeiten.
Die Pharisäer sind vom theologischen Denken her weiter als die Sadduzäer. Sie suchen den Kontakt zu den Menschen und sind deshalb im ganzen Land vertreten. Sie versuchen, mit hunderten Gesetzen und Gesetzesnovellen die Menschen zu führen und alles regeln zu können. In der Fülle der Gesetze vergessen sie manchmal die Menschen oder werden scheinheilig und halbherzig.

Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört.
Jesus, der große Meister des Lebens und auch Kenner der Menschen, lässt sich auf die Parteispiele und Tricks der Pharisäer und Herodianer nicht ein. Seine Antwort geht tiefer. Im letzten geht es um die Frage „Wem gehört mein Leben?"

Situation heute?
Derzeit erlebe ich das Miteinander, Nebeneinander und Gegeneinander zwischen Staat und Kirche besonders anhand von zwei Frage: Wie und mit welchen Methoden/Gesetzen gehen wir mit der Bedrohung der Coronakrankheit um? Soll aktive Sterbehilfe bestraft werden oder straffrei werden?

Fragen zum Weiterdenken:
• Gehört mein Leben mir und ich kann tun und lassen, was ich will?
• Wo liegt meine Verantwortung für „den Kaiser", nämlich die anderen Menschen und die ganze Welt? Wann und wo ist Widerstand gefordert?
• Ist Gott der Ursprung und das Ziel meines Lebens? Wie kann ich Gott das geben, was Gott gehört?

Gebet von Papst Franziskus in seiner neuen Enzyklika „Fratelli tutti"
Herr und Vater der Menschheit,
du hast alle Menschen mit gleicher Würde erschaffen.
Gieße den Geist der Geschwisterlichkeit in unsere Herzen ein.
Wecke in uns den Wunsch nach einer neuen Art der Begegnung,
nach Dialog, Gerechtigkeit und Frieden.
Sporne uns an, allerorts bessere Gesellschaften aufzubauen
und eine menschenwürdigere Welt
ohne Hunger und Armut, ohne Gewalt und Krieg.
Gib, dass unser Herz sich
allen Völkern und Nationen der Erde öffne,
damit wir das Gute und Schöne erkennen,
das du in sie eingesät hast,
damit wir engere Beziehungen knüpfen
vereint in der Hoffnung und in gemeinsamen Zielen. Amen.


 

28. Sonntag im Jahreskreis (A), 11.10.2020, Mt 22,1-14, Hinführung
Dekan Franz Troyer, Leiter der Bibelpastoral Innsbruck

Ein Gleichnis voll Überraschungen
Jesus erzählt das Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl kurz nach seinem Einzug in Jerusalem und somit kurz vor seinem Tod. Der König, der zur Hochzeit einlädt, steht für Gott. Mit dem Sohn ist Jesus gemeint. Und mit der Hochzeitsfeier die große Einladung Gottes an uns Menschen.

Überraschung 1: Gäste kommen nicht
Es zahlt sich aus, auf die Gründe zu schauen, warum die Gäste nicht kommen:
"Sie aber wollten nicht kommen." (Vers 3) Das heißt nichts anderes wie: Ich will heute nicht. Ich habe keine Lust
"Sie aber kümmerten sich nicht darum, sondern der eine ging auf seinen Acker, der andere in seinen Laden" (Vers 5) Ich bin mit meiner Arbeit so beschäftigt, dass ich keine Zeit habe.
Sie fielen über seine Diener her, misshandelten sie und brachten sie um (Vers 6) Jesus, der Königssohn selbst wird bald sterben.
• Wo suche ich Ausreden für alles Mögliche?

Überraschung 2: Gott lädt weiter ein
Der König schickt seine Diener aus, um von den Straßen neue Hochzeitsgäste - Böse und Gute - zu holen.
Auch diese Überraschung geht heute weiter. Auch heute geht Gott auf die Straßen hinaus und holt alle zusammen, Böse und Gute. Er will, dass sich der Festsaal mit Gästen füllt.
• Traue ich Gott zu, dass er auch jene Menschen einlädt, die ich nicht mag? Will ich das überhaupt?

Überraschung 3: Meine äußere und innere Haltung
Ein Mann ohne Hochzeitskleid wird hinausgeworfen. Was hat er Schlimmes getan?
Das Kleid steht in der Bibel oft für die innere Einstellung. „Bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Geduld" heißt es etwa in den Paulusbriefen. Zeige nach außen, was du denkst. Der Mann ohne Festgewand gibt uns zu denken.
• Was tue ich mit innerer Überzeugung, was halbherzig?
• Wo nütze ich andere aus und bin oberflächlich, ohne innere und äußere Vorbereitung


 

27. Sonntag im Jahreskreis (A), 04.10.2020, Mt 21,33-44, Hinführung
Dekan Franz Troyer, Leiter der Bibelpastoral Innsbruck

Scheinwerfer 1. Gleichnisse erzählen von Jesus und seiner Situation
Wer ein gesamtes Evangelium liest, bemerkt sofort: Am Beginn seines Wirkens erzählt Jesus mit Vorliebe Wachstumsgleichnisse. Man spricht über diese Phase des Wirkens Jesu manchmal vom „Galiläischen Frühling". Auf dem Weg nach Jerusalem erzählt Jesus Gleichnisse, die zur richtigen Entscheidung aufrufen. Kurz vor seinem Tod in Jerusalem geht es Jesus in seinen Gleichnissen um Wachsamkeit und Entschiedenheit. Sein eigenes Schicksal wird darin indirekt angesprochen. So erkennen wir Jesus im Gleichnis von den bösen Winzern als Sohn und Erbe, der von den gierigen Pächtern getötet wird.

Scheinwerfer 2. Gleichnisse haben viel mit uns zu tun
Die Gleichnisse Jesu bieten ganz gezielt viele Parallelen zu uns heute an. Im heutigen Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg geschieht der Vergleich folgendermaßen: Mit dem Weinberg ist der Weinberg unseres eigenen Lebens gemeint, der uns anvertraut ist, aber uns eigentlich nicht gehört. Wer nach dem Motto „Mir gehört alles und ich kann damit tun, was ich will" oder „Hinter mir die Sintflut" lebt, erinnert an die Pächter im Weinberg, die nur ihren kurzfristigen Gewinn im Kopf haben und dabei sogar über Leichen gehen.

Scheinwerfer 3. Gleichnisse helfen uns, die Logik Gottes zu verstehen
Im Gleichnis von bösen Winzern erkennen wir, wie Gott mit Gewalt der Menschen umgeht. Gott schaut nicht einfach zu. Gott schickt Boten, um die Situation zu klären. Leider ohne Erfolg. Gott lässt diese Pächter nicht für immer schalten und walten, sondern setzt sie ab. Aber - und das ist das Neue und besondere an Gott - er verschärft die Gewalt nicht, indem er z.B. alle Pächter umbringen würde, sondern unterbricht die Gewaltspirale:
Hier kommt der Vers zum Tragen, der in der Erzählung etwas unvermittelt steht: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden; das hat der Herr vollbracht, vor unseren Augen geschah dieses Wunder. (Mt 21,42) Gott schenkt demnach Erlösung durch den Eckstein Jesus.

Zum Weiterdenken:
1. Was würden Sie sagen? Gehört Ihnen Ihr Leben? Gehört Ihnen das Leben Ihrer Kinder?
2. Gehört Ihnen wirklich der ganze Besitz, den Sie Ihr Eigen nennen?

Das Gebet der Vereinten Nationen:
Herr, unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im großen Weltall. An uns liegt es, daraus einen Planeten zu machen, dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden, nicht von Hunger und Furcht gequält, nicht zerrissen in sinnlose Trennung nach Rasse, Hautfarbe oder Weltanschauung. Gib uns Mut und Voraussicht, schon heute mit diesem Werk zu beginnen, damit unsere Kinder und Kindeskinder einst stolz den Namen Mensch tragen.


 

26. Sonntag im Jahreskreis (A), 27.09.2020, Mt 21,28-32, Hinführung von Theresia Stonig

Jesus ist bereits in Jerusalem angekommen und geht in den Tempel. Dort vertreibt er zuerst alle Händler und Käufer. Beim nächsten Besuch lehrt er gerade, als die Hohepriester und die Ältesten des Volkes kommen und ihn fragen, in welcher Vollmacht er das tut und wer ihm diese Vollmacht gegeben hat. Er stellt ihnen eine Gegenfrage: Woher stammte die Taufe des Johannes? Vom Himmel oder von den Menschen? (Mt 21, 25) Damit brachte er die Hohepriester und Ältesten in die Zwickmühle. Hätten sie geantwortet „vom Himmel", dann hätte Jesus sie gefragt, warum sie Johannes dann nicht geglaubt haben. Hätten sie geantwortet „von den Menschen", dann hätten sie sich gegen die Leute gestellt, denn Johannes galt als Prophet.
Daraufhin erzählt Jesus drei Gleichnisse: Das Gleichnis vom willigen und vom unwilligen Sohn, das Gleichnis von den Winzern und das Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl. Das erste davon ist unser heutiges Evangelium.

Der erste Sohn ist trotzig und faul, überdenkt aber sein Nein und geht dann doch zur Arbeit. Der zweite ist zuerst gehorsam, will aber dann nicht. Auf die Frage Jesu, wer von den beiden den Willen seines Vaters erfüllt hat, antworten seine Zuhörer, dass der erste Sohn den Willen seines Vaters erfüllt hätte. Jesus hält nichts von einem geheuchelten Ja. Reden allein ist zu wenig, er möchte Taten sehen. Schon in der Bergpredigt heißt es: „Nicht jeder, der zu mir sagt „Herr, Herr" wird in das Himmelreich hineinkommen, sondern der, der den Willen meines Vaters im Himmel tut" (Mt 7,21)

Und Jesus vergleicht den ersten Sohn mit den Zöllnern und Dirnen, die Johannes nicht geglaubt haben, aber trotzdem sind dann viele von ihnen zu Jünger*innen Jesu geworden.
Er geht mit den Hohepriestern und Ältesten streng um, er vergleicht sie mit dem zweiten Sohn. Sie folgen jahrhundertelangen Traditionen und allen Gesetzen. Sie haben Johannes den Täufer gesehen, sie haben seinen Aufruf zur Umkehr und Buße gehört und dass nach ihm einer kommt, der mit dem heiligen Geist tauft. Aber trotzdem glaubten sie nicht.

Zum Weiterdenken:
1. Wo und wie komme ich ins Tun?
2. Wo folge ich alten Traditionen, obwohl ein Umdenken notwendig wäre?


 

25. Sonntag im Jahreskreis (A), 20.09.2020, Mt 20,1-16a, Hinführung von Theresia Stonig

Nach der Rede über die Gemeinschaft verlässt Jesus mit seinen Jünger*innen Galiläa und zieht in das Gebiet von Judäa. Viele Menschen folgen ihm nach und er heilt sie. Er spricht zu den Themen Ehe, Ehescheidung und Ehelosigkeit, segnet die Kinder und lehrt über die rechte Nachfolge. Am Ende des 19. Kapitels stellt Petrus die Frage, welchen Lohn sie bekommen, da sie alles verlassen haben, um Jesus nachzufolgen. Jesu Antwort lautet sinngemäß: Jeder, der ihm nachfolgt, wird das ewige Leben erben (siehe 19,29). Anschließend erzählt er das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg.

In Palästina gab es sehr viele Tagelöhner, die von der Hand in den Mund lebten. Zum Überleben brauchten sie einen Denar pro Tag. Es gab viele Arbeitslose, die arbeiten wollten, die jeden Morgen zum Markt gingen, um Arbeit zu finden, aber es gab einfach zu wenig Arbeit. Die Arbeiter der elften Stunde können wir mit Menschen heute vergleichen, die schon lange arbeitslos sind und keine Chance auf einen für sie passenden Job haben. Jesus erzählt die Geschichte so, dass die Arbeiter, die den ganzen Tag geschuftet haben genau mitbekommen, dass die letzten, die gekommen sind gleich viel bekommen. Die Arbeiter der ersten Stunde fühlen sich unfair behandelt, doch der Gutsbesitzer spricht zu einem der Arbeiter: „Dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart?"
Ein anderer Blickwinkel: Der Besitzer des Weinberges hat im Laufe des Tages mehr Arbeiter eingestellt, als er in der Früh kalkuliert hat. Er hat also insgesamt mehr Lohn ausbezahlt. Er hätte auch das ursprünglich kalkulierte Geld auf alle Arbeiter aufteilen können und damit hätten die ersten auf jeden Fall weniger bekommen als ausgemacht. Aber der Weingutbesitzer hält sich an sein Versprechen und bleibt fair. Er betont, dass er mit dem was ihm gehört tun kann, was er will und fragt: „Ist dein Auge böse, weil ich gut bin?" Mit dem „bösen Auge" spricht er den Arbeiter auf seinen Neid an. Durch die Formulierung in der Du-Form spricht Jesus jeden Leser konkret an.

Jesus spricht in diesem Gleichnis von der Güte Gottes. Gott geht es darum, dass jeder genug zum Leben hat. Jeder, der sich zur Mitarbeit im Weinberg rufen lässt, jeder der bereit ist - egal ob früher oder später - bekommt den gleichen Lohn. Damit ist es eine Antwort auf die Frage des Petrus, welchen Lohn sie bekommen werden, sie, die Jesus als erstes nachgefolgt sind. Sie werden ins Himmelreich kommen, aber genauso alle anderen, die bereit sind, Jesus nachzufolgen.

Zum Weiterdenken:
1. Wo erleben wir Neid?
2. Kennen wir Langzeitarbeitslose in unserem Umfeld?
3. Was können wir tun, damit jeder genug zum Leben hat?


 

24. Sonntag im Jahreskreis (A), 13.09.2020, Mt 18,21-35, Hinführung von Theresia Stonig

Heute hören wir den zweiten Teil der Rede Jesu über die Gemeinschaft. Nachdem Jesus seinen Jünger*innen erklärt hat, wie mit einem sündigen Mitmenschen umzugehen ist, fragt Petrus, der im Matthäusevangelium als Leitfigur der Jünger*innen aufgebaut wird, noch genauer nach und stellt eine rhetorische Frage: Wie oft muss ich vergeben? Bis zu siebenmal? „Siebenmal" symbolisiert als traditionelle Zahl der Vollkommenheit bereits die uneingeschränkte Vergebung. Jesus steigert das noch, um die Wichtigkeit des Vergebens zu betonen.
Und Jesus erzählt das Gleichnis vom König, der von seinen Knechten Rechenschaft verlangt. Der König steht dabei für Gott, die Knechte und Mitknechte für die Menschen, die Gott dienen.
Der Knecht, der dem König zehntausend Talente schuldig ist, wird diese Schuld nie bezahlen können. Ein Talent entsprach zwischen 6.000 und 10.000 Denare, ein Denar war ein Tageslohn und reichte zum Überleben eines Tages aus. Die Summe ist also nicht zurückzahlbar und der Knecht ist auf die Barmherzigkeit des Herrn angewiesen. Er fällt vor dem Herrn auf die Knie und verspricht ihm, alles zurückzuzahlen – obwohl er weiß, dass es unmöglich ist. In seiner Barmherzigkeit schenkt der Herr ihm die Schuld und lässt ihn gehen. Der Knecht müsste eigentlich erleichtert, gut gelaunt und dankbar sein.
Doch er selbst ist nicht bereit, die im Verhältnis geringen und rückzahlbaren Schulden eines anderen Dieners zu erlassen. Er lässt ihn ins Gefängnis werfen, damit seine Verwandten kommen und ihn freikaufen. Die Mitknechte fordern Fairness ein und so verliert der gierige Knecht die Vergebung und ist auf ewig verdammt.
Jesus zeigt die Konsequenzen von mangelnder Vergebungsbereitschaft auf und ruft uns in diesem Gleichnis zu ehrlicher Vergebung und Barmherzigkeit auf.

Zum Weiterdenken:
1. Wo kann ich Schulden erlassen?
2. Wie ist „von Herzen vergeben" möglich?
3. Wo sind wir als „Mitknechte" gefordert und sollten Fairness einfordern?


 

23. Sonntag im Jahreskreis (A), 06.09.2020, Mt 18,15-20, Hinführung von Theresia Stonig

Kurz bevor Jesus sich mit seinen Jünger*innen von Galiläa aus auf den Weg nach Jerusalem macht, lehrt er ihnen das richtige Verhalten im Miteinander. Kapitel 18 des Matthäusevangeliums ist eine Rede über die Gemeinschaft und eine von den 5 Reden Jesu im Matthäusevangelium. Zu Beginn steht die Frage der Jünger an Jesus: Wer ist denn im Himmelreich der Größte? Jesus stellt ein Kind in die Mitte und erklärt ihnen, dass im Himmelreich derjenige der Größte sei, der sich so klein macht wie dieses Kind und dass derjenige Jesus selber aufnimmt, der ein solches Kind in Jesu Namen aufnimmt (Mt 18, 4-5). Anschließend warnt Jesus sie vor der Verführung zum Bösen und erzählt dann im Gleichnis vom verlorenen Schaf über die große Freude des himmlischen Vaters über das eine gefundene Schaf und jeden Kleinen, der nicht verloren geht. (Mt 18, 12-14)

Darauf folgen die Verse unseres heutigen Sonntagsevangeliums:
In Vers 15-17 lesen wir die Anweisung, wie mit einem sündigen Mitmenschen umgegangen werden soll. Nach jüdischer und urchristlicher Überzeugung verletzt jede Sünde die Gemeinschaft, auch wenn sie nur an einen aus der Gemeinde gerichtet ist. Der erste Schritt soll immer das Gespräch unter 4 Augen sein, um dadurch den Mitmenschen zurück zu gewinnen und um sich zu versöhnen. Wenn nötig soll ein weiteres Gespräch unter Beisein von zwei oder drei Zeugen geführt werden. Dadurch gewinnt die Zurechtweisung an Gewicht. Das setzt aber voraus, dass diese Zeugen nur das Gespräch bezeugen, sich aber nicht ins Gespräch einmischen und dass sie das ganze vertraulich behandeln. Gelingt die Zurückgewinnung des Mitmenschen auf diesem Weg nicht, soll die Gemeinde involviert werden. Hört der Mitmensch auch auf die Gemeinde nicht, heißt es „..., dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner". Er soll aus der Gemeinde ausgeschlossen werden, mit dem Zweck, dass er durch diese Maßnahme umkehrt. Die Gemeinde drückt damit aus, dass sie sein Verhalten nicht billigt, sie soll ihn aber sofort wieder aufnehmen, wenn er sein Verhalten ändert.
Darauf folgt das Jesuswort über das Binden und Lösen. Ziel soll immer die Lösung des Konflikts und die Wiederaufnahme in die Gemeinde sein, dann ist der Konflikt auch vor Gott gelöst.
Für diese Lösung soll einmütig gebetet werden, sagt Jesus weiter, „Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen." Wenn mindestens zwei der Gemeinde um die Versöhnung beten, ist Jesus in ihrer Mitte.

Zum Weiterdenken:
1. Was hindert mich, etwas unter 4 Augen zu besprechen?
2. Wo sind wir zu zweit oder zu dritt beisammen?
3. Für welche Konflikte können wir beten?


 

22. Sonntag im Jahreskreis (A), 30.08.2020, Mt 16,21–27, Hinführung von Georg Fischer SJ

Das Bekenntnis des Petrus (siehe das Evangelium vom vorigen Sonntag) bringt eine Wende: Jetzt redet Jesus ganz offen von dem ihm bevorstehenden Weg, einem Durchgang durch Leid und Tod zur Auferstehung (Vers 21). Erneut gibt Petrus seine Meinung kund, diskret Jesus ermahnend und ablehnend, was dieser ansprach (Vers 22). Mit Umdrehen, „Satan" und „Ärgernis" reagiert Jesus ganz scharf (Vers 23) und disqualifiziert die Intervention des Petrus im Gegensatz zu zuvor (Vers 16) als menschliches Denken.
Die unverständige Reaktion des Petrus ist für Jesus Anlass zu einer verstärkten Jüngerbelehrung. Er verlangt für seine Nachfolge zwei Dinge (Vers 24): „Selbstverleugnung" bedeutet, nicht sich und die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse zum Maßstab des Handelns zu machen. „Sein Kreuz auf sich nehmen" besteht darin, die Herausforderungen, Belastungen und Leiden des Lebens zu tragen, ohne sich ihnen unverantwortlich zu entziehen. Erst so ist es möglich, Jesus zu folgen.
In den Versen 25–26 vertieft Jesus dies weiter mit Gegensätzen: „Leben retten / (ganze) Welt gewinnen" steht „Leben um meinetwillen verlieren" gegenüber; Letzteres, das zuerst scheinbar Minderung beinhaltet, führt zu einem viel reicheren „finden". Die Verse 27–28 motivieren zu einem solchen „Lebensverlust" mit Verweisen auf Lohn in der zukünftigen Herrlichkeit des Menschensohnes und das baldige Kommen seines Reiches.

Zum Weiterdenken:
1. Wo denke ich ‚menschlich', will Leiden ausweichen?
2. Bin ich bereit, wegen der Ausrichtung auf Jesus ‚Leben zu verlieren'?


 

21. Sonntag im Jahreskreis (A), 23.08.2020, Mt 16,13–20, Hinführung von Georg Fischer SJ

Unter Menschen ist beliebt, sich Bilder von Anderen zu machen und – oft in deren Abwesenheit – über sie zu reden. Jesus erkundigt sich ganz im Nordosten des Landes, einer kaiserlichen Stadt, nach den über ihn kursierenden Vorstellungen (Vers 13), wobei er von sich als „Menschensohn" spricht (Vers 13). Die drei in Antworten genannten Namen (Vers 14) weisen auf bedeutsame Menschen der Vergangenheit; bei Elija bestand die Erwartung, dass er wiederkommt (Mal 3,23–24). Johannes und Jeremia waren Bußprediger; dies mag ihre Nähe zu Jesus erklären.
Es genügt nicht, was Andere sagen. Jesus verlangt von seinen Jüngern eine eigene Meinung (Vers 15). Petrus tut sich hervor mit dem doppelten Bekenntnis, Jesus als den erwarteten „Gesalbten" (= Christus / Messias) und noch darüber hinaus als „Sohn des lebendigen Gottes" anzusehen (Vers 16). Dies wiederum bringt Jesus dazu, Petrus zuerst eine Seligpreisung (Vers 17) und dann in einer längeren Antwort die ihm zukommende Bedeutung zuzusprechen (Verse 18–19).
Die ‚Beglückung' des Petrus besteht in der vom himmlischen Vater geschenkten Offenbarung, die jenseits menschlicher Erkenntnis liegt („Fleisch und Blut"). In Entsprechung zu Vers 16 sagt Jesus in Vers 18 umgekehrt ihm zu, wer er für ihn ist, und damit auch neue Identität: „Simon, Sohn des Jona" wird zu „Petrus", griechisch für „Fels", der der Gemeinde der Gläubigen festen Halt geben soll; selbst die „Pforten der Unterwelt", symbolisch für den Weg zum Tod (Jes 38,10; Ps 9,14; Ijob 38,17; Weish 16,13), vermögen sie nicht zu überwinden. Positiv, über die negative Bestimmung hinaus, stattet Jesus Petrus zusätzlich mit den „Schlüsseln des Himmelreichs" aus und der Vollmacht, bleibend gültig zu „binden" und zu „lösen", vermutlich für die Autorität rechtlicher Entscheidungen und der Leitung der Gemeinde (Vers 19). Das Verbot in Vers 20 gilt bis dahin, wann in Kreuz und Auferstehung (siehe Vers 21) öffentlich sichtbar wird, dass Jesus wirklich der Christus ist.

Zum Weiterdenken:
1. Wie denken und reden wir von Anderen?
2. Welche Antwort geben wir auf Jesu Frage?


 

20. Sonntag im Jahreskreis (A), 16.08.2020, Mt 15,21–28, Hinführung von Georg Fischer SJ

Nach der vorausgehenden Auseinandersetzung mit Pharisäern und Schriftgelehrten (ab Mt 15,1) sucht Jesus fremdes Gebiet auf, im Nordwesten Richtung Mittelmeer (Vers 21). Eine Frau aus jener Gegend, anderen Glaubens („kanaanäisch", Vers 22) wendet sich bittend an Jesus um Heilung für ihre „schlimm besessene" Tochter, mit zwei ehrenden Anreden: „Herr! Sohn Davids!" – Jesus reagiert darauf erstmals gar nicht. Danach, auf die Intervention seiner Jünger, klärt er als Grund dafür sein Verständnis, ausschließlich „zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel" gesandt zu sein (Verse 23–24).
Schließlich, in einem dritten Schritt, erteilt er der vor ihm am Boden liegenden bittenden Frau direkt mit einem abwertenden Vergleich eine Abfuhr („Kinder – Hunde", Verse 25–26). Als die Frau dann aber diese beleidigende Zurücksetzung übernimmt und positiv wendet (Fütterung auch der Hunde, Vers 27), wird Jesus ‚bekehrt' und gibt ihrem Wunsch nach, ihren „großen Glauben" anerkennend (Vers 28).

Zum Weiterdenken:
1. Wo erhören wir berechtigte Bitten nicht?
2. Wo müssen wir wie Jesus umdenken lernen?


 

19. Sonntag im Jahreskreis (A), 09.08.2020, Mt 14,22–33, Hinführung von Georg Fischer SJ

Nach dem Aufschub von Jesu Vorhaben durch die Volksmenge (siehe das Evangelium des letzten Sonntags) geht er es jetzt gegen Abend hin gezielt an. Er entlässt zuerst die Jünger, dann das Volk und bleibt allein zurück (Vers 23), für nahezu die ganze Nacht: Die „vierte Wache" (Vers 25) entspricht 3 bis 6 Uhr in der Früh. So langes Aufbleiben zum Gebet auf einem Berg in der Nacht ist eine tiefgehende, prägende Erfahrung: Die Verbindung mit Gott überwindet Müdigkeit und Dunkelheit, sie lässt am Berg Schöpfung wahrnehmen und neue Sicht gewinnen.
Für die Jünger verläuft die Nacht anders. Sie kämpfen im Boot mit Wind und Wellen (Vers 24), während Jesus problemlos auf dem See dahinspaziert (Vers 25). Weitere Gegensätze folgen mit der Angst, dem Verkennen („Gespenst") und Schreien der Jünger und dem Sich-zu-erkennen-Geben Jesu und seiner auffordernden Ermutigung zu Furchtlosigkeit (Verse 26–27). Darin zeigt sich, symbolisch, der Unterschied zwischen menschlichem Bemühen und Getragensein von Gott.
Petrus will sich mutig auf diese andere Weise des Lebens von Gott her und mit Jesus einlassen (Vers 28) und erhält dafür die Einladung: „Komm!" (Vers 29). Es geht solange gut, wie Petrus auf Jesus zugeht; dies endet aber durch den Blick auf den Wind, der in Petrus Angst auslöst (Vers 30). Sein Schreien um Rettung lässt Jesus „sofort" einschreiten, und dessen ausgestreckte Hand bewahrt den „Kleingläubigen" vor dem Untergang (Vers 31). Das ganze Geschehen führt die Jünger zum verehrenden Niederknien und zur Erkenntnis Jesu als „Sohn Gottes" (Vers 33).

Zum Weiterdenken:
1. Wo lässt Gott mich ‚über Wasser gehen'?
2. Wo zeigen Jünger Jesu heute Angst und Kleinglauben?


 

18. Sonntag im Jahreskreis (A), 02.08.2020, Mt 14,13–21, Hinführung von Georg Fischer SJ

Jesu Hören in Vers 13 bezieht sich auf den zuvor geschilderten Mord an Johannes dem Täufer (Mt 4,1–12). Er fährt „von dort" (vermutlich Kafarnaum, kaum das in Mt 13 zuletzt erwähnte Nazareth) an einen „öden Ort" am Ufer des Sees Gennesaret. Sein Ziel ist, mit den Jüngern „für sich" zu sein, eine Wendung, die auch nachher in Vers 23 wiederkehrt, wo Jesus in der Nacht allein zum Beten auf einen Berg steigt. Erschütternde Ereignisse verlangen nach Reflexion, neuer Orientierung und Gebet.
Jesu Vorhaben wird empfindlich gestört. Auch die Volksmenge „hört" (Vers 13) vom Wegfahren Jesu und folgt zu Fuß. Jesu Reaktion auf die ‚Störung' ist Mitleid und Heilen (Vers 14). Als der Abend hereinbricht, zeigt der Vorschlag der Jünger, wie sie sich des ‚Problems' entledigen wollen. Doch Jesus weist sie mit seiner Aufforderung auf ihre Verantwortung hin (Verse 15–16). Wo sie das, was sie haben (Vers 17), herbeibringen (Vers 18), Jesus in Verbindung mit seinem Vater („hinaufblickend zum Himmel") den Lobpreis spricht, es teilt, und auch die Jünger es teilend weitergeben (Vers 19), ereignet sich das Wunder, dass alle essen und satt werden, und noch viel übrigbleibt (Vers 20).

Zum Weiterdenken:
1. Wo kommen Menschen der Kirche ihrer Verantwortung nicht nach?
2. Was kann / will ich teilen, dass Andere ‚satt' werden?


 

17. Sonntag im Jahreskreis (A), 26.07.2020, Mt 13,44–52, Hinführung von Carina Mathoy

Mit Mt 13,44-52 wird der Kreis der sieben bekannten Gleichnisse geschlossen. Nach dem Gleichnis vom Sämann, den drei Gleichnissen vom Unkraut, Senfkorn und Sauerteig, folgen nun die restlichen drei vom Schatz im Acker, der Perle und dem Fischernetz.
Jesus stellt durch seine Gleichnisse keine genaue Beschreibung des Himmelreiches dar, sondern er will dessen Wesen begreiflich machen. Mit der Einleitungsformel: „Mit dem Himmelreich ist es wie..." versucht er die Maßstäbe und das Handeln Gottes aufzuzeigen. In den Gleichnissen mit dem Schatz und der Perle sind wir schnell dazu verleitet, die Wörter „Himmel" bzw. „Glaube" dafür einzusetzen. Zudem scheint es in weiterer Folge eine konkrete Handlungsanweisung zu geben: Handle so wie der Mann, der alles verkauft, nur für diesen wertvollen Schatz. Heißt das, wir sollen alles für das Himmelreich aufgeben, um es zu gewinnen? Wenn wir jedoch auf die vergangen Sonntagsevangelien blicken, wird der Sämann oder der Gutsherr mit Gott selbst gleichgesetzt. Was würde das in dieser Textstelle bedeuten und umkehren? Wer ist dann mit dem Schatz, der Perle und den Fischen gemeint? In logischer Konsequenz ist es der Mensch – sind es wir selbst. Es fällt auf, dass der Sämann, der Gutsherr, der Fischer eine aktive Rolle einnehmen. Die Kernaussage dieser Gleichnisse ist also immer dieselbe: Wer Gottes Wort hört, es versteht und wachsen lässt in seinem Leben, bringt reiche Frucht, ist wie ein kostbarer Schatz, eine wertvolle Perle, ein guter Fisch. Gott ist der Handelnde, der in Jesus „alles verkauft" hat, um den Schatz und die Perle zu gewinnen. Das Himmelreich wird somit nicht als Belohnung dargestellt, die man sich verdient. Die großen Dinge wie Liebe, Vergebung und das Himmelreich verdienen wir uns nicht, sondern sie werden uns geschenkt. Das Hören auf Gottes Wort und der Dienst am Nächsten sind ein guter Weg, um von Gott „gewählt" und beschenkt zu werden, wie die guten Fische. Darin spiegelt sich die zweifache Grundbedeutung des Wortes „Glauben" wider: Treue zu Gott und Vertrauen in Gott.

Zum Weiterdenken:
1. Was hat großen Wert in meinem Leben? Wo bin ich Schatz?
2. Wo sind für mich Orte des „Wachsens"?
3. Spielt das „Himmelreich" in meinem Alltag eine Rolle bzw. beeinflusst es mein Handeln?


 

16. Sonntag im Jahreskreis (A), 19.07.2020, Mt 13,24–43, Hinführung von Carina Mathoy

Die Sonntagsevangelien im Juli stehen ganz im Zeichen der sieben bekannten Gleichnisse Jesu. Nach der Erzählung vom Sämann vergangene Woche werden in Mt 13,24-43 gleich drei Gleichnisse angeführt: zuallererst das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen, anschließend vom Senfkorn und vom Sauerteig und abschließend die Deutung des Unkrautgleichnisses. Im Hinterkopf ist zu behalten, dass im Matthäusevangelium zeitgebundene Probleme und Fragen dieser Gemeinde Niederschlag gefunden haben. Jesus verwendet wiederum bekannte Bilder der damaligen Lebenswelt, um seine Gleichnisse den Menschen näherzubringen. Die vertraute Formel „Mit dem Himmelreich ist es wie...." (V 24) leitet das Gleichnis ein und erinnert an den Sämann. Der Feind kommt in der Nacht und sät Unkraut unter den Weizen. Als der Samen und das Unkraut aufgehen, lässt der Gutsherr das Unkraut jedoch nicht von den Knechten ausreißen. Die Zeit der Kirche und unseres Lebens ist die Zeit der Saat und des Wachstums. Aber auch dort sprießen Hass, Neid, Hochmut und Ungerechtigkeit. Gott lässt beides gedeihen und gibt uns Menschen ein Leben lang Zeit, um zu wachsen. Ab V 31 beginnt das Gleichnis mit dem Senfkorn. Obwohl es unter den Samenkörnern das kleinste ist, wächst es zu einem großen Baum heran. So lassen sich auch die Gottesherrschaft und das Leben Jesu verstehen. Das Reich Gottes in der Welt wächst langsam, braucht Zeit und Geduld. Das dritte und letzte Gleichnis beginnt und endet mit V 33. Auf die landwirtschaftlichen Bilder folgt nun ein häusliches Beispiel mit einer Frau als Protagonistin. Die auffällige Formulierung, dass der Sauerteig unter dem Mehl „verborgen" wird, bringt das Unaufhaltsame und Unscheinbare des Himmelreiches zur Sprache. Wie der Sauerteig seine große Kraft entfaltet, sobald er angesetzt ist, entfaltet Gottes Wirken in der Welt eine unaufhaltsame Bewegung. Es fällt auf, dass Jesus seinen Jüngern die Gleichnisse oft im Nachhinein erläutert, das verwundert, weil sie zum inneren Kreis gehören. Nach der Einleitung „Mit dem Himmelreich ist es wie..." schließt sich der Kreis mit der Endzeitvorstellung und der strikten Trennung von Gut und Böse am Ende der Welt. Diese apokalyptischen Bilder sollen weniger die tatsächlichen Vorgänge widerspiegeln, sondern viel mehr eine Motivation zum richtigen und guten Handeln sein. Das Himmelreich ist jetzt schon angebrochen und jeder/jede ist dazu aufgefordert, am Wachsen in der Welt mitzuwirken.

Zum Weiterdenken:
1. Wo wächst in meinem Leben guter Samen oder auch so manches „Unkraut"?
2. Wo kann ich in meiner näheren Umgebung Gutes säen?
3. Wo ist das Himmelreich in der Welt schon angebrochen?


 

15. Sonntag im Jahreskreis (A), 12.07.2020, Mt 13,1–23, Hinführung von Carina Mathoy

Wie sooft in den Evangelien wird ein neuer Abschnitt mit einem Ortswechsel verbunden. Jesus verlässt das Haus und begibt sich an das Ufer des Sees. Es wird berichtet, dass sich auch dort viele Menschen um ihn versammelten und er vom Boot aus mehrere Gleichnisse an die Menschenmenge richtete. Jesus geht in seinen Bildern auf die Lebenswelt der Menschen ein und verwendet häufig Vergleiche zu landwirtschaftlichen Tätigkeiten.
In vielen Gleichnissen finden wir die Bemerkung: „Mit dem Himmelreich ist es wie ..." – hier aber fehlt dieser Vergleich. Jesus beginnt sofort mit dem Gleichnis und erläutert die Vorgehensweise des Sämanns. Das Verhältnis ist jedoch verdreht. Die unfruchtbaren Untergründe scheinen zu überwiegen. Obwohl es hoffnungslos erscheint, kommt am Ende doch der nicht erwartete, vielfache Ertrag heraus. Was hat jedoch das Bild des Sämanns mit dem Hören zu tun? In den Versen 18-23 löst Jesus das Gleichnis seinen Jüngern auf: Bei jenen, die das Wort hören und nicht verstehen, ist der Samen auf den Weg gefallen. Bei jenen, die das Wort hören und freudig aufnehmen, bei Bedrängnis aber unbeständig werden, ist der Samen auf felsigen Boden gefallen. Bei jenen, die das Wort zwar hören, aber im Reichtum und in den irdischen Sorgen verweilen, erstickt die Frucht. Auf guten Boden ist das Wort Gottes gefallen, wenn sein Wort gehört und verstanden wird.
Die Botschaft, die Jesus verkündet, findet zwar viele Zuhörer, jedoch wird sie nur von wenigen verstanden. Die Matthäusgemeinde will eine Antwort finden, warum die Botschaft Jesu bei einigen „fruchtet" und bei anderen nicht. Diese Tatsache wird auch in anderen Schriftstellen sichtbar – genannt wird hier Jesaja, der von Jesus ausführlich zitiert wird (Jes 6,9-10). Der Prophet beantwortet diese Frage mit der Härte des Herzens und der „Bestimmung", dass Gott selbst nicht allen das Verständnis schenkt – und Jesus? Er erklärt diese Realität auf ähnliche Weise. Nicht alle ursprünglichen Adressaten der Botschaft hören und verstehen und so sucht das Wort Gottes neue Menschen und Wege. Gott will uns die Freiheit bewahren, sein Wort und seine Botschaft aufzunehmen oder nicht – damals wie heute.

Zum Weiterdenken:
1. Wo komme ich mit dem Wort Gottes in Berührung?
2. Wie kann das Wort Gottes wieder neu zur Sprache gebracht werden?
3. Beeinflusst Gottes Wort mein Handeln und Tun im Alltag?


 

14. Sonntag im Jahreskreis (A), 05.07.2020, Mt 11,25–30, Hinführung von Carina Mathoy

Jesus berichtet über die enge, fast schon geheimnisvolle, Beziehung zwischen ihm und Gott. Er beschreibt die tiefe Verbundenheit zwischen ihm und seinem Vater und öffnet diese gleichzeitig: „Niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will." (Vers 27) Jesus kehrt in seinen Aussagen die vorherrschenden Verhältnisse um und will vor allem die Unmündigen und Schwachen in diese Gottesbeziehung mit hineinnehmen und ein Kennen-lernen ermöglichen.
Um diese Umkehr zu verstehen, ist ein Blick in den Text der heutigen ersten Lesung (Sach 9,9-10) hilfreich. Dort ist von einem König die Rede, der Jerusalem und den Völkern Gerechtigkeit und Rettung bringt. Es wird ein Gegenbild eines Herrschers beschrieben – kein selbstherrlicher König auf einem stolzen Ross, sondern einer, der auf einem jungen Esel reitet.
Auch die Evangelien nehmen dieses Bild auf und setzen es mit Jesus in einen neuen Kontext. Im Matthäusevangelium ist er der König, der Erquickung, Frieden und Ruhe in mühevollen Zeiten schenkt. Zudem ist seine Botschaft eine Einladung für ein gelingendes Leben. Implizit wird in Vers 29 die Frage gestellt: Wie ist ein gutes, glückliches Leben möglich? Jesus ist, wie sooft in den Evangelien, klar und einfach in seinen Worten und legt uns seine Lebensweise nahe: „Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig." (Vers 29)

Zum Weiterdenken:
1. Wie ist gutes, gelingendes Leben heute möglich?
2. Wie verstehe ich meine Gottesbeziehung?


 

13. Sonntag im Jahreskreis (A), 28.06.2020, Mt 10,37–42, Hinführung von Jakob Bürgler

Das Evangelium des Sonntags ist einer der fünf großen Reden Jesu entnommen, die uns der Evangelist Matthäus überliefert. Es ist die dritte Rede, die sogenannte „Aussendungsrede" (Mt 9,35 – 11,1).
„Jesus ruft seine Zwölf Jünger zu sich, gibt ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben und alle Krankheiten zu heilen und sendet sie aus zu verkünden, dass das Himmelreich nahe ist. Er gibt ihnen auch die verschiedensten Anweisungen mit auf dem Weg, angefangen von dem, was sie mitnehmen sollen bis hin zu Verhaltensregeln und Warnungen. Die Worte, die wir hier finden, erscheinen sehr radikal und hart im Vergleich zu vielen anderen Aussagen." (Regina Wagner, Predigtforum 1999)
Woher kommt diese Radikalität? Das Matthäusevangelium entstand um 80 nach Christus. Neben dem Markusevangelium stand für Matthäus auch eine „Sammlung von Reden Jesu" (Logienquelle) zur Verfügung (eventuell nur mündlich überliefert). Beim Versuch, diese Logienquelle zu rekonstruieren, werden Texte sichtbar, die durch ihre Radikalität irritieren und erschrecken, vor allem dann, wenn man sie aus dem Gesamtkontext der Evangelien herauslöst und isoliert betrachtet.
Was ist der konkrete zeitliche Hintergrund bei der Entstehung des Matthäusevangeliums? Es hat damals wohl Wanderprediger gegeben, die ganz radikal das Leben Jesu nachvollziehen wollten. „Aus der Motivation heraus, dass das Himmelreich nahe bevorstünde, ließen sie alles zurück, wanderten herum wie Jesus und predigten. In völliger Besitzlosigkeit, ohne Familie, ohne jede Sicherheit, fühlten sie sich gesandt, das jüdische Volk zur Umkehr zu rufen." (Regina Wagner)
Was bedeuten diese Texte für uns? Die Nachfolge Jesu ist keine Nebensächlichkeit, keine Sache, die man so nebenbei machen kann. Sie fordert heraus. Sie fordert eine Entscheidung. Sie will das ganze Leben prägen. Es geht letztlich um die Frage, was Jesus Christus für dich und mich bedeutet und was ich bereit bin, für ihn einzusetzen. Anders formuliert: Das Leben soll von einem zentralen und alles bestimmenden Orientierungspunkt her gedeutet und gelebt werden – und dieser Punkt ist Christus. Es geht nicht um die Abwertung von menschlichen Beziehungen oder Werten, sondern um die Hinordnung dieser Wirklichkeiten auf ein alles tragendes Fundament.
Wer sich auf dieses Risiko einlässt, wird „belohnt" werden. Das heißt: Das Wagnis ist kein Harakiri-Unterfangen, sondern ein Weg mit einem Ziel, das den Verzicht aufwiegt, ihn sinnvoll erscheinen lässt und ganzheitliche Erfüllung verspricht.

Zum Weiterdenken:
1. Wie geht es mir, wenn ich im Evangelium Texte lese, die sehr radikal sind?
2. Kann ich der Orientierung des ganzen Lebens an Jesus Christus etwas abgewinnen?
3. Wo zeigt sich bei mir die Entschiedenheit im Blick auf meine soziale Umgebung?


 

12. Sonntag im Jahreskreis (A), Herz-Jesu-Sonntag, 21.06.2020, Mt 11,25–30, Hinführung von Jakob Bürgler

Das Evangelium vom Hochfest „Heiligstes Herz Jesu" erschließt einige Zugänge zum Herzen (und damit zur Personmitte) Jesu und lädt ein, sich ihm anzuvertrauen. Der Text besteht aus drei zusammengefügten Teilen.

Im ersten Abschnitt wird der Dank Jesu an seinen lieben Abba-Vater im Himmel ausgedrückt (Verse 25-27). Dieser Dank ist Zeichen einer ganz innigen Verbundenheit. Man könnte sagen: Vater und Sohn leben und wirken „Herz an Herz". Im Johannesprolog (Joh 1,1-18) wird der Sohn als der beschrieben, der „am Herzen des Vaters ruht". „Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht." (Joh 1,18)

Das Zueinander von Vater und Sohn, das in Vers 27 beschrieben wird, gilt als wesentlicher Baustein für die theologische Lehrentwicklung der Kirche. Man kann diesen Vers auch als „Selbstoffenbarung Jesu" bezeichnen. Jesus ist der Menschensohn, dem alles übergeben wird, und gleichzeitig der Sohn Gottes, der in einzigartiger Gemeinschaft mit seinem lieben Vater lebt.

Teil dieses ersten Abschnitts ist auch die Hervorhebung der „Unmündigen". Dahinter verbirgt sich die Verkündigungssituation Jesu. Die gelehrten und gebildeten Leute lehnen Jesus ab. Die einfachen und kleinen Leute nehmen seine Worte an und setzen ihr Vertrauen in ihn. Voraus geht diesem Vers eine Reihe von Wehrrufen, die jenen gelten, die sich nicht anrühren lassen, weder durch Jesu Wort noch durch seine Zeichen.

Im zweiten Abschnitt (Vers 28) hören wir die Einladung Jesu, zu ihm zu kommen, bei ihm „Erquickung" zu finden. Diese Einladung ergeht an jene, die mühselig und beladen sind. Es ist dies ein ganz und gar tröstliches Wort, das dazu ermutigt, das eigene oft wunde und unruhige Herz dem Herzen Jesu anzuvertrauen.

Der dritte Abschnitt (Verse 29-30) beinhaltet die Aufforderung Jesu, SEIN Joch aufzunehmen und zu tragen. Gemeint ist das Joch des Gesetzes. Wer sich an Jesus hält, ist an sein zentrales Gebot gebunden: An das Gebot der Liebe. Liebe vermag es, die größten Belastungen in Hingabe und Zuneigung zu verwandeln.

Alles in allem geht es um einen Lernweg: In der Nähe und Gegenwart Jesu können Menschen ein Leben der Güte und der Bescheidenheit lernen. So kommt die menschliche Seele zur Ruhe. Nicht um das Lernen einzelner Sätze und Lehren geht es, sondern um das Lernen am konkreten Leben Jesu.

Zum Weiterdenken:

1. Was verbinde ich mit dem Bild des Herzens Jesu? Kann ich darin einen Ort der Ruhe und der Erfrischung sehen?

2. Wo sehe ich Menschen, die ein schweres Joch zu tragen haben? Wie kann ich das Joch Jesu mittragen?


 

11. Sonntag im Jahreskreis (A), 14.06.2020, Mt 9,36 – 10,8, Hinführung von Jakob Bürgler

Jesus sieht, dass die Menschen müde und erschöpft sind. Er will, dass allen ein „Leben in Fülle" (Joh 10,10) geschenkt ist.
Die Erschöpfung gründet im Mangel an Hirten. Es ist der Mangel an Menschen, die Auf-Atmen schenken, Lebensquellen erschließen, das Leben „hüten" und helfen, dass Wunden heilen.
Die Bitte um Arbeiter für die Ernte bildet die Antwort auf die Beobachtung des Mangels. Diese Bitte ist in einer großen Weite zu sehen: Es geht um Menschen, die für andere einen wie immer gearteten Hirtendienst übernehmen.
Nicht die Jünger sollen die Arbeiter erwählen und aussenden, sondern der Herr – ein wichtiger Hinweis! Die Vollmacht liegt in den Händen Jesu.
Dazu kommt seine Aussage, dass die Ernte groß sei. Es ist gut, den eigenen Blick zu verändern und wegzukommen vom Jammern über zu wenig Interesse. Mit Jesus gilt es, darauf zu schauen, wo und wie Menschen nach Leben dürsten, und dort anzusetzen.
Die Zahl zwölf macht deutlich, dass Jesus bei der Sammlung des neuen Gottesvolkes auf das Fundament der zwölf Stämme Israels aufbaut. Die Aufzählung der Namen weist darauf hin, dass es immer um konkrete Menschen und deren Lebenshingabe geht.
Die Aussendung durch Jesus bezieht sich auf die „verlorenen Schafe des Hauses Israel". Ihnen gilt die erste Aufmerksamkeit. Im Gesamt des Evangeliums ist klar, dass die frohe Botschaft allen Menschen gilt.
Die Sendung der Gesandten gründet auf eine positive Intervention Gottes. Es gilt, die Präsenz und Wirkkraft Gottes gilt zu verkünden, dazu die Stiftung neuen Lebens und die Heilung aller Verwundungen.
Spannend ist der Abschluss der Sendungsworte: „Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben." (Mt 10,8) In unserem Sprachgebrauch bedeutet „umsonst" oft „ohne Erfolg". Das lateinische Wort für Umsonst lautet „frustra". Davon leitet sich unser Wort „frustriert" ab. Im Evangelium ist „umsonst" im Sinn von „gratis" gemeint. Im lateinischen Text steht hier „gratis". Die Gesandten Jesu bekommen alles als Geschenk. Deshalb können sie es auch nur „umsonst", also als Geschenk, weitergeben.

Zum Weiterdenken:
1. Kenne ich Menschen, die für mich wie eine Hirtin oder ein Hirte sind? Wo übe ich den Hirtendienst selber aus?
2. Kann ich den positiven Blick Jesu auf eine große Ernte teilen?
3. Wie kann ich das „Gratis" Gottes konkret weitergeben?


 

Dreifaltigkeitssonntag (A), 07.06.2020, Joh 3,16-18, Hinführung von Jakob Bürgler

Das Evangelium ist dem nächtlichen Gespräch zwischen Nikodemus und Jesus entnommen. Nikodemus ist ein Mann, der nachdenkt und nachforscht, der sich nicht mit Oberflächlichkeit und (ver)einfachen(den) Botschaften und Antworten zufriedengibt. Er möchte verstehen. Er ist ein Suchender. Und er ist einer, der von der Herzmitte Jesu berührt worden ist.

Nikodemus kommt in der Nacht zu Jesus. Wir kennen das: Am Abend, wenn es dunkel ist, wenn nichts mehr ablenkt, wenn Ruhe einkehrt, dann kommen die grundlegenden Fragen ans Licht, dann beginnen wir nachzudenken und kommen ins Gespräch. Dann führen Worte manchmal in die Tiefe und ins Wesentliche.

In dieses nächtliche Gespräch hinein ist der Text des heutigen Evangeliums verortet. Es geht um den Kern der Frohen Botschaft, um ein „Evangelium" in Reinkultur. „Wurzel" für Jesu Kommen in die Welt und für sein Wirken unter den Menschen ist die Liebe. Die Liebe treibt den Vater an – und Jesus. Die Liebe ist so groß, dass alles aus Hingabe geschieht. Jesus verschenkt sich, er gibt sich hin – aus Liebe.

Ziel der Liebe ist, dass alle, die glauben, gerettet werden. Das bedeutet nicht, dass jene, die nicht glauben, nicht gerettet werden. Die Aussage ist nicht ausschließend gemeint, sondern zusagend. Jene, die glauben, finden, weil sie glauben, zu einem erfüllten und erlösten Leben. Der Gott, den Jesus verkündet und erlebbar macht, ist nicht ein richtender Gott, sondern einer, der retten will und erlösen und heilen. Wer diese Zuneigung nicht annimmt, richtet sich selbst. Er bringt sich selbst um den Schatz eines erlösten Lebens.

Das Evangelium kann als Zeugnis für den dreieinen Gott gelesen werden. Gott, der Sohn und die Liebe. In Jesus wird der Vater sichtbar, und das Tun Jesu ist getragen vom Geist der Liebe.

Zum Weiterdenken:

  1. Kenne ich die Situation einer „Nikodemus-Nacht"? Habe ich schon einmal erlebt, dass mich ein vertrauliches Gespräch tief berührt und weitergebracht hat?
  2. Was geschieht, wenn ich die Botschaft von einem Gott höre, der die Liebe ist?
  3. Wer braucht von mir eine kleine Aufmerksamkeit, damit sein oder ihr Vertrauen wieder wachsen kann?

 

Pfingstsonntag (Lesejahr A), 31.05.2020, Joh 20,19-23
Gebet und Hinführung

Kreuzzeichen

Gebet
Komm, Heiliger Geist,
du Geist der Wahrheit, die uns frei macht.
Du Geist des Sturmes, der uns unruhig macht,
Du Geist des Mutes, der uns stark macht.
Du Geist des Feuers, das uns glaubhaft macht.
Komm, Heiliger Geist,
du Geist der Liebe, die uns einig macht.
Du Geist der Freude, die uns glücklich macht.
Du Geist des Friedens, der uns versöhnlich macht.
Du Geist der Hoffnung, die uns gütig macht.
Komm, Heiliger Geist!
(Leonardo Boff)

Das Evangelium vom Sonntag lesen: Joh 20,19-23

Hinführung lesen
von Mira Stare

Als Angehörige der Bewegung Jesu haben die Jünger Jesu nach seiner Hinrichtung Angst vor den Juden. Denn die jüdischen Autoritäten haben in Jesus den Gotteslästerer gesehen und auch aus diesem Grund für ihn die Todesstrafe verlangt. Der Jüngerkreis Jesu ist nun beisammen, aber bei verschlossenen Türen.
In dieser mit Angst beladenen Situation kommt der auferstandene Jesus noch bei verschlossenen Türen in ihre Mitte. Seine ersten Worte sind die Worte des Friedens: „Friede sei mit euch!". Er zeigt ihnen seine Hände und seine Seite und damit seine Wundmale und noch einmal wiederholt er den Friedensgruß. Die Jünger Jesu, die ihn in der Passion und in der Todesstunde in Stich gelassen haben, bekommen nun von Jesus weder Rache noch Vorwürfe, sondern den Frieden – den umfassenden Frieden im Sinne vom hebräischen Schalom. Bereits hier gehen seine Worte aus den Abschiedsreden in Erfüllung, wo er sagt: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch" (Joh 14,27); „Dies habe ich zu euch gesagt, damit ihr in mir Frieden habt" (Joh 16,33). Die Jünger sehen und erkennen Jesus, wie dies bereits vorher Maria Magdalena erfahren hat. Die Angst der Jünger ist nun in Freude verwandelt.
Die Begegnung mit dem Auferstandenen intensiviert sich noch einmal. Die Jünger, die den Herrn „sehen" und „Friede" erfahren sowie „Freude", sind in der Lage, einen Sendungsauftrag auszuführen. Jesus sendet sie, „wie" bzw. „weil" der Vater ihn gesandt hat, haucht sie an und sagt ihnen: „Empfangt den Heiligen Geist!" (V. 22b). Das Wort „anhauchen" (emphysaō), das nur hier im Neuen Testament vorkommt, findet sich auch im Schöpfungsbericht: „Und es bildete JHWH, Elohim, den Menschen (aus) Staub vom Erdboden und hauchte (emphysaō) in seine Nase / Angesicht Atem des Lebens; so wurde der Mensch eine lebende Seele" (Gen 2,7). Vor diesem Hintergrund ist das „Anhauchen" in Joh 20,22 als Sinnbild für die Übertragung von Leben und als Zeichen für den Anbruch einer neuen Schöpfung zu verstehen. Die Jünger empfangen den Lebensgeist, von dem der Auferstandene selbst erfüllt ist. Ihre Sendung ist mit ihrem Zeugnis für Jesus und seiner Sendung verbunden und damit auch mit der Sündenvergebung.

Zum Weiterdenken
1. Aufgrund des gewaltsamen Todes Jesu haben die Jünger Jesu Angst vor den Juden und bleiben bei verschlossenen Türen. Gibt es äußere und innere Ängste, die auch mich lähmen, zu Jesus auch in der Öffentlichkeit und vor anderen Menschen zu stehen?
2. Die Jünger Jesu, die ihn in der Passion im Stich gelassen haben, erfahren von dem Auferstandenen keine Vergeltung, sondern seinen Frieden und seinen Geist. Gibt es Erfahrungen in meinem Leben, wo mein Versagen nicht verurteilt, sondern vergeben wird, wo meine Angst in Freude verwandelt wird?
3. „Empfangt den Heiligen Geist!" – Der Auferstandene „haucht" auch uns an mit seinem Lebensgeist und sendet uns als seine Zeuginnen und Zeugen zu den Menschen. Wie und wo ist mein Christ-Sein mit der Sendung verbunden?

Gedankenaustausch oder Stille

Der Blick auf bedürftige Menschen:
Nur das Wasser, das wir zu trinken gaben, wird uns erfrischen.
Nur das Brot, das wir zu essen gaben, wird uns sättigen.
Nur das Kleid, das wir verschenkten, wird uns bekleiden.
Nur das Wort, das Leiden linderte, wird uns trösten.
Nur der Kranke, den wir besuchten, wird uns heilen.
Nur der Gefangene, den wir befreiten, wird und erlösen.
(T. Convalvatica)

Vater unser

Segen:
Göttlicher Segen sei mit dir
Göttliche Kraft stärke deinen Rücken,
dass du aufrecht stehen kannst, wo man dich beugen will.
Göttliche Zärtlichkeit bewahre deine Schultern
so dass die Lasten, die du trägst, dich nicht niederdrücken.
Göttliche Weisheit bewege deinen Nacken,
so dass du deinen Kopf frei heben und ihn dorthin neigen kannst,
wo deine Zuneigung von Nöten ist.
Göttliche Zuversicht erfülle deine Stimme,
sodass du sie erheben kannst, laut und klar.
Göttliche Sorgfalt behüte deine Hände,
sodass du berühren kannst, sanft und bestimmt.
Göttliche Kraft stärke deine Füße,
sodass du auftreten kannst, fest und sicher.
Göttlicher Segen sei mit dir und mit uns allen.
Im Namens des Vaters und des Sohnes und
des Heiligen Geistes. Amen.


 

7. Sonntag der Osterzeit (Lesejahr A), 24.05.2020, Joh 17,1-11a 
Gebet und Hinführung

Kreuzzeichen

Gebet
Christus hat keine Hände, nur unsere Hände, um seine Arbeit heute zu tun. Er hat keine Füße, nur unsere Füße, um Menschen auf seinen Weg zu führen. Christus hat keine Lippen, nur unsere Lippen, um Menschen von ihm zu erzählen. Er hat keine Hilfe, nur unsere Hilfe, um Menschen an seine Seite zu bringen.

Das Evangelium vom Sonntag lesen: Joh 17,1-11a

Hinführung lesen von Mira Stare

Am Schluss der langen Abschiedsgespräche wendet sich Jesus im Gebet zum Vater. Er betet für die Seinen vor den Seinen und legt damit noch einmal das Zeugnis für seine Verbundenheit mit dem Vater und mit den Seinen vor ihnen ab. In diesem Gebet bringt er das zur Sprache, was ihn in dieser Stunde zutiefst bewegt und was seine bleibende Intention ist. Dabei kommt seine Verbundenheit mit den Seinen und mit dem Vater immer wieder sowohl in seinen Feststellungen als auch in seinen Fürbitten vor. Jesus redet Gott mit „Vater" an. Er weiß, dass die Stunde der Verherrlichung und des Abschiedes von den Seinen und von dieser Welt gekommen ist. Er hat vom Vater die Macht über alle Menschen bekommen. Diese Macht manifestiert sich aber nicht im Herrschen über die Menschen, sondern dient dazu, damit Jesus ihnen ewiges Leben gibt. Das ewige Leben ist nicht eine zeitlose Verlängerung des irdischen Lebens. Er beschreibt es so: „Das aber ist das ewige Leben: dass sie dich, den einzigen wahren Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus" (V. 3). Den einzigen wahren Gott, den Vater, und Jesus, seinen Gesandten, persönlich zu erkennen, ist das ewige Leben. Dabei geht es nicht um einen einmaligen Akt des Intellektes. Dieses Erkennen geschieht in der gegenseitigen Beziehung mit Jesus und durch ihn mit dem Vater. In dieser Beziehung kann nach Johannes der mit Jesus verbundene Mensch bereits hier und jetzt am ewigen Leben partizipieren und nicht erst nach seinem irdischen Tod. Jesus blickt auch auf seine bisherige Sendung zurück und stellt fest: Er hat den Vater auf der Erde verherrlicht und sein Werk, das er ihm aufgetragen hat, zu Ende geführt. Er hat den Vater bzw. seinen Namen den Menschen geoffenbart. Er hat auch die Worte, die er vom Vater bekommen hat, den Menschen gegeben. Alles, was er vom Vater bekommen hat, hat er den ihm anvertrauten Menschen weiter gegeben. Er ist der Empfänger und der Geber zugleich. Jesus stellt fest, dass die Menschen das Wort Gottes und auch seine Worte angenommen und bewahrt haben. Sie haben erkannt, dass er vom Vater ausgegangen ist, und sind zum Glauben gekommen, dass er vom Vater gesandt ist. Auch in dieser Abschiedsstunde liegen die Menschen ihm besonders am Herzen. Er betet: „Für sie bitte ich!" (V. 9).

Zum Weiterdenken 

1. Vor seiner Passion betet Jesus zum Vater vor den Seinen. Bete ich immer allein oder bin ich bereit auch vor andern zu beten?

2. Jesus ist gekommen, damit wir Menschen in Beziehung mit ihm und dem Vater das ewige Leben haben – schon hier und jetzt. Welche Vorstellungen und Erfahrungen vom ewigen Leben habe ich? 

3. „Für sie bitte ich!" (V. 9) betet Jesus innig für die Seinen und damit auch für mich und dich. Und für wen bitte ich inständig und liebevoll in meinen Gebeten? Nur für mich oder auch für andere?

Gedankenaustausch oder Stille

Der Blick auf bedürftige Menschen:
Kennst du einen Menschen? Kennst du einen Menschen, wo du hingehen kannst, wenn du selber nicht mehr weiter weißt, dem du alles sagen kannst, was dich schon lange drückt, der nicht sagt: Du bist total verrückt? Geh zu diesem Menschen, geh zu ihm, zu ihr. Und manchmal sei für andre selbst so ein Mensch!

Kennst du einen Menschen, der dich sehr gut kennt: Deine Träume, deine Schmerzen, deine Schuld? Der dich akzeptiert, so wie du wirklich bist, der für dich ein starkes Kraftfeld ist? Geh zu diesem Menschen, geh zu ihm, zu ihr. Und manchmal sei für andre selbst so ein Mensch!

Kennst du einen Menschen, der auch hart sein kann, der dich fordert und dir nichts erspart? Der dir manchmal weh tut und dich hinterfragt, der dir offen seine Meinung sagt? Geh zu diesem Menschen, geh zu ihm, zu ihr. Und manchmal sei für andre selbst so ein Mensch!

Kennst du einen Menschen, der vom Ziel weiß, von den Sackgassen und Umwegen auch? Der die Spuren deutet, der den Kompass lesen kann, der dich fragt: Wohin? Wozu? Und: Wann? Geh zu diesem Menschen, geh zu ihm, zu ihr. Und manchmal sei für andre selbst so ein Mensch!

Vater unser

Segen (Christiane Eggers-Faschon):
Der Herr segne dich, er mache dich frei von allem 'du musst', 'man tut', den Erwartungen anderer. Er gebe dir den Mut, deinen eigenen Weg zu gehen. Er behüte dich –
nie sollst du dich verlassen fühlen und hilflos den Umständen ausgesetzt. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig: offene Augen und Ohren schenke dir Gott, dass du seine Wunder jeden Tag erkennst in all den unscheinbaren Dingen des Alltags. Frieden gebe er dir, Ablehnung und Lob anderer Menschen sollen dich nicht beirren. Ein Lächeln für jeden deiner Tage schenke er dir, ein großes Lachen, wenn du dich selbst zu ernst nimmst; und einen Stern in jeder dunklen Stunde. Herausforderungen und genügend Ruhe schenke er dir, neue Ideen und funkelnde Überraschungen. Segnend möge er dir nahe sein – Damit du reifen kannst. Im Namens des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der Missionarischen Pastoral der Diözese Innsbruck, www.dibk.at/missionarische-pastoral


 
 
6. Sonntag der Osterzeit (Lesejahr A), 17.05.2020, Joh 14,15-21

Gebet und Hinführung

Kreuzzeichen
Gebet
Rede, Herr, ich höre. Du hast Worte des ewigen Lebens. Herr, lass nicht zu, dass ich dein
Wort nur höre, aber nicht aufnehme; glaube, aber nicht bewahre; kenne, aber nicht tue.
Herr, lass mich aus deinem Wort leben und dich durch mein Leben verherrlichen. Amen.

Das Evangelium vom Sonntag lesen: Joh 14,15-21

Hinführung lesen
von Mira Stare
In den Abschiedsgesprächen vergewissert Jesus den Seinen, dass er sie nicht als Waise zurücklassen wird. Er wird wieder zu ihnen kommen – auch nach seinem Tod – und wird ihr Beistand bleiben. Sie werden aber vom Vater noch einen anderen Beistand bekommen. Das ist der Geist der Wahrheit, der für immer bei ihnen bleiben wird.

Wie innig die Verbundenheit zwischen Jesus, dem Vater und den Seinen ist, zeigt auch diese Aussage Jesu:„Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch" (Joh 14,20). Diese gegenseitige Verbundenheit geschieht in der Liebe: „Wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren" (Joh 14,21). Wiederholt zeigt Jesus den Seinen den Zusammenhang zwischen dem Lieben und dem Halten seiner Gebote. Er hat ihnen bereits sein neues Gebot gegeben: „Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebt, wie/weil ich euch geliebt habe, dass auch ihr einander
liebt" (Joh 13,34). Das radikal Neue im Gebot Jesu ist: Weil Jesus selbst den Seinen Liebe erweist, können / sollen auch sie auf diese Weise handeln. Ihr Handeln auch in der Zukunft ist nicht die Voraussetzung, dass sie von Jesus geliebt werden, sondern hat nur den Antwort-Charakter. Es geht um die Antwort auf die bereits geschenkte Liebe Gottes in und durch Jesus Christus.

Zum Weiterdenken:
1. Der auferstandene Jesus und der Heilige Geist sind zwei Beistände, die auch mir für immer gegeben sind und mir „beistehen". Wie nehme ich ihre Gegenwart in meinem Leben wahr?
2. Auch in unserer Zeit gibt es viele Menschen, die sich als „Waisen" erleben - einsam, verlassen und hilflos. Bin ich bereit zu diesen Menschen zu gehen und ihnen die Frohbotschaft zu vermitteln, nämlich dass Jesus und der Heilige Geist auch ihnen in jeder Situation beistehen?
3. Ist es mir bewusst, dass ich von Jesus und Gott schon immer bedingungslos geliebt bin und dass meine Liebe nur eine Antwort auf diese bereits geschenkte Liebe ist?

Gedankenaustausch oder Stille

Der Blick auf bedürftige Menschen:
Herr meiner Stunden und meiner Jahre,
du hast mir viel Zeit gegeben.
Sie liegt hinter mir, und sie liegt vor mir.
Sie war mein und wird mein, und ich habe sie von Dir.
Ich danke dir für jeden Schlag der Uhr
und für jeden Morgen, den ich sehe.
Ich bitte dich nicht, mir mehr Zeit zu geben.
Ich bitte dich aber um viel Gelassenheit, jede Stunde zu füllen.
Ich bitte dich, dass ich ein wenig Zeit freihalten darf von Befehl und Pflicht,
ein wenig für Stille, ein wenig für das Spiel,
ein wenig für die Menschen am Rand meines Lebens, die einen Tröster brauchen.
Ich bitte dich um Sorgfalt,
dass ich meine Zeit nicht töte, nicht vertreibe, nicht verderbe.
Jede Stunde ist wie ein Streifen Land.
Ich möchte Liebe hineinwerfen, Gedanken und Gespräche, damit Frucht wächst.

Vater unser

Segen:
Göttlicher Segen sei mit dir
Göttliche Kraft
stärke deinen Rücken,
dass du aufrecht stehen kannst,
wo man dich beugen will.
Göttliche Zärtlichkeit
bewahre deine Schultern
so dass die Lasten, die du trägst,
dich nicht niederdrücken.
Göttliche Weisheit
bewege deinen Nacken,
so dass du deinen Kopf
frei heben und ihn dorthin
neigen kannst,
wo deine Zuneigung von Nöten ist.
Göttliche Zuversicht erfülle deine Stimme,
sodass du sie erheben kannst,
laut und klar.
Göttliche Sorgfalt behüte deine Hände,
sodass du berühren kannst,
sanft und bestimmt.
Göttliche Kraft stärke deine Füße,
sodass du auftreten kannst,
fest und sicher.
Göttlicher Segen sei mit dir,
im Namens des Vaters und des Sohnes und
des Heiligen Geistes. Amen.

Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der Missionarischen Pastoral
der Diözese Innsbruck, www.dibk.at/missionarische-pastoral

 


 
5. Sonntag der Osterzeit (Lesejahr A), 10.05.2020, Joh 14,1-12
Gebet und Hinführung

Kreuzzeichen

Gebet
Manche Menschen wissen nicht, wie wichtig es ist, dass sie da sind.
Manche Menschen wissen nicht, wie gut es ist, sie nur zu sehen.
Manche Menschen wissen nicht, wie tröstlich ihr gütiges Lächeln wirkt.
Manche Menschen wissen nicht, wie wohltuend ihre Nähe ist.
Manche Menschen wissen nicht, wieviel ärmer wir ohne sie wären.
Manche Menschen wissen nicht, dass sie ein Geschenk des Himmels sind.
Sie wüssten es, würden wir es Ihnen sagen.
(Petrus Ceelen)

Das Evangelium vom Sonntag lesen: Joh 14,1-12

Hinführung lesen
von Mira Stare

Vor seiner Passion nimmt Jesus den Abschied von den Seinen. Sie sind in dieser Situation verunsichert, verwirrt, orientierungslos. Das bisher Vertraute in der Beziehung zu Jesus scheint zu brechen, das Kommende ist noch nicht greifbar. Jesus nimmt diese Situation wahr und geht auf sie ein. Er ermutigt die Seinen: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren! Glaubt an Gott und glaubt an mich!" (Joh 14,1). Hiermit weist er darauf hin, dass in Verwirrung und Durcheinander im Herzen der Glaube an Gott und an ihn wichtig ist und Verankerung und Halt gibt.
Weiter gibt er den Seinen noch genauer an, wohin er geht. Er geht zum Vater und in sein Haus, um für die Seinen eine sichere Bleibe dort vorzubereiten. Und dann wird er wieder kommen und sie zu sich holen. Auch den Weg dorthin kennen sie. Auf die Verunsiche-rung des Thomas offenbart sich Jesus selber als Weg: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich" (Joh 14,6). Jesus ist der Weg zum Vater. Noch mehr. Wer Jesus erkennt und sieht, der erkennt und sieht den Va-ter. Der Vater, der in Jesus bleibt, vollbringt durch ihn seine Werke. Schließlich gibt Jesus noch eine kühne Perspektive für die Seinen und auch für uns: Auch der oder die an ihn Glaubende wird seine Werke und noch größere vollbringen.

Zum Weiterdenken:
1. Was gibt mir in einer Situation von Verwirrung und Durcheinander Orientierung und Halt? Jesus fordert die Seinen und auch uns auf: „Glaubt an Gott und Glaubt an mich!"
2. „Woher komme ich und wohin gehe ich?" ist eine wichtige Frage für jeden Menschen. In Erschütterungen und Krisen zeigt sich, ob unser Lebensfundament und unsere Grundorientierung halten oder nicht? Jesus hilft den Seinen und auch uns, dieses Fundament in der glaubenden Beziehung zu ihm und dem Vater zu entdecken.
3. Neben der Grundorientierung zeigt Jesus, dass er selber „der Weg, die Wahrheit und das Leben" für die Seinen im konkreten Alltag ist. Habe ich ihn schon als meinen Weg, meine Wahrheit und als mein Leben entdeckt? Jeden Tag habe ich eine neue Chance dafür.
4. Die Werke Jesu und noch größere Werke tun: Das Christsein ist kein passiver Zustand, sondern die Partizipation und das Mitwirken an den Werken Jesu und deren Fortsetzung zu noch größeren Werken. Wo und wie bin ich als Christ / Christin in den Werken Jesu aktiv involviert? Wo und wie vergrößere ich seine Werke in dieser Welt?

Gedankenaustausch oder Stille

Der Blick auf bedürftige Menschen:
Was für ein Glück,
wenn ihr nichts zu verlieren habt,
dann gehört ihr auf die Seite Gottes.
Was für ein Glück,
wenn ihr nicht oberflächlich an aller Not vorbeilebt,
dann werdet ihr umso tieferen Trost erleben.
Was für ein Glück,
wenn ihr geduldige und verstehende Menschen seid,
dann werdet ihr die Zukunft Gottes gewinnen.
Was für ein Glück,
wenn ihr euch mit aller Kraft dafür einsetzt, dass Gerechtigkeit wird,
dann werdet ihr erleben, dass sie in überraschender Weise hereinbricht.
Was für ein Glück,
wenn ihr den Mut habt zu vergeben,
dann werdet ihr selbst auf Vergebungsbereitschaft stoßen.
Was für ein Glück,
wenn euer Herz unkompliziert ist,
dann werdet ihr Gott erfahren.
Was für ein Glück,
wenn ihr Friedensstifter seid,
dann wird euch Gott seine Söhne und Töchter nennen.
Was für ein Glück,
wenn ihr leiden müsst, weil ihr euch dafür einsetzt, dass Gerechtigkeit wird,
dann gehört ihr auf die Seite Gottes.
(nach Matthäus 5)

Vater unser

Segen:
Gott,
du Ursprung allen Lebens,
du Quelle der Liebe,
du bist wie eine gute Mutter
und wie ein guter Vater,
sei vor uns und führe uns,
sei hinter uns und schütze uns,
sei neben uns und begleite uns,
sei zwischen uns und verbinde uns,
sei unter uns und trage uns,
sei in uns und erfülle uns,
sei über uns und segne uns.
Sei du die Freude, die uns belebt,
die Ruhe, die uns erfüllt,
das Vertrauen, das uns stärkt,
die Liebe, die uns begeistert,
der Mut, der uns beflügelt.
So segne uns der gütige und barmherzige Gott,
der Vater, der Sohn und
der Heilige Geist. Amen.

Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der Missionarischen Pastoral der Diözese Innsbruck, www.dibk.at/missionarische-pastoral

 


 

4. Sonntag der Osterzeit (Lesejahr A), 03.05.2020, Joh 10,1-10
Gebet und Hinführung
 
Kreuzzeichen

Gebet (GL 405)
1) Nun danket alle Gott / mit Herzen, Mund und Händen,
der große Dinge tut / an uns und allen Enden,
der uns von Mutterleib / und Kindesbeinen an
unzählig viel zugut / bis hierher hat getan.
2) Der ewigreiche Gott / woll uns bei unserm Leben
ein immer fröhlich Herz / und edlen Frieden geben
und uns in seiner Gnad / erhalten fort und fort
und uns aus aller Not / erlösen hier und dort.
3) Lob, Ehr und Preis sei Gott / dem Vater und dem Sohne
und Gott dem Heilgen Geist / im höchsten Himmelsthrone,
ihm, dem dreiein'gen Gott, / wie es im Anfang war
und ist und bleiben wird / so jetzt und immerdar.

Das Evangelium vom Sonntag lesen: Joh 10,1-10

Hinführung lesen
von Mira Stare
Das heutige Evangelium findet sich in der Mitte des Johannesevangeliums. In einem Gleichnis und dessen Deutung stellt Jesus dem Hirten der Schafe einen Dieb / Räuber / Fremden bzw. die Fremden gegenüber. Die Letzteren kommen zu den Schafen nicht durch die Tür. Sie kommen zu ihnen, um sie zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten. Aber die Schafe folgen ihnen nicht, weil sie ihre Stimme nicht kennen und ihnen nicht vertrauen.
Anders verhält sich der Hirt der Schafe. Er geht durch die Tür zu den Schafen hinein bzw. der Türhüter öffnet ihm die Tür. Er ruft die eigenen Schafe bei ihrem Namen, führt sie hinaus und geht ihnen voran. Auch ihm gegenüber bleiben die Schafe nicht passiv. Sie hören nämlich auf seine Stimme, die sie kennen, und folgen ihm. In der Deutung des Gleichnisses identifiziert sich Jesus sowohl mit der Tür als auch mit dem guten Hirten, der die „Schafe" – die ihm anvertrauten Menschen – nicht nur bewahrt, sondern für sie sein eigenes Leben hingibt und ihnen das Leben in Fülle schenkt.

Zum Weiterdenken:
1. Jesus, der gute Hirt, kommt auch zu uns heute, damit wir die „Weide" finden und das „Leben in Fülle" haben. Ist es mir bewusst, dass ich bereits hier und jetzt durch Jesus Anteil habe am „Leben in Fülle"?
2. Die Hirtenfürsorge Jesu zeigt sich auch in der Begleitung der „Schafe". Er führt sie aus dem Stall hinaus auf die Weide, begleitet sie und geht ihnen voran. Er schützt ihr Leben. Wie können wir – auch in der Zeit der Gefahr durch das Coronavirus – das Leben unserer Mitmenschen schützen, wenn wir hinausgehen und ihnen begegnen? Nach dem Vorbild Jesu sind wir aufgerufen, die Beschützer des Lebens auch für unsere Mitmenschen zu sein.

Gedankenaustausch oder Stille

Der Blick auf bedürftige Menschen:
Aber da war doch einer
der sich keinem Leistungsdruck beugte
der nicht konsumierte
dem nicht alles selbstverständlich erschien
dem Geldverdienen nichts bedeutete
der nicht haben haben haben wollte
der sich verschenkte wie Brot und Wein
die Sucht nach Erfolg beherrschte ihn nicht
die Blume war für ihn Blume
und der Mensch war ihm Mensch.
Da war doch einer
der kämpfte nicht gegen sondern für
der machte niemanden zum Opfer
sondern wurde selbst das Opfer.
Da war doch einer
Jesus von Nazareth
„was ich von ihm halte
dass er mich hält"
dass er mich mitnimmt
dass er mir Brot und Wein
und Licht und Leben ist
und Bruder Mensch und Gott ist
und dass ich leben kann
wie er gelebt hat
Bruder Mensch und - ja vielleicht auch - Gott für viele.
Ich hoffe auf ihn
und bitte um seinen Segen
und um den Segen dessen,
den er seinen Vater nannte
und um seinen Geist. Amen.

Vater unser

Altchristliches Segensgebet (4. Jhd.):
Der Herr sei vor dir,
um dir den rechten Weg zu zeigen.
Der Herr sei neben dir,
um dich in die Arme zu schließen und dich zu schützen.
Der Herr sei hinter dir,
um dich zu bewahren vor der Heimtücke böser Menschen.
Der Herr sei unter dir,
um dich aufzufangen, wenn du fällst.
Der Herr sei in dir,
um dich zu trösten, wenn du traurig bist.
Der Herr sei um dich herum,
um dich zu verteidigen, wenn andere über dich herfallen.
Der Herr sei über dir,
um dich zu segnen.
So segne dich der gütige und barmherzige Gott,
der Vater, der Sohn und
der Heilige Geist. Amen.

Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der Missionarischen Pastoral
der Diözese Innsbruck, www.dibk.at/missionarische-pastoral
 


 
3. Sonntag der Osterzeit (Lesejahr A), 26.04.2020, Joh 21,1-14, Gebet und Hinführung

Kreuzzeichen

Gebet (GL 448)
Herr, gib uns Mut zum Hören,
auf das, was du uns sagst.
Wir danken dir,
dass du es mit uns wagst.
Herr, gib uns Mut zum Leben,
auch wenn es uns bedrückt.
Wir danken dir,
du hast den Tod besiegt.

Das Evangelium vom Sonntag lesen: Joh 21,1-14

Hinführung lesen
Von Martin Hasitschka

Die sieben Jünger im Boot haben sich beim Fischen vergeblich abgemüht. Die ganze Nacht. Sie sind müde und erschöpft. Am frühen Morgen steht Jesus, der Auferstandene am nahen Seeufer. Seine ersten Worte: „Meine Kinder, habt ihr keinen Fisch zu essen?" Seine letzten Worte an die Sieben nach dem wunderbaren Fischfang, den er ihnen ermöglicht hatte: „Kommt her uns esst!" Am Seeufer sehen sie ein Kohlenfeuer und darauf Fisch liegen und Brot. Die Erzählung von der Erscheinung Jesu am Seeufer führt uns dann in eine seltsame Verunsicherung. „Keiner von den Jüngern wagte ihn befragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war." Ohne dass noch ein Wort gesprochen wird, folgt jedoch eine bedeutungsvolle Handlung: Jesus tritt heran, nimmt das Brot und gibt es ihnen, ebenso den Fisch.
Spätestens jetzt werden die Jünger an etwas erinnert, nämlich an ein wunderbares Ereignis zu Lebzeiten Jesu (Joh 6,1-15). Es war damals am selben Seeufer. Eine große Volksmenge kam zu Jesus. Ähnlich wie jetzt hat er damals das Brot genommen und es ihnen gegeben, jedem persönlich. Ähnlich wie jetzt hat er damals als Zuspeise zum Brot auch Fisch ausgeteilt. Spätestens jetzt wird den Jüngern klar: Der Auferstandene ist kein anderer als Jesus von Nazaret. In einer für ihn typischen Weise teilt er uns jetzt Brot und Fisch aus so wie er es damals getan hat.
Am Schluss unserer Ostererzählung sagt der Evangelist: Das war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte. Schon das dritte Mal, das heißt, Begegnungen mit dem Auferstandenen setzen sich fort. Wir dürfen sagen: setzen sich fort bis heute.

Zum Weiterdenken:
1. Aus jenem Mahl am Seeufer ist in der Urkirche die Feier des Brotbrechens (Apg 2,42.46) und des Herrenmahles (1 Kor 11,17-34) geworden und später unsere Eucharistiefeier. Ist sie für mich ein Zeichen, an dem ich den auferstandenen Jesus erkenne?
2. Galiläa ist die Alltagswelt der Jünger. Erfahre ich die Gegenwart des Auferstandenen und Begegnung mit ihm auch in meiner konkreten Alltagssituation?

Gedankenaustausch oder Stille

Der Blick auf bedürftige Menschen:
Was ich tun kann
Gott, was kann ich schon tun,
angesichts des Elends und der Not so vieler?
Herr, ich kann nicht verhindern,
dass viele Menschen vereinsamen,
ich kann aber dazu beitragen,
dass manche sich nicht einsam fühlen.
Ich kann nicht verhindern,
dass Menschen unter Depressionen leiden,
ich kann aber dazu beitragen,
dass dieser oder jener es etwas leichter hat.
Ich kann nicht verhindern,
dass Menschen sich mit Alkohol und Drogen betäuben,
ich kann aber manche
behutsam begleiten.
Ich kann nicht verhindern,
dass tausende Menschen Jahr für Jahr
durch eigene Hand sterben,
ich kann aber da sein,
wenn jemand mich braucht.
Ich kann nicht verhindern,
dass Völker sich bekriegen;
ich kann aber dazu beitragen,
dass die Kleinkriege um mich
herum ein Ende nehmen.
Allmächtiger Gott,
es ist äußerst wenig, was ich als Einzelner tun kann,
aber mehr, als ich glaube! Amen.
(nach Carlo Caretto)

Vater unser

Segen: (Heinz Pangels)
Der Herr segne dich.
Er erfülle dein Herz mit Ruhe und Wärme,
deinen Verstand mit Weisheit,
deine Augen mit Klarheit und Lachen,
deine Ohren mit wohltuender Musik,
deinen Mund mit Fröhlichkeit,
deine Nase mit Wohlgeruch,
deine Hände mit Zärtlichkeit,
deine Arme mit Kraft,
deine Beine mit Schwung,
deine Füße mit Tanz,
deinen ganzen Leib mit Wohlbefinden.
So lasse der Herr
alle Zeit seinen Segen auf dir ruhen.
Er möge dich begleiten und beschützen,
dir Freude schenken dein Leben lang,
dir Mut zusprechen in schweren Zeiten.
Im Namen des Vaters, des Sohnes und
des Heiligen Geistes. Amen.

Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der Missionarischen Pastoral
der Diözese Innsbruck, www.dibk.at/missionarische-pastoral
 


 
2. Sonntag der Osterzeit (Lesejahr A), 19.04.2020, Joh 20,19-31, Gebet und Hinführung

Kreuzzeichen

Gebet (Augustinus zugeschrieben)
Atme in mir, du Heiliger Geist,
dass ich Heiliges denke.
Treibe mich, du Heiliger Geist,
dass ich Heiliges tue.
Locke mich, du Heiliger Geist,
dass ich Heiliges liebe.
Stärke mich, du Heiliger Geist,
dass ich Heiliges behüte.
Hüte mich, du Heiliger Geist,
dass ich das Heilige nimmer verliere.

Das Evangelium vom Sonntag lesen: Joh 20,19-31

Hinführung lesen
Von Martin Hasitschka

Warum ist Thomas speziell an den Wundmalen Jesu interessiert? Er nennt eine Bedingung: „Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht" - glaube ich keinesfalls (Joh 20,25). Das Problem, das Thomas hat, betrifft die Identität des auferstandenen mit dem gekreuzigten Jesus. Es genügt ihm nicht, sich den Auferstandenen irgendwie als Himmelsgestalt vorzustellen. Er will zur Gewissheit gelangen, dass der Auferstandene kein anderer ist als Jesus, und zwar der Gekreuzigte.
Acht Tage nach dem Ostertag, also genau nach einer Woche finden die Fragen und Probleme des Thomas eine Lösung. Und zwar, weil Jesus die Initiative ergreift. Thomas hat nun die Gelegenheit, Jesu Wundmale zu betrachten und zu betasten. Ob Thomas die Wundmale tatsächlich berührt, wird nicht gesagt. Wir haben sogar den Eindruck, dass er darauf verzichtet, weil er überwältigt ist von der Begegnung mit dem Auferstandenen. Dem Thomas aber auch uns werden zwei große Gedanken mitgegeben:
Erstens: Der Auferstandene ist kein anderer als der irdische Jesus. Die Wundmale / Narben gehören bleibend zu ihm.
Zweitens: Der auferstandene Jesus lebt weiterhin in jener Intention / Gesinnung, die er in seinem irdischen Wirken bekundet hat, und an die die Wundmale erinnern. Sie erinnern an das Zeugnis, das Jesus für Gott gegeben hat, und das er mit seinem am Kreuz vergossenen Blut besiegelt hat. Er ist den Tod eines Märtyrers gestorben. Doch Gott hat ihn gerettet und damit auch bestätigt. Die Wundmale erinnern uns daran und bestätigen uns, dass Gott wirklich der ist, den Jesus verkündet hat. Die Wundmale erinnern auch an Jesu Liebe zu den Seinen, die bis zum äußersten gegangen ist, bis zur freiwilligen Lebenshingabe. Jesus lebt weiterhin in dieser Haltung der Liebe zu den Menschen.
Die letzten Worte des Auferstandenen im heutigen Evangelium: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben". Wir sehen den Auferstandenen nicht mit unseren Augen. Doch er ist - so sind wir überzeugt - zwar unsichtbar, aber dennoch wirklich unter uns gegenwärtig. Er weiß um uns und wir haben im Glauben persönliche Beziehung zu ihm.

Zum Weiterdenken:
„Selig bist du, der / die du nicht siehst und doch glaubst." - Kann ich das in meiner konkreten Lebenssituation auf mich beziehen?

Gedankenaustausch oder Stille

Der Blick auf bedürftige Menschen:
Nicht nur die Wunde ist wichtig
Sag es mir wieder großer Gott:
Nicht nur die Wunde ist wichtig,
die ich verbinde,
sondern der Mensch,
dem die Wunde gehört.
Nicht nur die Krankheit ist wichtig,
die ich behandle,
sondern der Mensch,
der sie erleidet.
Darum bitte ich Dich:
Mach mein Auge klar,
mein Gesicht hell,
meinen Mund froh
und meine Hände zart,
damit ich Mensch bin
ganz und gar.
(Anton Rotzetter)

Gebet (Franz von Assisi)
Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich liebe, wo man hasst;
dass ich verzeihe, wo man beleidigt;
dass ich verbinde, wo Streit ist;
dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;
dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;
dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;
dass ich die Freude bringe, wo der Kummer wohnt.
Herr, lass mich trachten,
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.
Denn: Wer sich hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.

Vater unser

Segen: Auf dem Weg (Pierre Stutz)
Kraft zum Unterwegssein wünsche ich dir: Gottes Bestärkung in deinem Leben
Mut zur Versöhnung wünsche ich dir: Gottes Wohlwollen in deinem Leben
Grund zur Hoffnung wünsche ich dir: Gottes Licht in deinem Leben
Vertrauen zum Miteinander wünsche ich uns: Gottes Verheißung, sein Volk zu sein
Begeisterung zum Aufbruch wünsche ich uns: Gottes Wegbegleitung und Segen
Es segne uns der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der Missionarischen Pastoral
der Diözese Innsbruck, www.dibk.at/missionarische-pastoral
 

 
 
Ostersonntag (Lesejahr A), 12.04.2020, Joh 20,1-18, Gebet und Hinführung
 
Kreuzzeichen
 
Gebet (aus dem Exsultet, dem Osterlob aus der Osternacht)
Frohlocket, ihr Chöre der Engel,
frohlocket, ihr himmlischen Scharen,
lasset die Posaune erschallen,
preiset den Sieger, den erhabenen König!
Lobsinge, du Erde, überstrahlt vom Glanz aus der Höhe!
Licht des großen Königs umleuchtet dich.
Siehe, geschwunden ist allerorten das Dunkel.
Auch du freue dich, Mutter Kirche,
umkleidet von Licht und herrlichem Glanze!
Töne wider, heilige Halle, töne von des Volkes mächtigem Jubel.
 
Das Evangelium vom Ostersonntag lesen: Joh 20,1-18
 
Hinführung lesen
Von Martin Hasitschka
 
Maria von Magdala ist sowohl die Erste, die das leere Grab entdeckt, als auch die Erste, die dem Auferstandenen begegnet, und sie ist auch die erste Osterbotin. Sie ist eine Modellgestalt für uns.
An ihr zeigt sich beispielhaft, dass der auferstandene Jesus die Initiative ergreifen muss, damit Menschen aus ihrer Trauer, Angst und Skepsis befreit werden und zum Osterglauben finden.
Das erste Wort des Auferstandenen an Maria sind die Fragen: Warum weinst du? Wen suchst du? - Fragen, die wir auch auf uns beziehen dürfen. Jesus interessiert sich für unser Leid, unsere Probleme. Er weiß um unser Suchen nach ihm, dem Lebenden, der unserem Leben Sinn und Hoffnung geben kann.
Zur Gewissheit, dass der Gekreuzigte von den Toten auferweckt wurde und lebt, gelangt Maria durch die Art, wie er sie beim Namen nennt. Anstelle des Namens Maria dürfen wir unseren eigenen Namen einsetzen. Damit verbindet sich der Gedanke, dass eine einzigartige persönliche Verbundenheit mit dem Herrn besteht.
Maria ist schließlich eine Modellgestalt, die uns motiviert, die Osterbotschaft weiterzutragen. Sie verkündet: Ich habe den Herrn gesehen. Auch wenn wir den Herrn nicht so sehen wie Maria – kleinere oder größere Ostererfahrungen machen auch wir. Sie ermutigen uns dazu, in unserer eigenen Lebenssituation zu bezeugen: Jesus ist wirklich auferstanden.
Zum Weiterdenken:
1. Jesus ist auferstanden. Er lebt! Wo erleben wir Auferstehung in der Zeit der Krise?
2. Wo sind wir wie Maria von Magdala auf der Suche nach Jesus?
 
Gedankenaustausch oder Stille
 
Der Blick auf bedürftige Menschen:
Ich glaube an die Macht der Liebe,
die Grenzen überschreitet,
die persönliche Beziehungen vom Ich zum Du,
vom Ich zum Wir der Weltgemeinschaft gelingen lässt.
Ich glaube an die Macht der Liebe,
die Tränen trocknet und Wunden heilt,
die Elend und Not mit dem Mantel der geschwisterlichen Anteilnahme umfängt.
Ich glaube an die Macht der Liebe,
die den Schrei der Armen hört und ihnen in Solidarität die Hände reicht.
Ich glaube an die Macht der Liebe,
die Zäune abbricht, Mauern niederreißt und Brücken baut.
Ich glaube an die Macht der Liebe,
die Herzen bewegt und Distanzen zwischen den Menschen überwindet.
Ich glaube an die Macht der Liebe,
die Leben spendet und unseren Weg in die Zukunft hell werden lässt.
(Bischof Erwin Kräutler)
 
Osterspeisensegnung:
Zu Ostern feiern wir die Auferstehung Jesu, wir feiern, dass das Leben stärker ist als der Tod. Beim gemeinsamen Essen der Osterspeisen sagen wir Danke für alle das, was uns an Gutem geschenkt ist. Wir sagen Danke für das Miteinander, für unsere Familien. Wir erinnern uns an die Zusage Gottes an uns: Ich werde immer bei euch sein. Ich werde von euch die Sorgen und das Belastende nehmen und euch zu neuem Leben führen.
So bitten wir um den Segen Gottes für unsere Speisen und uns selbst. Im Segen dürfen wir erfahren: So wie Jesus durch die Phase des Todes zu einer neuen Lebendigkeit hindurch gegangen ist, so werden auch wir letztendlich mit neuer Kraft und Freude aus dieser Phase der Krise herauskommen.
 
Nach einer kurzen Stille wird (gemeinsam) der Osterkorb ausgepackt, die Speisen werden einzeln auf den Tisch gelegt und dazu wird jeweils (abwechselnd) der entsprechende Teil des Segensgebetes gesprochen.
 
Bitten wir nun Gott um seinen Segen für diese Osterspeisen.
Das Osterbrot wird auf den Tisch gelegt.
Gott, segne dieses Osterbrot. Weizenkörner werden in die Erde gesät, sie sterben und bringen reiche Frucht. Aus den Körnern wird das Mehl und später das Brot hergestellt. Jesus Christus ist für uns das lebendige Brot, das uns Leben schenkt. Wir danken Dir dafür.
Wir loben dich. Wir preisen dich.
Das Osterfleisch wird auf den Tisch gelegt.
Gott, segne dieses Osterfleisch. Es ist ein Zeichen für das wahre Osterlamm, für Jesus Christus. Durch sein Leiden und Auferstehen haben alle Menschen die Hoffnung auf ewiges Leben. Wir danken Dir dafür.
Wir loben dich. Wir preisen dich.
Die Ostereier werden auf den Tisch gelegt.
Gott, segne diese Eier. So wie Jesus Christus das Grab gesprengt hat, so werden auch die Eierschalen gesprengt. Die Eier sind ein Zeichen für neues Leben und für einen Neubeginn. Wir danken Dir dafür.
Wir loben dich. Wir preisen dich.
Der Kren wird auf den Tisch gelegt.
Gott, segne diesen Kren. Die Schärfe des Krens erinnert uns an das Leiden Jesu. Doch Jesus hat das Leiden überwunden und ist auferstanden vom Tod. Wir danken Dir dafür.
Wir loben dich. Wir preisen dich.
Das Salz wird auf den Tisch gelegt.
Gott, segne dieses Salz. Wir verwenden es als Würzmittel, aber auch um Speisen haltbar zu machen. Salz ist ein Zeichen, dass die Auferstehung von Jesus Christus uns unzerstörbares Leben schenkt. Wir danken Dir dafür.
Wir loben dich. Wir preisen dich.
Die Kräuter werden auf den Tisch gelegt.
Gott, segne diese Kräuter. Das Grün der Kräuter steht für das Wachsen und Gedeihen. Es soll uns erinnern, dass aus dem geöffneten Grab neues Leben keimt, blüht und Frucht bringt. Wir danken Dir dafür.
Wir loben dich. Wir preisen dich.
Es können auch noch andere Speisen auf den Tisch gelegt werden.
Gott, so wie Jesus nach seiner Auferstehung unter seinen Jüngern war, so vertrauen wir darauf, dass Jesus auch jetzt unter uns ist. Gemeinsam erinnern wir uns an seinen Tod und seine Auferstehung und bitten Dich: Schenke uns und allen unseren Lieben Deinen Segen. Amen.
 
Vater unser
 
Segen: (aus Afrika)
Der Herr segne dich.
Er erfülle deine Füße mit Tanz
und deine Arme mit Kraft.
Er erfülle dein Herz mit Zärtlichkeit
und deine Augen mit Lachen.
Er erfülle deine Ohren mit Musik
und deine Nase mit Wohlgerüchen.
Er erfülle deinen Mund mit Jubel
und dein Herz mit Freude.
Er schenke dir immer neu
die Gnade der Wüste:
Stille, frisches Wasser und neue Hoffnung.
Er gebe uns allen immer neu die Kraft,
der Hoffnung ein Gesicht zu geben.
Es segne dich der Vaters, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.
 
Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der Missionarischen Pastoral
der Diözese Innsbruck, www.dibk.at/missionarische-pastoral
 

 
 
Palmsonntag (Lesejahr A), 05.04.2020, Mt 26,14-27,66, Gebet und Hinführung
 
Kreuzzeichen
 
Gebet
Gott, wenn wir tatsächlich anfingen zu geben, was wir haben:
Zeit und Interesse, Name und Talent,
Kraft und Arbeit, Trost und Mut;
wenn wir tatsächlich anfingen zu teilen, was wir haben,
Anteil zu nehmen mit Händen und Füßen, Mund und Herz,
andere teilhaben zu lassen an unserem
Weinen und Lachen, Singen und Verlangen,
dann würde sich unsere Welt verwandeln in eine Welt voll Licht,
dann würde der Friede unter uns aufblühen.
Aber wir können ja damit anfangen. Hilf uns dabei.
Amen.
 
Das Evangelium vom Palmsonntag (der Passionsbericht nach dem Matthäusevangelium)
lesen: Mt 26,14-27,66
 
Hinführung lesen
Von Martin Hasitschka
 
Zur Hinführung möchte ich nur ein Thema auswählen, nämlich die Abendmahlsworte Jesu (Mt 26,26-29).
Beim letzten Abendmahl reicht Jesus den Jüngern Brot und sagt: „Nehmt und esst; das ist mein Leib“. Und er reicht ihnen den Kelch und sagt: „Trinkt alle daraus; das ist mein Blut des Bundes …“ Der griechische Urtext legt uns nahe, die deutenden Worte „das ist“ nicht auf die Gaben von Brot und Wein für sich genommen zu beziehen, sondern auf die Mahlgemeinschaft 
mit Jesus, die nach seinem Fortgang in den Tod nicht zu Ende sein wird.
Mit „Leib“ (sōma) ist der ganze Mensch gemeint. „Das ist mein Leib“ können wir auch so umschreiben: „Das bin ich“. Der Ausdruck „Blut des Bundes“ erinnert an den Ritus, mit dem einst am Berg Sinai der Bund zwischen Gott und dem Volk besiegelt wurde (Ex 24,8). In seiner Lebenshingabe („Blut“) besiegelt Jesus seinen Bund, seine Gemeinschaft mit uns. Eine Gemeinschaftswirklichkeit hat Bestand – über Jesu Tod hinaus.
Den Schluss der Abendmahlsworte Jesu bildet eine prophetische Verheißung: „Von jetzt an werde ich nicht mehr von dieser Frucht des Weinstocks trinken, bis zu dem Tag, an dem ich mit euch von Neuem davon trinke im Reich meines Vaters.“
Mahlgemeinschaft mit dem irdischen Jesus geht bis zum letzten Abendmahl. Im himmlischen Reich seines Vaters wird – so hoffen wir - Gemeinschaft mit ihm einst in neuer und vollendeter Weise Wirklichkeit. In der „Zwischenzeit“, in der wir heute leben, erfahren wir Mahlgemeinschaft mit dem auferstandenen und geheimnisvoll gegenwärtigen Jesus in den eucharistischen Gaben von Brot und Wein.
 
Zum Weiterdenken:
Seit der Liturgiereform durch das zweite Vatikanische Konzil bekennen wir in jeder Eucharistiefeier nach den Wandlungsworten: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.“ Wird nicht – so können wir uns fragen – in diesem Bekenntnis all das aufgegriffen und aktualisiert, was uns in den Abendmahlsworten Jesu im Matthäusevangelium überliefert ist?
 
Gedankenaustausch oder Stille
 
Der Blick auf bedürftige Menschen:
Wo immer Menschen
Gottes Liebe weiterschenken
sich um andere sorgen
verstehen und nicht verurteilen
mit dem Herzen sehen
barmherzig sind
bereit zu dienen
mit langem Atem das Unrecht bekämpfen
Bedrückte aufrichten
teilen und Anteil nehmen
begleiten und hören
ermutigen und trösten
oder schweigend einfach zur Seite stehen
Da bricht das Licht der Liebe
durch alles Dunkel
da leuchtet Gottes Güte auf
da wächst Friede
(Caritasseelsorger Elmar Simma)
 
Gebet:
Herr meiner Stunden und meiner Jahre,
du hast mir viel Zeit gegeben.
Sie liegt hinter mir, und sie liegt vor mir.
Sie war mein und wird mein, und ich habe sie von Dir.
Ich danke dir für jeden Schlag der Uhr
und für jeden Morgen, den ich sehe.
Ich bitte dich nicht, mir mehr Zeit zu geben.
Ich bitte dich aber um viel Gelassenheit, jede Stunde zu füllen.
Ich bitte dich, dass ich ein wenig Zeit freihalten darf von Befehl und Pflicht,
ein wenig für Stille, ein wenig für das Spiel,
ein wenig für die Menschen am Rand meines Lebens, die einen Tröster brauchen.
Ich bitte dich um Sorgfalt,
dass ich meine Zeit nicht töte, nicht vertreibe, nicht verderbe.
Jede Stunde ist wie ein Streifen Land.
Ich möchte Liebe hineinwerfen, Gedanken und Gespräche, damit Frucht wächst.
(Jörg Zink)
 
Vater unser
 
Segen: (Christa Spilling-Nöker)
 
Gott sei mit dir
Gott sei mit dir beim Anbruch des Morgens,
dass du gespannt und erwartungsvoll
dem entgegenblickst, was dir dieser Tag
abverlangt und was er dir schenken will.
Gott sei mit dir in allem, das du tust,
dass deine Arbeit fruchtbar sei und
durch dein Wirken hindurch etwas
spürbar wird von Gottes Frieden und Liebe.
Gott sei mit dir in den Stunden deiner Muße,
dass du Ruhe und Frieden findest in dir selbst
und dir neue Kräfte zuwachsen für dein Tun.
Gott sei mit dir, wenn die Nacht anbricht,
dass du dankbar zurückschauen kannst
auf die Last und die Lust des vergangenen Tages
und gewiss sein kannst, dass nichts vergeblich war.
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.
 

 
5. Fastensonntag (A), 29.03.2020, Joh 11,1-45, Gebet und Hinführung
 
Kreuzzeichen
 
Gebet
Guter Gott, ich möchte mir dir reden und dir sagen,
dass ich dir für diesen Tag danke,
auch wenn manches schwer sein wird.
Ich vertraue aber darauf,
dass du bei mir bist
und mich ständig begleitest.
Deine Nähe wird mir Kraft und Stärke geben
und mir große Hilfe sein.
Ich danke dir, dass du jeden Tag neu mit mir gehst.
Lass mich jetzt offen sein für dein Wort,
damit ich deine Botschaft erkenne
und neue Kraft für mein Leben bekomme.
Amen.
 
Evangelium vom Sonntag in der Bibel lesen: Joh 11,1-45
 
Hinführung lesen
Gudrun Guerrini
 
Die Auferweckung des Lazarus, ein „Superwunder“ als I-Tüpfchen des Wirkens Jesu mit
einer Dramaturgie, die ihresgleichen sucht! Keine leichte Kost, die an diesem Sonntag
aufgetischt wird.
Wenn man dieses Evangelium liest, ist man zunächst vom Verhalten Jesu irritiert. Ein
geliebter Freund ist krank und er zögert seinen Aufbruch zu ihm hinaus (Vers 6), spielt die
Ernsthaftigkeit der Situation herunter (Verse 11-15) und nimmt seinen Tod in Kauf. Er führt
mit den Jüngern (Verse 9-15) und mit Marta, der Schwester des Lazarus (Verse 20-27)
abgehobene theologische Diskussionen. Erst Maria und die weinende Trauergemeinde
rufen bei Jesus Emotionen hervor (Verse 32-35) und er beginnt zu handeln. Mit dem Ruf:
„Lazarus komm heraus“ (Vers 43) holt er Lazarus, der schon vier Tage tot im Grab war,
zurück ins Leben.
Würde man es dabei belassen, dieses Wunder einfach nur als Wunder zu betrachten,
bliebe man an der Oberfläche. Der Evangelist Johannes verwendet nicht den Begriff
Wunder, sondern Zeichen. Zeichen stehen nicht für sich, sondern sie weisen auf etwas
hin. In der vorliegenden Stelle soll im beschriebenen Geschehen die Herrlichkeit Gottes
aufleuchten (Vers 4) und Menschen zum Glauben führen: die Jünger (Vers 15), Marta
(Verse 25-27) und schließlich die Juden, die zu Zeugen der Auferweckung des Lazarus
wurden (Vers 42).
Es geht um Leben und Tod. Die Verse 24-25 können als Schlüssel zur Deutung des
ganzen Geschehens gelesen werden. Jesus sagt: „Ich bin die Auferstehung und das
Leben. Wer an mich glaubt wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder der lebt und an mich
glaubt, wird auf ewig nicht sterben.“ Nach medizinischen Maßstäben ist das unmöglich.
Man kann nicht sterben und trotzdem leben. Spätestens hier wird deutlich, dass Jesus die
Grenzen anders zieht. Leben in Beziehung mit ihm relativiert die Grenze des physischen
Todes und überwindet sie. Wer an Jesus glaubt, für den ist der Tod nicht das Problem und
das Sterben nicht das Ende. Das ist herausfordernd und radikal!
Der Ruf „Lazarus komm heraus!“ ist ein Ruf zurück ins Leben. Wir dürfen ihn hören und
unsere eigenen Namen einsetzen, wenn wir uns „wie tot“ fühlen, erstarrt, innerlich erkaltet,
ohne einen Funken Lebendigkeit. Jesus ruft zum Leben im Leben, zu einem Leben in
Fülle. (Joh 10,10). Dazu ist er gekommen.
Zum Weiterdenken:
1. Der verordnete Rückzug auf Grund der Corona Pandemie wird unterschiedlich erlebt.
Die Lebendigkeit, das „Leben im Leben“ steht unter anderen Vorzeichen. Welche Entdeckungen
haben Sie gemacht? Welche neuen Erfahrungen wurden möglich? Was
stärkt und macht jetzt lebendig? Mit wem könnten Sie Ihre Erfahrungen teilen?
2. Das Leben ist stärker als der Tod! - so lautet die christliche Botschaft, die Hoffnung in
der Trauer um einen lieben Menschen schenken soll. Gibt es dazu Erfahrungen aus Ihrem
Leben? Gespräche, Begebenheiten, Bilder usw.
 
Evangelium vom Sonntag noch einmal lesen
 
Gedankenaustausch oder Stille
 
Gebet:
Rüttle uns auf...
Mach uns unruhig, o Herr,
wenn wir allzu selbstzufrieden sind,
wenn unsere Träume sich erfüllt haben,
weil sie allzu klein, zu eng waren
und auch zu beschränkt;
wenn wir uns im sicheren Hafen
bereits am Ziel wähnen,
weil wir allzu dicht am Ufer entlang segelten.
Mach uns unruhig, o Herr,
wenn wir über die Fülle der Dinge,
die wir besitzen,
den Durst nach den Wassern des Lebens verloren haben;
wenn wir, verliebt in diese Erdenzeit,
aufgehört haben, von der Ewigkeit zu träumen:
wenn wir über all den Anstrengungen,
die wir in den Aufbau der neuen Ernte investieren,
unsere Vision des neuen Himmels verblassen ließen.
Rüttle uns auf, o Herr, damit wir kühner werden
und uns hinauswagen auf das weite Meer,
wo uns die Stürme deine Allmacht offenbaren,
wo wir mit schwindender Sicht auf das Ufer
die Sterne aufleuchten sehen.
Im Namen dessen, der die Horizonte
unserer Hoffnungen weit hinausgeschoben hat
und die Beherzten aufgefordert hat,
ihm zu folgen.
Amen.
(Gebet von Basisgemeinschaften aus Mindanao-Sulu, Philippinen)
 
Vater unser
 
Segen:
Guter Gott,
Segne unsere Füße und die Wege, die wir gehen,
damit sie Wege zu den Menschen und zu dir werden.
Segne unsere Hände und die Arbeit, die wir tun,
damit unsere Werke von deiner Schönheit erzählen.
Segne unseren Mund und unsere Stimme,
damit unsere Worte von deinem Frieden und deiner Freude verkünden.
Segne unsere Ohren und unsere innere Offenheit,
damit wir die Freuden, Sorgen und Ängste der Menschen wahrnehmen können.
Segne unsere Augen und die Bilder in uns,
damit wir Unrecht erkennen und deiner Gerechtigkeit dienen.
Segne unser Herz und unsere Empfindungen,
damit wir mitfühlen können, und Menschen durch uns
etwas von deiner Liebe erahnen.
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.
 

 
4. Fastensonntag (A), 22.03.2020, Joh 9,1-41, Gebet und Hinführung
 
Kreuzzeichen
 
Gebet (Gotteslob 557)
Sei hier zugegen, Licht unsres Lebens
Sei hier zugegen in unsrer Mitte
Lös unsre Blindheit, dass wir dich sehen
Mach unsre Sinne wach für dein Kommen
Zeig deine Nähe, dass wir dich spüren
Weck deine Stärke, komm und befreie uns.
Sei hier zugegen, damit wir leben
Sei hier zugegen, stark wie ein Feuer
Flamme und leben, Gott bei den Menschen
Komm und befreie uns, damit wir leben
Komm uns zu retten wie Licht in der Frühe
Komm wie der helle tag, Licht unsern Augen.
Sei hier zugegen mit deinem Leben,
in unsrer Mitte, Gott bei den Menschen
Herr aller Mächte, Gott für die Menschen
Zeig uns dein Angesicht, gib uns das Leben
Oder bist du, o Gott, ein Gott der Toten?
Komm, sei uns nahe, damit wir leben.
Amen.
 
Evangelium vom Sonntag in der Bibel lesen: Joh 9,1-41
 
Hinführung lesen
Gudrun Guerrini
 
Die Heilung des Blindgeborenen – mit dieser Überschrift wird unsere Aufmerksamkeit
bereits auf den entscheidenden Aspekt des Sonntagsevangeliums gelenkt. Wie
vielschichtig dieses Heilungsgeschehen ist, wird sehr eindrücklich beschrieben.
Jesus und der Blindgeborene begegnen sich zweimal. Am Beginn wird die Heilung des
Mannes beschrieben (Verse 1-7), in der zweiten Begegnung (Verse 35-38) bezeugt dieser
seinen Glauben an den Menschensohn. Zwischen diesen beiden Begegnungen muss sich
der Geheilte erklären und rechtfertigen. Er wird regelrecht verhört: Von Nachbarn,
Bekannten (Verse 8-12), zweimal von den Pharisäern (Verse 13-17 und 24-34), auch
seine Eltern werden befragt (Verse 18-23).
In den Verhören wiederholt sich eine Frage: Wie kommt es, dass der Blindgeborene sieht?
An seinen Antworten wird deutlich, dass der Blindgeborene in seinem Erkennen, wer ihn
geheilt hat, zunehmend sehender wird: Geheilt hat ihn ein Mann der Jesus heißt (Vers 11),
dieser ist ein Prophet (Vers 17), dieser ist von Gott (Vers 33). Schließlich bekennt er: Ich
glaube, Herr! (Vers 38) Sehend werden hat in dieser Heilungserzählung sowohl eine
körperliche als auch eine geistlich-spirituelle Dimension.
Jesus sagt: „Um zu richten bin ich in die Welt gekommen, damit die nicht Sehenden sehen
Missionarische Pastoral der Diözese Innsbruck, www.dibk.at/missionarische-pastoral
und die Sehenden blind werden“ (Vers 39). Dabei geht vor allem ums „Sehen“, wer Jesus
ist. Der Blindgeborene macht nach seiner ersten Begegnung mit Jesus einen
erstaunlichen Weg. Er öffnet sich für den, der ihn geheilt hat und ihm ein neues Leben
ermöglicht. Als Sehender muss er nicht mehr betteln (Vers 8) er verliert das Stigma des
Sünders (Vers 2) und wird wieder Teil der Gemeinschaft. Mit neuer Selbstsicherheit bietet
er den Pharisäern die Stirn (Verse 24-34) und bekennt sich zu Jesus. Die Pharisäer
bleiben in ihren Traditionen und Denkmustern verhaftet und stehen sich dadurch selber im
Weg, Jesus als den zu erkennen, der er ist. Sie bleiben gewissermaßen blind.
In diesem Evangelium kann man auch die Situation der jungen Gemeinde wiederfinden,
die dabei ist, sich nach der Erfahrung von Ostern aus der jüdischen Tradition
„herauszulösen“. Einen Hinweis darauf finden wir in Vers 22: Das Bekenntnis zu Christus
führt zu einem Ausschluss aus der Synagogengemeinde. Das Bekenntnis zu Christus und
der Glaube an ihn gehen also bereits zu Beginn mit religiösen und sozialen
Entfremdungen und Brüchen einher, die sich quer durch die Geschichte bis heute in
Lebensgeschichten von Menschen wiederfinden lassen.
Zum Weiterdenken:
1. Blind sein – sehend werden: Welche Begebenheiten fallen Ihnen ein, bei denen Ihnen
„die Augen geöffnet“ wurden? Wer oder was hat Ihnen geholfen, neue Sichtweisen zu
entdecken und anzunehmen? Wie können Sie anderen Menschen helfen, ihre „blinden
Flecken“ zu erkennen?
2. Zum eigenen Glauben stehen (lernen) ist eine Herausforderung in der säkularen Welt
heute. Kennen Sie die Erfahrung, dass sich dadurch Beziehungen zu Menschen ihrem
Umfeld ändern?
Was hilft, Standfestigkeit zu bekommen, ohne zu verhärten? Welche Anregungen dazu
finden Sie in diesem Sonntagevangelium?
 
Evangelium vom Sonntag noch einmal lesen
 
Gedankenaustausch oder Stille
 
Gebet:
Allmächtiger Gott,
der du in der Weite des Alls gegenwärtig bist
und im kleinsten deiner Geschöpfe,
der du alles, was existiert,
mit deiner Zärtlichkeit umschließt,
gieße uns die Kraft deiner Liebe ein,
damit wir das Leben und die Schönheit hüten.
Überflute uns mit Frieden,
damit wir als Brüder und Schwestern leben
und niemandem schaden.
Gott der Armen,
hilf uns,
die Verlassenen und Vergessenen dieser Erde,
die so wertvoll sind in deinen Augen,
zu retten.
Heile unser Leben,
damit wir Beschützer der Welt sind
Missionarische Pastoral der Diözese Innsbruck, www.dibk.at/missionarische-pastoral
und nicht Räuber,
damit wir Schönheit säen
und nicht Verseuchung und Zerstörung.
Rühre die Herzen derer an,
die nur Gewinn suchen
auf Kosten der Armen und der Erde.
Lehre uns,
den Wert von allen Dingen zu entdecken
und voll Bewunderung zu betrachten;
zu erkennen,
dass wir zutiefst verbunden sind mit allen Geschöpfen
auf unserem Weg zu deinem unendlichen Licht.
Danke, dass du alle Tage bei uns bist.
Ermutige uns bitte in unserem Kampf
für Gerechtigkeit, Liebe und Frieden.
(Schlussgebet aus der Enzyklika „Laudato si – Über die Sorge für das gemeinsame
Haus“ (2015) von Papst Franziskus zum Thema Umwelt und Entwicklung)
 
Vater unser
 
Segen:
Gott segne deinen Weg
die sicheren und die tastenden Schritte
die einsamen und die begleiteten
die großen und die kleinen
Gott segne dich auf deinem Weg
mit Atem über die nächste Biegung hinaus
mit unermüdlicher Hoffnung
die vom Ziel singt, das sie nicht sieht
mit dem Mut, stehenzubleiben
und der Kraft, weiterzugehen
Gottes Segen umhülle dich auf deinem Weg
wie ein bergendes Zelt
Gottes Segen nähre dich auf deinem Weg
wie das Brot und der Wein
Gottes Sehen leuchte dir auf deinem Weg
wie das Feuer in der Nacht
Geh im Segen
und gesegnet bist du Segen
wirst du Segen
bist ein Segen
wohin dich der Weg auch führt.
Im Namen des Vater, des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.
(Katja Süß)

3. Fastensonntag (A), 15.03.2020, Joh 4,5-42, Hinführung

Gudrun Guerrini

Mit der Überschrift „Jesus in Samaria" erfahren wir bereits den Ort des Geschehens. Über die Beziehung zwischen Juden und Samaritern erfahren wir in V 9: Die Juden verkehren nicht mit den Samaritern. Die Samariter galten in den Augen der Juden als unrein. Sie waren ein religiöses und nationales Mischvolk, das von den Juden gemieden wurde. Jesus kennt solche Berührungsängste nicht, er sucht bewusst das Gespräch mit der Frau (V9). Ihr Zeugnis (V39) führt später dazu, dass er aufgefordert wird in Samaria zu bleiben (V40) und zu lehren. Viele Samariter kommen so zum Glauben, was im Bekenntnis: Er ist wirklich der Retter der Welt" gipfelt (V42).
Der Dialog zwischen Jesus und der Frau (V 7-15) ist sehr vielschichtig und bewegt sich ausgehend von einem realen Bedürfnis (Jesus hat Durst) hin zu Lebensfragen (Durst nach Leben, Lebendigkeit und Sinn). Im Laufe des Gesprächs kehren sich die Rollen um: Die Frau, die um Trinkwasser gebeten wird, wird zur Bittenden um dieses „Wunderwasser Jesu". Jesus, der als Bittender an sie herantritt, wird zum Geber. Er gibt „lebendiges Wasser", das für die EmpfängerInnen zu einer inneren Quelle wird, die ins ewige Leben überfließt. Im Lied „Alle meine Quellen entspringen in dir" (Gotteslob Nr. 891) ist dieses Motiv musikalisch verdichtet und entfaltet.
Der zweite Teil des Dialogs (V 16-26) beginnt überraschend. Handelt es sich bei den angesprochenen „Männergeschichten" der Frau um ihre realen Beziehungen oder ist es eine Anspielung auf die verschiedenen (männlichen) Gottheiten, die in Samaria angebetet werden? Der Satz der Frau „Ich weiß, dass der Messias kommt, der Christus heißt" (V 25) könne auch ein Hinweis darauf sein, dass sie eine religiös Suchende ist, die den wahren Glauben noch nicht gefunden hat. Das Gespräch endet damit, dass sich Jesus ihr gegenüber als Messias offenbart.
Das Gespräch mit den Jüngern (V 31-38) ist ähnlich doppelbödig wie das Gespräch mit der Samariterin. Diesmal geht es ums Essen. Die Jünger waren zunächst in der Stadt, um Essen zu holen (V 8). Als sie zurückkommen schlägt er ihre Einladung: „Iss, Rabbi!" aus. Analog zur Wassergeschichte wird Jesus nicht von irdischen Speisen satt. Seine Aufgaben, den Willen des Vaters zu tun und sein Werk der Sammlung zu vollenden, nähren und sättigen ihn. Die Sendung zu den Menschen beschreibt er im Bild von Aussaat und Ernte. Jesu „Ernte" folgt sogleich. Viele Samariter kommen zum Glauben.

Zum Weiterdenken:
1. Welchen Lebens-Durst verspüren Sie? Nach Beziehung, Sinn, Hoffnung, ...
Welche Quellen haben Sie in ihrem Leben (bisher) gefunden? Können Sie in der aktuellen Situation „hingehen"?
2. „Alle meine Quellen entspringen in dir" (GL 891) – Der Liedtext lädt zum Verkosten ein. Nehmen Sie sich Zeit, Zeile für Zeile zu betrachten. Achten Sie dabei auf Ihre inneren Regungen und verweilen Sie an der Stelle, die sie besonders anspricht.
3. Das Evangelium kann auch unter der Perspektive gelesen werden: Zu wem/für wen ist Jesus gekommen und wie geht Jesus auf die Menschen zu? Welche Antworten entdecken Sie in dieser Geschichte? Was bedeutet das für uns heute?


Möglicher Ablauf
für das Lesen, Meditieren des Sonntagsevangeliums und für das Gebet

Kreuzzeichen, Gebet (Gotteslob 891)
Alle meine Quellen entspringen in dir, in dir mein guter Gott.
Du bist das Wasser, das mich tränkt und meine Sehnsucht stillt.
Du bist die Kraft, die Leben schenkt, eine Quelle, welche nie versiegt.
Du bist der Geist, der in uns lebt, der uns reinigt, der uns heilt und hilft.
Du bist das Wort, das mit uns geht, das uns trägt und uns die Richtung weist.
Amen.

Evangelium vom Sonntag lesen

Hinführung lesen

Evangelium vom Sonntag noch einmal lesen

Gedankenaustausch oder Stille

Gebet in der Corona-Krise (von Bischof Hermann überarbeitet und ergänzt)

Herr, Du Gott des Lebens,
betroffen von der Not der Corona-Krise kommen wir zu Dir.
Wir beten für alle, deren Alltag jetzt massiv belastet ist
und bitten um Heilung für alle Erkrankten.
Sei den Leidenden nahe, besonders den Sterbenden.
Tröste jene, die jetzt trauern, weil sie Tote zu beklagen haben.

Schenke den Ärzten und Forschern Weisheit und Energie,
und allen Pflegenden Kraft in dieser extremen Belastung.
Gib den politisch Verantwortlichen Klarheit für richtige Entscheidungen.
Wir danken für alle Frauen und Männer, die gewissenhaft
die Versorgung und Infrastruktur unseres Landes aufrecht erhalten.
Wir beten für alle, die in Panik sind oder von Angst überwältigt werden.

Wir beten für alle, die großen materiellen Schaden erleiden oder befürchten.
Guter Gott, wir bringen Dir alle, die in Quarantäne sein müssen,
sich einsam fühlen und niemanden an ihrer Seite haben.
Stärke die Herzen der alten und pflegebedürftigen Menschen,
berühre sie mit Deiner Sanftheit und gib ihnen die Gewissheit,
dass wir trotz allem miteinander verbunden sind.

Von ganzem Herzen flehen wir, dass die Epidemie abschwillt
und dass die medizinischen Einrichtungen und Ressourcen
den aktuellen Anforderungen gerecht werden können.
Wir beten, dass die Zahlen der Infizierten und Erkrankten zurückgehen.
Und wir hoffen, dass in allen Bereichen bald wieder Normalität einkehren wird.

Guter Gott, mache uns dankbar für jeden Tag, den wir gesund verbringen.
Lass uns nie vergessen, dass unser Leben ein zerbrechliches Geschenk ist.
Ja, wir sind sterbliche Wesen und können nicht alles kontrollieren.
Du allein bist Ursprung und Ziel von allem, Du allein bist ewig, immer liebend.
Dein Heiliger Geist bewahre unsere Herzen in der Dankbarkeit.
Getragen von einem tiefen Frieden werden wir die Krise bestehen.

Jesus, Du Herr und Bruder aller Menschen,
Deine Gegenwart vertreibt jede Furcht, sie schenkt Zuversicht
und macht unsere Herzen bereit, offen und aufmerksam füreinander.
Jesus, wir vertrauen auf Dich!

Heilige Maria, Mutter unseres Herrn, und alle heiligen Frauen und Männer,
Nothelfer und Schutzpatrone unseres Landes bittet für uns! Amen.

Vater unser

Segen:
Gott lasse dein Leben gelingen
Der mütterlich-väterliche Gott sei dir nahe
in allem, was dir begegnet auf dem Weg des Lebens.
Er umarme dich in Freude und Schmerz
und lasse aus beidem Gutes wachsen.
Ein offenes Herz schenke er dir für alle,
die deiner bedürftig sind.
Selbstvertrauen und den Mut, dich verwunden
und heilen zu lassen.
In aller Gefährdung bewahre er dir Seele und Leib
und lasse dein Leben gelingen.
(Sabine Naegeli)


2. Fastensonntag (A), 08.03.2020, Mt 17,1-9, Hinführung

Gudrun Guerrini

Das Evangelium des zweiten Fastensonntags trägt die Überschrift „Die Verklärung Jesu". Der konkrete Ort des Geschehens wird in der Bibel nicht benannt, eine christliche Tradition lokalisiert es am Berg Tabor, wovon sich auch der Begriff „Taborstunde" ableitet.
In dieser Vision, die die drei Jünger Petrus, Jakobus und Johannes auf dem Berg haben, verschwimmen die Grenzen zwischen irdischer und himmlischer Welt. Die Grenze des Leiblichen, die Grenzen von Raum und Zeit werden aufgehoben.
• Jesus wird vor den Augen der Jünger verwandelt. Sein Gesicht und sein Gewand leuchten und die Stimme aus einer Wolke offenbart ihn als Gottes geliebten Sohn, auf den sie hören sollen.
• Jesus ist im Gespräch mit Mose und Elija. Auch für diese beiden war ein Berg der Ort intensiver Gottesbegegnung. Am Sinai empfängt Mose die Steintafeln mit den Geboten (Exodus 24), am Karmel erweist sich die Wirkmächtigkeit Gottes, als Elija gegen die Baalspriester antritt (1 Könige 18,20-40). Am Horeb erfährt das Gottesbild des Elija eine entscheidende Prägung (1 Könige 19,9-13).
In der Vision erfahren die Jünger etwas über Jesus. Mitten in seinem irdischen Wirken strahlt sein Gott-Sein auf, es öffnet sich für einen kurzen Augenblick ein Türspalt zur Ewigkeit. Solche Augenblicke lassen sich nicht konservieren (V4 Hütten bauen, V9 sie steigen vom Berg hinab) und sie sind irgendwie unheimlich und respekteinflößend. (V6 Jünger können nicht hinschauen, sie fürchten sich.)
Besondere Glaubenserfahrungen sind ein Geschenk. Sie lassen sich nicht festhalten und hinterlassen trotzdem Spuren in denjenigen, die sie machen. Etwas bleibt zurück: Eine Erinnerung, eine Sehnsucht, eine Ahnung, dass das Leben über das Sichtbare und Irdische hinausreicht oder umgekehrt: dass das Göttliche in unserem Leben und in der Welt erfahrbar aufleuchtet.

Zum Weiterdenken:
1. Meine persönliche Taborstunde – Habe ich eine ähnlich einschneidende Glaubenserfahrung machen dürfen? Mit welchem konkreten Ort verbinde ich sie?
2. Auf ihn sollt ihr hören! – In den Evangelien sind uns zahlreiche Jesusworte überliefert. Gibt es ein Jesuswort, das mich stärkt, mir Hoffnung gibt, mein Handeln leitet?


 

1. Fastensonntag (A), 01.03.2020, Mt 4,1-11, Hinführung
Gudrun Guerrini

Mit der Erzählung von der Versuchung Jesu schließt der erste Teil des Matthäusevangeliums - die Vorgeschichten – ab. In diesem Abschnitt wird unter verschiedenen Blickwinkeln das Thema „Wer ist Jesus?" beleuchtet. Gleich im ersten Satz (V1) erfahren wir, was kommen wird: Nach 40-tägigem Fasten in der Wüste wird Jesus vom Teufel versucht werden.
Dieser beginnt den Dialog: Wenn du der SOHN GOTTES bist, so... (V3)
Der Versucher trifft mit dieser Anrede den zentralen Aspekt der Identität Jesu, nämlich seine göttliche Abstammung, die zuvor in der Geburtserzählung (Mt 1,18-25) und in der Taufszene (Mt 3,13-17) entfaltet wurde.
Inhaltlich werden in den Versuchungen einige der damaligen Erwartungen an einen Messias aufgegriffen. Dass Jesus diese Versuchungen zurückweist und wie er das begründet, zeigt uns eindrücklich, wer Jesus ist und wie er SOHN-GOTTES-SEIN verkörpert:

• Er zitiert die Schrift als Quelle und handelt dementsprechend.
• Er lebt aus dem Wort. Er ist nicht ein „Brot-Held", der den materiellen Hunger stillt und so Armen hilft. (V3-4)
• Er stellt Gott nicht auf die Probe. Er inszeniert keine spektakulären Auftritte um seiner selbst willen. (V 6)
• Er dient Gott allein. Er strebt nicht nach (politischer) Macht und Herrschaft und verkauft dafür seine Seele nicht an den Versucher. (V 8-10)

Wenn wir über menschliche Versuchungen heute nachdenken, so wollen wir wie in dieser Schriftstelle bei dem ansetzen, was darauf abzielt, uns in unserer Identität „auszuhebeln" bzw. in Frage zu stellen. Solche Anfragen klingen beispielsweise so: Wenn du mein Freund bist, dann... oder: Wenn du mich liebst, dann .... - in diesen und ähnlichen Sätzen werden Erwartungen formuliert, Bedingungen gestellt, bis hin zu Erpressungen.
Auch die Einflüsterer heute haben einen Namen. Werbung verlockt zu unnötigem Konsum. Der „Mainstream" suggeriert, dass das, was „alle" tun, auch richtig ist. Standhaft und sich selber treu zu bleiben ist eine Herausforderung.

Zum Weiterdenken:
1. Welche Versuchungen kenne ich? Welche „Einflüsterungen" begegnen mir im Alltag?
2. Was hilft mir, mir selber treu zu bleiben?
3. Was sind meine Quellen? Ist der Glaube ein tragfähiges Fundament?


7. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A, 23.02.2020, Mt 5,38-48, Hinführung
Martin Lesky

Das heutige Sonntagsevangelium schließt direkt an das vom letzten Sonntag an. Beide Stellen gehören zusammen. In beiden geht es um die Beziehung zwischen den Menschen, geht es um Liebe und Gerechtigkeit, geht es um das menschliche Zusammenleben. Während in der Stelle vom letzten Sonntag Jesus drei Mal mit den Worten beginnt: „Ihr habt gehört ..." und dann sagt: „Ich aber sage euch ...", so ist es in der heutigen Stelle zwei Mal. Es geht wieder um die bessere Gerechtigkeit und darum, wie das Übel misslingender mitmenschlicher Beziehungen an der Wurzel gepackt werden kann.
Jesus beginnt in der heutigen Stelle mit den Worten: „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn." Jesus zitiert hier Ex 21,24 und erinnert an eine Erfahrung, dass sich Gewalt schnell hochschaukeln kann bis hin zur Eskalation. Wir kennen das in unserem Leben und in unserer Welt. Viele Kriege sind so entstanden. Jesus stellt sich dagegen und geht einen neuen Weg. Dies beschreibt er in den folgenden Zeilen mit mehr geben, als gefordert wird ...
Den zweiten Absatz beginnt Jesus mit einem Zitat aus Lev 19,18 „Du sollst deinen Nächsten lieben" und fügt die Worte hinzu „und deinen Feind hassen". Den Feind hassen findet sich so nie im Alten Testament. Im Gegenteil wird dort Feindeshilfe immer wieder gefordert. Jesus will vielmehr auf eine Praxis der Pharisäer hinweisen, dass die Nächstenliebe nur für nähere Verwandte gelten soll. Wenn Jesus die Feinde zu Nächsten erklärt, dann gibt es diese Unterscheidung in nähere oder fernere Verwandte nicht mehr. Wer Jesus nachfolgt, soll nicht nur seine Verwandten und Vertrauten grüßen (segnen), sondern auch die Feinde, Gegner, die das Leben erschweren und verbittern, die beleidigen und wehtun, verletzten oder verfolgen. Jesus will die Überwindung zwischenmenschlicher Konflikte. Er will das Leben in Fülle für alle. Wenn uns das gelingt, dann sind wir in der Spur Gottes, unseres himmlischen Vaters.

Fragen zum Weiterdenken:
1. Was berührt mich in dieser Stelle?
2. Welche Möglichkeiten sehe ich, den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen? Kenne ich Beispiele in meinem Leben?

 


6. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A, 16.02.2020, Mt 5,17-37, Hinführung

Martin Lesky

Nach dem letzten Sonntagsevangelium vom „Salz und Licht sein" folgt das heutige Evangelium. Es ist eine erste Konkretisierung des „Salz und Licht seins". Es ist die dritte Stelle in der Bergpredigt.

Für Jesus ist das Gesetz und die Propheten Grundlage seines Handelns. Dies ist wichtig für das weitere Verstehen dieser Stelle. Man könnte zwar zuerst meinen, Jesus sei ein Freund der Pharisäer, denn sie waren diejenigen, die das Gesetz bis ins Kleinste erfüllten. Aber Jesus meint nicht ein wortwörtliches Halten und Erfüllen der Gesetze, sondern durch die Liebe und Gerechtigkeit wird das Gesetz erfüllt, wie in den kommenden Versen klar wird. Da heißt es zuerst einmal: „Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist" – wörtlich übersetzt „überfließt". Diese Überfüllung zeigt sich in den folgenden drei Beispielen mitmenschlicher Beziehungen.

Jesus beginnt jedes Mal mit den Worten: „Ihr habt gehört ..." und sagt dann: „Ich aber sage euch ..." Die bessere Gerechtigkeit beginnt bei diesem ersten Beispiel mit dem Umgang miteinander. Zorn und Schimpfen gehören nicht dazu, sondern Versöhnung, sogar mit dem Feind.

Weiter geht es mit dem Gebot, nicht die Ehe zu brechen. Jesus wendet sich gegen jede Leichtfertigkeit, die Ehe zu brechen. Die einzige Ausnahme für einen Ehebruch formuliert Jesu in der Unzucht. Um seine Entschlossenheit zu zeigen fügt Jesus das Wort vom rechten Auge hinzu.

Das dritte Beispiel handelt vom Schwören. Die bessere Gerechtigkeit zeigt sich darin, dass Christinnen und Christen ehrlich miteinander umgehen.

In dieser Stelle geht es ganz stark um Beziehung, um den Umgang miteinander. Die Botschaft Jesu könnte lauten: Warte nicht, bis es zur Übertretung des Gesetzes kommt, bis etwas Schlimmeres passiert, sondern reagiere schon bei kleinen Anzeichen von Beziehungsstörungen. Gib der Liebe und der Gerechtigkeit Raum!

Fragen zum Weiterdenken:

1. Was berührt mich in dieser Stelle besonders?

2. Was sind für mich kleine Anzeichen von Beziehungsstörungen, wie könnte ich in solchen Situationen reagieren?

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Diözese Innsbruck
Msgr. Mag. Jakob Bürgler
Bischofsvikar für missionarische Pastoral
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