GEISTreiche Atem.Pause


Jeden Freitag um 12.15 Uhr
in der Spitalskirche Innsbruck
den Alltag unterbrechen
sich Zeit nehmen
Musik, Impuls, Stille
mit Gottes Segen wieder in den Alltag gehen

Atem.Pause am 23.10.2020: Thema „Was müsste Kirche bieten, dass ich wieder hingehen würde?"
Martin Lesky

Ich habe vier „kirchenferne" Personen – Katholikinnen, die ich nicht am Kirchplatz treffe, gefragt: „Was müsste Kirche bieten, dass ich wieder hingehen würde?"
„Ganz ehrlich? Was mir fehlt ist die Freude, Begeisterung, die Gemeinschaft, mehr so ein Gefühl von den Leuten, die da sind. Wenn dann dazu noch ein Spirit erfahrbar ist, dann würde ich hingehen."
„Ist ganz schwierig. Es gibt gute Leute, die mir gute Gedanken geben. Aber ich bräuchte eine Gruppe, eine Gemeinschaft, in die ich integriert bin, mich wohl fühle. Wenn jemand, der mich mag, mich kennt, mir einen Schupfer gibt und sagt gehen wir mal hin. Es heißt nicht, dass ich keinen Glauben habe, es zieht mich derzeit nicht hin."
„Schwere Gewänder sind nicht mehr zeitgemäß. Sich von dem alten Kirchenbild lösen, von Macht und Geld, mit dem sich Kirche viel geholt hat. Junge Leute suchen wieder dunklen, stillen Raum. Viele machen Yoga. Sich aus dem Buddhismus was abschauen. Gefühl von Freiheit, Geborgenheit und Gemeinschaft vermitteln, gemeinsam an etwas glauben."
„Was heißt Kirche? Ist damit der Gottesdienst gemeint? Mit Kirche verbinde ich die Machtfrage, Frauenfrage, gefühlter Staub, enges Korsett, altes Familienbild, Sünde und Strafe, verkrustete Struktur. Was würde passieren, wenn ein Pfarrer die weibliche Seite Gottes zur Sprache bringen würde? Was müsste passieren, dass ich mich eingeladen fühle? Alles ist mit allem verbunden (Amazonien Synode). Wenn ich spüren würde, dass Offenheit da ist. Wenn es eine ungezwungene Begegnung mit einer Person aus der Pfarre auf dem Marktplatz geben würde."

Mir fällt auf diese Antworten Apg 2,44-47 ein: „Und alle, die gläubig geworden waren, bildeten eine Gemeinschaft und hatten alles gemeinsam. Sie verkauften Hab und Gut und gaben davon allen, jedem so viel, wie er nötig hatte. Tag für Tag verharrten sie einmütig im Tempel, brachen in ihren Häusern das Brot und hielten miteinander Mahl in Freude und Einfalt des Herzens. Sie lobten Gott und waren beim ganzen Volk beliebt. Und der Herr fügte täglich ihrer Gemeinschaft die hinzu, die gerettet werden sollten." Hier ist von Gemeinschaft die Rede, vom gemeinsamen Spirit, der von allen gelebt wird, der spürbar wird. Aber einen großen Unterschied sehe ich zu den Antworten der vier Frauen. Sie wünschen sich eine Kirche, die aus den eigenen vier Wänden hinausgeht, die auf (kirchenferne) Menschen zugeht.
Wo erlebe ich ein „Hinausgehen" von Kirche? Wo kann ich auf Menschen zugehen, die ich nicht am Kirchplatz treffe? Wie kann ich Glauben zum Thema machen?


 

Atem.Pause am 09.10.2020: Thema „Verbindung zu Gott"
Martin Lesky

Wer fällt mir ein, wenn ich nach Menschen suche, die eine direkte Verbindung zu Gott haben? Als erstes fällt mir Moses ein, der das erste Mal beim brennenden Dornbusch die Stimme Gottes hört. Beim Auszug aus Ägypten ist Moses immer wieder mit Gott im Gespräch. Auf dem Berg Horeb erhält Mose von Gott die 10 Gebote, die heute noch unser Zusammenleben bestimmen. Als zweites fällt mir Ezechiel ein, zu dem Gott sagt: „Menschensohn, stell dich auf deine Füße, ich will mit dir reden." (Ez 2,1) Und dann fällt mir Jesus ein. Bei seiner Taufe im Jordan ertönt aus dem Himmel Gottes Stimme: „Das ist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden." (Mk 1,11) In Jesu Reden und Tun wird für mich immer wieder deutlich, dass Jesus in einer direkten Verbindung zu Gott steht.

Ich habe mehrere Personen gefragt, wenn sie eine direkte Verbindung zu Gott herstellen könnten, welche Frage sie ihm stellen würden.
„Was sollen wir tun? Was willst du, dass ich tun soll? Wie hättest du mich gern? Hast du dir das so gedacht, wie es ist?"
„Wie geht es dir Gott, wenn du das viele Leid auf der Erde siehst?"
„Wie siehst du die Rolle der Frau in der Kirche?"
„Was passiert im Leben nach dem Tod und sehe ich meine Geliebten, die schon tot sind, wieder?"
„Wie viel Wahrheit steckt in der Bibel?"
„Warum passiert viel Ungerechtes oder vermeintlich Ungerechtes? Kann Gott uns Tipps und Tricks geben, wie wir einen leichteren Zugang zu ihm bzw. eine stärkere Verbindung oder Beziehung zu ihm aufbauen können?"
„Warum lässt du das Leid zu?"

Welche Fragen würden Sie ihm stellen? Und wie können Sie eine direkte Verbindung zu Gott aufbauen?


 

Atem.Pause am 02.10.2020: Thema „Beziehung zu Jesus"
Martin Lesky

Heute möchte ich der Frage nachgehen, wie ich eine Beziehung zu Jesus aufbauen kann? Dazu ist mir eine Stelle aus dem Johannesevangelium eingefallen: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe. Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet. Dies trage ich euch auf: Liebt einander!" (Joh 15,13-17)
Ich habe wieder verschiedene Leute gefragt, wie ich eine Beziehung zu Jesus aufbauen kann.
„Wenn ich im Evangelium lese."
„Wenn ich mit ihm im Gespräch bleibe."
„Durchs Beten, wenn ich in die Kirche gehe und mich mit den anderen verbinde."
„Auf ihn hinschauen, wenn ich ihn wahrnehme im Gebet, in der Meditation."
„Indem ich an ihn denke."
„Für mich selber klar werden, was mir Glaube bedeutet, um dann eine Beziehung aufbauen zu können."
„Wie jede andere Beziehung auch – zuerst die Begegnung suchen, dann in Kommunikation treten, Interesse zeigen und regelmäßig auf einen Ratscher gehen."
Jetzt versuche ich, diese Aussagen mit der Stelle aus dem Johannesevangelium zu verbinden: Jesus sagt, „ich habe euch alles mitgeteilt"," ich habe euch erwählt", „dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt". Beziehung oder Freundschaft zu Jesus ist einerseits Geschenk, andererseits zeigt sie sich in der Frucht, in der Liebe zueinander. Beziehung zu Jesus braucht also Zeit, um gut in mich hineinzuhören, auf ihn zu hören, im Gebet mit Jesus ins Gespräch kommen und seine Vision von einer gerechten Welt, von einem neuen Miteinander weiterzutragen und zu leben. Diese Beziehung zu Jesus wünsche ich uns allen und lade ein, darüber nachzudenken, welche Bedeutung Jesus für mich und mein Leben hat.


 

 

Atem.Pause am 25.09.2020: Thema „Heimat"
Martin Lesky

Einer meiner Lieblingspsalmen ist der Psalm 4. In meiner Studienzeit habe ich ihn auswendig gelernt und rezitiere ihn gerne am Abend oder in besonderen Situationen. Die ersten Verse lauteten: „Wenn ich rufe, erhöre mich, Gott du mein Retter, du hast mir Raum geschaffen, als mir Angst war, erhöre mich und sei mir gnädig." In der neuen Einheitsübersetzung hat sich einiges verändert: „Wenn ich rufe, gib mir Antwort, Gott meiner Gerechtigkeit! Du hast mir weiten Raum geschaffen in meiner Bedrängnis. Sei mir gnädig und hör auf mein Flehen!"
Mir ist dieses Raum geben so wichtig. Gott gibt uns diesen weiten Raum, in dem wir uns entfalten und leben können. Vielleicht könnten wir diesen Raum mit Heimat übersetzen. Ein ehemaliger Landesrat hat vor fast 20 Jahren bei einer Veranstaltung gesagt: „Kirche muss allen Menschen Heimat geben, vor allem jenen, deren Leben in Brüche gegangen ist!" Gott gibt allen Menschen Raum und unsere Aufgabe als Kirche ist es, vor allem auf die Menschen zu schauen, die durch Schicksalsschläge oder eigenes Unvermögen in Trennung, ausgegrenzt oder in Armut leben.
Was heißt beheimatet sein in der Kirche, in einer Pfarrgemeinde. Ich habe mehrere Personen gefragt, wie sie den Satz „daheim fühle ich mich in der Pfarre, wenn" fortführen würden. Ich bekam sehr unterschiedliche Antworten.
Daheim bin ich, wo ich mich wohl fühle, wo die Menschen sind, die ich liebe.
Daheim fühle ich mich in der Pfarre, wenn ich etwas zu tun habe.
Daheim fühle ich mich, wenn ich mich im Gottesdienst wohl fühle.
Daheim fühle ich mich in der Pfarrgemeinde, wenn eine Atmosphäre des Miteinanders, des Wohlwollens, der gemeinsamen Wegsuche für alle stattfindet.
Daheim fühle ich mich in der Pfarre, wenn ich verstanden bin, wenn ich bekannte Menschen treffen kann, wenn ich mich austauschen kann, ohne mich zu verstellen und so sein kann wie ich bin.
Daheim fühle ich mich in der Pfarre, wenn niemand ausgegrenzt wird und gemeinsam nach Wegen gesucht wird, das Evangelium miteinander zu leben.
Heimat ist einerseits etwas, was wir von Gott geschenkt bekommen, andererseits entsteht sie durch ein gemeinsames Tun und unseren Umgang miteinander. Es ist unsere Aufgabe als Kirche miteinander allen Menschen Heimat zu geben. Ganz egal, ob es Menschen auf der Flucht sind, Menschen die ihre Heimat verloren haben, ob sie bedürftig sind oder ob es Menschen sind deren Leben in die Brüche gegangen sind. Ich lade ein, darüber nachzudenken, wo wir Menschen Heimat geben können.


 

Atem.Pause am 11.09.2020: Thema „Wie kann sich Kirche erneuern?"
Martin Lesky

Angesichts von vielen Menschen, die sich von der Kirche abwenden, frage ich mich, was es zur Erneuerung und zum Aufbau von Kirche braucht. In Epheserbrief 4,11-13 ist von einem fünffachen Dienst die Rede: „Und er gab den einen das Apostelamt, andere setzte er als Propheten ein, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer, um die Heiligen für die Erfüllung ihres Dienstes zu rüsten, für den Aufbau des Leibes Christi. So sollen wir alle zur Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, damit wir zum vollkommenen Menschen werden und Christus in seiner vollendeten Gestalt darstellen."
Ich frage mich, was sind heute Apostel*innen, Prophet*innen, Evangelist*innen, Hirt*innen, Lehrer*innen und woran erkennen wir sie?
Ein Apostel*innen – übersetzt Gesandter – ist jemand, der von Jesus Christus direkt mit dem Auftrag der Verkündigung des Glaubens beauftragt wurde. „Wenn ein Apostel auftaucht, geraten Dinge in Bewegung. Neues beginnt." (Jens Kaldewey)
Die Prophet*innen waren und sind immer ein Störfaktor. Sie zeigen Einseitigkeiten, Mängel, Fehlentwicklungen auf. Sie konfrontieren die Menschen mit der Wahrheit, von der gerne weggeschaut wird. Ein Prophet rückt zurecht.
Evangelist*innen geben Zeugnis von ihrem Glauben an die Auferstehung. Sie sehnen sich nach der Ausbreitung des Reiches Gottes an ihrem Ort und fragen, wie Gott ursprünglich „Gemeinde" geplant hatte.
Hirt*innen fragen nicht nach besonderen Leistungen, sie haben Interesse an den Menschen. Sie führen auf die Weide hinaus, sie kennen die Wasserstellen, wissen was die Herde braucht und geben ihnen das, was sie brauchen.
Lehrer*innen „ziehen den Vorhang zur Seite, der die Schrift so oft verdeckt" (Jens Kaldewey)
Wir brauchen in unserer Kirche wieder eine Rückbesinnung auf diesen fünffältigen Dienst. Denn wenn ein oder mehrere Dienste z.B. in einer Gemeinde fehlen, dann gibt es Wachstumsstörungen oder Lähmungen. Es braucht alle fünf Dienste zum gesunden Wachstum einer Gemeinde.
Von diesem Wachstum mit einem klaren Ziel ist in Epheser 4,15-16 die Rede: „Wir wollen uns, von der Liebe geleitet, an die Wahrheit halten und in allem wachsen, bis wir ihn erreicht haben. Er, Christus, ist das Haupt. Durch ihn wird der ganze Leib zusammengefügt und gefestigt in jedem einzelnen Gelenk. Jedes trägt mit der Kraft, die ihm zugemessen ist. So wächst der Leib und wird in Liebe aufgebaut."
Welche Menschen fallen mir zu den fünf Diensten ein? Welche Dienste werden in unserer Kirche oft vernachlässigt?


 

Atem.Pause am 04.09.2020: Thema „Beteiligung oder Elemente einer zukunftsfähigen Kirche"
Martin Lesky

Auf einer Radtour diesen Sommer in der Südsteiermark der Mur entlang haben meine Frau und ich in Halbenrein bei Bad Radkersburg eine Rundkirche entdeckt. Sie ist der Heiligen Dreifaltigkeit geweiht. Die Initiative ist von einer Familie ausgegangenEine der Initiator*innen erzählt, dass sich alles gefügt hat und es dadurch jetzt mehr Zusammenhalt gibt. Es ist schön, dass alle Dorfbewohner*innen dieses Projekt mittragen und unterstützen. Auslöser war, dass bei einem furchtbaren Gewitter niemand verletzt wurde und dass ein Atomkraftwerk auf der slowenischen Seite der Mur nicht gebaut wurde. Aus Dankbarkeit wurde dann diese Kapelle an diesem Ort gebaut. Und es ist ein guter Ort, zu dem viele Leute kommen und zur Ruhe kommen. Ein Gebet, von Hand geschrieben, hängt an der Wand: „Ruhender Raum, in dem ich zur Ruhe kommend dich ahnen kann. Göttlicher Raum, du öffnest dich meinem Suchen, du schenkst mir den Atem deiner Weite und Freiheit. Und wenn ich Zuflucht brauche, hüllst du mich, schützende, heilige Höhle." Ihre Dankbarkeit drückt sich auch darin aus, dass sie in der Kapelle Spenden für Kinder in Kamerun in Afrika sammeln.
Beteiligung ist ein Grundzug in Jesu Reden und Tun. Er bezieht die Menschen um sich herum ein. Den Jüngern sagt er: „Gebt ihr ihnen zu essen!" (Lk 9,13). Bei der Begegnung mit dem blinden Bettler Bartimäus sagt Jesus: „Ruft ihn her!" (Mk 10,49) Zu Zachäus, der auf den Maulbeerfeigenbaum klettert sagt Jesus: „Zachäus komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus bleiben." (Lk 19,5) Jesus beteiligt die Menschen und führt sie dadurch in (Eigen-)Verantwortung. Eine zukunftsfähige Kirche braucht dieses Element der Beteiligung, der Eigenverantwortung, dass sich die Menschen für ihre Kirche verantwortlich fühlen und mit ihrer Begeisterung andere anstecken.
Ein Gebet in der Deifaltigkeitskapelle lautet: „Wir haben Gott bewusst in den Mittelpunkt unseres Dorfes gestellt, möge er uns allen ein frohes, zufriedenes Herz schenken, uns den rechten Weg weisen und die ganze Menschheit zur Einsicht und Umkehr bringen, damit sei wieder verantwortungsbewusster und ehrfurchtsvoller mit Gottes Schöpfung umgehe!"


 

Atem.Pause am 28.08.2020: Thema - Maria und Marta in mir
Theresia Stonig

Der Sommer, die Ferien, die Urlaubszeit geht zu Ende, schön langsam kehrt in den Büros wieder der Arbeitsalltag ein, Schülerinnen und Schüler starten bald wieder in den Schulalltag. Die Arbeit ruft und damit oft auch der Stress, das Getrieben-Sein von vielen Aufgaben.

Mir fällt die Bibelerzählung von Marta und Maria ein. Die zwei Schwestern sind mit Jesus befreundet und Jesus kommt in ihr Dorf und sie nehmen ihn freundlich auf. Marta kümmert sich um sein Wohlergehen, tischt Speisen und Getränke auf und ist ganz in ihrem Element als Gastgeberin. Maria aber setzt sich zu Jesus und hört ihm zu. Marta würde sich wünschen, dass ihre Schwester auch was tut. Auf Marta's Klage hin sagt Jesus: Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen, Maria hat den guten Teil gewählt.

Marta ist Gastfreundschaft wichtig, sie hat viel zu tun und bemüht sich, ihrem Freund was Gutes zu tun. Maria nutzt die Zeit, sich mit Jesus zu unterhalten, anwesend zu sein.
Ich verstehe Marta, wenn sie ungehalten ist, dass Maria nichts tut und noch dazu sagt Jesus dann, dass Maria das Gute gewählt hat. Ist ihre Arbeit nichts wert?
Doch, ihre Arbeit ist wertvoll, aber Jesus will ihr sagen, dass sie auch die Ruhe, die Pause, die Zeit zum Zuhören braucht.

Diese Geschichte von Maria und Marta zeigt mir, dass eine gute Balance zwischen Arbeit und Pause, zwischen Tun und Zuhören, zwischen Geschäftigkeit und Freundschaftspflege wichtig ist. Ich denke dass es in jedem von uns eine Marta und eine Maria gibt, manchmal sind wir mehr Marta und manchmal mehr Maria. Es ist wichtig darauf zu schauen, dass beide ausreichend Platz haben, dass es neben aller Arbeit und Mühe Zeit für Gott, für die Mitmenschen und für einen selber gibt.

Schauen wir immer wieder darauf, wer gerade in mir vorherrscht – Maria oder Marta und nehmen wir uns bewusst Zeit, Maria zu sein.

Marta wohnt in mir
In meiner Arbeit.
In meiner Fürsorge und Geschäftigkeit.

Maria wohnt in mir
In meinem Zuhören.
In meinem Hören auf dich, Gott.

Es braucht beides.
Gott, schenke uns
den Fleiß von Marta und die offenen Ohren von Maria
Gott, schenke uns
Hände, die Gutes tun und Ohren, die Zuhören.
Gott, schenke uns
beides in einem guten Verhältnis.

Gott segne und begleite uns
Im Namen des Vaters
und des Sohnes
und des Heiligen Geistes. Amen.


 

Atem.Pause am 31.07.2020: Thema „Was heißt Reich Gottes für mich?"
Theresia Stonig

Heute feiern wir das Fest des Hl. Ignatius von Loyola. Er wurde im Mai 1491 in Spanien geboren und starb am 31. Juli 1556 in Rom. Er war der wichtigste Mitbegründer und Gestalter der Gesellschaft Jesu - des Jesuitenordens - und wurde 1622 heiliggesprochen. Im Krieg gegen französische Truppen durch eine Kanonenkugel am Bein schwer verletzt, hatte er während der Zeit im Krankenlager sehr viel Zeit zum Lesen. Er las eine Sammlung von Heiligenlegenden und eine Lebensbeschreibung von Jesu Christi. Das brachte ihn zum Nachdenken. Während er sich im Kloster Montserrat erholte entschied er sich für eine radikale Änderung seines Lebens, er legte die Ritterausrüstung ab und verließ das Kloster als Bettler und Pilger. Er zog sich ein Jahr lang in Manresa in die Einsamkeit zurück und schrieb seine großen inneren Erlebnisse in seinem Exerzitienbuch nieder und ist damit der Begründer der Ignatianischen Exerzitien, den geistlichen Übungen. Sie enthalten Anleitungen zum Gebet, zur Meditation und zur Unterscheidung der Geister.

Im Rahmen meiner Ausbildung habe ich vor zwei Wochen an ignatianischen Exerzitien teilgenommen. 7 Tage Schweigen, Beten, Nachdenken. Klingt schwierig, war aber sehr schön und hat gut getan. Kein Handy, keine Nachrichten, komplett offline – Zeit für sich selbst, für die Schönheit der Natur, für Gott im Gebet, in der Bibelbetrachtung und im Gottesdienst. Zeit zum Nachdenken über das eigene Christsein.

Dabei hat mich eine Bitte aus dem Vater unser besonders beschäftigt. Wir bitten: dein Reich komme.
Was heißt das?
Mein Exerzitienbegleiter hat dafür eine schöne Antwort: Das Reich Gottes ist dort, wo Gott das Sagen hat.
Für mich heißt das, dass das Reich Gottes dort entsteht, wo Barmherzigkeit, Liebe und Versöhnung gelebt wird.

Und ich habe noch andere Menschen befragt, wie sie sich das Reich Gottes vorstellen. Als Antworten hörte ich:
Das Reich Gottes ist dort,
• wo alle in Frieden leben
• wo es allen Menschen gut geht
• wo jeder so sein kann, wie er ist und angenommen wird
• wenn spürbar ist, dass der Heilige Geist lebendig ist
• wenn ich mit Menschen unterwegs bin und spüre, dass ich getragen bin und so sein darf, wie ich bin und eine innere Zufriedenheit wahrnehme.
• und wenn jeder so sein darf, auch der am Straßenrand sitzt, ein Bettler, ein Alkoholtrinkender, ...

Ich lade dazu ein in einer Zeit der Stille darüber nachzudenken, was das Reich Gottes bedeutet und was wir selbst zum Reich Gottes beitragen können. 


 

Atem.Pause am 17.07.2020: Thema „Zu wem würde Jesus heute gehen?"
Martin Lesky

„Als Jesus die vielen Menschen sah, die um ihm waren, befahl er, ans andere Ufer zu fahren. Da kam ein Schriftgelehrter zu ihm und sagte: Meister, ich will dir folgen, wohin du auch gehst. Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann." (Mt 8,18-20)
Jesus hat keinen festen Ort, wo er wohnt und sich aufhält. Jesus ist unterwegs. Er geht dorthin, wo die Menschen sind. Einige Beispiele aus dem Matthäusevangelium, wohin Jesus geht: Am See von Galiläa, in ganz Galiläa, in den Synagogen, auf den Berg, nach Karfarnaum, in das Gebiet der Gadarener, durch alle Städte und Dörfer, durch die Kornfelder, an das Ufer des Sees, in Häuser, in seine Heimatstadt, nach Gennesaret, in das Gebiet von Tyrus und Sidon, in das Gebiet von Cäsarea Philipi, in das Gebiet von Judäa jenseits des Jordan, nach Jerusalem ...
Und es sind dort ganz unterschiedlichen Menschen, denen Jesus begegnet: Fischer, seine Jünger, Kranke, viele Menschen, Aussätzige, ein Hauptmann, Besessene, ein Schriftgelehrter, ein Gelähmter, ein Zöllner, die Jünger des Johannes, ein Synagogenvorsteher, Kinder, Blinde, ein Stummer, die Pharisäer, ein Mann mit einer verdorrten Hand, seine Mutter und seine Brüder, eine kanaanäische Frau ...
Jesus ist unterwegs, ist bei den Menschen, hat Interesse an den Menschen.

Ich habe verschiedene Leute gefragt, wohin Jesus heute gehen würde:
„Vermutlich zu einem Open Air Kino im Zeughaus im Sommer oder zu einer anderen Kulturveranstaltung."
„Jesus würde googeln und schauen, wo Leute eine Sehnsucht haben oder nach Sinnangeboten suchen."
„Zu den Menschen am Rand, zu den Menschen, die ihn einlassen, die offen sind für ihn."
„Es gibt so viele Orte, wo Jesus notwendig wäre. Er würde in die Maria-Theresien-Straße gehen, zu den Menschen, die mit Einkaufstaschen herumrennen, zu den Touristen aus verschiedenen Ländern, den Menschen, die besorgt sind, zu den Straßenmusikern, zu denen, die an den Hauswänden sitzen, teilweise als Bettler oder mit Weinflasche, zu Menschen, die sich nicht mehr aus dem Haus trauen und vereinsamen, sicher auch zu den Jugendlichen, die an illegalen Ravepartys teilnehmen."
„Jesus würde sich zu den Flüchtlingen ins Boot setzen, er würde die Slums besuchen und die Reichen in Europa und ihnen sagen, was Gerechtigkeit ist und wie sie daran teilhaben können."
„Dort wo es ihn hinzieht, weil er für alle Menschen da ist."
„Nach Afrika und Südamerika, zu den alten Leuten im Altersheim. Viele würden ihn nicht erkennen, selbst nicht die Hochfrommen."

Eine herzliche Einladung, mit anderen über Jesus ins Gespräch zu kommen, fragen, erzählen, Jesus mit meinem Leben in Verbindung bringen ...


  

Atem.Pause am 10.07.2020: Thema „Was mir Glaube bedeutet?"
Martin Lesky

Die Emmausgeschichte spricht mich immer wieder neu an. Ich habe vor einiger Zeit dem Autor des Buches „Jesus für Kleinbauern" Reinhard Körner geschrieben und gefragt, was wohl Jesus den beiden Emmausjüngern geantwortet hat. Seine Antwort fasziniert mich: „Jedenfalls "brannte ihnen das Herz" (Lk 24,32) - also muss er etwas gesagt haben, das in ihren Herzen noch als "Glut" vorhanden war, bloß mit Asche drüber - und als er mit seinen Worten die Asche wegpustete, schlug die Glut wieder Flammen. Ich denke, der Evangelist (Lukas) hat nicht miterzählt, was genau Jesus gesagt hat, damit der/die Leser/in/Hörer/in ins eigene Herz schaut und darauf achtet, womit der auferstandene Jesus ihm heute die Asche wegpustet und die noch vorhandene Glut wieder auflodern lässt. Diese Glut ist unser Glaube. Und als Jesus diesen Glauben wieder zum Brennen gebracht hat, sie die Zusammenhänge verstanden haben, da haben die Jünger wieder eine Perspektive gesehen, Sinn erfahren. Jetzt laufen sie nach Jerusalem zurück, um den anderen Jüngern von ihren Erfahrungen zu erzählen.

Diese Glut, unser Glaube ist wesentlich. Er ist die Antriebsfeder für unser Tun. Ich habe verschiedene Personen gefragt, was ihnen Glaube bedeutet. Die Antworten motivieren mich, dieses Thema weiterzudenken.

„Glaube bedeutet für mich Vertrauen, dass es gut wird."
„Glaube ist mir Orientierung, Sinn, Lebenselixier, Freude und führt zu einem gelingenden Leben."
„Glaube bedeutet für mich Halt im Leben und schenkt mir Gemeinschaft."
„Glaube ist für mich einerseits Halt und Sicherheit, andererseits ein ständiges Ringen und Kämpfen ihn lebendig zu halten. Glaube liegt zwischen rational und emotional, zwischen ankommen und hinterfragen. Es braucht ein ständiges arbeiten darum, was auch anstrengend sein kann."
„Glaube bedeutet für mich Vertrauen, dass ich mich verlassen kann, das Wissen, dass ich nicht allein bin. Glaube gibt mir Zuversicht."
„Glaube bedeutet für mich, dass ich von Gott geliebt bin, dass ich in allen Situationen des Lebens begleitet bin, dass Gott mit mir auf dem Weg ist und dass ich im Vertrauen auf Gott, alle Situationen meistern kann."

Eine herzliche Einladung, Glaube zum Thema zu machen, andere zu fragen, was ihnen Glaube bedeutet, anderen erzählen, was mir mein Glaube bedeutet.


 

Atem.Pause am 03.07.2020: Thema „Wo ist mir Gott begegnet?"
Martin Lesky

In der Zeitschrift JOYCE schreibt Elena Schulte: „Wenn du das nächste Mal in deine Gemeinde gehst, dann erzähle doch einfach mal einer Person dort, was Gemeinde dir bedeutet. Wo bist du hier – durch Menschen, Lieder, Predigten, Begegnungen, Erlebnisse – Gott begegnet? Woran merkst du, dass dies der Ort ist, an dem Gott wohnt und sein Geist weht?"

Ich habe wieder verschiedene Personen gefragt und habe interessante und inspirierende Antworten bekommen:
Ich merke es an meinem Berührtsein. Wenn ich berührt bin durch die Gemeinschaft, die ich erlebe oder durch den Kirchenraum. Manchmal ist es auch einfach die Ruhe, die ich empfinde.
Ich merke es an dem Interesse. Wenn jemand in der Gemeinde Interesse zeigt, nachfragt wie es dir geht, in der Trauer nachfragt, bei der Geburt eines Kindes fragt, wie es mir geht. Wenn du drei Wochen wegbleibst und jemand nachfragt, ich habe dich drei Wochen nicht mehr gesehen, wie geht es dir? Inter-esse – das dazwischen ist wichtig.
Ich spüre Gott, wenn ich in der Natur unterwegs bin, in schönen Landschaften, wenn die Sonne hineinscheint.
Gemeinde ist überall dort, wo Menschen zusammenkommen, um zu beten. Gott ist in allen Dingen, in jedem Moment anwesend, manchmal mehr spürbar, manchmal weniger. Für mich ist er vor allem im Gebet und im Lesen der Bibel spürbar.
Ich merke es in Situationen von Freude und Leid, bei Taufen, im Abschiednehmen von Menschen. Eltern und Großeltern erleben die Geburt eines Kindes als besonderes Element der Freude und des Beschenkt seins, als Gottes Geschenk. Die Suche, wohin der Mensch unterwegs ist und die dankbare Erinnerung hilft die Trauer zu bewältigen – und dies wird als Gotteserfahrung erlebt.

Ich glaube, wenn wir damit anfangen, mehr über Gott zu sprechen und über das, was uns an Kirche begeistert, wo sie uns guttut und wie sehr wir sie schätzen, dann wird das andere anstecken. Dann kann sich eine Kultur entwickeln, in der Gott Raum bekommt und sich sein eigenes Haus mit Freude, Lachen, Segen und Heiligkeit füllt. Herzliche Einladung dazu!


 

Atem.Pause am 26.06.2020: Thema Barmherzigkeit
Martin Lesky

Jesus sagt: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!" (Lk 6,36) oder „Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden." (Mt 5,7). Was heißt für mich, für dich, für uns Barmherzigkeit? Ich habe mehrere Personen gefragt, was für sie Barmherzigkeit bedeutet. Eine Person sagte: Barmherzigkeit heißt für mich so zu leben, dass es den anderen gut geht. Eine zweite Person sagte: Barmherzigkeit heißt für mich auf Menschen zugehen, Menschen so annehmen wie sie sind, ohne sie verändern zu wollen. Eine dritte Person sagte: Barmherzigkeit heißt für mich zuerst zuhören, dann helfen, ohne die Erwartung, dafür ein Danke zu bekommen. Eine vierte Person sagte: Barmherzigkeit hat etwas mit Herz zu tun. Und dann mit Gerechtigkeit – jemandem gerecht werden.

Bischof Joachim Wanke formuliert in den neuen 7 Werken der Barmherzigkeit:
„Einem Menschen sagen:
1. Du gehörst dazu.
2. Ich höre dir zu.
3. Ich rede gut über dich.
4. Ich gehe ein Stück mit dir.
5. Ich teile mit dir.
6. Ich besuche dich.
7. Ich bete für dich."
Im Gleichnis vom barmherzigen Samariter in Lk 10,30-37 erzählt Jesus die Geschichte von einem Mann, der überfallen wurde. Schwer verletzt bleibt er liegen. Es kommen ein Priester und ein Levit vorbei. Beide gehen weiter. Dann die große Überraschung. Ein Samaritaner kommt vorbei, ein Fremder, jemand der einer anderen Religion angehört als der Überfallene. Dieser hilft dem Überfallenen. Jesus will uns damit sagen, dass wir auch den Menschen helfen sollen, mit denen wir nichts zu tun haben. Barmherzigkeit geht also einen Schritt weiter, weitet unseren Horizont. Wir kennen die Geschichte, wie sie weitergeht. Der Samariter hob den Überfallenen auf sein Reittier und brachte ihn zur Herberge. Er weiß, dass er nicht alles allein tun muss, nimmt aber seine Verantwortung wahr, indem er den Überfallenen zur Herberge bringt und für seine Pflege dort bezahlt.
Barmherzigkeit hat verschiedene Facetten. Ich lade ein, darüber ins Gespräch zu kommen, jemanden zu erzählen, was für mich Barmherzigkeit bedeutet oder jemanden fragen, was er oder sie unter Barmherzigkeit versteht.
Herzliche Einladung dazu!


 

Atem.Pause am 19.06.2020, Herz-Jesu-Freitag
Martin Lesky

Jesus sagt: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben." (Joh 10,10). Mir ist beim Hören dieses Satzes in der letzten Weggemeinschaft auf einmal eine Frage aufgetaucht: Wenn „Leben in Fülle" oder „Gutes Leben für alle" das Ziel von Kirche ist, wie muss sie dann agieren?

Ich möchte der Frage nach Leben in Fülle heute nachgehen. Dazu habe ich vier Personen befragt: Die erste Person meinte, die Woche von Montag bis Freitag ist so gefüllt, dass es das Wochenende, Samstag und Sonntag braucht, um wieder zur Ruhe zu kommen. Die zweite Person meinte sie lebe in Fülle. Gerade heute habe sie sich gedacht, dass sie einfach zufrieden ist, dass sie wieder die sozialen Kontakte hat, sich mit Freunden treffen kann, Leben in Fülle hat. Eine dritte Person sagte, Leben in Fülle heißt Zufriedenheit, mit allen Bereichen des Lebens in Einklang sein, ausgewogen sein. Eine vierte Person meinte, ein frohes und geglücktes Leben in Frieden und Einklang, wie es dem jüdischen Schalom entspricht. In Frieden sein mit Gott, mit den Menschen um mich herum, mit der Umwelt und mit mir selbst.
Genug zum Leben haben und etwas mehr, sich zufrieden fühlen, was kann dann Kirche noch geben? Was ist dann noch Aufgabe der Kirche? Wir sind in der Spur Gottes, wenn es uns um das Leben in Fülle, um gutes Leben für alle geht, wenn wir die „Liebesgeschichte" Gottes mit den Menschen, die in Jesus von Nazareth sichtbar und spürbar und greifbar geworden ist, fortsetzen, leben, weiterschreiben, durch unseren ganz konkreten Einsatz für Menschen am Rand der Gesellschaft, einsame Menschen, suchende Menschen, Obdachlose, Menschen, die behindert werden usw. Wir wollen den Traum Gottes wachhalten, den Traum, dass alle Menschen Leben in Fülle haben können, auch die Flüchtlinge in Griechenland, auch die Menschen in Afrika, deren Lebensgrundlage durch den Klimawandel verloren gegangen ist, auch die Menschen, die bei uns unter der Armutsgrenze leben ...

Ich möchte Dich und Sie einladen, über das Leben in Fülle ins Gespräch zu kommen, jemanden danach fragen und selber zu sagen, was es für mich bedeutet.

Anschrift

Diözese Innsbruck
Msgr. Mag. Jakob Bürgler
Bischofsvikar für missionarische Pastoral
Domplatz 2
A-6020 Innsbruck

Instagram

Infoscreen

Suchen ...

... und finden

GEISTreich - Diözese Innsbruck  
ImpressumLinksammlungDatenschutzKontakt

powered by webEdition CMS