Gesendet sein


Das Evangelium von diesem Sonntag berichtet von der Aussendung der Zwölf durch Jesus. Kerngedanken für uns: Dynamik, Einfachheit, Heilung. Gedanken von Bischofsvikar Jakob Bürgler finden Sie im Link.

15. Sonntag im Jahreskreis
11. Juli 2021

Mk 6,7-13
7 Er rief die Zwölf zu sich und sandte sie aus, jeweils zwei zusammen. Er gab ihnen Vollmacht über die unreinen Geister 8 und er gebot ihnen, außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen, kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel, 9 kein zweites Hemd und an den Füßen nur Sandalen. 10 Und er sagte zu ihnen: Bleibt in dem Haus, in dem ihr einkehrt, bis ihr den Ort wieder verlasst! 11 Wenn man euch aber in einem Ort nicht aufnimmt und euch nicht hören will, dann geht weiter und schüttelt den Staub von euren Füßen, ihnen zum Zeugnis. 12 Und sie zogen aus und verkündeten die Umkehr. 13 Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.

 

Es wird euch nicht überraschen, dass ich mit dem heutigen Evangelium eine Freude habe. Die biblischen Missionstexte liegen mir als Bischofsvikar für missionarische Pastoral sehr am Herzen. Und sie sind top-aktuell.
Jesus sendet die Zwölf aus. Er schickt sie auf Mission. Er stattet sie mit einem Auftrag und mit einer Grundorientierung aus. Man könnte zu jedem einzelnen Satz etwas sagen. Aber ich möchte mich auf drei Gedanken beschränken: Dynamik. Einfachheit. Heilung.

Dynamik
Eindrucksvoll wird schon im ersten Satz die Dynamik der christlichen Sendung deutlich, die Dynamik der Mission im Namen Jesu. Es ist eine Doppeldynamik: Komm! Und: Geh! Komm her und geh hinaus! „Er rief die Zwölf zu sich und sandte sie aus, jeweils zwei zusammen." (Mk 6,7)
Vor dem Hinausgehen kommt das Hinzutreten zu Jesus. Seine Nähe suchen. Bei ihm leben. Ihn kennenlernen. Sich von ihm berühren lassen. Sich von ihm umgestalten und prägen lassen. Das ist immer der erste Schritt. Ohne diese Intimität bei Jesus ist die Verkündigung und ist die Weitergabe des Glaubens nur ein Blabla. Oberflächliches Gerede. Substanzlos. Propaganda.
Und dann kommt der zweite Schritt: Hinausgehen. Die innere Berührung weitertragen und weitergeben. Die Menschen zu dieser selbst erfahrenen Nähe einladen und motivieren. Komm und geh.
Das ist eine Aufgabe für jeden Christen und jede Christin. Das ist die große Schule unserer Zeit. Das haben wir zu lernen. Glaube wird nur durch die erlebte und erfahre-ne Nähe und Freundschaft zu Jesus und durch das Hinausgehen und Weitererzählen weitergegeben.
Davon spricht Papst Franziskus in seinem Schreiben „Evangelii gaudium": „Die neue Evangelisierung muss ein neues Verständnis der tragenden Rolle eines jeden Getauften einschließen. Diese Überzeugung wird zu einem unmittelbaren Aufruf an jeden Christen, dass niemand von seinem Einsatz in der Evangelisierung ablasse; wenn einer nämlich wirklich die ihn rettende Liebe Gottes erfahren hat, braucht er nicht viel Vorbereitungszeit, um sich aufzumachen und sie zu verkündigen; er kann nicht darauf warten, dass ihm viele Lektionen erteilt oder lange Anweisungen gegeben werden. Jeder Christ ist in dem Maß Missionar, in dem er der Liebe Gottes in Jesus Christus begegnet ist." (EG 120)

Einfachheit
Ausführlich wird im Evangelium dargestellt, was die Zeugen für Jesus und für den Glauben nicht mitnehmen sollen, was also unwichtig ist. Die andere Frage lautet: Was ist wichtig? Was ist entscheidend? Jesus nennt zwei Dinge: Den Wanderstab und die Sandalen. „... und er gebot ihnen, außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen, ... an den Füßen nur Sandalen." (Mk 6,8-9)
Der Wanderstab bedeutet: Auf dem Weg bleiben. Sich nicht fest-setzen. In der Dynamik des Aufbrechens bleiben. Sich immer von Unerwartetem überraschen und beschenken lassen. Sich lenken lassen. Den Weg der Menschen nach-gehen. Dorthin gehen, wo die Menschen sind.
Sandalen bedeuten: Keine festen Schuhe. Leichtes Material. Spürsam bleiben: Denn Unebenheiten und das, was die Erde ausmacht, sind durch Sandalen hindurch spürbar. Sich von den Menschen und ihrem Leben, ihrem Lebensschicksal, berühren lassen.
In allem geht es darum, den Menschen und ihrem Leben nahe zu sein. Entscheidend ist ein einfacher Lebensstil. Und damit verbunden auch ein einfacher „Charakter": Es muss sich nicht alles um den Boten drehen und sich an ihm orientieren! Es darf gar nicht so sein! Wenn alles kompliziert wird, dann stimmt etwas nicht mehr. Das Leben und die Botschaft müssen zusammenpassen. Eine wichtige Frage: Lebe ich einfach und glaubwürdig?

Heilung
Die Heilung gehört zu den zentralen Aufträgen an die Gesendeten, an die Missionare. Jene, die im Namen Jesu wirken, haben den Auftrag, zu heilen. „Und sie zogen aus und verkündeten die Umkehr. Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie." (Mk 6,12-13)
In der vergangenen Woche durfte ich wieder einmal einen Gottesdienst im Tiroler Hospizhaus feiern. Für mich ist das immer eine sehr bewegende Stunde. Der Raum ist gesättigt. Gesättigt mit Trauer, Wehmut, Schmerz, Loslassen, Ohnmacht, aber auch mit Hoffnung, Sehnsucht nach Heilung, Dankbarkeit. Und mitten in all dem feiern wir dann die Eucharistie. Nahrung auf dem Weg und Stütze fürs Leben.
Nach dem Gottesdienst habe ich zwei Menschen das Sakrament der Krankensalbung gespendet. Auch wieder sehr berührend. Eine „Infusion der Kraft" im letzten Lebensstadium. Beide Personen sind am nächsten Tag verstorben.
Beim Gespräch mit dem Seelsorger habe ich etwas neu verstanden. Es gilt zu unterscheiden zwischen Gesund-Werden und Heilung. Das eine ist das körperliche Aufleben des kranken Menschen. Das andere ist noch viel mehr: Es ist eine Heilung, die den ganzen Menschen umfasst.
Heilung kann bedeuten: Den inneren Frieden finden. Sich endlich versöhnen. Zu den eigenen Lebenswunden ja sagen. In einen schweren Weg einwilligen. Die bitteren Lasten Gott übergeben können. Entdecken, wie wohl Dankbarkeit tut. Ja sagen zu den eigenen Tränen und Zweifeln. Und auch: Ein Stück Erleichterung finden. Manchmal überraschend aufleben können.
Jesus sendet uns, dass wir Menschen heilen. Ein wunderbarer Auftrag. Ein Auftrag für die kommenden Sommerwochen. Menschen Heilung bringen.

Jakob Bürgler

Die Predigt finden Sie hier auch als PDF.

 

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Diözese Innsbruck
Msgr. Mag. Jakob Bürgler
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