Für die Weggemeinschaften und das persönliche Nachdenken daheim finden Sie hier die Hinführung zum Evangelium vom 12. Sonntag im Jahreskreis

Mit dem Evangelium auf dem Weg


Für die Weggemeinschaften und das persönliche Nachdenken daheim finden Sie hier die Hinführung zum Evangelium vom 12. Sonntag im Jahreskreis

12. Sonntag im Jahreskreis (B), 20.06.2021, Mk 4,35-41, Hinführung
Gudrun Guerrini, Bibelreferentin

Im Anschluss an die Verkündigung Jesu über das Reich Gottes (Mk 4,1-34) folgt beim Evangelisten Markus ein Paket mit 3 bzw. 4 Wundererzählungen (Mk 4,35-5,43). Das Evangelium vom 12. Sonntag im Jahreskreis „Der Sturm auf dem See" ist die erste davon. Jesus schlägt den Jüngern eine Bootsfahrt ans andere Ufer vor. Während er schläft, entsteht durch Starkwind und hohen Wellengang eine lebensbedrohliche Situation für die Bootsfahrer, sodass die Jünger den schlafenden Jesus wecken. Dieser reagiert prompt, spricht ein Machtwort und die Lage beruhigt sich augenblicklich.
Aber was ist das bloß für eine Geschichte? Eine spektakuläre Selbstinszenierung Jesu als Herr über Wind und Wetter, bei der seine Jünger wie die größten Angsthasen erscheinen, denen mangelnder Glaube attestiert wird?
Natürlich ist die Stillung eines Seesturms eine beeindruckende Sache. Derartige Naturwunder werden in der jüdischen Tradition nicht nur von Jesus erzählt. Gott selber ist es, der z.B. in der Jonageschichte (Jona 1, 3-15) als Herr über Wind und Meer schrieben wird, auch im Talmud gibt es ähnliche Motive. Für das jüdische Volk ist es also durchaus vorstellbar, dass durch Gottes Eingreifen der wildeste Sturm zur Ruhe gebracht wird. Die Frage der Jünger „Wer ist denn dieser, dass ihm sogar der Wind und das Meer gehorchen? (Mk 4,41) bleibt zwar im Evangelium an dieser Stelle unbeantwortet, vielleicht aber ahnen sie auch hier, dass Jesus „mit Gottes Vollmacht" am Werk ist.
Ist Angst ein Zeichen für schwachen oder fehlenden Glauben? Haben die Jünger spirituell versagt und sollten sich eigentlich schämen? Genau genommen tun sie in dieser lebensbedrohlichen Situation das einzig Richtige: Sie wenden sich an Jesus („Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen? - Mk 4,38) und sie erfahren, dass er rettend eingreift und die Gefahr für ihr Leben abwendet. Auch Jesus wendet sich in seiner Angst an Gott. Er spürt die Gefahr für sein Leben, wenn er am Ölberg bittet: „Herr, lass diesen Kelch an mir vorübergehen" (Mk 14,36), am Kreuz schreit er sogar laut sein Gefühl der Gottverlassenheit heraus (Mk 15,35). Wir kennen die Reaktion Gottes: Er rettet das Leben Jesu, indem er ihn auferweckt. Er zeigt, dass für alle Menschen diese Tür aufgeht, die über das irdische Leben hinausreicht.
Die ersten Christengemeinden haben Verfolgung erlebt und auch heute können an manchen Orten Menschen ihren christlichen Glauben nur unter Lebensgefahr ausüben. Im Bild gesprochen wird es für sie erst richtig stürmisch, weil Jesus in ihrem Leben mit an Bord ist. Ihr Glaube und ihre Zuversicht, dass sie die rettende Zuwendung Gottes in dieser Welt oder darüber hinaus erfahren, sind stärker als die Angst. Die Frage stellt sich für uns vielleicht nicht in dieser Radikalität aber dennoch: Was ist stärker, wenn es im Leben stürmisch zugeht: Die Angst oder die Zuversicht, die darin begründet ist, dass Jesus mit uns im selben Boot ist und das Leben letztlich in Gottes rettenden Händen liegt?

Fragen zum Weiterdenken:
1. Welche Ängste nehmen sie in Ihrem Umfeld wahr? Was macht Ihnen Angst? Wo/mit wem können Sie darüber sprechen? Welche Rolle spielt dabei das Gebet?
2. Wo werden gegenwärtig ChristInnen konkret benachteiligt und verfolgt? Was kann man tun, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen oder sich für sie einzusetzen?


 

Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der Missionarischen Pastoral der Diözese Innsbruck

Wer die Hinführung wöchentlich per email als pdf zugeschickt bekommen möchte, melde sich bei martin.lesky@dibk.at

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