GEISTreiche Atem.Pause


Jeden Freitag um 12.15 Uhr
in der Spitalskirche Innsbruck
den Alltag unterbrechen
sich Zeit nehmen
Musik, Impuls, Stille
mit Gottes Segen wieder in den Alltag gehen

 

Atem.Pause am 31.07.2020: Thema „Was heißt Reich Gottes für mich?"
Theresia Stonig

Heute feiern wir das Fest des Hl. Ignatius von Loyola. Er wurde im Mai 1491 in Spanien geboren und starb am 31. Juli 1556 in Rom. Er war der wichtigste Mitbegründer und Gestalter der Gesellschaft Jesu - des Jesuitenordens - und wurde 1622 heiliggesprochen. Im Krieg gegen französische Truppen durch eine Kanonenkugel am Bein schwer verletzt, hatte er während der Zeit im Krankenlager sehr viel Zeit zum Lesen. Er las eine Sammlung von Heiligenlegenden und eine Lebensbeschreibung von Jesu Christi. Das brachte ihn zum Nachdenken. Während er sich im Kloster Montserrat erholte entschied er sich für eine radikale Änderung seines Lebens, er legte die Ritterausrüstung ab und verließ das Kloster als Bettler und Pilger. Er zog sich ein Jahr lang in Manresa in die Einsamkeit zurück und schrieb seine großen inneren Erlebnisse in seinem Exerzitienbuch nieder und ist damit der Begründer der Ignatianischen Exerzitien, den geistlichen Übungen. Sie enthalten Anleitungen zum Gebet, zur Meditation und zur Unterscheidung der Geister.

Im Rahmen meiner Ausbildung habe ich vor zwei Wochen an ignatianischen Exerzitien teilgenommen. 7 Tage Schweigen, Beten, Nachdenken. Klingt schwierig, war aber sehr schön und hat gut getan. Kein Handy, keine Nachrichten, komplett offline – Zeit für sich selbst, für die Schönheit der Natur, für Gott im Gebet, in der Bibelbetrachtung und im Gottesdienst. Zeit zum Nachdenken über das eigene Christsein.

Dabei hat mich eine Bitte aus dem Vater unser besonders beschäftigt. Wir bitten: dein Reich komme.
Was heißt das?
Mein Exerzitienbegleiter hat dafür eine schöne Antwort: Das Reich Gottes ist dort, wo Gott das Sagen hat.
Für mich heißt das, dass das Reich Gottes dort entsteht, wo Barmherzigkeit, Liebe und Versöhnung gelebt wird.

Und ich habe noch andere Menschen befragt, wie sie sich das Reich Gottes vorstellen. Als Antworten hörte ich:
Das Reich Gottes ist dort,
• wo alle in Frieden leben
• wo es allen Menschen gut geht
• wo jeder so sein kann, wie er ist und angenommen wird
• wenn spürbar ist, dass der Heilige Geist lebendig ist
• wenn ich mit Menschen unterwegs bin und spüre, dass ich getragen bin und so sein darf, wie ich bin und eine innere Zufriedenheit wahrnehme.
• und wenn jeder so sein darf, auch der am Straßenrand sitzt, ein Bettler, ein Alkoholtrinkender, ...

Ich lade dazu ein in einer Zeit der Stille darüber nachzudenken, was das Reich Gottes bedeutet und was wir selbst zum Reich Gottes beitragen können. 

 

Atem.Pause am 17.07.2020: Thema „Zu wem würde Jesus heute gehen?"
Martin Lesky

„Als Jesus die vielen Menschen sah, die um ihm waren, befahl er, ans andere Ufer zu fahren. Da kam ein Schriftgelehrter zu ihm und sagte: Meister, ich will dir folgen, wohin du auch gehst. Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann." (Mt 8,18-20)
Jesus hat keinen festen Ort, wo er wohnt und sich aufhält. Jesus ist unterwegs. Er geht dorthin, wo die Menschen sind. Einige Beispiele aus dem Matthäusevangelium, wohin Jesus geht: Am See von Galiläa, in ganz Galiläa, in den Synagogen, auf den Berg, nach Karfarnaum, in das Gebiet der Gadarener, durch alle Städte und Dörfer, durch die Kornfelder, an das Ufer des Sees, in Häuser, in seine Heimatstadt, nach Gennesaret, in das Gebiet von Tyrus und Sidon, in das Gebiet von Cäsarea Philipi, in das Gebiet von Judäa jenseits des Jordan, nach Jerusalem ...
Und es sind dort ganz unterschiedlichen Menschen, denen Jesus begegnet: Fischer, seine Jünger, Kranke, viele Menschen, Aussätzige, ein Hauptmann, Besessene, ein Schriftgelehrter, ein Gelähmter, ein Zöllner, die Jünger des Johannes, ein Synagogenvorsteher, Kinder, Blinde, ein Stummer, die Pharisäer, ein Mann mit einer verdorrten Hand, seine Mutter und seine Brüder, eine kanaanäische Frau ...
Jesus ist unterwegs, ist bei den Menschen, hat Interesse an den Menschen.

Ich habe verschiedene Leute gefragt, wohin Jesus heute gehen würde:
„Vermutlich zu einem Open Air Kino im Zeughaus im Sommer oder zu einer anderen Kulturveranstaltung."
„Jesus würde googeln und schauen, wo Leute eine Sehnsucht haben oder nach Sinnangeboten suchen."
„Zu den Menschen am Rand, zu den Menschen, die ihn einlassen, die offen sind für ihn."
„Es gibt so viele Orte, wo Jesus notwendig wäre. Er würde in die Maria-Theresien-Straße gehen, zu den Menschen, die mit Einkaufstaschen herumrennen, zu den Touristen aus verschiedenen Ländern, den Menschen, die besorgt sind, zu den Straßenmusikern, zu denen, die an den Hauswänden sitzen, teilweise als Bettler oder mit Weinflasche, zu Menschen, die sich nicht mehr aus dem Haus trauen und vereinsamen, sicher auch zu den Jugendlichen, die an illegalen Ravepartys teilnehmen."
„Jesus würde sich zu den Flüchtlingen ins Boot setzen, er würde die Slums besuchen und die Reichen in Europa und ihnen sagen, was Gerechtigkeit ist und wie sie daran teilhaben können."
„Dort wo es ihn hinzieht, weil er für alle Menschen da ist."
„Nach Afrika und Südamerika, zu den alten Leuten im Altersheim. Viele würden ihn nicht erkennen, selbst nicht die Hochfrommen."

Eine herzliche Einladung, mit anderen über Jesus ins Gespräch zu kommen, fragen, erzählen, Jesus mit meinem Leben in Verbindung bringen ...


 

 

Atem.Pause am 10.07.2020: Thema „Was mir Glaube bedeutet?"
Martin Lesky

Die Emmausgeschichte spricht mich immer wieder neu an. Ich habe vor einiger Zeit dem Autor des Buches „Jesus für Kleinbauern" Reinhard Körner geschrieben und gefragt, was wohl Jesus den beiden Emmausjüngern geantwortet hat. Seine Antwort fasziniert mich: „Jedenfalls "brannte ihnen das Herz" (Lk 24,32) - also muss er etwas gesagt haben, das in ihren Herzen noch als "Glut" vorhanden war, bloß mit Asche drüber - und als er mit seinen Worten die Asche wegpustete, schlug die Glut wieder Flammen. Ich denke, der Evangelist (Lukas) hat nicht miterzählt, was genau Jesus gesagt hat, damit der/die Leser/in/Hörer/in ins eigene Herz schaut und darauf achtet, womit der auferstandene Jesus ihm heute die Asche wegpustet und die noch vorhandene Glut wieder auflodern lässt. Diese Glut ist unser Glaube. Und als Jesus diesen Glauben wieder zum Brennen gebracht hat, sie die Zusammenhänge verstanden haben, da haben die Jünger wieder eine Perspektive gesehen, Sinn erfahren. Jetzt laufen sie nach Jerusalem zurück, um den anderen Jüngern von ihren Erfahrungen zu erzählen.

Diese Glut, unser Glaube ist wesentlich. Er ist die Antriebsfeder für unser Tun. Ich habe verschiedene Personen gefragt, was ihnen Glaube bedeutet. Die Antworten motivieren mich, dieses Thema weiterzudenken.

„Glaube bedeutet für mich Vertrauen, dass es gut wird."
„Glaube ist mir Orientierung, Sinn, Lebenselixier, Freude und führt zu einem gelingenden Leben."
„Glaube bedeutet für mich Halt im Leben und schenkt mir Gemeinschaft."
„Glaube ist für mich einerseits Halt und Sicherheit, andererseits ein ständiges Ringen und Kämpfen ihn lebendig zu halten. Glaube liegt zwischen rational und emotional, zwischen ankommen und hinterfragen. Es braucht ein ständiges arbeiten darum, was auch anstrengend sein kann."
„Glaube bedeutet für mich Vertrauen, dass ich mich verlassen kann, das Wissen, dass ich nicht allein bin. Glaube gibt mir Zuversicht."
„Glaube bedeutet für mich, dass ich von Gott geliebt bin, dass ich in allen Situationen des Lebens begleitet bin, dass Gott mit mir auf dem Weg ist und dass ich im Vertrauen auf Gott, alle Situationen meistern kann."

Eine herzliche Einladung, Glaube zum Thema zu machen, andere zu fragen, was ihnen Glaube bedeutet, anderen erzählen, was mir mein Glaube bedeutet.


 

Atem.Pause am 03.07.2020: Thema „Wo ist mir Gott begegnet?"
Martin Lesky

In der Zeitschrift JOYCE schreibt Elena Schulte: „Wenn du das nächste Mal in deine Gemeinde gehst, dann erzähle doch einfach mal einer Person dort, was Gemeinde dir bedeutet. Wo bist du hier – durch Menschen, Lieder, Predigten, Begegnungen, Erlebnisse – Gott begegnet? Woran merkst du, dass dies der Ort ist, an dem Gott wohnt und sein Geist weht?"

Ich habe wieder verschiedene Personen gefragt und habe interessante und inspirierende Antworten bekommen:
Ich merke es an meinem Berührtsein. Wenn ich berührt bin durch die Gemeinschaft, die ich erlebe oder durch den Kirchenraum. Manchmal ist es auch einfach die Ruhe, die ich empfinde.
Ich merke es an dem Interesse. Wenn jemand in der Gemeinde Interesse zeigt, nachfragt wie es dir geht, in der Trauer nachfragt, bei der Geburt eines Kindes fragt, wie es mir geht. Wenn du drei Wochen wegbleibst und jemand nachfragt, ich habe dich drei Wochen nicht mehr gesehen, wie geht es dir? Inter-esse – das dazwischen ist wichtig.
Ich spüre Gott, wenn ich in der Natur unterwegs bin, in schönen Landschaften, wenn die Sonne hineinscheint.
Gemeinde ist überall dort, wo Menschen zusammenkommen, um zu beten. Gott ist in allen Dingen, in jedem Moment anwesend, manchmal mehr spürbar, manchmal weniger. Für mich ist er vor allem im Gebet und im Lesen der Bibel spürbar.
Ich merke es in Situationen von Freude und Leid, bei Taufen, im Abschiednehmen von Menschen. Eltern und Großeltern erleben die Geburt eines Kindes als besonderes Element der Freude und des Beschenkt seins, als Gottes Geschenk. Die Suche, wohin der Mensch unterwegs ist und die dankbare Erinnerung hilft die Trauer zu bewältigen – und dies wird als Gotteserfahrung erlebt.

Ich glaube, wenn wir damit anfangen, mehr über Gott zu sprechen und über das, was uns an Kirche begeistert, wo sie uns guttut und wie sehr wir sie schätzen, dann wird das andere anstecken. Dann kann sich eine Kultur entwickeln, in der Gott Raum bekommt und sich sein eigenes Haus mit Freude, Lachen, Segen und Heiligkeit füllt. Herzliche Einladung dazu!


 

Atem.Pause am 26.06.2020: Thema Barmherzigkeit

Martin Lesky

Jesus sagt: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!" (Lk 6,36) oder „Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden." (Mt 5,7). Was heißt für mich, für dich, für uns Barmherzigkeit? Ich habe mehrere Personen gefragt, was für sie Barmherzigkeit bedeutet. Eine Person sagte: Barmherzigkeit heißt für mich so zu leben, dass es den anderen gut geht. Eine zweite Person sagte: Barmherzigkeit heißt für mich auf Menschen zugehen, Menschen so annehmen wie sie sind, ohne sie verändern zu wollen. Eine dritte Person sagte: Barmherzigkeit heißt für mich zuerst zuhören, dann helfen, ohne die Erwartung, dafür ein Danke zu bekommen. Eine vierte Person sagte: Barmherzigkeit hat etwas mit Herz zu tun. Und dann mit Gerechtigkeit – jemandem gerecht werden.

Bischof Joachim Wanke formuliert in den neuen 7 Werken der Barmherzigkeit:
„Einem Menschen sagen:
1. Du gehörst dazu.
2. Ich höre dir zu.
3. Ich rede gut über dich.
4. Ich gehe ein Stück mit dir.
5. Ich teile mit dir.
6. Ich besuche dich.
7. Ich bete für dich."
Im Gleichnis vom barmherzigen Samariter in Lk 10,30-37 erzählt Jesus die Geschichte von einem Mann, der überfallen wurde. Schwer verletzt bleibt er liegen. Es kommen ein Priester und ein Levit vorbei. Beide gehen weiter. Dann die große Überraschung. Ein Samaritaner kommt vorbei, ein Fremder, jemand der einer anderen Religion angehört als der Überfallene. Dieser hilft dem Überfallenen. Jesus will uns damit sagen, dass wir auch den Menschen helfen sollen, mit denen wir nichts zu tun haben. Barmherzigkeit geht also einen Schritt weiter, weitet unseren Horizont. Wir kennen die Geschichte, wie sie weitergeht. Der Samariter hob den Überfallenen auf sein Reittier und brachte ihn zur Herberge. Er weiß, dass er nicht alles allein tun muss, nimmt aber seine Verantwortung wahr, indem er den Überfallenen zur Herberge bringt und für seine Pflege dort bezahlt.
Barmherzigkeit hat verschiedene Facetten. Ich lade ein, darüber ins Gespräch zu kommen, jemanden zu erzählen, was für mich Barmherzigkeit bedeutet oder jemanden fragen, was er oder sie unter Barmherzigkeit versteht.
Herzliche Einladung dazu!


 

Atem.Pause am 19.06.2020, Herz-Jesu-Freitag
Martin Lesky

Jesus sagt: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben." (Joh 10,10). Mir ist beim Hören dieses Satzes in der letzten Weggemeinschaft auf einmal eine Frage aufgetaucht: Wenn „Leben in Fülle" oder „Gutes Leben für alle" das Ziel von Kirche ist, wie muss sie dann agieren?

Ich möchte der Frage nach Leben in Fülle heute nachgehen. Dazu habe ich vier Personen befragt: Die erste Person meinte, die Woche von Montag bis Freitag ist so gefüllt, dass es das Wochenende, Samstag und Sonntag braucht, um wieder zur Ruhe zu kommen. Die zweite Person meinte sie lebe in Fülle. Gerade heute habe sie sich gedacht, dass sie einfach zufrieden ist, dass sie wieder die sozialen Kontakte hat, sich mit Freunden treffen kann, Leben in Fülle hat. Eine dritte Person sagte, Leben in Fülle heißt Zufriedenheit, mit allen Bereichen des Lebens in Einklang sein, ausgewogen sein. Eine vierte Person meinte, ein frohes und geglücktes Leben in Frieden und Einklang, wie es dem jüdischen Schalom entspricht. In Frieden sein mit Gott, mit den Menschen um mich herum, mit der Umwelt und mit mir selbst.
Genug zum Leben haben und etwas mehr, sich zufrieden fühlen, was kann dann Kirche noch geben? Was ist dann noch Aufgabe der Kirche? Wir sind in der Spur Gottes, wenn es uns um das Leben in Fülle, um gutes Leben für alle geht, wenn wir die „Liebesgeschichte" Gottes mit den Menschen, die in Jesus von Nazareth sichtbar und spürbar und greifbar geworden ist, fortsetzen, leben, weiterschreiben, durch unseren ganz konkreten Einsatz für Menschen am Rand der Gesellschaft, einsame Menschen, suchende Menschen, Obdachlose, Menschen, die behindert werden usw. Wir wollen den Traum Gottes wachhalten, den Traum, dass alle Menschen Leben in Fülle haben können, auch die Flüchtlinge in Griechenland, auch die Menschen in Afrika, deren Lebensgrundlage durch den Klimawandel verloren gegangen ist, auch die Menschen, die bei uns unter der Armutsgrenze leben ...

Ich möchte Dich und Sie einladen, über das Leben in Fülle ins Gespräch zu kommen, jemanden danach fragen und selber zu sagen, was es für mich bedeutet.

Anschrift

Diözese Innsbruck
Msgr. Mag. Jakob Bürgler
Bischofsvikar für missionarische Pastoral
Riedgasse 9-11
A-6020 Innsbruck

Instagram

Infoscreen

Suchen ...

... und finden

GEISTreich - Diözese Innsbruck  
ImpressumLinksammlungDatenschutzKontakt

powered by webEdition CMS