1. Adventssonntag, 03.12. 2023, Mk 13,24-37,
Prof. Dr. Dominik Markl SJ, Katholische Fakultät, Institut für Bibelwissenschaften und Historische Theologie
Wach sein – aber wie?
Es gibt ganz unterschiedliche Arten, wach zu sein. Eine ist die rastlose Schlaflosigkeit. Du bist getrieben von Sorgen und quälender Überforderung, es gibt keinen Frieden mehr. Du bist übermüdet und ausgebrannt, an echte Erholung ist nicht mehr zu denken. Wer unter Schlaflosigkeit gelitten hat, weiß, wie aufreibend und zerstörerisch sie ist. Gegen sie hilft nur heilsamer Schlaf.
Eine andere Art könnten wir als alarmierte Wachsamkeit bezeichnen. Sie ist notwendig und hilfreich, wenn das Leben vor besondere Herausforderungen stellt. Ein Patient droht zu verbluten – Stresshormone verleihen der Ärztin im Nachtdienst höchste Leistungsfähigkeit, bis das Leben gerettet ist. Ein Durchbruch zeichnet sich ab – der Forscher bleibt bis tief in die Nacht im Labor, bis das Ergebnis sich bestätigt. Ähnlich auch die politische Wachsamkeit der Propheten und der Journalisten, von der sich Menschen anstecken lassen. Die Alarmsignale ringsum sind nicht zu übersehen, die Zeiten der behaglichen Gemütlichkeit sind vorüber. Politischer Alarm weckt Zivilcourage.
Dann gibt es aber auch eine dritte Art – das Wachsein in freudiger Erwartung. Die Kinder bleiben am Abend lange auf, bis ihre Mutter endlich von der Reise heimkommt. Nächtliche Strapazen werden mühelos, wenn sie das Wiedersehen mit einem geliebten Menschen ermöglichen. Wie anders fühlt sich dieses Wachsein an als die beiden anderen. Solche Wachsamkeit in freudiger Erwartung stellt Jesus als Lebensgefühl vor Augen. Sie befreit von rastloser Schlaflosigkeit. Auch die alarmierte Wachheit kann in ihr geborgen sein. Denn wir leben in Erwartung eines tiefen Geheimnisses. Die langen Nächte des Advent und das Glitzern des Schnees im Schein des Mondes, sie können wieder den Sinn für das Geheimnisvolle in uns wecken. Wir leben hin auf eine noch ganz verborgene, erfüllende und vervollkommnende Begegnung.
Fragen zum Weiterdenken:
1. Wie erlebe ich derzeit mein Wachsein? Rastlos? Alarmiert? Freudig?
2. Was weckt in mir den Sinn für das Geheimnis am tiefen Lebensgrund? Was ruft freudige Erwartung in mir wach?
Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der missionarischen Pastoral der
Diözese Innsbruck, www.geistreich.tirol
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Kategorie: Hinführung, Lesejahr B
Datum: 03.12.2023
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