Wer ist Jesus Christus für dich?


Im heutigen Sonntagsevangelium fordert Jesus seine Jünger zur Stellungnahme und zur Klarheit heraus. Seine Frage ist top-aktuell. Gedanken von Bischofsvikar Jakob Bürgler dazu lesen Sie im Link.

24. Sonntag im Jahreskreis
12. September 2021

Mk 8,27-35
27 Jesus ging mit seinen Jüngern in die Dörfer bei Cäsarea Philippi. Auf dem Weg fragte er die Jünger: Für wen halten mich die Menschen? 28 Sie sagten zu ihm: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für sonst einen von den Propheten. 29 Da fragte er sie: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete ihm: Du bist der Christus! 30 Doch er gebot ihnen, niemandem etwas über ihn zu sagen. 31 Dann begann er, sie darüber zu belehren: Der Menschensohn muss vie-les erleiden und von den Ältesten, den Hohepriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er muss getötet werden und nach drei Tagen auferstehen. 32 Und er redete mit Freimut darüber. Da nahm ihn Petrus beiseite und begann, ihn zurechtzuweisen. 33 Jesus aber wandte sich um, sah seine Jünger an und wies Petrus mit den Worten zurecht: Tritt hinter mich, du Satan! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen. 34 Er rief die Volksmenge und seine Jünger zu sich und sagte: Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. 35 Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten.

 

Vor einiger Zeit bin ich diesem Petrus begegnet, von dem das heutige Evangelium erzählt. Oder – besser gesagt – dem, was von ihm verehrt wird. Es war bei der internationalen Ministrantenwallfahrt im Sommer 2018, die uns nach Rom geführt hat. Da haben wir den Petersdom besichtigt, und ich hatte auch die Gelegenheit, die Ausgrabungen unter St. Peter zu besuchen. Für mich ein tiefer und besonderer Moment, so ganz nahe am Grab des Heiligen Petrus zu sein. Genau unter dem Papstaltar, über dem sich die berühmte Kuppel von Michelangelo erhebt; vor dem Altar die beeindruckende Confessio; und ganz im Zentrum ein paar Knochen, die zurückführen an den Beginn der Kirche, an den Beginn der christlichen Gemeinschaft.
Worin gründet unser Glaube? Worin gründet unsere Kirche? Ich habe erleben dürfen, dass das Leben und das Zeugnis von Petrus eine ganz wesentliche Wurzel ist, dass wir auf dem Leben und Zeugnis von Petrus und auch von Paulus aufbauen, dass wir von diesen beiden zentralen Personen getragen werden – bis heute.
Etwas von dieser Tragkraft des Petrus wird im heutigen Evangelium deutlich. Jesus stellt den Jüngern eine herausfordernde Frage: Wer bin ich – für die Menschen, die ihr kennt, und wer bin ich für euch? Ganz persönlich für euch. „Es ist immer leichter, die Meinungen anderer zu zitieren. Es ist auch noch relativ leicht, sich der Meinung anderer anzuschließen. Jetzt aber sind die Jünger gefordert. Jetzt muss es heraus. Für wen halten sie ihn? Was sie sagen werden, wird die Situation verändern, weil sie sich damit festlegen. Es ist ein wenig vergleichbar mit dem Verhältnis zwischen zwei Menschen, die sich ihre Liebe gestehen. Einmal ausgesprochen, ist eine Beziehung auf-gedeckt, die nur durch Widerruf oder Untreue rückgängig gemacht werden könnte." (Thomas Küttler, aus: Das Evangelium nach Markus. Bibelauslegung für die Gemeinde. Evangelische Verlagsanstalt Berlin 1990)
Wer etwas sagt und in Worte fasst, der legt sich fest. Es ist ja nicht so einfach gewesen: Jesus ist faszinierend, sicher. Aber ist er wirklich der Messias, der Gesandte von Gott? Kann und soll man wirklich auf ihn setzen? Auf ihn das Leben ausrichten? Pet-rus geht in eine starke Vorlage. Er legt ein starkes Bekenntnis ab. „Du bist der Christus!" (Mk 8,29). Das bedeutet: Dir Jesus vertrauen wir. An dir richten wir unser Leben aus. Du bist der Maßstab unseres Lebens. An einer anderen Stelle, nämlich dort, wo viele Jesus verlassen, wird Petrus sagen: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes." (Joh 6,68-69)
„Christlicher Glaube ist immer und von Anfang an Bekenntnis zu Jesus. Kein Für-Wahr-Halten oder Für-Richtig-Halten von diesem oder jenem, kein Übernehmen von Verhaltensmustern, auch nicht von Jesus, zumindest kein von ihm ablösbares Muster, sondern eine Beziehung, ein Verhältnis zu ihm. Christliches Bekenntnis sagt im Kern nicht: Das und das hat Jesus gelehrt, und das halten wir für gut und richtig. Sondern: Jesus ist der Christus, der Bevollmächtigte Gottes. Das ist nicht alles, was von Jesus zu bekennen ist. Aber es ist der entscheidende Anfang. Ihn als Elija oder Johannes den Täufer, als einen Propheten oder Religionsstifter oder Menschheitslehrer zu bezeichnen, hieße, ihn einzuordnen, zu etwas grundsätzlich Wiederholbarem zu machen. Ihn als Christus zu bekennen heißt, ihn als die einmalige, endgültige ... Offenbarung anzuerkennen." (Thomas Küttler, siehe oben) Vor allem anderen kommt im Christentum die Beziehung zu Jesus. Und an diesem Punkt ist Petrus unsere Wurzel.
Aber der Wind dreht sich noch einmal ordentlich. Das Bild, das Petrus vom Messias hat, ist noch nicht das richtige. Da muss er noch viel lernen. Petrus will nicht, dass Jesus auf Leiden und Tod zugeht, dass er verworfen wird, dass er einen derart bitteren Weg vor sich hat. Er macht ihm sogar Vorwürfe! Aber Jesus wird deutlich: „Tritt hinter mich, du Satan!" (Mk 8,33) Wörtlich übersetzt heißt es: „Hinter mich, Durcheinanderbringer!" Das bedeutet: Dein Platz ist hinter mir, nicht vor mir. Mit deinen Vorwürfen bringst du mich durcheinander. Nicht du gibst den Weg vor, sondern ich. Insofern sind diese starken Worte eine Bekräftigung des Bekenntnisses: Du Jesus, du bist der Messias, der Orientierungspunkt, der Maßstab, die Mitte.
Noch einmal kehre ich zu unserer Romwallfahrt zurück. Wir sind am Grab des Heiligen Petrus gestanden. Er steht an der Wurzel unseres Glaubens. Aber die Wurzel selbst ist er nicht. Vor seinem Grab steht eine sehr schöne Ikone, eine Christusikone, keine Petrusikone. Wer auf Petrus schaut, schaut auf Jesus Christus. So wie Petrus mit seinem Bekenntnis alles auf Jesus hin ausgerichtet hat. Jesus Christus ist die Wurzel. Und mit dieser Frage konfrontiert das Evangelium von heute auch uns, jede und jeden von uns: Und wer bin ich für dich?

Jakob Bürgler

Diese Predigt finden Sie hier auch als PDF.

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