Wir brauchen die Erinnerung


Der Abend des Gründonnerstags ist eine Stunde der Erinnerung. Jesu Lebenshingabe wird in der Erinnerung gegenwärtig. Gedanken dazu von Bischofsvikar Jakob Bürgler lesen Sie im Link.

Gründonnerstag / 1. April 2021

 

Fast jeden Abend als Spitzenmeldung in den Nachrichten: Ein Bericht über Corona. Fixer Teil dabei ist die Statistik. Die Zahl der Neuinfektionen. Die Belegung der Krankenhäuser und Intensivstationen. Der Wochenschnitt. Die aktuelle Inzidenzzahl. Je länger die Pandemie dauert, umso eindringlicher werden diese Zahlen präsentiert. Manchmal hat man den Eindruck, dass die andauernde Wiederholung und Erinnerung den corona-müden Menschen klar machen soll, wie schwierig die Lage ist und wie sehr die Einhaltung der Regeln geboten ist. Eine mahnende, eine ermahnende Erinnerung. Eine Erinnerung an eine Gefahr, die an diesen schönen, warmen Tagen wie weggeblasen scheint.

Beim Nachdenken über die Lesungen des Gründonnerstags hat mich das Wort „Erinnerung" sehr angesprochen. Über die positive Bedeutung dieses Wortes möchte ich ein wenig nachdenken.

Wer sich nicht erinnert, der vergisst alles und sein Leben wird flach und wurzellos und unbedeutend. Die Erinnerung sammelt die Kostbarkeit, die Schönheit, die Bedeutung. Deshalb ist es so wichtig, dass wir uns an bedeutende Ereignisse immer wieder be-wusst und aufmerksam erinnern.
Ein kleines Beispiel: Vor kurzem habe ich meine Nichte in Lienz besucht, und meine Schwester und ich haben uns daran erinnert, mit welch großer Zuneigung und Liebe unsere Mama das kleine Mädchen Valentina angenommen und versorgt hat.

Der Abend des Gründonnerstags ist durch und durch ein Abend der Erinnerung. Das Volk Israel feiert das Paschafest in Erinnerung an den wunderbaren und eindrücklichen Auszug aus dem Sklavenhaus Ägypten. Alles, was an diesem Abend vorgesehen und geregelt ist, trägt den „Geschmack" der Erinnerung: Die Bereitung des Lammes, das ungesäuerte Brot, die Bitterkräuter. Das, was damals geschehen ist, wird hereingeholt in die Gegenwart, wird gegenwärtig, wird lebendig. Von neuem bricht das Volk auf. Von neuem geschieht Befreiung.
Paulus berichtet der Gemeinde in Korinth, was er als Tradition erlebt hat und was auf Jesus selber zurückgeht. Jesus nimmt Brot und bricht es. Und er deutet es als seinen Leib, den er verschenkt und hingibt. Jesus nimmt den Kelch und deutet den Wein als Blut, das vergossen wird, als neuen Bund Gottes mit den Menschen. Und dann zweimal der Auftrag: Tut dies zu meinem Gedächtnis. Tut dies zur Erinnerung an mich und an meinen Tod. „Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt." (1 Kor 11,26) Erinnerung an Jesus. Erinnerung, die das, was geschehen ist, gegenwärtig sein lässt.

„Durch mein Gedächtnis kann ich in meiner Phantasie und in meiner inneren Vorstellungskraft ganze Begebenheiten wieder holen und damit Erlebnisse und Erfahrungen ‚von früher' vergegenwärtigen." So schreibt Elmar Gruber in seinen Sonntagsgedanken. Die biblische Erinnerung ist noch mehr: „In der Gedächtnisfeier des Abendmahls wird uns die gesamte Jesuswirklichkeit gegenwärtig. Durch das Essen (und Trinken) von Brot (und Wein) wird sie zu unserer eigenen Lebenswirklichkeit..." (Elmar Gruber, Sonntagsgedanken. Lesejahr B. Don Bosco Verlag 1999)
Wie das Volk Israel immer wieder von neuem hineingenommen wird in den wunderbaren Abend der Befreiung und des Auszugs, so werden wir immer wieder von neuem hineingenommen in die Stunde des Mahles und damit in die Hingabe Jesu. Wie in ein Kraftfeld, das stets neu Leben schenkt und Freude und Erlösung und Heilung.

Dabei setzt die Erinnerung innen an. Das, was außen, in Riten, geschieht, greift tiefer und tiefer ins Innere ein. Und wandelt. Und nährt. Bitten wir Gott darum, dass die Fei-er der Erinnerung in dieser Stunde uns innerlich „packt" und durchwirkt und uns ganz eng mit Jesus Christus verbindet.

Jakob Bürgler

Diese Gedanken finden Sie hier auch als PDF.

 

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Diözese Innsbruck
Msgr. Mag. Jakob Bürgler
Bischofsvikar für missionarische Pastoral
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