Glaube als Ermächtigung


Das Evangelium erzählt, dass Jesus nach Kafarnaum zieht und die Menschen zur Umkehr aufruft. Die Relevanz dieses Textes für das persönliche Leben erschließt Bischofsvikar in einer Predigt, die sich im Link findet.

3. Sonntag im Jahreskreis
22. Jänner 2023
Semesterschlussgottesdienst / Jesuitenkirche

„Eigenartig wird das von Matthäus erzählt. Jesus hört: Man hat Johannes eingesperrt. Johannes hatte den Mund zu weit aufgemacht, hatte den König kritisiert; der ließ ihn ins Gefängnis werfen. Und nun fängt Jesus an zu predigen. ... Aber er tauft nicht wie Johannes, er geht nicht an den Jordan, er schart nicht die Leute aus der Hauptstadt um sich... Stattdessen zieht sich Jesus nach Galiläa zurück, in die Berge, nach Norden, dorthin wo die Hinterwäldler wohnen, dorthin, wo auch er aufgewachsen ist ... über hundert Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Hat Jesus Angst? Ist er vorsichtig? Fühlt er sich zu Hause sicherer als dort, wo man Johannes gefangengesetzt hat?" (Helmut Schütz, https://bibelwelt.de/naftali-sebulon/) Wir wissen es nicht. Aber eines wird bald klar: Jesus versteckt sich nicht. Er zieht sich nicht zurück. Er beginnt seinen Weg mit Klarheit und Entschiedenheit.
● „Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen..." (Mt 4,13)
Das klingt wie eine Nebenbemerkung. Aber in diesem kleinen Satz steckt mehr. Jesus geht weg von Nazaret und schlägt seine Zelte in Kafarnaum auf. Das bedeutet: Jesus verlässt sein Elternhaus. Er macht sich selbstständig. Er nabelt sich ab. Er beginnt ein Leben auf eigenen Beinen. Er nimmt sein Leben selbst in die Hand. Heute würde man vielleicht sagen: Ein Schritt der Individuation. Vielleicht sind diesem Schritt auch einige Konflikte vorausgegangen. Oder Klärungsprozesse. Oder Situationen, in denen die Eltern nicht verstanden haben, was Jesus vorhat und will.
Individuation. Ich werde ich. Ich gestalte mein Leben. Ich treffe eigene Entscheidungen und bin auch verantwortlich für sie. Ich suche mir einen Ort, an dem ich zuhause bin, wo ich mich verankern kann. Das klingt wie aus dem Leben von Studierenden.
Und bei dieser Frage nach dem eigenen Lebenskonzept, nach der eigenen Wurzel, geht es auch um den Glauben. Entweder ich sage mich los von dem, was mir die El-tern beigebracht haben, oder ich entdecke in all dem einen tiefen Sinn, oder ich finde ganz neu in die Welt des Glaubens hinein. Der Glaube als Ort der inneren Heimat. Er ist eine Wurzel, die mich trägt. Und dafür braucht es eine Entscheidung – so wie bei Jesus.
● „Das Land Sebulon und das Land Naftali ... das heidnische Galiläa: Das Volk, das im Dunkel saß, hat ein helles Licht gesehen..." (Mt 4,15-16)
Sebulon und Naftali. „Diese Namen erzählen eine Geschichte, die war den Juden zur Zeit Jesu noch allzuvertraut, eine tieftraurige Geschichte der Verzweiflung. Naftali und Sebulon waren nämlich die Stammesgebiete Israels gewesen, ganz hoch im Norden des Landes, die als erste total erobert worden waren von der assyrischen Weltmacht. ... In den ehemals israelitischen Gebieten wurden viele Fremde angesiedelt, die behielten das Sagen; ein Land, in dem man vorher an den Gott Israels geglaubt hatte, wurde praktisch wieder heidnisches Land. ... verschüttet war die Erinnerung an den alten Glauben, verschleppt, verstorben, vergessen waren ja die alten Propheten, die alten Gottesmänner." (Helmut Schütz, https://bibelwelt.de/naftali-sebulon/)
Jesus geht dorthin, wo nicht alles klar ist. Er geht in die „Dunkelheit". Er stellt sich den Herausforderungen. Er wählt nicht den einfachen, nicht den leichten Weg. „Dass Jesu Wahl auf diesen Ort gefallen ist, gibt Aufschluss darüber, dass er mit seinen Predig-ten nicht nur seine Landsleute erreichen will, sondern all diejenigen, die an diesem Sammelbecken der Nationen, diesem ‚heidnischen Galiläa', wie er es nennt, gestrandet sind." (Papst Franziskus, Worte, die das Herz berühren. Bonifatius-Verlag 2022, 66.) Das ist auch unser Platz als Kirche heute, unser Platz als Unipfarre. Wir sind keine Festung. Wir mischen uns hinein und ein – im guten Sinn des Wortes.
● „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe." (Mt 4,17)
Jesu Botschaft ist nicht „Friede, Freude, Eierkuchen". Jesu Botschaft hat mit Reflexion zu tun, mit Auseinandersetzung, mit Arbeit an sich selber. Es geht um Umkehr, Erneuerung, inneres Wachstum. Christsein ist herausfordernd. „Wichtig ist: Umkehr bedeutet nicht einfach nur, die Art, wie wir leben, zu ändern, sondern auch die Art, wie wir denken. Es geht um eine Erneuerung unseres Denkens. Wir sollen nicht nur neue Kleider anziehen, sondern ein neues Herz soll in uns schlagen!" (Papst Franziskus, Worte, die das Herz berühren. Bonifatius-Verlag 2022, 66.)
Umkehr im Sinne Jesu ist nicht eine moralische Keule, die vor allem schlechtredet und kritisiert und in den Fehlern fixiert. Umkehr ist eine Einladung, neu zu denken, anders zu denken, den eigenen Blick zu verändern. Denk neu! Gehe heraus aus den altern Mustern, die dich nicht weiterführen. Lass dich ein auf eine Botschaft, die dein Herz verändert.
Umkehren, neu denken – weil etwas Positives wartet. Der Aufruf Jesu ist positiv konnotiert. „Das Himmelreich ist nahe." Umkehren also nicht, weil Strafe droht oder Unheil, weil vielleicht jemand böse ist oder beleidigt, sondern weil es etwas zu gewinnen gibt.
Das Himmelreich, die Welt, in der sich ein Grundstrom an Leben, an Freude, an Glück zeigen, diese Welt ist der Grund für die Veränderung und die Umkehr. Diese Welt gilt es zu gewinnen.
Ich bin fest davon überzeugt, dass in jedem Menschen die Sehnsucht nach einem „Mehr" im Leben gibt. Die Sehnsucht nach mehr Sinn, Freude, Zufriedenheit, Glück. Jeder Mensch sehnt sich danach. Das Evangelium, die Frohe Botschaft Jesu, der Glaube: Sie können das ein Stück schenken. Deshalb: Kehre um! Erneuere dein Leben!
Und damit sind wir bei uns selber – vom Evangelium her gesagt: Werde du selbst! Entscheide dich! Geh hinein in die Herausforderungen der Welt! Zeige dort deinen Glauben! Und: Erneuere dich! Gewinne ein Mehr an Freude und Sinn!

Jakob Bürgler

Die Predigt finden Sie hier auch als PDF.

 

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