GEISTreiche Atem.Pause


Jeden Freitag um 12.15 Uhr
in der Spitalskirche Innsbruck
den Alltag unterbrechen
sich Zeit nehmen
Musik, Impuls, Stille
mit Gottes Segen wieder in den Alltag gehen

Atem.Pause am 2.3.2021: „Wie kann ich glauben?"
Carina Mathoy

Was denkst du darüber, dass Christsein als Beziehung mit Gott bezeichnet wird?
Diese Frage habe ich meiner Klasse vor zwei Wochen im Religionsunterricht gestellt. Zwölf 16-jährige Burschen und Mädchen, die ich seit zwei Jahren kenne. Viele Menschen denken, dass Jugendliche nicht viel vom Glauben halten, dass sie zu weit weg sind und kein Interesse an tieferen Fragen haben - doch da mache ich eine andere Erfahrung: Sicherlich kann ich traditionelles Glaubenswissen wie die 10 Gebote nicht mehr voraussetzen, aber die Sinnfrage im Leben ist immer noch höchst präsent. Auch die Art den Glauben zu leben hat sich hat sich im Laufe der Zeit verändert. Darum möchte ich ein paar Gedanken meiner Schüler mit Ihnen teilen, die mich sehr beeindruckt und bewegt haben. Also noch einmal zurück zur Frage:
Was denkst du darüber, dass Christsein als Beziehung mit Gott bezeichnet wird?
Eine Schülerin schreibt: „Es ist ein gutes und sicheres Gefühl jemanden zu haben, der für viele ein Vater oder Freund ist. Man hat das Gefühl nie alleine zu sein und dass immer jemand für mich da ist."
„Der Glaube hat mich immer daran erinnert, dass man nie aufgeben soll, auch wenn es noch so schwer für einen ist, da in jedem Moment etwas Neues und Gutes auf einen zukommen könnte."
„Ich denke, dass es eine „schöne" Bezeichnung ist – eine Beziehung zu Gott zu haben. Ich denke auch, dass jeder den Weg dahin anders geht und die Beziehung mit Gott selbst anders empfindet. Eine Beziehung mit Gott bedeutet für mich persönlich nicht, dass man nur durch Beten und durch den Besuch der Kirche eine Beziehung mit ihm haben kann. Es gibt verschiedene Wege. Ich glaube, dass es wichtig ist, Vertrauen in Gott/ Jesus zu haben."
„Ich finde, wenn man Christ ist, hat man auf jeden Fall eine Beziehung zu Gott. Als Christ gehst du wahrscheinlich in die Kirche und betest auch. Gott ist immer da, wenn andere nicht da sind, auch wenn wir nicht immer glauben, dass er da ist. Die Beziehung mit Gott ist sowas wie eine Freundschaft, weil Gott immer ein offenes Ohr für dich hat. Jeder kann Christ sein, egal wie er aussieht oder wie er ist. Gott nimmt jeden auf, und zwar genau so wie derjenige ist. Gott wird dich nie verurteilen, wenn du anders aussiehst als andere, anders bist oder eine andere Meinung hast."
Was denkst du darüber, dass Christsein als Beziehung mit Gott bezeichnet wird?
Was würden Sie antworten?


 

Atempause am 26.02.2021 zum Thema „Welchen Stellenwert hat Innovation?"
Martin Lesky

Welchen Stellenwert hat Innovation in unserem Leben, in unserem Glauben, bei unserem Zusammenleben, in unserer Kirche?
Ich beginne mit einem Blick in die Bibel: In Jes 43,19 heißt es: „Siehe, nun mache ich etwas Neues. Schon sprießt es, merkt ihr es nicht?" oder in Hosea 10,12 heißt es: „Nehmt Neuland unter den Pflug! Es ist Zeit, den Herrn zu suchen; dann wird er kommen und Gerechtigkeit auf euch regnen lassen." Gott beschreitet neue Wege mit uns und fordert uns auf, neue Wege zu beschreiten. Mir fällt dazu die Begegnung von Mose mit seinem Schwiegervater Jitro ein. Als Mose für das Volk Recht spricht und die Leute den ganzen Tag anstehen sagt Jitro zu Mose in Ex 18,17: „Es ist nicht gut, wie du das machst. So richtest du dich selbst zugrunde und auch das Volk, das bei dir ist." Und dann ändert Mose sein Verhalten und setzt Vorsteher ein, die dem Volk jederzeit als Richter zur Verfügung stehen.
Auch in den Evangelien fallen mir einige Stellen ein: Wenn Jesus zu seinen Jüngern beim Fischen sagt, sie sollen das Netz auf der anderen Seite auswerfen (Joh 21,6). Oder wenn Jesus bei der Begegnung mit Zachäus sagt: „Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus bleiben." Da geschieht etwas Unerwartetes, das ermöglicht einen Neubeginn und einen neuen Weg des Zachäus. Im Gleichnis vom verlorenen Sohn erzählt Jesus von dem Vater, der ganz anders handelt, als es seine Söhne von ihm erwarten. Er ist barmherzig und innovativ. Er ermöglicht einen Neubeginn, eine Erneuerung der Beziehung zu seinen beiden Söhnen. In der Bergpredigt sagt Jesus: „Ihr habt gehört das gesagt worden ist: ... Ich aber sage euch" (Mt 5.21.27.33.38.43). Innovation ist ein Wesenszug durch das Leben und die Reden Jesu.
Auch in der Kirche hat Innovation Tradition. Mir fallen Heilige wie Franziskus oder Bischöfe wie Dom Helder Camara ein. Mir fallen Konzile wie das Tridentinum oder das 2. Vatikanum ein oder Texte des Papst Franziskus.
Innovation ist ein wesentlicher Faktor in unserem Leben, in unserem Glauben, in unserer Kirche. Innovation, Erneuerung ist wichtig, weil wir uns ändern. Denken wir darüber nach, wie wir die Lust auf Innovation fördern können, wie wir Räume öffnen können, damit Innovation möglich wird und wie Innovation wertgeschätzt wird.


 

Atem.Pause am 12.02. zum Thema „Warum braucht es heute noch Kirche?"
Martin Lesky

Was kennzeichnet die Zeit von Petrus Canisius (1521 - 1597)? Armut, hohe Kindersterblichkeit, keine Schulen, reformatorische Bewegungen, die Kirche wurde sehr stark in Frage gestellt. Die Antwort des Petrus Canisius war, dass er Bildung und Glauben zu den Menschen bringen, vielen Menschen ermöglichen wollte. Dabei forcierte er das Theaterspiel und die Gründung von Schulen.

Und heute? Wir leben in einem reichen Land, haben mehr als wir brauchen, können die ganze Welt bereisen, haben genügend Informationen. Wieder wird Kirche in Frage gestellt. Sechs Personen haben dazu eine Antwort gegeben:

„Kirche braucht es, um einander in der Nachfolge Jesu zu stärken und zu unterstützen. Jede und jeden einzelnen braucht es, um immer wieder Kirche von unten aufzubauen."
Ingrid Waibl, Religionslehrerin

„Es braucht die Kirche, damit mehr Liebe in die Welt kommt."
Harald Fleißner, Seelsorgeamtsleiter

Kirche braucht es für die Gemeinschaft - heute mehr denn ja. Kirche schenkt Geborgenheit, Zusammengehörigkeit, Einigkeit. Jesus ist mit uns im Boot und wird uns nicht alleine lassen - das Schiff das sich Gemeinde nennt ist Kirche - ist wie Familie. Und Familie bedeutet einander zu helfen und beizustehen. Nicht nur im Guten sondern auch in Schwierigkeiten und Bedrängnissen. In allen Lebenslagen ist Kirche für einen da.
Maria Schett, Dekanatsreferentin im Dekanat Sillian

„Für mich heißt die Kernbotschaft Jesu: Jede/r ist bedingungslos geliebt von Gott! Damit das durch Generationen weitergegeben und den Menschen zugesagt und zugetan wird, dazu gibt es Kirche."
Alois Gedl, Dekanatsassistent Dekanat Breitenwang

„Ich gehöre in Dankbarkeit zur Kirche, weil ich in ihr Jesus von Nazareth und die Verheißung Gottes an Israel und alle Menschen kennengelernt habe. Die Kirche braucht es, weil nur so die Kunde von Jesus Christus in der Welt bleibt, und damit die alles überbietende Hoffnung, dass die Liebe das letzte Wort in der Geschichte haben wird."
Roman Siebenrock, Universitätsprofessor für systematische Theologie an der Universität Innsbruck

Kirche braucht es zur Wertevermittlung und um in der Gemeinschaft miteinander wachsen zu können.
Regina Prem, Weggemeinschaft See

In diesen Antworten wird sichtbar, dass Kirche und Glaube Thema sein muss und zur Sprache gebracht wird. In den Weggemeinschaften, den Dialoginitiativen, den 500 Herzfeuern haben Sie die Möglichkeit, dass Kirche lebendig, und durch die Beteiligung von vielen Menschen neu erfahrbar wird.


 

Atem.Pause am 18.12. zum Thema „Veränderung"
Martin Lesky

Angesichts von Corona, Klimawandel, der Situation in den Flüchtlingslagern auf der griechischen Insel Lesbos stelle ich mir die Frage: „Ist Veränderung möglich?" Stellen Sie sich auch öfters diese Frage „Ist Veränderung möglich?" oder „Wie ist Veränderung möglich?" Vielleicht ist es einfach menschlich, dass wir alles beim Alten bewenden lassen wollen. Schon beim Auszug aus Ägypten hat es bald ein Murren des Volkes Israel gegeben. Sie wollten zurück zu den Fleischtöpfen in Ägypten. Die unbefriedigende Situation dort war nicht mehr präsent oder vielleicht bald vergessen. Und heute? Sobald der harte Lockdown vorbei ist, soll alles wieder so sein wie davor. Aber wer an Weihnachten glaubt, der glaubt an Veränderung. In der Adventzeit, der Vorbereitungszeit auf Weihnachten, hören wir in den liturgischen Lesungen viel von Umkehr und Veränderung. Johannes der Täufer verkündet eine Taufe der Umkehr zur Vergebung der Sünden. Er sagt: „Ebnet den Weg für den Herrn!" Umkehren, den Weg ebnen, das sind starke Beschreibungen für Veränderung. Und dann kommt Weihnachten. Ich habe gestern mit einer früheren Mitarbeiterin telefoniert, die im Herbst ihr erstes Kind bekommen hat. Das ist eine riesige Veränderung. Auf einmal bestimmt das Kind den Tagesablauf. Auf einmal ist alles anders. Und so war es auch mit dem Leben von Maria. Die wohl größte mögliche Veränderung in ihrem Leben wird ihr durch den Engel Gabriel angekündigt. Durch die Geburt von Jesus hat sich alles in ihrem Leben verändert. Und Jesus selbst bringt uns die größte Veränderung. Jesus beschreibt uns einen neuen Weg. „Liebet eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen." (Mt 5,44) Petrus fragt Jesus, „Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er gegen mich sündigt? Bis zu siebenmal? Jesus sagte zu ihm: Ich sage dir nicht, bis zu siebenmal, sondern bis zu siebzig siebenmal." (Mt 18,21) Als die Schriftgelehrten und Pharisäer eine Ehebrecherin zu Jesus bringen, antwortete er ihnen: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein auf sie." (Joh 8,7) Wir können von Jesus lernen. Veränderung ist möglich. Halten wir nicht hartnäckig an alten Bildern fest, sondern schauen wir einander immer wieder neu an und trauen wir uns zu, dass wir uns alle zum Besseren verändern können. Das ist auch mit dem Ruf zur Umkehr in den Evangelien gemeint: umdenken, neu denken, sich immer wieder verändern und die Menschen und die Welt mit neuen Augen anschauen. Jesus führt uns in eine neue Haltung ein: Es geht darum, uns immer wieder neu an dem auszurichten, worum es in der Frohbotschaft geht: die Verheißung von Leben in Fülle für alle. Dann verändert sich unser Engagement für die Flüchtlinge ...
Wo möchte ich etwas in meinem Leben verändern?


 

Atem.Pause am 27.11.2020: Thema „Was ist das Ziel unseres Lebens?"
Martin Lesky

Wo brauche ich Ziele in meinem Leben? Wenn ich eine große Prüfung bestehen will, braucht es eine gute Vorbereitung und einen Plan, wie ich vorgehe. Dann in der Arbeit, in der Familie, in der Schule, bei Hausübungen, im Haushalt – überall brauchen wir Ziele. Wer kocht zu Mittag, wer macht das Frühstück oder das Abendessen. Brauchen wir auch Ziele für unseren Glauben, für unser Leben? Ein erster Versuch diese große Frage zu beantworten könnte lauten: „Das Evangelium zu allen Menschen bringen, damit sie die Gegenwart des auferstandenen Christus und ein Leben in Fülle spüren können." Oder „In den Himmel kommen." Oder „Das Evangelium in neuer Weise verkünden." Oder „Die Not meiner Mitmenschen wahrnehmen, aufmerksam füreinander sein." Oder „Zeigen, dass das Leben mehr zu bieten hat." Oder „Tag für Tag das Beste geben." Während die ersten Ziele noch sehr abstrakt waren, sind die weiteren Ziele immer konkreter geworden. Vielleicht ist es einfacher und konkreter zuerst einmal ein Ziel für die Adventzeit zu formulieren. Die erste Lesung am ersten Adventsonntag beginnt mit den Worten „Du, Herr, bist unser Vater." (Jes 63,16b) Ein Vater geht die ersten Schritte mit seinem Kind, führt ins Leben, sorgt sich um sein Wohlbefinden. Da geht es um Beziehung. In diesen ersten Worten dieser Lesung könnte schon ein Ziel für die Adventzeit und darüber hinaus drinstecken. Weil unser Gott uns wie ein Vater ist, ein Beziehungsgott ist, suchen wir in dieser Adventzeit bewusst die Beziehung zu ihm und zu anderen Menschen. Einerseits können wir jeden Tag 10 Minuten in die Stille gehen und einfach einmal Danke sagen, für alles Schöne in der Welt, andererseits können wir uns bewusst Menschen zuwenden, die oft vergessen werden oder Menschen danke sagen, die immer für uns da sind ...
Ich möchte in dieser Adventzeit dazu einladen, dass Sie sich über die Ziele Gedanken machen und mir dann diese Ziele zumailen. Daraus könnte dann die erste Atem.Pause im neuen Jahr werden.
Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Adventzeit!


 

Atem.Pause am 20.11.2020: Thema „Wer ist Jesus Christus für mich?"
Martin Lesky

Wer ist Jesus Christus? Diese Frage gibt es seit fast 2.000 Jahren. Von Johannes dem Täufer wissen wir, dass er seine Jünger zu Jesus schickt und ihn fragen lässt: „Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten?" (Mt 11,3) Jesus antwortete ihnen: Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen wieder und Lahme gehen; Aussätzige werden rein und Taube hören; Tote stehen auf und den Armen wird das Evangelium verkündet. Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt. Jesus stellt dann selber die Frage: „Für wen halten die Leute den Menschensohn?" (Mt 16,13) und dann zwei Verse später direkt an die Jünger: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?" (Mt 16,15). Darauf folgt die uns bekannte Antwort des Simon Petrus: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!" (Mt 16,16) Auch wir müssen uns heute, fast 2.000 Jahre später, die Frage stellen, wer Jesus für uns ist.
Dazu habe ich wieder mehrere Personen befragt. Auf die Frage, „wer ist Jesus für mich?" bekam ich sehr inspirierende Antworten:
„Ein Unbequemer, einer der das momentan herrschende System in Frage stellt, einer der aufrüttelt, es den Menschen nicht einfach macht. Trotzdem hat er eine klare Botschaft, ein riesiges Charisma, dem man Vertrauen schenkt und folgt."
„Für mich bildet es eine alte Ikone von Taizé ab, die Jesus mit einem Freund darstellt. Ich verstehe Jesus als Freund, der die Schritte meines Lebens ganz nah begleitet. Gleichzeit ist er der Herr, der alle Aufmerksamkeit, Verehrung und Hingabe verdient."
„Herr und Gott, Erlöser und Heiland"
Für mich gibt Jesus Antwort auf die Frage nach den großen Geheimnissen des menschlichen Daseins: „Woher komme ich? Wohin gehe ich? Welchen Sinn hat mein Leben?" (Kardinal Franz König) Für mich ist Jesus die Antwort auf diese Fragen, weil er mir Gott zumutet, weil er mich in die Freiheit führt, mich aufmerksam macht, wie Leben gelingen kann, mich und alle Menschen zum Leben in Fülle führen will.
Herzliche Einladung mit anderen über diese Frage ins Gespräch zu kommen!


 

Atem.Pause am 13.11.2020: Thema „Hirte sein"
Martin Lesky

Ich möchte heute dem Bild des Hirten nachgehen. Gerade in der jetzigen Coronazeit brauchen wir gute Hirten. Was kennzeichnet einen guten Hirten? Dazu gibt es eine Antwort im Johannesevangelium: „Amen, amen, das sage ich euch: Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber. Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe. Ihm öffnet der Türhüter, und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus. Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus, und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme." (Joh 10,1-4)

Zuerst der Blick auf die Schafe: Wie leben Schafe, was brauchen Schafe? Sie brauchen Gras, Wasser, Salz, sie blöken, wärmen sich gegenseitig, geben sich gegenseitig Schatten. Sie sind ein Herdentier, sind neugierig – heben ganz aufmerksam ihre Köpfe und horchen, die großen achten auf die kleinen Schafe, reiben sich, fühlen sich wohl miteinander, wollen geführt werden, haben ein weiches Fell.

Dann der Blick auf den Hirten: Er kennt jedes einzelne Schaf, auch beim Namen, die Schafe kennen seine Stimme, er geht der Herde voraus, er hat einen Stock und einen Mantel, er lebt mit den Schafen. Es wird unterschieden zwischen Dieb/Räuber und Hirte. Die Diebe und Räuber geht nicht durch die Tür, hat unlautere Absichten, nimmt etwas weg, hat seinen eigenen Vorteil im Blick. Der Hirt geht durch die Tür. Er ist für die Schafe da. Er schaut, dass sie genug zum Fressen haben, genug zum Trinken, Salz haben, kümmert sich um die Schwachen, trägt das kleinste, hat genügend Zeit für sie, ist verlässlich, schützt vor Gefahren – vor Wölfen, Dieben und Räubern. Er meint es gut mit ihnen. Der Hirte beschützt sie und führt sie hinaus, damit sie gut leben können – Leben in Fülle haben. Sie hören auf seine Stimme und folgen ihm nach.

Manchmal sind wir gerne Schaf, lassen uns führen, genießen den Schutz, wollen uns sicher fühlen, wollen beim Namen gerufen werden. Und manchmal braucht es uns als Hirten, dass wir auf die Schwachen schauen, uns einsetzen, dass alle genug zum Essen haben, dass niemand vergessen wird, indem wir Orientierung geben, indem wir vorangehen, neue Wege beschreiten, in die Freiheit führen.

Wo dürfen wir Schaf sein? Wo braucht es uns als Hirten?


 

Atem.Pause am 06.11.2020: Thema „Warum/wozu braucht es Kirche?"
Martin Lesky

Laut einer aktuellen europäischen Wertestudie hat die katholische Kirche in den letzten 30 Jahren an Vertrauen verloren. Um Vertrauen herzustellen müssen wir meiner Meinung nach die Frage beantworten: „Warum/wozu braucht es Kirche?" Ich habe dazu mehrere Leute befragt:
„Kirche braucht es um das ständige Rad – alles läuft, wird perfektioniert ... - zu unterbrechen und dafür ein Zeichen zu sein, dass das Leben mehr ist."
„Verbundenheit mit Christus, Verbundenheit untereinander, Verbundenheit mit der Weltkirche, Verbundenheit mit den Armen."
„Kirche braucht es für die Heiligung und Mission. Um den Transzendenzbezug zu einem persönlichen Gott zu finden. Um eine persönliche Beziehung zu einem persönlichen Gott aufrecht zu halten und zu pflegen. Um auf ein gemeinsames Ziel, das ewige Leben, zuzusteuern."
„Damit die Erinnerung an Jesus Christus und an seine Botschaft nachhaltig präsent bleibt und gehört wird und in einem gemeinschaftlichen Ringen aktualisiert wird."

Diese Antworten zeigen uns, dass die Kirche zu einem „mehr" führen, einen Sinn im Leben erschließen will. Jesus beruft uns in der Kirche zu einem neuen Lebensstil, zu einer neuen Art von Beziehung zu Gott, zu anderen und zur Welt. Wir brauchen einen Perspektivenwechsel. Wo ist dieser in der Kirche erkennbar?

„Soziologisch ausgedrückt soll die Kirche Gegenkultur sein. Eine Gemeinschaft, deren Lebensstil dem Strom der herrschenden Kultur entgegenläuft. Es ist ein Stil, bei dem es um Kooperation geht, statt um Konkurrenz, um Geben statt Nehmen, um Teilen statt Horten, um Hingabe statt Bequemlichkeit, um Glauben statt Wissen, um Beziehung statt Anonymität, um Liebe statt Feindschaft. Durch die Mitgliedschaft im Leib Christi wird dieser Lebensstil zur Teilhabe am Leben Christi. Die jesuanische Lebensweise bekommt ihre Kraft vom heiligen Geist und vermittelt sich durch eine leibliche Gemeinschaft, die Jesus als den Herrn und Haupt hat." aus: Richard Rohr, Das entfesselte Buch. Eine Einführung in die Bibel – Altes und Neues Testament. Herder Verlag, Freiburg 2003.

Wie leben wir den Lebensstil Jesu? Wie zeigen wir, dass das Leben mehr zu bieten hat?


 

Atem.Pause am 30.10.2020: Thema „Was mir heilig ist?"
Martin Lesky

Wir feiern am Sonntag das Fest Allerheiligen. Ein erster Impuls zu diesem Fest war für mich, verschiedene Leute zu fragen, „Was ist mir heilig?"
„Meine Spiritualität"
„Das Leben und die Schöpfung"
„Da wo ich lebe, Beziehung, Privatleben, Freiheit, Familie"
„Das Leben!"
„Das Allerheiligste"
„Mein Seelenleben"
„Eine gute Balance zwischen Arbeit und Freizeit. Und Heiligkeit heißt, dass diese Balance schwer zu erreichen ist."

Ein zweiter Impuls war die Frage, was bedeutet heilig sein. Heiligsein bedeutet, dass ein Mensch in seinem Leben Gott und damit die Heiligkeit Gottes erfahrbar und erlebbar gemacht hat. Es bedeutet nicht, dass jemand keine Fehler und Schwächen hat oder dass er moralisch unfehlbar oder „dem Leben entrückt" ist, sondern dass Gott ihn in den Wirkungskreis seiner Gnade stellt und gestellt hat. Heiligkeit ist somit eine Aussage über Gottes Heilswirken.

Ein dritter Impuls geht zu den Seligpreisungen, die im Evangelium an Allerheiligen in der Liturgie gelesen werden (Mt 5,3-12). Jesus beginnt mit verschiedenen Situationen und Gefühlszuständen in unserem Leben: Armut, Trauer, Sanftmut und preist dann jene, die sich für andere einsetzen: Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit ... Selig die Barmherzigen ... Selig, die Frieden stiften ... Heilig sein könnte für uns bedeuten, dass wir andere Menschen loben und preisen, für ihren langen Atem in schwierigen Situationen, für ihre Geduld im Leiden, für ihr Engagement für andere, für ihren Einsatz für die Schöpfung usw.

Wo kann ich jemanden einen Zuspruch machen, vielleicht jemanden, der oder die es nicht von mir erwartet?
Wo kann ich „heilig" sein?


 

Atem.Pause am 23.10.2020: Thema „Was müsste Kirche bieten, dass ich wieder hingehen würde?"
Martin Lesky

Ich habe vier „kirchenferne" Personen – Katholikinnen, die ich nicht am Kirchplatz treffe, gefragt: „Was müsste Kirche bieten, dass ich wieder hingehen würde?"
„Ganz ehrlich? Was mir fehlt ist die Freude, Begeisterung, die Gemeinschaft, mehr so ein Gefühl von den Leuten, die da sind. Wenn dann dazu noch ein Spirit erfahrbar ist, dann würde ich hingehen."
„Ist ganz schwierig. Es gibt gute Leute, die mir gute Gedanken geben. Aber ich bräuchte eine Gruppe, eine Gemeinschaft, in die ich integriert bin, mich wohl fühle. Wenn jemand, der mich mag, mich kennt, mir einen Schupfer gibt und sagt gehen wir mal hin. Es heißt nicht, dass ich keinen Glauben habe, es zieht mich derzeit nicht hin."
„Schwere Gewänder sind nicht mehr zeitgemäß. Sich von dem alten Kirchenbild lösen, von Macht und Geld, mit dem sich Kirche viel geholt hat. Junge Leute suchen wieder dunklen, stillen Raum. Viele machen Yoga. Sich aus dem Buddhismus was abschauen. Gefühl von Freiheit, Geborgenheit und Gemeinschaft vermitteln, gemeinsam an etwas glauben."
„Was heißt Kirche? Ist damit der Gottesdienst gemeint? Mit Kirche verbinde ich die Machtfrage, Frauenfrage, gefühlter Staub, enges Korsett, altes Familienbild, Sünde und Strafe, verkrustete Struktur. Was würde passieren, wenn ein Pfarrer die weibliche Seite Gottes zur Sprache bringen würde? Was müsste passieren, dass ich mich eingeladen fühle? Alles ist mit allem verbunden (Amazonien Synode). Wenn ich spüren würde, dass Offenheit da ist. Wenn es eine ungezwungene Begegnung mit einer Person aus der Pfarre auf dem Marktplatz geben würde."

Mir fällt auf diese Antworten Apg 2,44-47 ein: „Und alle, die gläubig geworden waren, bildeten eine Gemeinschaft und hatten alles gemeinsam. Sie verkauften Hab und Gut und gaben davon allen, jedem so viel, wie er nötig hatte. Tag für Tag verharrten sie einmütig im Tempel, brachen in ihren Häusern das Brot und hielten miteinander Mahl in Freude und Einfalt des Herzens. Sie lobten Gott und waren beim ganzen Volk beliebt. Und der Herr fügte täglich ihrer Gemeinschaft die hinzu, die gerettet werden sollten." Hier ist von Gemeinschaft die Rede, vom gemeinsamen Spirit, der von allen gelebt wird, der spürbar wird. Aber einen großen Unterschied sehe ich zu den Antworten der vier Frauen. Sie wünschen sich eine Kirche, die aus den eigenen vier Wänden hinausgeht, die auf (kirchenferne) Menschen zugeht.
Wo erlebe ich ein „Hinausgehen" von Kirche? Wo kann ich auf Menschen zugehen, die ich nicht am Kirchplatz treffe? Wie kann ich Glauben zum Thema machen?


Atem.Pause 16.10.2020: Zwischen Dank und Klage, Jakob Bürgler

Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden besteht immer aus ganz konkreten Menschen, die zusammenkommen. Sie ringen um eine gemeinsame Deutung des Lebens. Kirche geht nur zusammen mit anderen Menschen: Jesus ist nicht in der Wüste geblieben und nicht allein umhergezogen. Vielmehr hat er sehr früh andere in das Verständnis seiner Aufgabe einbezogen. Er hat Menschen in seiner Nähe geschult – mit mehr oder weniger großem Erfolg – und sie dann in die Verkündigung und Sammlung entsandt (Mk 3,14).

Paulus hat das dann ohne unmittelbare Zeitgenossenschaft mit Jesus erstmals in größeren Dimensionen realisiert: Immer wird die Frohe Botschaft unmittelbar von Mensch zu Mensch weitergereicht und bezeugt. Und sie wird gemeinsam vertieft und gefeiert. ...
Welche Elemente von Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden wirklich wichtig sind, können wir im Blick auf unsere eigene Erfahrung herausfinden. Welche Menschen haben mich denn in den Glauben geführt oder gelockt? Wer hat mich im Glauben bewahrt und wer hat mich tiefer hingeführt? Solche Erinnerungen können zu einer Danklitanei in meinem Beten werden, zu einer Art privater Heiligenlitanei: Die Schutzpatrone meiner Kirchenzugehörigkeit und meines Glaubens.
Und eine zweite Frage: Wie bin ich denn diesen Menschen begegnet? Das kann mich ins Gebet darum führen, dass solche Begegnungen auch weiterhin zustande kommen mögen, auch noch in unseren Zeiten, in denen sich alles zu verändern scheint. ...
Der andere und die andere sind ... ganz konkret anders als ich. Das macht sie aus, aber das ist auch ihre Zumutung. Sie kommen möglicherweise zu anderen Einschätzungen oder Handlungsweisen als ich. Aus diesem Grund gibt es in dieser Kirche, selbst in der anfänglich kleinen Jüngerschar, von Beginn an Probleme. ...
Wer sind die Menschen in unserer Kirche, die es mir persönlich schwerer machen zu glauben? Wer sind die Menschen in unserer Gemeinschaft der Glaubenden, deren Positionen oder Verhalten mir unerklärlich, unverständlich oder inakzeptabel erscheinen? Mit diesen Fragen zu beten kann mein Gebet zu einer persönlichen Klagelitanei formen: Ein Gebet für die, trotz derer ich noch glaube. Und ein Gebet, dass ich mehr vergebe als mich verbeiße.
Und staunend stelle ich fest: Welch ein Wunder, dass die Kirche überhaupt die Frohe Botschaft so lange Zeit bewahrt hat, obwohl sie und der Glaube daran in so zerbrechlichen Gefäßen weitergereicht werden. Und eines dieser zerbrechlichen Gefäße bin sogar ich selbst.

Axel Bödefeld SJ, aus: Jesuiten 2020/2, 22-23.


 

 

Atem.Pause am 09.10.2020: Thema „Verbindung zu Gott"
Martin Lesky

Wer fällt mir ein, wenn ich nach Menschen suche, die eine direkte Verbindung zu Gott haben? Als erstes fällt mir Moses ein, der das erste Mal beim brennenden Dornbusch die Stimme Gottes hört. Beim Auszug aus Ägypten ist Moses immer wieder mit Gott im Gespräch. Auf dem Berg Horeb erhält Mose von Gott die 10 Gebote, die heute noch unser Zusammenleben bestimmen. Als zweites fällt mir Ezechiel ein, zu dem Gott sagt: „Menschensohn, stell dich auf deine Füße, ich will mit dir reden." (Ez 2,1) Und dann fällt mir Jesus ein. Bei seiner Taufe im Jordan ertönt aus dem Himmel Gottes Stimme: „Das ist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden." (Mk 1,11) In Jesu Reden und Tun wird für mich immer wieder deutlich, dass Jesus in einer direkten Verbindung zu Gott steht.

Ich habe mehrere Personen gefragt, wenn sie eine direkte Verbindung zu Gott herstellen könnten, welche Frage sie ihm stellen würden.
„Was sollen wir tun? Was willst du, dass ich tun soll? Wie hättest du mich gern? Hast du dir das so gedacht, wie es ist?"
„Wie geht es dir Gott, wenn du das viele Leid auf der Erde siehst?"
„Wie siehst du die Rolle der Frau in der Kirche?"
„Was passiert im Leben nach dem Tod und sehe ich meine Geliebten, die schon tot sind, wieder?"
„Wie viel Wahrheit steckt in der Bibel?"
„Warum passiert viel Ungerechtes oder vermeintlich Ungerechtes? Kann Gott uns Tipps und Tricks geben, wie wir einen leichteren Zugang zu ihm bzw. eine stärkere Verbindung oder Beziehung zu ihm aufbauen können?"
„Warum lässt du das Leid zu?"

Welche Fragen würden Sie ihm stellen? Und wie können Sie eine direkte Verbindung zu Gott aufbauen?


 

Atem.Pause am 02.10.2020: Thema „Beziehung zu Jesus"
Martin Lesky

Heute möchte ich der Frage nachgehen, wie ich eine Beziehung zu Jesus aufbauen kann? Dazu ist mir eine Stelle aus dem Johannesevangelium eingefallen: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe. Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet. Dies trage ich euch auf: Liebt einander!" (Joh 15,13-17)
Ich habe wieder verschiedene Leute gefragt, wie ich eine Beziehung zu Jesus aufbauen kann.
„Wenn ich im Evangelium lese."
„Wenn ich mit ihm im Gespräch bleibe."
„Durchs Beten, wenn ich in die Kirche gehe und mich mit den anderen verbinde."
„Auf ihn hinschauen, wenn ich ihn wahrnehme im Gebet, in der Meditation."
„Indem ich an ihn denke."
„Für mich selber klar werden, was mir Glaube bedeutet, um dann eine Beziehung aufbauen zu können."
„Wie jede andere Beziehung auch – zuerst die Begegnung suchen, dann in Kommunikation treten, Interesse zeigen und regelmäßig auf einen Ratscher gehen."
Jetzt versuche ich, diese Aussagen mit der Stelle aus dem Johannesevangelium zu verbinden: Jesus sagt, „ich habe euch alles mitgeteilt"," ich habe euch erwählt", „dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt". Beziehung oder Freundschaft zu Jesus ist einerseits Geschenk, andererseits zeigt sie sich in der Frucht, in der Liebe zueinander. Beziehung zu Jesus braucht also Zeit, um gut in mich hineinzuhören, auf ihn zu hören, im Gebet mit Jesus ins Gespräch kommen und seine Vision von einer gerechten Welt, von einem neuen Miteinander weiterzutragen und zu leben. Diese Beziehung zu Jesus wünsche ich uns allen und lade ein, darüber nachzudenken, welche Bedeutung Jesus für mich und mein Leben hat.


 

 

Atem.Pause am 25.09.2020: Thema „Heimat"
Martin Lesky

Einer meiner Lieblingspsalmen ist der Psalm 4. In meiner Studienzeit habe ich ihn auswendig gelernt und rezitiere ihn gerne am Abend oder in besonderen Situationen. Die ersten Verse lauteten: „Wenn ich rufe, erhöre mich, Gott du mein Retter, du hast mir Raum geschaffen, als mir Angst war, erhöre mich und sei mir gnädig." In der neuen Einheitsübersetzung hat sich einiges verändert: „Wenn ich rufe, gib mir Antwort, Gott meiner Gerechtigkeit! Du hast mir weiten Raum geschaffen in meiner Bedrängnis. Sei mir gnädig und hör auf mein Flehen!"
Mir ist dieses Raum geben so wichtig. Gott gibt uns diesen weiten Raum, in dem wir uns entfalten und leben können. Vielleicht könnten wir diesen Raum mit Heimat übersetzen. Ein ehemaliger Landesrat hat vor fast 20 Jahren bei einer Veranstaltung gesagt: „Kirche muss allen Menschen Heimat geben, vor allem jenen, deren Leben in Brüche gegangen ist!" Gott gibt allen Menschen Raum und unsere Aufgabe als Kirche ist es, vor allem auf die Menschen zu schauen, die durch Schicksalsschläge oder eigenes Unvermögen in Trennung, ausgegrenzt oder in Armut leben.
Was heißt beheimatet sein in der Kirche, in einer Pfarrgemeinde. Ich habe mehrere Personen gefragt, wie sie den Satz „daheim fühle ich mich in der Pfarre, wenn" fortführen würden. Ich bekam sehr unterschiedliche Antworten.
Daheim bin ich, wo ich mich wohl fühle, wo die Menschen sind, die ich liebe.
Daheim fühle ich mich in der Pfarre, wenn ich etwas zu tun habe.
Daheim fühle ich mich, wenn ich mich im Gottesdienst wohl fühle.
Daheim fühle ich mich in der Pfarrgemeinde, wenn eine Atmosphäre des Miteinanders, des Wohlwollens, der gemeinsamen Wegsuche für alle stattfindet.
Daheim fühle ich mich in der Pfarre, wenn ich verstanden bin, wenn ich bekannte Menschen treffen kann, wenn ich mich austauschen kann, ohne mich zu verstellen und so sein kann wie ich bin.
Daheim fühle ich mich in der Pfarre, wenn niemand ausgegrenzt wird und gemeinsam nach Wegen gesucht wird, das Evangelium miteinander zu leben.
Heimat ist einerseits etwas, was wir von Gott geschenkt bekommen, andererseits entsteht sie durch ein gemeinsames Tun und unseren Umgang miteinander. Es ist unsere Aufgabe als Kirche miteinander allen Menschen Heimat zu geben. Ganz egal, ob es Menschen auf der Flucht sind, Menschen die ihre Heimat verloren haben, ob sie bedürftig sind oder ob es Menschen sind deren Leben in die Brüche gegangen sind. Ich lade ein, darüber nachzudenken, wo wir Menschen Heimat geben können.


 

Atem.Pause am 11.09.2020: Thema „Wie kann sich Kirche erneuern?"
Martin Lesky

Angesichts von vielen Menschen, die sich von der Kirche abwenden, frage ich mich, was es zur Erneuerung und zum Aufbau von Kirche braucht. In Epheserbrief 4,11-13 ist von einem fünffachen Dienst die Rede: „Und er gab den einen das Apostelamt, andere setzte er als Propheten ein, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer, um die Heiligen für die Erfüllung ihres Dienstes zu rüsten, für den Aufbau des Leibes Christi. So sollen wir alle zur Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, damit wir zum vollkommenen Menschen werden und Christus in seiner vollendeten Gestalt darstellen."
Ich frage mich, was sind heute Apostel*innen, Prophet*innen, Evangelist*innen, Hirt*innen, Lehrer*innen und woran erkennen wir sie?
Ein Apostel*innen – übersetzt Gesandter – ist jemand, der von Jesus Christus direkt mit dem Auftrag der Verkündigung des Glaubens beauftragt wurde. „Wenn ein Apostel auftaucht, geraten Dinge in Bewegung. Neues beginnt." (Jens Kaldewey)
Die Prophet*innen waren und sind immer ein Störfaktor. Sie zeigen Einseitigkeiten, Mängel, Fehlentwicklungen auf. Sie konfrontieren die Menschen mit der Wahrheit, von der gerne weggeschaut wird. Ein Prophet rückt zurecht.
Evangelist*innen geben Zeugnis von ihrem Glauben an die Auferstehung. Sie sehnen sich nach der Ausbreitung des Reiches Gottes an ihrem Ort und fragen, wie Gott ursprünglich „Gemeinde" geplant hatte.
Hirt*innen fragen nicht nach besonderen Leistungen, sie haben Interesse an den Menschen. Sie führen auf die Weide hinaus, sie kennen die Wasserstellen, wissen was die Herde braucht und geben ihnen das, was sie brauchen.
Lehrer*innen „ziehen den Vorhang zur Seite, der die Schrift so oft verdeckt" (Jens Kaldewey)
Wir brauchen in unserer Kirche wieder eine Rückbesinnung auf diesen fünffältigen Dienst. Denn wenn ein oder mehrere Dienste z.B. in einer Gemeinde fehlen, dann gibt es Wachstumsstörungen oder Lähmungen. Es braucht alle fünf Dienste zum gesunden Wachstum einer Gemeinde.
Von diesem Wachstum mit einem klaren Ziel ist in Epheser 4,15-16 die Rede: „Wir wollen uns, von der Liebe geleitet, an die Wahrheit halten und in allem wachsen, bis wir ihn erreicht haben. Er, Christus, ist das Haupt. Durch ihn wird der ganze Leib zusammengefügt und gefestigt in jedem einzelnen Gelenk. Jedes trägt mit der Kraft, die ihm zugemessen ist. So wächst der Leib und wird in Liebe aufgebaut."
Welche Menschen fallen mir zu den fünf Diensten ein? Welche Dienste werden in unserer Kirche oft vernachlässigt?


 

Atem.Pause am 04.09.2020: Thema „Beteiligung oder Elemente einer zukunftsfähigen Kirche"
Martin Lesky

Auf einer Radtour diesen Sommer in der Südsteiermark der Mur entlang haben meine Frau und ich in Halbenrein bei Bad Radkersburg eine Rundkirche entdeckt. Sie ist der Heiligen Dreifaltigkeit geweiht. Die Initiative ist von einer Familie ausgegangenEine der Initiator*innen erzählt, dass sich alles gefügt hat und es dadurch jetzt mehr Zusammenhalt gibt. Es ist schön, dass alle Dorfbewohner*innen dieses Projekt mittragen und unterstützen. Auslöser war, dass bei einem furchtbaren Gewitter niemand verletzt wurde und dass ein Atomkraftwerk auf der slowenischen Seite der Mur nicht gebaut wurde. Aus Dankbarkeit wurde dann diese Kapelle an diesem Ort gebaut. Und es ist ein guter Ort, zu dem viele Leute kommen und zur Ruhe kommen. Ein Gebet, von Hand geschrieben, hängt an der Wand: „Ruhender Raum, in dem ich zur Ruhe kommend dich ahnen kann. Göttlicher Raum, du öffnest dich meinem Suchen, du schenkst mir den Atem deiner Weite und Freiheit. Und wenn ich Zuflucht brauche, hüllst du mich, schützende, heilige Höhle." Ihre Dankbarkeit drückt sich auch darin aus, dass sie in der Kapelle Spenden für Kinder in Kamerun in Afrika sammeln.
Beteiligung ist ein Grundzug in Jesu Reden und Tun. Er bezieht die Menschen um sich herum ein. Den Jüngern sagt er: „Gebt ihr ihnen zu essen!" (Lk 9,13). Bei der Begegnung mit dem blinden Bettler Bartimäus sagt Jesus: „Ruft ihn her!" (Mk 10,49) Zu Zachäus, der auf den Maulbeerfeigenbaum klettert sagt Jesus: „Zachäus komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus bleiben." (Lk 19,5) Jesus beteiligt die Menschen und führt sie dadurch in (Eigen-)Verantwortung. Eine zukunftsfähige Kirche braucht dieses Element der Beteiligung, der Eigenverantwortung, dass sich die Menschen für ihre Kirche verantwortlich fühlen und mit ihrer Begeisterung andere anstecken.
Ein Gebet in der Deifaltigkeitskapelle lautet: „Wir haben Gott bewusst in den Mittelpunkt unseres Dorfes gestellt, möge er uns allen ein frohes, zufriedenes Herz schenken, uns den rechten Weg weisen und die ganze Menschheit zur Einsicht und Umkehr bringen, damit sei wieder verantwortungsbewusster und ehrfurchtsvoller mit Gottes Schöpfung umgehe!"


 

Atem.Pause am 28.08.2020: Thema - Maria und Marta in mir
Theresia Stonig

Der Sommer, die Ferien, die Urlaubszeit geht zu Ende, schön langsam kehrt in den Büros wieder der Arbeitsalltag ein, Schülerinnen und Schüler starten bald wieder in den Schulalltag. Die Arbeit ruft und damit oft auch der Stress, das Getrieben-Sein von vielen Aufgaben.

Mir fällt die Bibelerzählung von Marta und Maria ein. Die zwei Schwestern sind mit Jesus befreundet und Jesus kommt in ihr Dorf und sie nehmen ihn freundlich auf. Marta kümmert sich um sein Wohlergehen, tischt Speisen und Getränke auf und ist ganz in ihrem Element als Gastgeberin. Maria aber setzt sich zu Jesus und hört ihm zu. Marta würde sich wünschen, dass ihre Schwester auch was tut. Auf Marta's Klage hin sagt Jesus: Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen, Maria hat den guten Teil gewählt.

Marta ist Gastfreundschaft wichtig, sie hat viel zu tun und bemüht sich, ihrem Freund was Gutes zu tun. Maria nutzt die Zeit, sich mit Jesus zu unterhalten, anwesend zu sein.
Ich verstehe Marta, wenn sie ungehalten ist, dass Maria nichts tut und noch dazu sagt Jesus dann, dass Maria das Gute gewählt hat. Ist ihre Arbeit nichts wert?
Doch, ihre Arbeit ist wertvoll, aber Jesus will ihr sagen, dass sie auch die Ruhe, die Pause, die Zeit zum Zuhören braucht.

Diese Geschichte von Maria und Marta zeigt mir, dass eine gute Balance zwischen Arbeit und Pause, zwischen Tun und Zuhören, zwischen Geschäftigkeit und Freundschaftspflege wichtig ist. Ich denke dass es in jedem von uns eine Marta und eine Maria gibt, manchmal sind wir mehr Marta und manchmal mehr Maria. Es ist wichtig darauf zu schauen, dass beide ausreichend Platz haben, dass es neben aller Arbeit und Mühe Zeit für Gott, für die Mitmenschen und für einen selber gibt.

Schauen wir immer wieder darauf, wer gerade in mir vorherrscht – Maria oder Marta und nehmen wir uns bewusst Zeit, Maria zu sein.

Marta wohnt in mir
In meiner Arbeit.
In meiner Fürsorge und Geschäftigkeit.

Maria wohnt in mir
In meinem Zuhören.
In meinem Hören auf dich, Gott.

Es braucht beides.
Gott, schenke uns
den Fleiß von Marta und die offenen Ohren von Maria
Gott, schenke uns
Hände, die Gutes tun und Ohren, die Zuhören.
Gott, schenke uns
beides in einem guten Verhältnis.

Gott segne und begleite uns
Im Namen des Vaters
und des Sohnes
und des Heiligen Geistes. Amen.


 

Atem.Pause am 31.07.2020: Thema „Was heißt Reich Gottes für mich?"
Theresia Stonig

Heute feiern wir das Fest des Hl. Ignatius von Loyola. Er wurde im Mai 1491 in Spanien geboren und starb am 31. Juli 1556 in Rom. Er war der wichtigste Mitbegründer und Gestalter der Gesellschaft Jesu - des Jesuitenordens - und wurde 1622 heiliggesprochen. Im Krieg gegen französische Truppen durch eine Kanonenkugel am Bein schwer verletzt, hatte er während der Zeit im Krankenlager sehr viel Zeit zum Lesen. Er las eine Sammlung von Heiligenlegenden und eine Lebensbeschreibung von Jesu Christi. Das brachte ihn zum Nachdenken. Während er sich im Kloster Montserrat erholte entschied er sich für eine radikale Änderung seines Lebens, er legte die Ritterausrüstung ab und verließ das Kloster als Bettler und Pilger. Er zog sich ein Jahr lang in Manresa in die Einsamkeit zurück und schrieb seine großen inneren Erlebnisse in seinem Exerzitienbuch nieder und ist damit der Begründer der Ignatianischen Exerzitien, den geistlichen Übungen. Sie enthalten Anleitungen zum Gebet, zur Meditation und zur Unterscheidung der Geister.

Im Rahmen meiner Ausbildung habe ich vor zwei Wochen an ignatianischen Exerzitien teilgenommen. 7 Tage Schweigen, Beten, Nachdenken. Klingt schwierig, war aber sehr schön und hat gut getan. Kein Handy, keine Nachrichten, komplett offline – Zeit für sich selbst, für die Schönheit der Natur, für Gott im Gebet, in der Bibelbetrachtung und im Gottesdienst. Zeit zum Nachdenken über das eigene Christsein.

Dabei hat mich eine Bitte aus dem Vater unser besonders beschäftigt. Wir bitten: dein Reich komme.
Was heißt das?
Mein Exerzitienbegleiter hat dafür eine schöne Antwort: Das Reich Gottes ist dort, wo Gott das Sagen hat.
Für mich heißt das, dass das Reich Gottes dort entsteht, wo Barmherzigkeit, Liebe und Versöhnung gelebt wird.

Und ich habe noch andere Menschen befragt, wie sie sich das Reich Gottes vorstellen. Als Antworten hörte ich:
Das Reich Gottes ist dort,
• wo alle in Frieden leben
• wo es allen Menschen gut geht
• wo jeder so sein kann, wie er ist und angenommen wird
• wenn spürbar ist, dass der Heilige Geist lebendig ist
• wenn ich mit Menschen unterwegs bin und spüre, dass ich getragen bin und so sein darf, wie ich bin und eine innere Zufriedenheit wahrnehme.
• und wenn jeder so sein darf, auch der am Straßenrand sitzt, ein Bettler, ein Alkoholtrinkender, ...

Ich lade dazu ein in einer Zeit der Stille darüber nachzudenken, was das Reich Gottes bedeutet und was wir selbst zum Reich Gottes beitragen können. 


 

Atem.Pause am 17.07.2020: Thema „Zu wem würde Jesus heute gehen?"
Martin Lesky

„Als Jesus die vielen Menschen sah, die um ihm waren, befahl er, ans andere Ufer zu fahren. Da kam ein Schriftgelehrter zu ihm und sagte: Meister, ich will dir folgen, wohin du auch gehst. Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann." (Mt 8,18-20)
Jesus hat keinen festen Ort, wo er wohnt und sich aufhält. Jesus ist unterwegs. Er geht dorthin, wo die Menschen sind. Einige Beispiele aus dem Matthäusevangelium, wohin Jesus geht: Am See von Galiläa, in ganz Galiläa, in den Synagogen, auf den Berg, nach Karfarnaum, in das Gebiet der Gadarener, durch alle Städte und Dörfer, durch die Kornfelder, an das Ufer des Sees, in Häuser, in seine Heimatstadt, nach Gennesaret, in das Gebiet von Tyrus und Sidon, in das Gebiet von Cäsarea Philipi, in das Gebiet von Judäa jenseits des Jordan, nach Jerusalem ...
Und es sind dort ganz unterschiedlichen Menschen, denen Jesus begegnet: Fischer, seine Jünger, Kranke, viele Menschen, Aussätzige, ein Hauptmann, Besessene, ein Schriftgelehrter, ein Gelähmter, ein Zöllner, die Jünger des Johannes, ein Synagogenvorsteher, Kinder, Blinde, ein Stummer, die Pharisäer, ein Mann mit einer verdorrten Hand, seine Mutter und seine Brüder, eine kanaanäische Frau ...
Jesus ist unterwegs, ist bei den Menschen, hat Interesse an den Menschen.

Ich habe verschiedene Leute gefragt, wohin Jesus heute gehen würde:
„Vermutlich zu einem Open Air Kino im Zeughaus im Sommer oder zu einer anderen Kulturveranstaltung."
„Jesus würde googeln und schauen, wo Leute eine Sehnsucht haben oder nach Sinnangeboten suchen."
„Zu den Menschen am Rand, zu den Menschen, die ihn einlassen, die offen sind für ihn."
„Es gibt so viele Orte, wo Jesus notwendig wäre. Er würde in die Maria-Theresien-Straße gehen, zu den Menschen, die mit Einkaufstaschen herumrennen, zu den Touristen aus verschiedenen Ländern, den Menschen, die besorgt sind, zu den Straßenmusikern, zu denen, die an den Hauswänden sitzen, teilweise als Bettler oder mit Weinflasche, zu Menschen, die sich nicht mehr aus dem Haus trauen und vereinsamen, sicher auch zu den Jugendlichen, die an illegalen Ravepartys teilnehmen."
„Jesus würde sich zu den Flüchtlingen ins Boot setzen, er würde die Slums besuchen und die Reichen in Europa und ihnen sagen, was Gerechtigkeit ist und wie sie daran teilhaben können."
„Dort wo es ihn hinzieht, weil er für alle Menschen da ist."
„Nach Afrika und Südamerika, zu den alten Leuten im Altersheim. Viele würden ihn nicht erkennen, selbst nicht die Hochfrommen."

Eine herzliche Einladung, mit anderen über Jesus ins Gespräch zu kommen, fragen, erzählen, Jesus mit meinem Leben in Verbindung bringen ...


  

Atem.Pause am 10.07.2020: Thema „Was mir Glaube bedeutet?"
Martin Lesky

Die Emmausgeschichte spricht mich immer wieder neu an. Ich habe vor einiger Zeit dem Autor des Buches „Jesus für Kleinbauern" Reinhard Körner geschrieben und gefragt, was wohl Jesus den beiden Emmausjüngern geantwortet hat. Seine Antwort fasziniert mich: „Jedenfalls "brannte ihnen das Herz" (Lk 24,32) - also muss er etwas gesagt haben, das in ihren Herzen noch als "Glut" vorhanden war, bloß mit Asche drüber - und als er mit seinen Worten die Asche wegpustete, schlug die Glut wieder Flammen. Ich denke, der Evangelist (Lukas) hat nicht miterzählt, was genau Jesus gesagt hat, damit der/die Leser/in/Hörer/in ins eigene Herz schaut und darauf achtet, womit der auferstandene Jesus ihm heute die Asche wegpustet und die noch vorhandene Glut wieder auflodern lässt. Diese Glut ist unser Glaube. Und als Jesus diesen Glauben wieder zum Brennen gebracht hat, sie die Zusammenhänge verstanden haben, da haben die Jünger wieder eine Perspektive gesehen, Sinn erfahren. Jetzt laufen sie nach Jerusalem zurück, um den anderen Jüngern von ihren Erfahrungen zu erzählen.

Diese Glut, unser Glaube ist wesentlich. Er ist die Antriebsfeder für unser Tun. Ich habe verschiedene Personen gefragt, was ihnen Glaube bedeutet. Die Antworten motivieren mich, dieses Thema weiterzudenken.

„Glaube bedeutet für mich Vertrauen, dass es gut wird."
„Glaube ist mir Orientierung, Sinn, Lebenselixier, Freude und führt zu einem gelingenden Leben."
„Glaube bedeutet für mich Halt im Leben und schenkt mir Gemeinschaft."
„Glaube ist für mich einerseits Halt und Sicherheit, andererseits ein ständiges Ringen und Kämpfen ihn lebendig zu halten. Glaube liegt zwischen rational und emotional, zwischen ankommen und hinterfragen. Es braucht ein ständiges arbeiten darum, was auch anstrengend sein kann."
„Glaube bedeutet für mich Vertrauen, dass ich mich verlassen kann, das Wissen, dass ich nicht allein bin. Glaube gibt mir Zuversicht."
„Glaube bedeutet für mich, dass ich von Gott geliebt bin, dass ich in allen Situationen des Lebens begleitet bin, dass Gott mit mir auf dem Weg ist und dass ich im Vertrauen auf Gott, alle Situationen meistern kann."

Eine herzliche Einladung, Glaube zum Thema zu machen, andere zu fragen, was ihnen Glaube bedeutet, anderen erzählen, was mir mein Glaube bedeutet.


 

Atem.Pause am 03.07.2020: Thema „Wo ist mir Gott begegnet?"
Martin Lesky

In der Zeitschrift JOYCE schreibt Elena Schulte: „Wenn du das nächste Mal in deine Gemeinde gehst, dann erzähle doch einfach mal einer Person dort, was Gemeinde dir bedeutet. Wo bist du hier – durch Menschen, Lieder, Predigten, Begegnungen, Erlebnisse – Gott begegnet? Woran merkst du, dass dies der Ort ist, an dem Gott wohnt und sein Geist weht?"

Ich habe wieder verschiedene Personen gefragt und habe interessante und inspirierende Antworten bekommen:
Ich merke es an meinem Berührtsein. Wenn ich berührt bin durch die Gemeinschaft, die ich erlebe oder durch den Kirchenraum. Manchmal ist es auch einfach die Ruhe, die ich empfinde.
Ich merke es an dem Interesse. Wenn jemand in der Gemeinde Interesse zeigt, nachfragt wie es dir geht, in der Trauer nachfragt, bei der Geburt eines Kindes fragt, wie es mir geht. Wenn du drei Wochen wegbleibst und jemand nachfragt, ich habe dich drei Wochen nicht mehr gesehen, wie geht es dir? Inter-esse – das dazwischen ist wichtig.
Ich spüre Gott, wenn ich in der Natur unterwegs bin, in schönen Landschaften, wenn die Sonne hineinscheint.
Gemeinde ist überall dort, wo Menschen zusammenkommen, um zu beten. Gott ist in allen Dingen, in jedem Moment anwesend, manchmal mehr spürbar, manchmal weniger. Für mich ist er vor allem im Gebet und im Lesen der Bibel spürbar.
Ich merke es in Situationen von Freude und Leid, bei Taufen, im Abschiednehmen von Menschen. Eltern und Großeltern erleben die Geburt eines Kindes als besonderes Element der Freude und des Beschenkt seins, als Gottes Geschenk. Die Suche, wohin der Mensch unterwegs ist und die dankbare Erinnerung hilft die Trauer zu bewältigen – und dies wird als Gotteserfahrung erlebt.

Ich glaube, wenn wir damit anfangen, mehr über Gott zu sprechen und über das, was uns an Kirche begeistert, wo sie uns guttut und wie sehr wir sie schätzen, dann wird das andere anstecken. Dann kann sich eine Kultur entwickeln, in der Gott Raum bekommt und sich sein eigenes Haus mit Freude, Lachen, Segen und Heiligkeit füllt. Herzliche Einladung dazu!


 

Atem.Pause am 26.06.2020: Thema Barmherzigkeit
Martin Lesky

Jesus sagt: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!" (Lk 6,36) oder „Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden." (Mt 5,7). Was heißt für mich, für dich, für uns Barmherzigkeit? Ich habe mehrere Personen gefragt, was für sie Barmherzigkeit bedeutet. Eine Person sagte: Barmherzigkeit heißt für mich so zu leben, dass es den anderen gut geht. Eine zweite Person sagte: Barmherzigkeit heißt für mich auf Menschen zugehen, Menschen so annehmen wie sie sind, ohne sie verändern zu wollen. Eine dritte Person sagte: Barmherzigkeit heißt für mich zuerst zuhören, dann helfen, ohne die Erwartung, dafür ein Danke zu bekommen. Eine vierte Person sagte: Barmherzigkeit hat etwas mit Herz zu tun. Und dann mit Gerechtigkeit – jemandem gerecht werden.

Bischof Joachim Wanke formuliert in den neuen 7 Werken der Barmherzigkeit:
„Einem Menschen sagen:
1. Du gehörst dazu.
2. Ich höre dir zu.
3. Ich rede gut über dich.
4. Ich gehe ein Stück mit dir.
5. Ich teile mit dir.
6. Ich besuche dich.
7. Ich bete für dich."
Im Gleichnis vom barmherzigen Samariter in Lk 10,30-37 erzählt Jesus die Geschichte von einem Mann, der überfallen wurde. Schwer verletzt bleibt er liegen. Es kommen ein Priester und ein Levit vorbei. Beide gehen weiter. Dann die große Überraschung. Ein Samaritaner kommt vorbei, ein Fremder, jemand der einer anderen Religion angehört als der Überfallene. Dieser hilft dem Überfallenen. Jesus will uns damit sagen, dass wir auch den Menschen helfen sollen, mit denen wir nichts zu tun haben. Barmherzigkeit geht also einen Schritt weiter, weitet unseren Horizont. Wir kennen die Geschichte, wie sie weitergeht. Der Samariter hob den Überfallenen auf sein Reittier und brachte ihn zur Herberge. Er weiß, dass er nicht alles allein tun muss, nimmt aber seine Verantwortung wahr, indem er den Überfallenen zur Herberge bringt und für seine Pflege dort bezahlt.
Barmherzigkeit hat verschiedene Facetten. Ich lade ein, darüber ins Gespräch zu kommen, jemanden zu erzählen, was für mich Barmherzigkeit bedeutet oder jemanden fragen, was er oder sie unter Barmherzigkeit versteht.
Herzliche Einladung dazu!


 

Atem.Pause am 19.06.2020, Herz-Jesu-Freitag
Martin Lesky

Jesus sagt: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben." (Joh 10,10). Mir ist beim Hören dieses Satzes in der letzten Weggemeinschaft auf einmal eine Frage aufgetaucht: Wenn „Leben in Fülle" oder „Gutes Leben für alle" das Ziel von Kirche ist, wie muss sie dann agieren?

Ich möchte der Frage nach Leben in Fülle heute nachgehen. Dazu habe ich vier Personen befragt: Die erste Person meinte, die Woche von Montag bis Freitag ist so gefüllt, dass es das Wochenende, Samstag und Sonntag braucht, um wieder zur Ruhe zu kommen. Die zweite Person meinte sie lebe in Fülle. Gerade heute habe sie sich gedacht, dass sie einfach zufrieden ist, dass sie wieder die sozialen Kontakte hat, sich mit Freunden treffen kann, Leben in Fülle hat. Eine dritte Person sagte, Leben in Fülle heißt Zufriedenheit, mit allen Bereichen des Lebens in Einklang sein, ausgewogen sein. Eine vierte Person meinte, ein frohes und geglücktes Leben in Frieden und Einklang, wie es dem jüdischen Schalom entspricht. In Frieden sein mit Gott, mit den Menschen um mich herum, mit der Umwelt und mit mir selbst.
Genug zum Leben haben und etwas mehr, sich zufrieden fühlen, was kann dann Kirche noch geben? Was ist dann noch Aufgabe der Kirche? Wir sind in der Spur Gottes, wenn es uns um das Leben in Fülle, um gutes Leben für alle geht, wenn wir die „Liebesgeschichte" Gottes mit den Menschen, die in Jesus von Nazareth sichtbar und spürbar und greifbar geworden ist, fortsetzen, leben, weiterschreiben, durch unseren ganz konkreten Einsatz für Menschen am Rand der Gesellschaft, einsame Menschen, suchende Menschen, Obdachlose, Menschen, die behindert werden usw. Wir wollen den Traum Gottes wachhalten, den Traum, dass alle Menschen Leben in Fülle haben können, auch die Flüchtlinge in Griechenland, auch die Menschen in Afrika, deren Lebensgrundlage durch den Klimawandel verloren gegangen ist, auch die Menschen, die bei uns unter der Armutsgrenze leben ...

Ich möchte Dich und Sie einladen, über das Leben in Fülle ins Gespräch zu kommen, jemanden danach fragen und selber zu sagen, was es für mich bedeutet.

Anschrift

Diözese Innsbruck
Msgr. Mag. Jakob Bürgler
Bischofsvikar für missionarische Pastoral
Domplatz 2
A-6020 Innsbruck

Instagram

Infoscreen

Suchen ...

... und finden

GEISTreich - Diözese Innsbruck  
ImpressumLinksammlungDatenschutzKontakt

powered by webEdition CMS